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Amtliches Organ für StaSt^ unS LauöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Insertions- Preis : Die ispaltige Garmond­zeile »der deren Raum

Die 1'/,spaltige Zell« 15 4.

Die 2spaltige Zeil« 20 4.

Die 3spalti^e Zell«

Die 4spaltige Zell«

40,4.

Im Reklamenthelle Bit Zeile 20 4 netto.

Nr. 217.

Donnerstag den 16. September

1897.

„Amtliche Beilage" Nr. 63.

Amtliches.

Dicnstnachrichtcn ans dem Kreise.

Verloren: In der Nähe von Ostheim beim Manöver ein Fernglas (Feldstecher) ohne Futteral, ein Portemonnaie mit ca. 3 Mk. 50 Pfg.

Gefunden: Zwei Briefmarken (von der Post), ein goldener Fingerring, ein Glacehandschuh (rechter).

Gefunden zu Niederdorfelden: 1. eine Pferdedecke, 2. ein 3 Meter langes Stück Floßholz; Empfangnahme ad 1 bei Weißbinder Heinrich Bauscher 5er, ad 2 bei Ackermann Philipp Schott 7er zu Niederdorselden.

Ferner: Eine Remontoir-Uhr mit Kette, Empfangnahme bei Barbier Andreas Spindler zu Langendiebach; ein Revol­ver, Empfangnahme bei Makler Johann Konrad Schäfer ebendaselbst.

Abhanden gekommen: Ein vierräderiger Hand­wagen, die Deichsel mit einem Ring beschlagen.

Zugelaufen am Ostbahnhof: Ein weißer Jagdhund mit braunen Flecken mit Halsband, darauf der Name.

Hanau den 16. September 1897.

Accker- und Wicsenverpachtung.

Von dem in der Gemarkung von Hanau belegenen Domanialgrundbesitz sollen in Summe rund 157 Hektar Acker- und Wiesenländereien (— darunter auch die domänenfiskalischen Bruchwiesen —) in 220 bis 240 Parzellen bezwse. Pachtloosen vom 1. Jan«ar 1898 ab auf zwölf Jahre auf das Meist­gebot verpachtet werden.

Oeffentlicher Termin hierzu ist auf

■ Mittwoch den 22. und

Donnerstag den 23. dieses Monats, jedesmal von vormittags 8 Uhr ab, in das Sälchen der Kaiserlichen Bierwirthschaft in der Altstadt dahier anberaumt.

Aus angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.

Ausdrücklich wird bemerkt, daß das Pachtausgebot der „Bruchwiesen" am zweiten Terminstage stattfindet.

Hanau am 15. September 1897.

Der Königliche Domänenrath

Bell. 12837

Lagesschau.

Stapellauf. Wilhelmshaven, 15. Septbr. Bei der Taufe des neuen Panzerschiffes „Kaiser Wilhelm II.", dessen Stapellauf, wie bereits gemeldet, gestern stattfand, hielt Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich nachstehende Rede: „Herzlich willkommen heiße ich Dich am heutigen Tage du stolzer Bau, der du ein Erzeugniß bist menschlichen Geistes und fleißiger Hände Arbeit, und der du der hohen Bestimmung entgegengehst in erster Kampfeâlinie Deutschlands Wehrkraft zur See zu stärken. Deine Entstehung verdankt das deutsche Volk dem deutschen Kaiser, welcher, mit klarem Blick in die Zukunft schauend, unermüdlich thätig ist, dem deutschen Volke seine Ehre auf den Meeren zu sichern. Für- wabr, ein hohes und edles Ziel! Unübertroffen stark zu Lande, wehrhaft zur See, so möchte der Kaiser das deutsche Reich in unabhängiger Festigkeit dastehen sehen. Du sollst ein Denkmal sein für kommende Geschlechter, Du sollst ein Merkstein sein für die Entwickelung unserer Marine, du sollst daher am heutigen Tage einen Namen tragen, an den die deutsfle Marine ein Chrenrecht hat. Ich weiß mich eins mit der Marine in der Freude über diesen hohen Namen, den du nunmehr in Ehren tragen sollst, der unser Schlocht- und Sterberuf ist, — der Name, auf den ich dich mit Aller­höchster Genehmigurg taufe: „Kaiser Wilhelm II/ Bei der auf den Stapellauf folgenden Tafel im Marine-Kasino brachte Seine Königliche Hoheit der Prinz Heimich ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und später auch ein Hoch auf den kommandirenden Admiral, Admiral von Knorr aus.

