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Amtliches Organ für $taöf~ unö Landkreis Hanau.
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Nr. 212.
Freitag den 10. September 1897.
Amtliches.
Dieilstnachrichten aus dem Kreise.
Entlaufen: Ein rolhgelber Pinscher, m. Geschl. Ein Foxterrier (Bastard), m. Geschl.
Abhanden gekommen: Ein eiserner Stoßkarren. Ein vier,äderiger Maurerwagen. Ein vierräderiger blauangestrichener Handwagen.
Gefunden: Ein Paar weiße Manschetten. Eine leinene karrirte Pferde- resp. Kuhdecke. Eine Reitpeitsche. Eine Beschreibung über Erd- und Maurerarbeiten zum Neubau eines zweistöckigen Arbeiter-Wohnhauses.
Zugelaufen: Ein schwarzer Spitzhund, m. Geschl.
Hanau den 10. September 1897.
Tagesschau.
Don der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine sind S. M. S. S. „Jiene", Kommandant Kapitän zur See du Bois, und „Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, am 8. September in Yokohama angenommen; S. M. S. „Loreley", Kommandant Kapitän-Lieutenant von Krosigk, ist am 8. September in Galatz eingetroffen; S. M. S. „N xe", Kommandant Kor- vetten-Kapitän Goecke, ist am 8. September in Lissabon angekommen und beabsichtigt, am 16. September nach Tanger in See zu pehen.
Lebensalter der kommandirenden Generale. Nachdem der bisherige älteste kommandirende General, General der Kavallerie von Hänisch, vom IV. Armeekorps, aus dem Dienst geschieden und auch der kommandirende General des Gardekorps, von Winterfeld, seinen voraussichtlichen Nachfolger in der Person des Generallieutenants von Bock und Pollack erhalten hat, stellt sich das Lebensalter der kommandirenden Generale der zwanzig deutschen Armeekorps der Reihe nach wie folgt: Gardekorps von Pock und Pollack, geboren am 5. September 1842, I. Korps Graf Finck von Finckenstein, geboren am 29. Juni 1835, II. Korps von Blomberg, geboren am 19. Januar 1836, III. Korps von Lignitz, geboren am 21. März 1841, IV. Korps von Klitzing, geboren am 30. Juni 1842, V. Korps von Bomsdorff, geboren am 18. September 1842, VI. Korps Bernhard Erbprinz von Meiningen, geboren am 1. April 1851, VII. Korps von Götze, geboren am 30. Dezember 1829, VIII. Korps Friedrich Erbgroßherzog von Baden, geboren am 9. Juli 1857, IX. Korps Graf von Waldersee, geboren am 8. April 1832, X. Korps von Seebach, geboren am 16. April 1834, XI. Korps von Wittich, geboren am 28. August 1836. XII. (Königlich sächsisches) Korps Prinz Georg von Sachsen, geboren am 8. August 1832, XIII. (Königlich württembergisches) Korps von Lindequist, geboren am 10.
Feuilleton.
Die Uadler beim Manöver.
Alle Welt hat am Radfahren Interesse, vor Allem an dem militärischen Radfahren, das in diesem Manöver gewissermaßen seine Feuerprobe bestehen sollte. Schon bei dm Divisionsübungen haben sich die Radfahrer außerordentlich be- wäh't, und die Vortheile, die sie brachten, waren außerordentliche. Die Bayern haben per Regiment zwanzig Radfahrer, außerdem ganze Pionierabtyeilungen zu Rad und besondere nur aus Unteroffizieren bestehende Radlerabtheilungen mit sehr viel radelnden Offizieren. Man hat die Radler nicht nur als Ordonnanzfahrer beim Gros, bei der Avantgarde, bei der Artillerie und Kavallerie mit Vorthnl verwendet, sondern sie wurden auch zum Ausklärungsdienst mit großem Erfolg benutzt. Ja es scheint fast, als wollte sich fitzt schon aus den Radfahrern eine neue besonders tüchtige Cpezialtruppe entwickeln, wie dies dereinst die Husaren waren als man sie neu einführle. Die Boyern haben die intelligentestenLeute für ihre Radfahrerabtheilungen ausgesucht. Die Mannschaften sind sehr reichlich mit guten Karten versmgt, mit deren Hilse sie sich rasch orientiren können. Man glaubt, sie würden noch mehr leisten, wenn man sie mit guten Krimstechern ausrüsten würde.
