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Amtliches Organ für Staöt- unS LauöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Aâahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Jusertions- Preis: Die IspaUige Garmond« Zeile oder deren Raum IM- Die iVijpaltige Zeil« 15 4.

Die 2spMye Zeil« 20 4.

Die 3spalttge Zeil« 3M

Die 4fpaltige Zeil« 40 4- Zm Reklamentheile Nt Zeile 20 4 netto.

Nr. 213. Samstag den 11. September

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1897.

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 62.

Dienstnathrichten aus dem Kreise.

Entlaufen: In Preungesheim ein Dienstpferd. Ein weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl.

Gefunden: Ein Taschenmesser nebst Bleifeder.

Verloren: Ein gelber Kinder-Fingerring. Eine braune Umhängtasche von Segeltuch mit Medaille rc.

Abhanden gekommen: Ein grün angestrichener Schiebekarren.

Hanau den 11. September 1897.____________________ Handelskammer zu Hanau.

Oeffentliche Sitzung der Handelskammer am Montag den 13. September 1897, nachm. 4Vs Uhr, im Bu­reau der Handelskammer.

Hanau den 11. September 1897. 12623

Die Handelskammer

Can that.

Aus Stadt- und Landkreis Hanan. Die Kaiser-Manöver.

(Von unserem militärischen Korrespondenten.) (Fünfter Tag.)

Grotzkarben, io. Septbr.

Der heutige letzte Manövertag brachte noch ein so präch­tiges militärisches Bild, wie es in Deutschland noch niemals gesehen worden ist. Es war nämlich eine ganz veränderte Lage geschaffen worden. Die Ostarmee nämlich, die schon in der Generalidee vom Sonntag eine Rolle gespielt hatte, war nun heute auf den Plan getreten. Sie besteht aus drei Armee-Abtheilungen: der I. Armee-Abtheilung (8. und 11. Korps), der II. Armee-Abtheilung (I. und II. bayerische Korps) und einer dritten Armee-Abtheilung, die nicht existirte, sondern nur angenommen war; sie hatte in der Annahme die Sicherung gegen die feindliche Hauptarmee zu übernehmen, während die Ostarmee sich mit 4 Armeekorps gegen die West- armee-Abtheilung wandte, die vor allen Dingen abgethan werden sollte. Die Westarmee-Abtheilung bestand aus zwei Armeekorps: dem I. Armeekorps und II. Armeekorps. Ersteres hatte 3 Divisionen in normaler Stärke, welche aus der 5. und 6. bayerischen Infanterie-Division gebildet sind, letzteres ebenfalls 3 Divisionen aus der 16. und 21. In­fanterie-Division. Jedes Armeekorps hatte eine Korpsartillerie von 6 Batterien. Außerdem hatte die Westarmee-Abtheilung die Kavalleriedivision D, die Ostarmee aber ein Kavallerie­korps bestehend aus der Kavalleriedivision B und der bayerischen Kavalleriedivision. Für den heutigen Tag war IMmmmmmmmm^mmmmmmi

Feirilletsir

Allerlei Gedanken.

Hanau, 11. September.

Wer sich des höchst zweifelhaften Glückes zu erfreuen hat, mich in dieser Woche gesehen zn haben, der wird sich eines Heiterkeitsanfalles nicht erwehren können, und verwöhnte Augen würden sich sicher mit dem Ausdruck höchsten Ent­setzens von mir abgewandt haben, wenn ich unvermuthet vor sie hingetreten wäre. Ich würde dies auch durchaus Nie­mand übel nehmen, denn ich selbst muß lächeln, wenn ich mir '.nein Bild vor die Augen zurückrufe. Aber Gott sei Dank hat die gütige Vorsehung freundliche Leserinnen aus meiner 9èähe fern gehalten, ein Umstand, über den ich mich zum ersten Mal in meinem Leben freue; und ich habe weislich diese gütige Vorsehung unterstützt, indem ich verstohlen auf verlassenen -vegen meinen Zielen nachging und die Blicke der Menschen floh, die in verwerflicher Spottlust sich über mein Aussehen hätten moquiren können. Doch nun es vorüber ist, trete ich ohne Röthe der Beschämung wieder in mein Ge- danken-Kabinet und schaue sogar mit einer gewissen Rührung auf zwei Paar riesengroße Stulpenstiefel, auf etliche Ueber- zieher und sonstige Kleidungsstücke, auf denen sich ziemlich umfangreiche Proben unserer Bodenbeschaffenheit in verblüffen­der Naturtreue vorfinden, auf eine nicht zu kleine Feldflasche, die nun trübselig an der Wand hängt, und auf einen Feld­stecher von imponirender Größe, der Alles, was man durch ihn betrachtet, in den Farben der Spektralanalyse erscheinen läßt und sich immer dann in den Händen lieber Bekannter befindet, wenn man selbst etwas Wichtiges betrachten möchte. Sie werden nach diesen nützlichen Geräthschaften unschwer er­rathen haben, daß ich meiner kriegerischen Regung gefolgt bin

