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Si. 208.
Montag den 6. September
1897.
Dienstnirchrilhten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Buch, Roman „Hegblâttchen". Eine schwarze Taille. Ein Brief, adresstrt an Frau Elisabeth Hufnagel, Dörnigheim. Ein leeres Portemonnaie (von der Post). Einige Pfennig baar und eine Konsummarke. Ein
lich die Thatsache lassen, daß in dieser ganzen Zeit der streich der sämmtlichen Musikkorps des XL Armeekorps im „Eisenbahnseuche" das Reichseisenbahnamt mit keinem einzigen oberen Schloßhofe. Unter den Klängen des Iork'schen Schritte in die Oeffentlichkeit getreten ist, um zu rathen und Marsches marschirten die Musiker ein, nicht nach Regimentern, zu helfen. Es entstehen daher ernste Zweifel, ob diese Be- sondern nach Instrumenten geordnet, von Magnesiumfackel- 1 trägem begleitet. Mehr und mehr erhellte sich der alte Burg-
Hörde die Aufgaben erfüllt, um derenwillen sie eingesetzt ist
Regenschirm.
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit gelben Pfoten, m. Geschl., eine graue junge Ziege; Empfangnahme der beiden Thiere beim Herrn Bürgermeister zu Bruch-
körel.
Hanau den 6. September 1897.
„Agrarier" und „ostelbische Junker".
Es gibt kaum zwei Worte, mit denen gegenwärtig mehr Mißbrauch getrieben wird, als mit den Worten „Agrarier" und „ostelbischer Junker". Man mag ein radikales Blatt in die Hand nehmen, welches man will, sicher wird man darin auf Artikel stoßen, in denen die „Agrarier und „ost- elbischen Junker" auf das schärfste angegriffen werden. Was für Leute sind denn das nun eigentlich, daß sie so angefeindet werden. Sind sie wirklich so verabscheuungswürdig, wie sie in diesen Blättern hingestellt werden?
Zunächst einige Worte über die Bezeichnung „Agrarier". Das Wort stammt von dem lateinischen „ager“, der Acker. Die' Agrarier können also unmöglich etwas anderes sein als Landwirthe, und gegen diesen wichtigsten und zahlreichsten Stand in Deutschland richtet sich auch die Hetze. Wenn man aber von den Landwirthen alles das Böse sagen wollte, was die radikalen Blätter von den „Agrariern" schreiben, so würde es auch dem einfachsten Leser einleuchten, daß die Landwirthschaft keine verbrecherische Beschäftigung ist, keine verbrecherische Menschcnklasse umfaßt und auch keine g-fährliche. Man muß deshalb, damit die Verlâumdung der Landwirthschaft Anklang findet, ein Deckwort für sie einführen. Dazu eignet sich das Fremdwort „Agrarier".
Aehnlich steht die Sache mit den „ost el bischen Junkern". Was wird denen alles in die Schuhe geschoben! Sie werden hingestellt als Prasser, Nimmersatte, Habgierige, die den andern nichts gönnen und nur für ihre Tasche sorgen. Auch das ist eine Fälschung der Thatsache. Mögen es sich die radikal!« Blätter von einem hervorragenden Gelehrten sagen lassen, welche Verdienste die geschmähten „ostelbischen Junker" aufzuweisen haben. In einem Vortrage über die Entstehung des deutschen Staates sagte Professor Sohm: „Aus der Stadt ist das deutsche Volk, aus dem Lande aber