Es sind „freche D cchse", diese Radfahrer, die dem Feind dicht auf den Leib rücken, ihn überall umschwärmen, ja sogar mit Erfolg seine Stellungen in weitem Bogen umfahren, um diese Stellung ouszukundschaften. Schon am frühen Merzen des 6. September, als gerade die Feindseligkeiten beginnen sollten, erschienen Radfahrer vom 11. Korps im Seligenstadt, das die Bayern soeben verlassen hatten. Cie hatten die an- — .^»kn^. ^.^^. tu«««.« iw matirm SRnfjn itmfnfirpn fintiert
Oktober 1838, XIV. (Großherzoglich badisches) Korps von Bülow, geboren am 11. Januar 1837, XV. Korps Freiherr von Falckenstein, geboren am 12. Dezember 1840, XVI. Korps Graf von Haeseler, geboren am 19. Januar 1836, XVII. Korps von Lerche, geboren am 22. Juni 1832, I ]. Königlich bayerisches Korps Prinz Arnulf von Bayern, geboren am 6. Juni 1852, und II. Königlich bayerisches Korps von Nylander, geboren am 20. Februar 1835.
Militärisches. Das Armee -Verve dnungsblatt veröffentlicht die kaiserliche Kabinetsordre aus Homburg v. d. H. den 4. September, nach welcher das 1. Hessische Husaren- R eg im ent Nr. 13 zu Ehren seines erhabenen Chefs, des Königs Humbert von Italien Majestät, fortan den Namen „Husaren-Regiment König Humbert von Italien (1. Hessisches) Nr. 13" zu führen und auf den Achselstücken bezw. Achselschnüren und Schulterklappen den bezüglichen Namenszug zu tragen bat. Weiter bringt das Armee-Verordnungsblatt folgende Verordnung: Auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs werden verlegt: das Königin Augusia Garde- Grenadie:-Regiment Nr. 4 von Spandau nach Berlin am 27. d. Mts.; 1. Bataillon 5. Garde Regiments zu Fuß von Potsdam und das Garde-Grenadier-Regiment Nr. 5 von Berlin nach Spandau am 29. d. Mts.; der Stab, die 1. und 2. Eskadron Ulanen-Regiments Kaiser Alexander II. von Rußland (1. Brandenburgischen) Nr. 3 von Frankfurt a. O. sowie die 3. und 5. Eskadron von Beeskow nach Fürstenwalde am 23. ds.; die 4. Abtheilung 2. Westfälischen Feld- artill.rie-Regiments Nr. 22 vom Lager Truppen-Uebungsplatz Wesel nach Minden am 21. ds.; die 2. Abtheilung Feld- artillerie-Regiments von Holtzendorff (1. Rheinischen) Nr. 8 von Jülich nach Saarlouis am 25. ds.; die reitende Abtheilung Schleswigschen Fellartillerie-Regimeuts Nr. 9 von Neumünster nach Itzehoe.
Schlutzmanöverbetrachtungen. In den diesjährigen Kaisermanövern, deren Verlauf besonders in Süddeutschland mit außerordentlichem Interesse verfolgt wurde, weil die eine Partei aus bayerischen, die andere aus preußischen Regimentern bestand, hat sich nicht blos die bayerische Feldtüchtigkeit, sondern auch die bayerische Führung wohl außerordentlich bewährt. Unter sehr schwierigen Verhältnissen, bei sehr starken Anforderungen an die Marschleistungen des Einzelnen und entsetzlicher Witterung, haben die Bayern doch einem so ausgezeichneten Führer, wie der Graf Häseler es ist, gegenüber sich behauptet, zum Theil sogar Vortheile errungen. Es ist das ein Ausgang der Manöver, der südlich des Mains sehr befriedigen wird und doch nördlich vom Main Niemand verletzen kann! Beide Theile haben sich als selten erprobte und kriegstüchtige Truppen erwiesen; hier wie da war die Führung eine geniale, und der irrigen Anschauung, „als ob bei solchen Uebungen der Sieg im Voraus festgestellt würde", dürfte nun wohl der Boden für immer entzogen sein.
