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Amtliches Organ für Staöt- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 209. Dienstag den 7. September

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1897.

Amtliches.

LerrröKvors ^artau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landralhsamtcè.

Unter Hinweis auf die Bestimmunqen im Artikel 80 Nr. 1 und 2 der Anweisung vom 31. August 1894Zu- und Abgänge bei der Einkommen- und Ergänzungssteuer betr." ver­anlasse ick die Herren Bürgermeister und Gu'svorsteher, die Einkommen- und Ergänzungssteuer-Zn und Ab­gangslisten für das I. Halbjahr 1897/98 bis spätestens ven 20. d. Mts. an mich einzureichen.

Die Listen sind nach den diesseits geprüften und vervoll­ständigten Auszügen aus den Zu- und Abgangskontrollen aufzustellen und mit den Belägen, welche gehörig geordnet und geheftet sein müssen, zu versehen.

Hierbei ist der Erlaß des Herrn Finanzministers vom 2. Februar 1893 zu beachten, wonach die Listen in den Ge­meinde- (Guts-) Bezirken getrennt nach den Steuern einerseits von physischen Personen mit Jahreseinkommen vou nicht mehr als 3000 Mark, andererseits von physischen Perso­nen mit höherem Einkommen anzulegen sind.

In denjenigen Gemeinden und Gutsbezirken, in welchen keine Zu- und Abgänge an Einkommen- und Ergänzungs­steuer vorgekommen sind, wollen die Herren Gemeinde- und Gutsvorsteher Fehlanzeige erstatten.

Hanau am 3. September 1897.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis Hanau.

J. St. 2144. J. V.: Dr. Becker, Reg.-Assesior.

Rechnungs Abschluß der Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau pro 1896.

I. Kasfenrechnung.

a) Einnahmen:

1. Baarer Kassenbestand am 1. Jan.

1897 ......... 194 Mk. 38 Pf.

2. Zinsen von Kapitalien .... 1030 10

3. Eintrittsgelder...... 2757 80

4. Beiträge........ 85981 88

5. Ersatzleistungen für gewährte Kran­kenunterstützungen ..... 498 32

6. Ersatzleistungen vonBerufsgenossen-

schaften, Unternehmern und Ver­sicherungsanstalten ..... 157 08

7. Zurückgezogene Kapitalien . . . 16957 62

8. Sonstige Einnahmen .... 176 15

Summa der Einnahmen 107753 Mk. 33 Pf.

b) Ausgaben:

1. Für ärztliche Behandlung . . . 14844 Mk. 48 Pf.

2. Für Arznei- u. sonstige Heilmittel 10056 79

3. Krankengelder:

a) an Mitglieder .... 32996 70

b) an Angehörige derselben . 927

4. Unterstützungen an Wöchnerinnen 1209 75

5. Sterbegelder.......1801 35

6. Kur- und Verpflegungskosten an

Krankenanstalten ..... 8369 91

7. Ersatzleistungen für gewährte Kran­

kenunterstützungen ..... 2323 44

8. Zurückbezahlte Beiträge und Ein­trittsgelder ....... 115 62

9. Kapitalanlagen...... 24012 50

10. Verwaltuugskosten: a) persönliche 7254 47

b) sächliche 2300 25

11. Sonstige Ausgaben..... 243 53

Summa der Ausgaben 106455 Mk. 79 Pf.

e) Abschluß:

Summa der Einnahmen .... 107753 Mk. 33 Pf. Summe der Ausgaben..... 106455 79

Ergibt einen baaren Kassenbestand am~

31. Dezember 1896 von ... 1297 Mk. 54 Pf.

II. Vermögensausweis.

Das Gesammtvermögen der Kasse setzt sich wie folgt zusammen:

I. Aktiva:

a) der Baarbestand am Schlüsse des

Rechnungsjahres 1896 . . . . 1297 Mk. 54 Pf.

b) in Werthpapieren, Sparkassenbüchern 39343 37

Summa 40640 Mk. 91 Ps.

II. Passiva:

Darlehne und Vorschüsse .... Mk. Pf.

Hiernach beträgt der Ueberschuß der Aktiva......... 40640 Mk. 91 Pf.

Nach dem vorjährigen Abschluß betrug der Ueberschuß der Aktiva . . 32482 87

Mithin Vermögenszunahme 8158 Mk. 04 Pf.

In Gemäßheit des § 64 der Statuten wird vorstehender Rechnungsabschluß hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Hanau den 1. September 1897.

Der Vorstand der Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau.

Dr. L. Gans, Vorsitzender. 12391

Aus Stadt und Landkreis Hanau. Die Kaisermanöver.

