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Amtliches Organ für Staöt- unS Lauökreis Hanau.
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Mr. 211.
Donnerstag den 9. September
1897.
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Amtliches.
Ticnstnnchiichtcn aus dem Greife.
Gefunden: Ein schwm zes Strickzeug. Ein Notiz- kuch. Eine Annahwekerte der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule für den Schiesser Philipp Schlencher. Ein Militär-Adler von Blech.
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, w. Geschl.
Verloren: Ein s. g. schwedisches Taschenmesser.
Hanau den 9. September 1897.
Tagesschau.
Don der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Moi ine sind S. M. S. „Pfeil", Kommandant Korvetten Kapitän Gerstrng, cm 7. September von Odde nach Kiel in See ergangen.
Kronprinz Wilhelm â la suite des 1. bay e rischen Ulanen Regiments. Der Prinzregent hat den Kronprinzen Wilhelm â la suite des 1. bayerischen Ulanen- Regiments gestellt. Mit der Stellung des Kronprinzen Wilhelm â la suite Bayerischen Manen-Regiments Kaiser Wilhelm II., König von Preußen (früher Ulanen-Regiment Kronprinz Fredrich Wilhelm), dessen Chef unser Kaiser seit dem 19. Juni 1888 ist, hat der Prinzregent Luitpold von Bayern dem Kaiser gewissermaßen seinen Dank dafür abstatten wollen, daß das Magdeburgische Feldartillerieregiment Nr. 4 fortan die Bezeichnung „Feld-Artillerie-Negiment Prinz Luitpold von Bayern (Magdeburgisches) Nr. 4" führen soll. Der Kronprinz Wilhelm, welcher in der preußischen Armee als Sekond-Lieutenant im 1. Garde-Regiment z. F. und â la suite des 2. Garde-Landwehr-Regiments steht, gehört jetzt noch vier außerpreußischen Armeen an. Am 9. Sept. 1893 ernannte ihn König Albert von Sachsen zum Sekond-Lieutenant â la suite des 2. Grenadier-Regiments Nr. 101 „Kaiser Wilhelm, König von Preußen". Es geschah dies an dem Tage, an welchem damals vor 25 Jahren König Johann von Sachsen dem damaligen Bundesfeldherrn König Wilhelm von Preußen das 2. Grenadier-Regiment Nr. 101 verliehen hatte. König Albert wollte den Tag nicht vorübergehen lassen, ohne dem Kaiser Wilhelm, dem gegenwärtigen Chef des Regiments, ein Zeichen der Erinnerung zu spenden. Das betreffende Handschreiben des sächsischen Monarchen überbrachte der sächsische Kriegsminister Edler von der Planitz und überreichte es dem Kaiser bei der Parade in Straßburg i. E. Am 14. April 1896 ernannte der Kaiser von Oesterreich den Kronprinzen zum Lieutenant im Husaren-Regiment „Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen"; am 9. Juni 1896 wurde der Kronprinz vom Kaiser Nikolaus â la suite des Leib-Garde-Regiments in Petersburg und jetzt vom Prinz-
feuiUeton.
Prosivon Ktydrn über die Behandlung z Tuberkulöser.
Kaum eine Frage aus dem umfassenden Gebiet der Heilkunst ist in den letzten Jahren von Aerzten und Laien so lebhaft, so eingehend erörtert worden, wie die Frage der Bekämpfung der Tuberkulose. Die außerordentliche Verbreitung dieser Volksseuche macht ein solches Interesse nur zu begreis- lich und rechtfertigt es auch, wenn wir hier die jüngsten Ausführungen eines unserer hervorragendsten Kliniker, des Prof, von Leyden, über diesen Gegenstand wiedergeben. Herr von Leyden sprach auf dem eben verflossenen internationalen Aerzte- kongreß zu Moskau „über den gegenwärtigen Stand der Behandlung Tuberkulöser und die staatliche Fürsorge für dieselben". Gerade der letztere Punkt beansprucht wegen seiner volfswirthschaftlichen Bedeutung erhöhtes Interesse.