ihre Marschrichtung und Stärke beobachtet und wollten jetzt an ihre Avantgarde die Nachrichten, die sie ermittelt hatten, telegraphiren. Auf dem Postamt aber wurden sie von einer, die Qmue der Bayern deckenden bayerischer Radfahrerabtheilung überrascht und zum Theil gefangen genommen. Ein Theil entkam aber doch. Auch allerlei Listen werden ange- wendet. Die bayerischen Radfahrer tragen z. B. offizielle Depeschentaschen am Koppel, die Depeschen aber verstecken sie in den hohlen Griffen der Lenkstangen, damit sie der Feind nicht findet, wenn er einen Radfahrer abfängt.
Selbst ein einzelner Radfahrer ist eine militärische „Macht".
Man sah einen Radsatz er der Bayern westlich von Hanau gejagt kommen, den eine preussische Dragonerpatrouille verfolgte. Er fuhr wie der Wind, fand aber noch Zeit, sich hin und wieder uwzudrehen und seinen Verfolgern eine langeNase zu machen. Cie konnten ihn doch mit ihren Pferden nicht einholen. Doch das Verkängniß nahte in Gestalt einer Patrouille von den blauen Husaren, die von links quer über das Feld geritten kam, um dem Radfahrer, btr natürlich auf der Chaussee bleiben wußte, den Weg abzuschneiden.
Aber das focht den Radler nicht an. Er mochte Halt, sprang ab, legte das Rad auf die Erde, nahm das Gewehr vom Rücken und feuerte hinter einem Baum der Husaren- Patrouille die fürs Schuß ans seinem Magazin entgegen. Im Ernstfälle war die Patrouille weggeputzt. Dann bestieg er sein Rad wieder, warf den Husaren noch einige Kußfinger zu und straupelte unbehelligt davon.
Diese Radfahrer sah man überall, sie fuhren bei dem tollsten Rkgevwctter, daß der Schmutz hoch aufspritzte und auf ihr schon von Weitem gerufenes „Rechts gehen, rechts geben!" wichen ihnen alle marschirenden Kolonnen aus, um ihnen freie Bahn zu geben. Die Infanterie hat ihre Radfahrer Mntihträ netrt sie rrfnnren ibnen manchen Marsch und
Es hat sich hier nicht um ein Kriegsspiel, sondern um ernste und strenge Arbeit gehandelt. Die Gegend von Hanau ist für die Bayern ein historischer Boden, sie haben hier unter dem Feldmarschall v. Wrede mit dem ersten Napoleon gerungen, als Letzterer durch die Völkerschlacht bei Leipzig gezwungen wurde, den Rückzug zum Rhein zu nehmen. Dem großen Schlachtenmeister den Weg zu verlegen, war damals den Bayern unmöglich, aber sie haben sich mit Ehren geschlagen, ihren alten Ruf kriegerischer Tüchtigkeit auch damals bewährt. Im Feldzuge von 1866 lagen die Verhältnisse eigenartig, und heute, wo dies Kapitel deutscher Geschichte längst abgeschlossen ist, hat es keinen Zweck, darauf nochmals zurückzukommen. Die diesjährigen Manöver und ihr Verlauf haben auch viel dazu beigetragen, eine größere Intimität zwischen den Stämmen nördlich und südlich vom Main herbeizuführen, wenn ja auch unter den preußischen Armeekorps sich schon süddeutsche Truppen (vor Allem aus dem Groß- herzogthum Hessen) befanden. Es ist heute noch so, wie 1870/71, wenn man sich schätzen und lieben soll, muß man vor allen Dingen sich genau kennen, und eine häufigere Vertiefung dieser Bekanntschaft kann nur heilsam auch auf politischem Gebiete wirken. Die Süddeutschen sind mindestens ebenso gute Deutsche, wie ihre Brüder im Norden, aber es ist eine wahre Thatsache, daß man auch einem