Ueber den gestrigen e r st e n M a n ö v e r t a g ist zu berichten:

Unter strömendem Regenwetter begannen am Morgen die diesjährigen Kaisermanöver. Die bayerischen Armeekorps stan­den am Sonntag, den 5. September, zwischen Dieburg, Ba­benhausen, Aschaffenburg und weiter bis Lohr. Die bayerische Kavallerie Division war bis Nidda vorgeschoben. Das XL preußische Armeekorps hatte die Strecke FrankfurtNauheim, das VIII. Armeekorps UsingenWetzlar besetzt. Schon am Sonntag Nachmittag begannen das VIII. preußische, sowie die beiden bayerischen Armeekorps den Vormarsch.

Die Westarmee - Abtheilung beabsichtigte Montag Früh mit den zunächst verfügbaren Kräften, bestehend aus dem XI. Armeekorps und der badischen Kavallerie-Division, dem Geg­ner das Ueberschreiten des Maines und der Kinzig zu ver­wehren oder sich gegen bereits debouchirte Abtheilungen zu wehren. Die Preußen schoben zunächst Kavallerieabtheilungen vor, um das Ueberschrciten der Kinzig bei Gelnhausen oder Meerholz zu verhindern. Ein Regiment sandte General Graf Haeseler zur Aufklärung nach Fulda. Ein kombinirtes Ka­vallerie-Regiment wurde von Melbach über Berstadt vorgc- sandt, um den Abschnitt Nidda-Hungen zu beobachten und zu sichern. Die 22. Infanterie Division war am Morgen um 3 Uhr am Bahnhof Mainkur angelangt und marschirte als­dann auf Bischofsheim. Die 21. Infanterie Division marschirte über Niederdorfelden auf Kilianstädten. Das achte Armee­korps, marschirte in Eilmärschen auf Heldenbergen und hatte Befehl, wenn möglich, Uffenheim und Södel zu erreichen.

Währenddem war der Feind nicht müßig geblieben. Tie Bayern suchten den Kinzig-Abschnitt zu gewinnen. Das I. bayerische Armeekorps hatte zunächst den Auftrag, sich der Stadt Hanau zu bemächtigen bezw. darüber hinauszugehen. Das I. Armeekorps sandte das Gros seiner Kavallerie gegen Vilbel zur Unterstützung der Kavallerie des ersten Korps. Es hatte den Auftrag, wenn möglich Langenselbold-Langen­diebach zu erreichen. Friedberg soll'e durch Kavalleriemassen bedroht werden.

Es ist selbstredend nicht möglich, alle diese gewaltigen Bewegungen zu beobachten und es sei deshalb nur berichtet, was sich in der Nähe des deutschen Kaisers und seines könig­lichen Gastes zutrug. Das bei Aschaffenburg liegende baye­rische I. Armeekorps hatte in Erfahrung gebracht, daß preußi­sche Abtheilungen ganz nahe bei Hanau standen, und erhielt nun Befehl, über Hanau hinauszugehen. Mit der Eisenbahn wurde eine Abtheilung Jäger in aller Frühe nach Hanau ge­schafft, der sofort alle verfügbaren Bataillone und Batterien folgten mit dem Befehl, den Nord- und Westrand Hanaus zu halten, bis die Gros der Divisionen herangekommen wa­ren. Als nun die bayerische Avantgarde unter dem Kommando des Obersten v. Rittmann heran gekommen war und die Nordlisière von Hanau verlaffen hatte, tauchten die Spitzen der 22. preußischen Division auf. Die 83er und 94er ver­suchten Hanau den Bayern zu entreißen, welch letztere schwächer als die preußischen Truppen waren. Die Bayern konnten sich aber Dank ihrer Artillerie halten und schließlich die Preußen zum Rückzug auf Hochstadt zwingen. Die bayerischen Truppen gingen mit Bravour vor, eroberten eine preußische Batterie und nahmen Abtheilungen der 83er gefangen.

Eine preußische Radfahrerabtheilung, bestehend aus drei Offizieren und 40 Mann, gerieth ebenfalls nach scharfer Gegenwehr, umzingelt von abgesessenen bayerischen Reitern, in bayerische Gefangenschaft. Auch die Bayern hatten mehrere Verluste durch Gefangennahme zu verzeichnen, bei Seckbach wurde eine größere Abtheilung Kavallerie gefangen genommen. Die Preußen gingen in großer Ordnung zurück. Bei Hoch­stadt wurden die zurückgehenden Preußen von frischen Trup­pen ausgenommen und bildeten hier eine schöne uneinnehm­