Hierzu bemerkt die „Berl. Korresp." ; Wenn in die Oeffent- lichkeit gebrachte gute Rathschläge den Eisenbahnbetrieb sicherer machen könnten, so würde sich dieses Ziel, auf das zahlreiche Kräste unausgesetzt hinarbeiten, ja bald erreichen lassen. Aber so einfach liegt die Sache denn doch nicht. Eisenbahnunfälle können, soweit dies überhaupt in der menschlichen Macht liegt, nur verhütet werden, wenn die Anlagen, Einrichtungen und Ausrüstungen der Bahnen zweckmäßig hergestellt und in gutem Zustände erhalten werden, wenn ihr Personal sachkundig uno zuverlässig ist und wenn der Betrieb richtig gehandhabt wird. Zu dem Zwecke sind die wesentlichsten Vorschriften durch die vom Bundesrath erlassenen Ordnungen (die Betriebsordnung, die Signalordnung, die Normen für den Bau und die Ausrüstung der Haupteisenbahnen, die Bahnordnung für Nebenbahnen, die Bestimmungen
Unter den Klängen des Dorischen
hof mit dem uralten runden Thurm in der Mitte, immer von Neuem ertönte die energische Marschweise, der Zug schien nicht enden zu wollen. Einen herrlichen Anblick gewährten die geschlossen geführten Schellenbäume aller Regimenter, von wehenden Roßschweifen umflattert, von ihren goldenen Symbolen überragt. Auf dem Balkon des ersten Stockwerkes waren der Kaiser und die Kaiserin, der König und die Königin von Italien, die Könige von Sachsen und Württemberg und andere Fürstlichkeiten erschienen, während die Hautboisten ihre Standplätze eingenommen und Musikdirigent Roßberg das Dirigentenpult bestiegen hatte. Ueber eine Stunde währte das Konzert, das bei der eigenartigen Gruppirung der Instrumente und deren Menge, sowie bei der Akustik des eng- umgrenzten Raumes ganz ungeheure Tonwirkungen bot, aus deren fast betäubender Gewalt sich die Piani der Holzbläser
über die Befähigung von Eisenbahnbetriebsbeamten u. s. w.) j um so überraschender abhoben. Nach dem Gebet marschirten einheitlich geregelt. Anderes, wo ein gewisser Spielraum ge- die Musiker, wie sie gekommen, ab und bald hörte man nur
lassen werden mußte, z. B. bei der Dienstdauer der einzelnen Beamtenklassen, der Sonntagsruhe u. s. w., ist auf besonderem Wege geordnet. Der fortschreitenden Entwickelung des Eisenbahnwesens entsprechend werden alle jene Vorschriften vom Reichseisenbahnamte nach den gemachten Erfahrungen und unter Mitwirkung von sachkundigen Vertretern der Eisenbahnverwaltungen periodisch aufs neue durchgesehen und ausgestaltet, auch die nöthigen Aenderungen in die Wege geleitet. Ihre Befolgung wird vom Amte ständig überwacht und bei der Bereisung der Lahnen durch seine Mitglieder kontrolirt, soweit deren Anzahl es ermöglicht; ferner sind regelmäßige
Revisionen der Bahnlinien, ihres Oberbaues und der Brücken
die Musiker, wie sie gekommen, ab und bald hörte man nur
noch von fern die Klänge des preußischen Zapfenstreichs erklingen. Der Zug bewegte sich durch die Stadt; eine gründunstige Wolke von den Magnesiumsackeln bezeichnete seinen Weg.
In der Nacht regnete und stürmte es stark, und auch am heutigen Morgen ließ sich das Wetter noch trübe und drohend genug an. Trotzdem pilgerten denn auch hier Tausende zu Fuß und zu Wagen auf lehmdurchweichtem Boden durch die Dörfer Ober- und Nieder-Eschbach, Ober-Erlenbach u. s. w. nach dem Paradefeld hinaus.
Die vierte uud letzte Kaiserparade während der dies-
jährigen Manöver war das glänzendste militärische Schauspiel
vorgeschrieben. Ueber die vorkommenden Unfälle insbesondere auf deutschem Boden in diesem Jahre. Noch nie war eine gehen dem Reichseisenbahnamte allmonatlich Nachweisungen zu, I solche Truppenzahl zur Parade und vor einem solch glänzen- in denen jeder einzelne Unfall verzeichnet und erläutert ist. den Gefolge hoher fürstlicher Personen vereinigt. In der
in denen jeder einzelne Unfall verzeichnet und erläutert ist.