Herzensfreund allmählich fremd werden kann, wenn man ihn gar zu wenig sieht. Dem beugt eine engere Berührung vor, wie sie jetzt wieder zwischen bayerischen und preußischen Staatsangehörigen eingetreten ist. Denn aus den Soldaten werden wieder Bürger, welche die Erinnerung an gemeinsam verlebte Ehrentage treu bewahren. Und Ehrentage sind ohne Zweifel auch diese Manöver gewesen, in welchen von Offizieren wie von Manschaften Alles aufgeboten worden ist, um mit Ehren zu bestehen vor den Augen des Königs von Italien, des deutschen Kaisers und seiner Verbündeten. Die Ungunst der Witterung, die Persönlichkeiten der kommandirenden Generale und andere Umstände gestalteten den Manöverlauf wirklich zu einem kriegsähnlichen, nnd wenn auch im Ernstfalle immer noch unberechenbare Zwischenfälle eintreten können, so ist die Zahl dieser Zwischenfälle doch bei der heutigen Waffe und der herrschenden strengen Kritik keine große. Man kann also mit Recht annehmen, auch im Ernstfalle würden die Manöver etwa so verlaufen sein, wies dies soeben der Fall gewesen. Keiner von beiden Parteien wird also ihr Ruf ernstlich irgendwie geschmälert werden können. In den Trinksprüchen, welche aus Anlaß der Fürstenbegrüßungen gehalten wurden, ist die Einigkeit der verbündeten Monarchen, ihre Bündnißtreue in das hellste Licht gestellt worden. Die Manöver, anders, als die berüchtigte französische Probe-Mobilmachung, in welcher es nach monatelangen Vorbereitungen noch nicht einmal ganz klappte, haben die Schlagfertigkeit der Truppen aus allen deutschen Bundesstaaten auf das Glänzendste ergeben. In
■MBMMMMHMMMaSMHBBEMMEBEMMMMMMMSMI Hill IMWMIW»MI»IMMIIV^'^ manche unnütze Evolution. Sobald ein Schuß vorn fällt, jagen ganze Schwärme von Ordonnanzfahrern vor, und in wenigen Minuten ist es beim Gros bekannt, was vorn ge- schehcn ist. B. L.-A.
Aus Kunst und Leden.
„Mulomedizin". Die Akademien der Wissenschaften zu Berlin, Göttingen, Leipzig, München und Wien haben dem Berliner Oberlehrer Dr. E. Oder eine für die Geschichte der Medizin wie der romanischen Sprachen gleichwichtige Arbeit, die Herausgabe und wissenschaftliche Bearbeitung einer fast unbekannten und noch ungedruckten thierärztlichen Schrift, der „Mulo-Medicina Chironis“, übertragen. Prof. Virchow inttreffirt sich hierfür, weil in dieser Tbierheilkurde eine Menge medizinische und anthropologische Neuigkeiten enthalten ist, die auch vom kulturgeschichtlichen Standpunkt besonderes Interesse erregen. Für die Kunde der Entstehung der fämmOi^rn romanischen Sprachen (Italienisch, Spanisch, Französisch re.) ist das Buch von höchstem Werth, weil es, obwohl noch aus dem vierten Jahrhundert u. Cbr. stammend, weil hauptsächlich für Landleute berechnet, bereits eine Menge Anklänge und Uebergânge in Vulgärausdiücken enthält, die dem klassischen Latein fremd, dagegen in allen jenen romanischen Idiomen zu finden sind. Die gedachten fünf Akademien beabsichtigen, einen großartigen vielbändigen lateinischen Sprachschatz (Thesaurus Linguae Latinae) herauszugeben, und zu den Vorbedingungen und Vorarbeiten, die bis spätestens Ende 1898 abgeschlossen vorliegen müssen, gehört auch die Herausgabe jener Mulomedizin, zu welcher Herr Oder bereits siebenjährige Vorstudien gemacht hat.