Die Angaben über die Verbreitung der Tuberkulose und über die Art ihrer Uebertragung dürfen wir, als allgemein bekannt, übergehen. Hervorheben wollen wir nur, was Herr von Leyden in Bezug auf die viel besprochene und doch so häufig falsch verstandene erbliche Belastung sagt. Sie erzeugt an und für sich keine Lungenerkrankung bei den Kindern; die meisten Fälle von anscheinend ererbter Lungentuberkulose beruhen auf direkter Ansteckung der Kinder durch die Eltern. Trotz der Leichtigkeit aber, mit welcher der Tuberkelbazillus, der Erreger der Krankheit, übertragen wird, muß eine übertriebene Bazillenfurcht als „unwürdig und unwirksam" bezeichnet werden. Um vieles wichtiger ist die abhärtende Erziehung der Jugend und die Beobachtung möglichster Sauberkeit. Reinlichkeit ist die beste Desinfektion.
rezenten Luitpold â la suite des 1. Bayerischen Manen- Regiments gestellt.
Der einjährig-freiwillige Militärdienst der Kehrer stellt an diese pekuniäre Anforderungen. Der Deutsche Lehrerverein will daher der Frage näher treten, ob u.j in welcher Weise er auf eine Erleichterung der durch jenen Dienst den Lehrern entstehenden Lasten hinwirken könne. Der geschäftsführende Ausschuß hat zunächst einen Referenten bestellt, der namentlich kas einschlägige Material sammeln und sichten soll.
Die Friedensverhandlnngen. Endlich, nach langen Monaten des verdrießlichsten hinvndher, scheint der türkisch-griechische Friedensrertrag unter dem Beistände des vereinigten Europa zu stande kommen zu sollen. In London will man nochgeben und die inte,nationale Finanzkontrolle nicht bloß für die neuen, sondern auch für die alten Anleihen Griechenlands bewilligen. Die vereinzelt aufgetauchte Empfehlung, deß sich d e Festlevdsmächte um den bisherigen englischen Einspruch nicht kümmern, sondern das FriedenS- werk jtHstaubig zu Ende führen sollten, wäre allerdings undurchführbar gewesen. Jedenfalls ist eine Regelung der Sache vorzuziehen, bei der England milthut, gleichgiltig ob es gern oder ungern milthut. Lord Salisbury hat, um seinen Standpunkt zu wahren, wenigstens einen kleinen Schnörkel am Vorschläge der Finanzkontrolle angebracht. Die Türkei soll ihre Truppen aus Thessalien nicht erst zurückziehen, wenn Griechenland die erste Kriegst ntfchâdigungsrate bezahlt hat, sondern schon dann, wenn die internationale Kommission für die Finanzkontrolle eingesetzt ist. Ueber diesen Punkt wird es wohl kaum zu erhtblichen Meinungsverschiedenheiten kommen. Man wird voraussichtlich dem britischen Kabinett die kleine moralische Genugthuung lassen, daß die Räumung Thessaliens nicht von der erwähnten schärferen Bedingung, sondirn eben von der Sicherung der europäischen Aufsicht abhängig gemacht wird, und der Sultan dürfte mit dieser Bedingung auch zufrieden sein können, da die Einsetzung der Kommission eine hinreichende Bürgschaft für die Ausübung des Kontrollrechts selber darstellen muß. Daran, daß England aus eigener Tasche die griechische Kriegsentschädigung zahlen werde, wie es in einigen großsprecherischen Londoner Zeitungen hieß, hat ernsthaft wohl niemand gedacht.