nun die folgende Generalidee ausgegeben: Eine Westarmee (4 Armeekorps) geht von Koblenz, Neuwied und Bonn längs der Bahn und durch den Westerwald, eine Armee-Abtheilung (2 Armeekorps) von Mainz südlich des Taunus in östlicher Richtung vor. Eine Ostarmee (6 Armeekorps) rückt von Alsfeld und Fulda entgegen. Die Spezialidee für die Ost­armee lautete: Die Ostarmee hat sich mit 4 Armeekorps gegen die feindliche Armee-Abtheilung (West) gewandt, während nur 2 Armeekorps (3. Armee-Abtheilung) die Sicherung gegen die feindliche Hauptarmee übernehmen sollen. Am 9. Sep­tember hat die 3. Armee-Abtheilung ObbornhofenBellers­heim (südlich Münzenberg) erreicht und erfahren, daß sehr starke feindliche Kräfte in der Gegend um Gießen eingetroffen sind. Die 1. Armee-Abtheilung ist mit den Vorposten bis Wisselsheim Bauernheim Wickstadt, die 2. Armee-Abtheilung bis WickstadtHöchst, das Kavalleriekorps bis Rommelhausen und Marköbel gelangt. Feindliche Vorposten stehen dicht gegen­über : am Usbach, an der Wetter und auf der Kaicher Höhe. Die Westarmee - Abtheilung aber hatte der folgenden Spezialidee zu folgen: Die Westarmee-Abtheilung, am 9. Sep­tember mit dem 1. Armeekorps bei Kl.- und Gr.-Karben, mit dem 2. Armeekorps bei Nieder-WöllstadtOber-Rosbach, mit den Vorposten auf der Kaicher Höhe, an der Wetter und am Usbach, findet sich gegenüber einem anscheinend überlegenen Feind, dessen Vorpostm in Linie HöchstWickstadt Bauern­heim Wisselsheim festgestellt werden. Nach einer Mittheilung des Oberkommandos aus Gießen hat die Westarmee nur feindliche Kavallerie vor ihrer Front gefühlt. Sie will daher unter Sicherung gegen Osten am 10. September mit dem frühesten über GrüningmLich gegen die feindlichen Haupt­kräfte vorgehen, welche sich allen Nachrichten zufolge gegen die Westarmee-Abthkilung gewendet haben. Heute nun beab­sichtigte die Westarmee-Abtheilung in Linie Kloppenheim OkarbenNieder-WöllstadtOber-Rosbach dem Angriff des Feindes entgegenzutreten, die Kavallerie-Division I) aber sollte die Sicherung der rechten Flanke übernehmen. Der Ober­befehlshaber der Ostannee hatte der I. Armee-Abtheilung (8. und 11. Korps) die Weisung zugehen lassen, daß sie den hinter dem Usbach gemeldeten Feind über die Linien FriedbergAssenheim anzugreifen habe. Die zweite Armee- Abtheilung (1. und 2. bayer. Korps) sollte mit einem Armee­korps auf OkarbenKl.-Karben vorgehen, mit dem einen Korps über WindeckenOberdorst lden und über die Nidda, um des Feindes rechte Flanke zu gewinnen; das Kavalleriekorps hatte diese Bewegung weiter südlich zu begleiten, um dann dem Feinde entsprechend in Flanke und Rücken zu fallen. Die Ostarmee führte der Kaiser, die Westarmee Abtheilung der Generallieutenant von Plessen, Generaladjutant und Komman­deur des Hauptquartiers des Kaisers. Die Ostarmee ent­wickelte sich zunächst aus der Linie MelbachStammheim MarköbelNiederissigheim; sie hatte weitgestreckte Waldstücke