Postdampfersubventionsvorlage. In den be- theiligten Interessentenkreisen hofft man sehr, daß die in der vorigen Tagung des Reichstages nicht zur Verabschiedung ge­langte Postdampfersubventionsvorlage diesen Winter ihre Er­ledigung finden werde, da die Entwickelung unseres ostasia­tischen Dampferverkehrs von der pfleglichen Behandlung der­

selben seitens des Reiches abhängt. Haupterforderniß ist größere Häufigkeit der Dampferverbindungen durch Expedirung eines Dampfers in Zwischenräumen von 14 Tagen statt wie bisher von 4 Wochen. Diese Verkehrsverbesserung liegt im Interesse der Passagier- und Briefbeförderuug sowie der Eil- flutseudungen. Ein besonderes Interesse an der weiteren Ausgestaltung der Reichspostdampferlinien nimmt schließlich die deutsche Kriegsmarine. Die von allen größeren See­staaten vorbereitete Heranziehung der großen Handelsdampfer zu Kriegszwecken nöthigt die deutsche Kriegsmarine dazu, neue transozeanische Dampfer für diesen Verwendungszweck schon beim Bau entsprechend einzurichten und bei sämmtlichen unter den Subventionsvertrag feilenden Dampfern durch eine ent­sprechende Bemannung die Verwendung im Kriege zu erleichtern. Die bisherigen Verträge sichern dies nicht in der erforderlichen Weise. Es liegt im Interesse der maritimen Landesvertheidi­gung, das bestehende Vertragsverhältniß so bald wie möglich einer Revision zu unterziehen.

Nothes Kreuz. Auf der am 1. Oktober in Darm­stadt stattfindenden Jahresversammlung des Verbandes Deut­scher Krankenpflege-Anstalten vom Rothen Kreuz werden nach Erstattung des Geschäftsberichts durch den Vorsitzenden Dr. Osius (Cassel) zur Erörterung kommen: „Die gemeinsame Hilfe im Kriegsfall und bei Epidemien" (Berichterstatter: Geh. Medizinalrath Dr. Eigenbrodt aus Darmstadt); „Das Verhältniß zu den sogenannten wilden Pflegerinnen" (Be­richterstatter: Dr. Cohn aus Frankfurt) und „Die Kriegs­ausrüstung und Stationirung der Schwestern vom Rothen Kreuz". In einer besonderen Sitzung wird Oberarzt Dr. Rumpel aus Hamburg den Schutz der Krankenpflegerinnen gegen Ansteckungsgefahr behandeln. Außerdem kommt noch eine Anzahl interner Gegenstände zur Berathung.

Die Stenographie als Lehrgegenstand in der englischen Armee ist verhältnißmâßig jungen Datums. Noch vor 7 Jahren spielte die Stenographie im englischen Heer­wesen so gut wie gar keine Rolle. Es gab nur ganz ver­einzelt Stenographiekundige, und noch geringer war die Zahl der Anlässe, wo man auf ihre diesbezüglichen Kenntnisfe rekurrirte. Erst in den letzten Jahren erkannte die englische Armeebehörde die Bedeutung der Stenographie für militärische Zwecke und that Schritte, diese Fertigkeit unter Offizieren und Mannschaften zu verbreiten. Es wurden stenographische Unterrichtskurse ins Leben gerufen, die Stenographie gelangte zur praktischen Verwendung im Bureaudienst; es wurden Reglements über die Ausbildung und Verwendung von Mili- tärstenographen erlassen, Wettschreiben mit Prämiirung der leistungsfähigsten Theilnehmer eingerichtet und Prüfungen ab­gehalten. Das in der englischen Armee eingeführte und allein Geltung habende System ist die Phonographie Sir Isaak Pitman's. In der Marine hat die Stenographie bis jetzt noch keine größere Verbreitung gefunden, doch ist die Befol­gung des von der Armee gegebenen Beispiels angeregt worden, sodaß sich auch im Marinedienste der Stenographie günstige Aussichten eröffnen.

22. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege.

Karlsruhe, 14. Septbr. Ueber den ersten Tag der Verhandlungen der 22. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege ist in Ergänzung der kurzen Meldung in voriger Nummer noch Folgendes nachzutragen: Dem von dem Generalsekretäre der Gelellschaft, Geh. Sani- tätsrath und Stadtarzt Dr. Spieß Frankfurt a. M., er­statteten Geschäftsbericht zufolge zählt die Gesellschaft augem blicklich 1425 Mitglieder, der Kasfenbestand beträgt 4073 Mark.

Ober-Ingenieur F. Andreas Meyer-Hamburg berichtete darnach über den Stand der Kehrichtverbrennung in Deutschland. In Hamburg sei seit lVs Jahren ein Verbrennungsofen errichtet worden, der wohl der größte der Welt genannt werden könne. Derselbe umfasse 36 Zellen, st ine Baukosten betragen 480 000 Mark, d. h. pro Zelle 13 333 Mark. Der Verbrennungsofen habe den an ihn ge­stellten Erwartungen vollständig entsprochen. Bedauerlich sei es nur, daß noch in vielen Städten, wie z. B. in Berlin, die Abfuhr des Hausunraths den Hauswirthen über (affin bleibe. Polizeihauptmonn Schloßky in Berlin habe sich in einer Schrift gegen die Verbreunungs Methode erklärt und be­hauptet, daß man in England von der Verbrennung desHans- unralhs schon wieder zurückkomme. Schloßky wolle den Kehricht lediglich als Ackerdünger benützen. Die Schrift Schloßly's habe die Hamburger Behörden veranlaßt,nochmals Ingenieure nach England zu entsenden. Letztere haben dort

erfahren, daß in England das Verbrennungssystem sehr er­freuliche Fortschritte mache. Auch in Nordamerika mache das Verbrennungssystem Fortschritte. Allgemein finde auch das Kehrichtverbrennungssystem in Deutschland immer mehr Ein­gang. In Zeiten der Epidemien werde dies System die besten Erfolge zeitigen. Stuttgart, Essen, Berlin, Köln, Cassel, Magdeburg, München uno Posen haben bereits große Massen Kehricht behufs Verbrennung nach Hamburg gesandt. In Stuttgart, Aachen und Essen gehe man mit der Absicht um, Verbrennungsöfen zu bauen. In einer schlimmen Lage befinden sich die Orte, wo Braunkohlen gebrannt werden, da die viele Braunkohlenasche das Verbrennen des Mülls unmöglich mache. In Leipzig habe man einen sogenannten Scherbenberg errichtet, auf den aller städtischer Unrath ge­schafft werde. Dies Verfahren dürste sich bei etwaigem Aus­bruch einer Epidemie schwer rächen. Die Abfuhr von Unrath auf landwirthschaftliche Aecker rechtfertige sich nur dann, wenn dieselbe tagtäglich geschehe. Es sei zu wünschen, daß das Kehrichtverbrennungssystem im Interesse der öffentlichen Ge­sundheit sich sehr bald allgemein einführen werde.