Ueber die Streiks, die im Jahre 1896 vorgekommen, hat die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands auf Grund der Angaben der Gewerkschaftsvorstände und Ver- trauenspersonen eine statistische Zusammenstellung angefertigt, der wir Folgendes entnommen haben: Es wurden 463 Streiks in dem genannten Jah e geführt (gegen 750 Streiks in den Jahren 1890—1895). An diesen Streiks waren 128 808 Personen belheiligt (gegen 72 274 in den sechs Vorjahren). Die Ausgaben mit 3 042 950 in 1896 erreichen fast die Summe, welche für die sechs vorhergehenden Jahre
Indessen nicht nur die Prophylaxe, sondern auch die Behandlung der bereits zum Ausbruch gekommenen Krankheit verfährt am zweckmäßigsten nach diesen Grundsätzen. In diesem Sinne spricht man von einer stärkenden, abhärtenden, von einer hygienisch-diätetischen Behandlung. Ihr weist Leyden gegenwärtig den ersten Platz zu, während er sich über die Erfolge der zahlreich angewandten Arzneimittel, besonders des „spezifisch" wirkenden „Koch'schen Neu-Tuberkulins", recht vorsichtig äußert. Möglich, daß die Koch, Behring, Buchner u. A. der leidenden Menschheit dermaleinst ein zweifellos wirksames, einwandsfreies Serum oder etwas der Art bescheeren — vorläufig muß man diejenige Methode anwenden, welche gegenwärtig als die beste anerkannt wird, und das ist die hygienisch-diätetische, wie sie in zahlreichen Anstalten (Görbersdorf, Falkenstein, Reibolsgrün, Davos, Arosa 2c.) gehandhabt wird. Man hat damit etwa ein Drittel der Patienten geheilt und ein weiteres Drittel gebessert. Muß doch jede Tuberkulose im Beginn der Erkrankung unbedingt als heilbar gelten!
Als Grundzüge der hygienisch-diätetischen Behandlungsmethode führt Leyden an: 1. Wahl eines geeigneten Klimas, 2. gute, staubfreie Luft, 3. reichliche Ernährung, 4. Bewegung, 5. methodische Durchführung der Kur und Schulung des Patienten in geschlossenen Anstalten und 6. Medikamente, welche zwar nicht von maßgebender Bedeutung sind, jedoch die übrige Behandlung unterstützen. Von den Klimaten hält Leyden das Bergklima für das empfehlenswertheste, will aber, wenn irgend möglich, den Kranken in demselben Klima behandeln, in welchem er später zu leben und zu arbeiten hat. Man soll daher die Sanatorien für Tuberkulöse in einer leicht erreichbaren Entfernung von großen Orten der Bevölkerung errichten.
Eine Anstaktsbehandlung ist allerdings nicht unbedingt erforderlich, weil sich gleiche Erfolge auch außerhalb ter Heilstätten erzielen lassen, entschieden aber wünschenswerth, weil
zusammen verausgabt wurde und die 3 130 089 Mk. betrug. Dabti sind, wie in den früheren Jahren, auch für 1896 nicht für alle Organisationen Angaben gemacht worden. Es fehlen die Organisationen der Buchdrucker, die Arbeitseinstellungen wegen Einsührung der neuen Tarifbedingungen hatten, der Barbiere, Holzarbeiter, Kupferschmiede, Sattler, Schuhmacher, Steinarbeiter und Tapezirer. Keine Ausstände hatten die Bäcker, die Bureauangestellten, Gärtner, Goldarbeiter und Cigarreusorlirer. Es sind sonach im Jahre1896 von fast sämmtlichen Gewerken Streiks geführt worden. Von den 3 042 950 Mark Streikgeldern brachten auf; die Verbandskassen 724 603 Mark, die Mitglieder durch freiwillige Beisteuern 1935 354 Mark, 140 799 Mark ergaben die Sammlungen, 157 546 Mark brachten andere Gewerkschaften auf und 84 648 Mark gingen vom Ausland ein. Die Streiks dauerten zusammen 1923 Wochen. Erstere zerfallen in 151 Abwehrstreiks, 13 Streiks wegen Austritts aus der Organisation, 52 wegen Maßregelung, 61 wegen Lohnredu- zirung, 8 wegen Verlängerung der Arbeitszeit, 8 wegen Einführung einer Fabrikordnung, 210 um Verkürzung der Arbeitszeit und 110 um Lohnerhöhung. Das Resultat der Ausstände war: 180 hatten einen Erfolg, 84 endeten mit theil- weisear Erfolg und in 48 Fällen unterlagen die Streikenden. Tie Gemralkommission nimmt an, daß von den 201082 Arbeitern, die in den letzten sieben Jahren streikten, jeder durchschnittlich fünf Wochen lang die Arbeit hat ruhen lassen; das würde bei einem Wochenlohn von durchschnittlich nur 18 Mk. einen Verlust von 18 09.7 380 Mark, und mit den Ausgaben für die Streiks von 24 270 419 Mark ergeben. Nach Prozenten berechnet, verliefen von den Streiks 1890—1895; 36,8% erfolgreich und 1896: 50,5%; theilweise erfolgreich 1890—1895: 27,l°/o und 1896: 26,5%; erfolglos 36,1 resp. 23,0%.