Jn zahlreichen Fällen werden die Untersuchungsverhandlungen eingefordert und wird den Ursachen nachgegangen. Außerdem aber ist jeder schwere Unfall telegraphisch zu melden, worauf sich je nach den Umständen sofort ein Mitglied des Amtes zur Untersuchung an Ort und Stelle begibt. Findet sich ein Mißstand irgend welcher Art, so wird Abhülse veranlaßt. Wahrnehmungen von allgemeinerem Interesse werden auch
ist der deutsche Staat geboren. Auf dem Lande
den übrigen Verwaltungen zur praktischen Verwerthung mitgetheilt. Naturgemäß ist die Beseitigung der Ursachen, die zu den Unfällen geführt haben, und zwar weniger der unmittel-
wohnt die Disziplin, auf dem Lande wohnt die Sub- als der tiefer liegenden, oft mit erheblichen Schwierigordination, auf dem Lande wohnt das Her, die kör- .verknüpft. Handelt es sich doch auch meistens um
Frühe des Morgens herrschte leider kein Kaiserwetter; es regnete wolkenbruchartig und es schien, als ob die Parade nicht abgehalten werden könnte. Indeß ließ der Regen nach, doch lagen den ganzen Tag über schwere Gewitterwolken am Himmel und nur selten ließ die Sonne freundliche Strahlen auf das weitausgedehnte Paradefeld fallen. Aus allen Nachbarstädten und -Orten kamen mit der Eisenbahn, zu Wagen, Roß, Veloziped und zu Fuß ungezählte Tausende über Homburg oder Bonames nach der Ebene geströmt, auf der bereits im Jahre 1883 eine berühmte Kaiserparade abgehalten wurde, von der drei Riesenbäume, die „Drei Kaiser-Pappeln", Zeug
inumuuun um rui.uc luuuiu uu» , ■■ - . , , , niß geben. Je mehr man sich dem Paradeselde nähert, um
verlicke Mtraft der Nation Sie sitzt auf dem Lande Maßregeln, die Geld, unter Umständen recht viel Geld kosten so mehr staut sich die Menschenmenge. Eine Tribüne von draußen an ihrer Svitze der Adel der Landadel an erster I " Umbau von Bahnhöfen, Vermehrung des Personals u. s. w. ungeheurer Ausdehnung ist bereits einige Stunden vor Beginn Stelle der Landeskerr der Monarch ist der Schövfer des i Insbesondere sei z. B. erinnert an die äußerst wichtige und' der Parade von Tausenden besetzt, die mit lebhaftem Jntereffe deutschen Staates' de/König von Preußen An seiner Seite gleich sinanziell bedeutsame Frage einer Verstärkung des dem Aufmarsch der Truppen folgen. Hinter der Tribüne sind das ostelbische ^unke um der ostelbische Adel Der Oberbaues der Eisenbahnen, für die das Reichseuenbahuamt die Wagen aufgefahren: es mögen tausend Gefährte aller Art ijW gerne ^ 7' Reicht aus die im Zuge der Zeit ttegâ größere sein die in schön geordneten Reihen ein mgennttigeè Bild
Heer, mitschaffend, das Hoh-nzoll-mlönigthum in den Stand F°hrg-schwmd,gk°,t schon stit Jahren nachdrncklich e „getreten abgaben. Berittene und Fnß-Gendarmen befehligten hier und setzte, das deutsche Reich zu gründen". Und stnd -S nicht "7 .. ^ vor wenigen Monaten konnte diese Frage ^ Roffelenter aus die r-s-rmrt-n Platze. Ein,g-
noch heute die Ostelbier, welche mit der Entschiedenheit ihrer ‘f"?'8™^ ?^Ww» Men, mdem durch Beschluß des Uns alle waren ,-doch l-ed-r bet dem gewaltigen Verkehr hier deutschen Gesinnung die Wacht an ter Weichsel halten u»d Bund-sraths die vorschriftsmäßige Tragsahigkeit snr den nicht zu vermeiden. Jud-sf-n vergingen dem Publikum, das mit Opsermuth und Zähigkeit die Jnt-r-ff-n der Landwirth- Überbau von 7000 aus 8000 Kilogramm erhöht wurde, aus den sehr ausg-welcht-n Wegen manche Unbill ertragen
perliche Vollkraft der Nation.