und die großen Manöver durch meine Gegenwart vervoll­ständigte. Sie werden ferner errathen haben, daß ich alle die ungezählten Freuden und Leiden eines passionirten Schlachten­bummlers heldenmüthig durchmachte und Sie werden mich vielleicht verdächtigen, daß ich im Drange der Begeisterung rasch in die Saiten fallen und ein nützliches Lied loslassen werde, in dem der Kampf des bayerischen Löwen mit dem preußischen Adler das Motiv, und Hörnerklang und Trommel­wirbel, Gewehrfeuer und Kanonendonner die Reime bilden sollen. Nun ja, der Verdacht kränkt mich nicht besonders, aber mit demin die Saiten fallen" sieht es schief aus, wenn man in jüngster Zeit in sieben Gräben, dreimal von einem Strohschober und zuletzt beinahe in Ungnade gefallen ist. Es liegt mir auch gänzlich fern, noch einmal alles das Wieder­käuen zu wollen, womit man in letzter Woche so reichlich ge­füttert wurde. Doch ein paar Momente schweben mir noch durch die Erinnerung, von denen ich annehmen kann, daß sie Ihnen noch nicht aufgetischt wurden.

Vor Büdeöheim liegt ein Trupp bayrischer Soldaten, die eine Brücke besetzt halten. Es muß keine sehr gefährliche Stellung sein, denn in friedlicher Ruhe liegen die hellblauen Bayernsöhne umher und werfen den umherstehenden Dorf­bewohnern übermüthige Scherzworte zu:Schöne Ganserln Hobt's" sagt ein wohlgenährter Gefreiter und zwinkert lustig mit den Augen, worauf sämmtliche Dorfschöuen roth werden. An Schötz hobt's wohl aa scho'?" fragt ein Anderer, welche Frage einige energische Kopsb-wegungen Hervorrufen, die sich etwa dahin deuten lassen, daß die Schönen durchaus nicht abgeneigt wären, diese empfindsame Lücke möglichst rasch aus­zufüllen. Und siehe, sie rücken näher, verlegen und zögernd, sich gegenseitig vorschübend, kichernd und erröthend, bis sie ganz dicht vor den fröhlichen Kriegern stehen. Und die hübsche bayerische Uniform verjagt die anfängliche Scheu der schatzlosen Dorsmadel" und bald entspinnt sich eine muth-

zu durchschreiten, konnte also ihre Bewegungen gedeckt voll­ziehen. Ja, Wälder haben taktische und auch strategische Be­deutung. Darauf wälzte sie sich dann in koupirtem Gelände der Westarmee-Abtheilung entgegen. Zunächst trat die Ar­tillerie der Ostarmee in den Kampf ein, suchte zunächst die Feuerüberlegenheit über die gegnerische Artillerie zu gewinnen, dieselbe zum Schweigen zu bringen und demnächst die Infan­terie des Gegners zu erschüttern. Mit dem Vorwärtsschreiten des Angriffs steigerte sich dann ihre Feuerwirkung bis zur Grenze der Möglichkeit. Von ihrer erfolgreichen Thätigkeit war der Augenblick abhängig, wo das Einsetzen der Haupt­kräfte der Angriffâthätigkeit der Infanterie abhängig war. Als dann der Kampf sich immer mehr und mehr der Durch­führung näherte, trat die Infanterie mehr in den Vordet- grund. Hier und da entstand dann ein höchst interessantes Kampfgewoge, namentlich dann, wenn von beiden Seiten Vorstöße gemacht wurden. Heftig entbrannte der Kampf auf allen Linien. Er drehte sich vielfach um Stützpunkte und Deckungen. Im übrigen waren die Entwicklungsstufen des heutigen Kampfes bei der Ostarmeee die Einleitung, die Ver­wicklung, die Entscheidung und die Beendigung. Die Ein­leitung hatte den Zweck, die Absichten rc. des Gegners zu erkennen. Sodann suchte sie sich vor der Stellung des Gegners festzusetzen. Aehnliche Zwecke verfolgte üb.igenâ auch die Westarmee-Abtheilung. Mit seinen Truppen erster Linie wollte er den Gegner abstoßen, die eigene Stellung verschleiern, den Aufmarsch und die Bewegungen der feind­lichen Hauptkräste erkunden. Durch Artillerie suchte er mög­lichst zu stören. Es war ein herrlicher Anblick, der das Auge ungemein fesselte, wenn die langen Schützenlinien über das Gelände dahinglitten, sie waren weithin deutlich zu erkennen, nicht die geringsten Wölkchen von Rauch waren zu sehen. Hatt waren die Gegner aneinander gerathen. Mehr und mehr näherten sich die imposanten Linien der Ostarmee dem Gegner, beschleunigter wurde der Schritt. Jetzt wich die Westarmee-Abtheilung, verfolgt vom Schnellfeuer, das massen­haft abgegeben wurde. Nach längerem Ringen war ihre Kraft gebrochen. Walter Korn.