Politische und unpolitische Nachrichten (Tepescken-Bureau »Herold.")
Betlin, 8. Septbr. Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß der Unterstaatssekretär im Reichspostamt, Fischer, Anfang September seine Versetzung in den Ruhestand für den 1. Januar nachgesucht hat. — Wie verlautet, hat auch der Direktor des Reichspostamts, Scheffler, seinen Abschied nachgesucht.
Kiel, 8. Septbr. Das Panzerschiff „Heimdall" erlitt auf einer Manöverfahrt nach der Nordsee in den dänischen Gewässern Havarie.
Breslau, 8. Septbr. 1200 Bergleute der Fürstlich Hohenlohe'schen Helenengrube legten die Arbeit nieder, da die von ihnen geforderte Lohnerhöhung nicht bewilligt wurde.
London, 8. Septbr. Die „Times" melden aus Kanea, Djerad Pascha betrachte seine Mission als fehlgeschlagen und sie schneller und sicherer zum Ziele führt. Besonders wenn es sich um die Bekämpfung der Tuberkulose im Großen handelt, wenn es gilt, auch den Tausenden von weniger oder gar nicht Bemittelten die Vortheile der hygienisch-diätetischen Behandlung zukommen zu lassen, da ist nach Leyden's Ueberzeugung nur von der Errichtung besonderer Dolksheilstätten ein Erfolg zu erwarten. Ueber die Zweckmäßigkeit und Berechtigung derselben herrscht kein Zweifel, nnd darum ist es eine unabweisbare Pflicht der Gesellschaft, der Gemeinden, des Staates, die Errichtung solcher Volksheilstätten in möglichst großer Zahl in die Wege zu leiten. Ohne direkte oder indirekte Hilfe des Staates selber würde eine große Aktion, wie sie gegenüber der großen Zahl unbemittelter Tuberkulöser erforderlich ist, nur schwer zur Ausführung kommen. Staatliche Fürsorge und private Wohlthätigkeit müssen Hand in Hand gehen. Leyden erwartet von den Volksheilstätten die gleichen Resultate wie von den besten Sanatorien, d. h. etwa ein Drittel Heilungen und ebensoviel erhebliche Besserungen. Freilich knüpfen diese günstigen Aussichten an die allgemein festgehaltkne Voraussetzung, daß in diesen Heilstätten nur heilungsfähige Kranke, d. h. solche im ersten Stadium der Erkrankung,' ausgenonmen und behandelt werden. Schreitet man auf dem bereits eingeschlagenen Wege rüstig fort, so wird man vielen Kranken die Gesundheit, zahlreichen Familien den Ernährer, dem Staat eine Menge fleißiger Bürger zurückgeben. __________
Aus Kunst und Leben.
Die Stadt Meiningen wird voraussichtlich das erste Denkmal für Johannes Brahms erhalten. Ein Berliner Verehrers des verstorbenen Meisters hat an den Herzog, der der Dcnkmalsangelegenbeit warmes Interesse entgegenbringt, eine Spende von 1000 Mk. für den Zweck gelangen lassen.