Indessen vergingen dem Publikum, das
schaft zu fördern suchen? Man sieht, wie <
Der Grund, weshalb das Reichseisenbahnamt die Ergebnisse mußte, die Stunden schnell. Tausend Ferngläser richteten
Man steht, wie es mit den Schlagworten „Agrarier" f™" Unfallsnnt-rsnchung-n nicht zu veröffentlichen pflegt, sich aus die Truppenmassen, welche in nnüb-rs-hbar-r Linie,
und „ostelbiicher Bunker" in Wabrkeit bestellt ist Sie sind ^^nt uns nahe zu siegen. Bekanntlrch wird fast über jeden parallel mit der Tribüne, aufgestellt waren. "m
der Deckmantel, unter dem alles was mit der Landwirthschaft Uferen Unfall eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. 110 Uhr verkündeten laute Hurrahrufen das Nahen der Mafe-
rusammenbânat verlänmd^ nnh nnnem-iffen merhen soll Sie ^™ nun von autoritativer Seite eine Kundgebung über [täten. Sofort sprengte der kommandirende General des li.
Idi-, Ursachen è , S üta das Verschulden eines Be- ^ °. W i ..ich, an das w-Mche
satzlichen Gegner einer kraftvollen Monarchie, emes vom,
Pünktlich um
Christenthum getragenen und besruchteten Volkslebens und einer nationalen Wirlhschaftspolitik verbergen möchten. Angesichts der Gefahren, die eine solche Trübung des Urtheils namentlich bei ben bevorstehenden Wahlen im Gefolge haben kann, ist es unerläßlich, die Gegner in ihrer wahren Gestalt
zu zeigen.
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Tagesschau.
Von der Marine Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Gneisenau", Kommandant Kapitän zur See Hofmeier, am 3. September in Funchal (Madeira) angekommen und beabsichtigt, am 5. September nach St. Vincent in See zu gehen.
Ein Aufsatz über „Die Eisenvahnnnfälle" in der Morgenausgabe der „Vossischen Zeitung" vom 2. d. M. schließt mit den Worten: „Nicht unbeachtet können wir end
amten, so wäre damit eine höchst bedenkliche Einwirkung auf des Pa adeseldes, wo soeben der Kaiser mit dem Könige von das gerichtliche Verfahren verknüpft, die durchaus vermieden Italien einreitet, und macht den Rapport. Sodann beginnt werden muß. Daß aber vom Reichseisenbahnamte nichts die Besichtigung der Truppen, welche in zwei besten aufunterlassen wird, um die Betriebssicherheit auf den deutschen gestellt sind. In sechsspännigem Hofwagen folgt dle Kaljerm Eisenbahnen zu wahren und nach Möglichkeit zu erhöhen,; Friedrich mit der Königin Margarita von Italien zur Rechten, darüber könnten wohl am besten die Eisenbahnverwaltunaen' In 5 weiteren Wagen erblickten wir das Gefolge der Aller-
selbst Zeugniß ablegen, die vielleicht geneigt sein würden, eher über das zu Viel als das zu Wenig der fürsorglichen Einwirkung des Reichseisenbahnamtes auf diesem Gebiete zu klagen.
Die Kaisertage in Homburg v. d. Höhe.
Homburg, 4. September 1897.
Gestern Abend um 71/s Uhr fand hier im Königlichen
Schlöffe Familientafel bei den Kaiserlichen Majestäten statt, an welcher die anwesenden Allerhöchsten Herrschaften Theil nahmen. Gleichzeitig war im Bibliotheksaale des Schlosses
höchsten Herrschaften. Hinter dem Wagen der Kaiserin Friedrich und der Königin Margarita kamen die zahlreichen Fürstlichkeiten, welche als Gäste des Kaisers erschienen waren. In glänzender Suite folgten dann eine große Anzahl in- und ausländischer Offiziere. Der Umritt dauerte fast eine Stunde. Gegen 11 Uhr begann der Parademarsch, voran die Leibgarde der Kaiserin und daraus die Leibgendarmerie des Kaisers,
folgten sich in unabsehbarer Reihe Regiment aus Regiment. Als das zweite Treffen sich nun, an der Spitze die 13.
Husaren, in Bewegung setzte, galoppirte König Humbert dem-
..uVu.u». ^^^ ,uut lu. ^vmu^uu^ vty v^«n» Jetten entgegen, um das genannte Regiment im Schritt vor- Marschallstafel. Hieran schloß sich gegen 9 Uhr ein Zapfen- beizuführen. In kurzem Trabe folgten nun die Kavallerie-