* *

Einzelheiten -es gestrigen (letzten) Manöver­tages.

Ende gut, Alles gut." Dies kann man auch von den gestern zu Ende gegangenen Kaisermanövern behaupten. Während man vorgestern vor Nässe beinahe umkam, lachte gestern schon in frühester Morgenstunde die Sonne mit warmer Gluth auf die Erde herab. Der gestrige Tag gestaltete sich denn auch zu einem Manövertag, wie man ihn nach Aus­sage vieler Sachverständiger in den letzten Dezennien selten erlebt hat. Es war eine völlige Verschiebung der Truppen eingetreten und eine ganz neue General- und Spezialidee aus- ^MI^^MME

willige Unterhaltung, ein neckisches Herüber und Hinüber, bis die Röthe der Verlegenheit von den feisten Gesichtern verschwindet und nur die Wangen und die Lippen der Schönen behalten ihr kräftiges Roth.

Gott, es sind keine gelehrten Dinge, die da besprochen werden und es wimmelt in ihrer Unterhaltung nicht von geistreichen Bemerkungen, aber doch steht schon nach Verlaus einer halben Stunde in jedem der vorher leeren Herzen das Bild eines strammen Bajuwaren.

Etwas abseits von dem großen Haufen steht gravitätisch eine wohlbeleibte Gestalt. Die selbstbewußte Haltung und die feinere Mütze lassen vermuthen, daß es eine tonangebende Person irgend eines barmlosen Dörfchens ist, was auch die verstohlenen, respektvollen Blicke bestätigen, die ihm die übrigen Bauern von Zeit zu Zeit zusenden. Er ist b-müht, seinem Antlitz einen Schein von Intelligenz zu geben, was ihm aber eine bedeutende Ähnlichkeit mit einem gewissen Vier­füßer gibt. In der Rechten hält er ein riesiges Fernglas, in dem zwei Gläser fehlen und er hält es deshalb verkehrt vor die Augen. Es kommt auch auf. dasselbe heraus, denn in der Richtung, nach der er sieht, ist überhaupt nichts zu sehen als Gras und ein aufgescheuchter Hase, den der dicke Bauer möglicherweise für eine reitende Batterie hält. In Gang und Haltung bemüht er sich, den seligen Generalfeld­marschall Moltke nachzuahmen, doch hat er mehr Aehnlichkeit mit einem Nachtwächter, dem die Gänse das Brot wegge- fressen haben. Jetzt zieht er eine Karte aus der Tasche, die er eifrig betrachtet. Es ist eine Sydow'sche Ausgabe von Afrika, nach der sich der wackere Mann zu orientiren sucht, was ihm natürlich vorzüglich gelingt. Befriedigt holt er aus seiner Hinteren Rocktasche ein voluminöses Frühstück, das er mit sichtlichem Behagen zu verzehren beginnt. Gemächlich kauend wälzt er sich auf den bayerischen Offizier zu, der ihn schon eine Weile lächelnd beobachtet.