bare Position. Die Regimenter 32 und 95 kamen zur Ver stärkung heran. Die Korpsartillerie pflanzte sich auf einer Anhöhe dicht vor dem Kaiser und dem König von Italien aus und nun begann ein Kampf, wie er schöner nicht gedacht werden kann. Der vor Hochstadt liegende Wald, an dessen Saume sich zunächst die Bayern, ein heftiges Gewehrfeuer eröffnend, festgesetzt hatten, wurde mörderisch beschossen, und als die etwas zu ungestüm gewordenen Bayern den Versuch machten, die starke Stellung der Preußen mit Sturm zu neh­men, da entstand ein Feuer, daß man das Wort seines Nach­bars nicht mehr verstehen konnte. Die Artillerie sandte Salve auf Salve in die bayerischen Reihen und diese zogen sich fechtend bis nach Wilhelmsbad zurück. Der Kaiser ließ, da das Regenwetter immer stärker wurde,das Ganze Halt" blasen, die obersten Führer der beiden Armeen sprengten heran und vernahmen lobende Worte der Anerkennung. Um 10 Uhr 40 Min. war die Kritik, die bei strömenden Regen eine volle Viertelstunde gedauert hatte, zu Ende. Der Kaiser und der König von Italien begaben sich nun nach Hanau und fuhren 11 Uhr 40 Minuten mit Sonderzug nach Homburg zurück. Hanau hatte sich mittlerweile mit Bayern gefüllt, alle Straßen waren mit Truppen bedeckt. Die Bürger er­barmten sich der frierenden und durchnäßten Truppen und brachten aus allen Häusern warmen Kaffee. Die Ausnahme der Bayern war eine recht herzliche.

Leider sind während den gestrigen Kämpfen auch einige Unfälle zu verzeichnen. In Bergen stürzte ein Artillerist vom Regiment Nr. 27 und war nach wenigen Minuten todt. Ferner wurde ein Hauptmann der bayerischen schweren Reiter vom Pferde geworfen und durch einen Huftritt am Kopf nicht unerheblich verletzt. Hanau bot das Bild eines Feld­lagers. Die Truppen bezogen Nothquartiere und annähernd vierzehntausend Mann mußten in Hanau untergebracht werden. Das Oberkommando der Ostarmee (Prinz Leopold) und das Generalkommando 1. bayer. Armeekorps (Prinz Arnulf) waren hier in Quartier. Im Stabe des 1. Armee­korps befindet sich auch Prinz Fran; von Bayern, ein Enkel des Prinzregenten. Auch der bayerische Kriegsminister be­findet sich hier.

0 Windecken, 6. Septbr. Mittelst Sonderzugeâ trasen heute früh Ihre Königl. Hoheiten Prinz Albrecht von Preußen und Prinz Ludwig von Bayern hier ein, um sich von hier ins Manövergelände zu begeben. Infolge der ungünstigen Witterung, die die heutigen Uebungen rasch beendigten, kehrten die hohen Herrschaften von hier bald wieder zurück.

*

Vom heutigenManövertage ist zu berichten, daß sich Se. Maj. der Kaiser nebst den anderen Fürstlichkeiten heute Morgen wiederum über Hanau-Ost und Hanau-Nord nach dem Mauöverfelde in die Gegend von Windecken-Helden- bergen begaben. Den Nordbahnhof passirten: 5,30 der Marschallzug, 6,61 der Kaiserzug, 7/ der Fürstenzug, 7,51 der Offizierzug. Die Rückkehr erfolgte aus demselben Wege wie bei der Ankunft: Der Fürstenzug fuhr in Heldenbergen ab U,15, der Kaiserzug 12,25 und der Offizierzug 12,55.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

bei Allerhöchstihrer Anwesenheit in der Provinz Hessen- Nassau aus Anlaß der diesjährigen großen Herbstmanöver den nachbenannten Personen Orden und Ehrenzeichen zu verleihen, und zwar haben erhalten:

den Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit dem Stern:

Dr. Klein, Bischof von Limburg zu Limburg; den Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub:

Sartorius, Landes-Direktor des Bezirks-Verbandes des Regierungsbezirks Wiesbaden zu Wiesbaden;

den Rothen Adler-Orden dritterKlasse mit der Schleife und Schwertern am Ringe: von Göckingk, Hermann, Kammerherr, Premier- Li.utenant a. D. zu Wiesbaden;

den Rothen Adler-Orden dritter Klasse mit der Schleife:

Braun, Landgerichts Präsident zu Frankfurt a. M., B ü st o r f f, Geheimer Justiz-Rath, Ober-Landgerichts-Rath zu Cassel,

Hagemann, Landgerichts-Präsident zu Limburg a. d. Lahn, Hintz, Ober-Forstmeister und Mitdirigent der Finanz-Ab­theilung der Regierung zu Cassel,