Der erste Vtrhandlungsgegenstaud bildete die Be­kämpfung des Alkoholmißbrauchs. Medizinalrath Professor Tuczek-München führte darüber u. A. aus: Die Trunksucht sei in allen Bevölkerungsklassen anzutreffen, obwohl sie die größte Verbreitung zweifellos in den unteren Klassen habe. Den Schwerpunkt bei allen Volkskrankheiten müsse man auf die Verhütung derselben legen. Erst in zweiter Linie sei auf Heilung bedacht zu nehmen. Eine vollständige Ausrottung des Alkoholgenusfes werde sich wohl nicht erreichen lassen. Dagegen dürfte sich eine Verminderung des Lasters herbeiführen lassen, indem für höhere Löhne, bessere Arbeils- bedingungen und ganz besonders für gute Wohnräume und gutes kräftiges Essen der Arbeiter gesorgt werde. Viel können zur Verminderung der Trunksucht Belehrung, fogenanr te Re­form-Restaurants, in denen keine alkoholischen Getränke ver­abreicht werden, Wärmehallen, Errichtung von Wasser- und Selterhallen, passende Sitzgelegenheiten für Dienstleute und Droschkenkutscher u. f. w. beitragen. Auch die Errichtung von Volksbädern dürfte zur Verminderung dec Trunksucht beitragen. Arzneien und Geheimmittel zur Bekämpfung der Trunksucht seien vollständig zu verwerfen. Bedauerlich sei es, daß selbst in gebildeten Kreisen die Trunksucht vorwalte. Die Trinkgelage der Studenten seien um ihrer selbst willen und des schlechten Beispiels wegen aufs Heftigste zu bekämpfen. Die Trunkenheit dürfte nicht als strafmildernd gelten, ärgerniß- erregende Exzesse von Trinkern müßten stets bestraft werden. Ferner sei es nothwendig, die Branntweinproduktion gesetzlich zu beschränken und nicht dabei fiskalische oder andere Rück­sichten zu üben. Bei Berathung des Branntweinsteuergesetzes im Jahre 1895 habe sich an maßgebender Stelle nicht eine Stimme für Beschränkung des Branntweingenasses erhoben. Hoffentlich werde sehr bald eine Zeit kommen, in der die zur Herstellung des Branntweins dienenden landwirthschaftlichen Produkte zu Leucht- oder anderen nützlicheren Zwecken als zum Trinkbranntwein verwendet werden können. Der Redner empfahl im Weiteren die Unterbringung der Trinker in Trinkerasyle und führte aus, daß die möglichst geringe Ver­wendung von Alkohol in Arzneien, obwohl selbstverständlich, doch immer von Neuem b-tont werden müsse.

Hofrath Professor Dr. Gärtner-Jena sprach hierauf über -.Vortheile und Nachtheile der getrennten Abführung des Unterwassers bei der Kanali­sation der Städte". Der Redner hat, in Gemeinschaft mit dem Korreferenten, Bauralh Herzberg-Berlin, eine Reihe von Ltttsâtzen aufgestellt, welche u. A. besagen:

a) „Tie Abführung der Fäkalien und der Abwässer entspricht zur Zeit in den meisten Städten nicht den Ansprüchen, die vom hygienischen Standpunkte aus gestellt werden müssen.

b) Tie Schwemmkanalisation ist in vorzüglicher Weise geeignet, die Schmutzstoffe und die Regenwässer aus den Städten zu entfernen, indessen bietet die dettnitive Beseitigung der abgeführten Massen, insbesondere bei starken Regengüssen, erhebliche Schwierigkeiten. Außerdem ist ein vollständig durchgeführtes Schwemmsystem für Regen- und Abwässer in Anlage und Betrieb in der Regel für mittlere und kleine Städte zu theuer.

c) Der Einleitung des Regenwassers von den Straßen und Dächern in die offenen Wasserläufe stehen hygienische Bedenken im Allgemeinen nicht entgegen.

d) Die Einführung von Trennsystemen — gesonderte Ab­führung der Meteor- und gesonderten Jndustriewässer einer­seits, wozu unter allen Umständen selbst eine geordnete ober­irdische Ableituv g genügen kann, und der Fäkalien, Hausab­wässer und differenten Jndustriewässer andererseits — be-