Einzelbild herunterladen
 

W*

Jährlich 9 <* WKjLhrl. 4 Ji 50 ^.

Lterteljâhrlich

2 J6 25 4.

Kür auswärtige Momenten mit dem betreff enben Pvstaufschlag.

Die einzelne Rummet kostet

10 4.

Amtliches Organ für Htaöt- unS Fauökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Insertions- Preis: Die Ispaltige Garmond­zeile oder deren Raum 10 4- Die IVsfpaltige Zeil« 15 4.

Die 2spallige Zeile

20

Die 3spaltige Zeile

30 ^

Die 4spaltige Zeil«

40 ^.

Im Reklamentheile N« Zeile 20 4 netto.

St. 207.

Amtliches.

Dicnstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit einem Pfennig und 1 Münze, ein desgl. mit einigen Pfennigen (von der Post), eine fast neue Peitsche, ein Soldbuch für Musketier Albert Hugo Brehme, 2. Komp. 5. Thür. Jnf.-Regt. Nr. 94, eine kleine Tabakspfeife, eine silb. Cylinderuhr mit Schlüssel und kleiner breiter Kette, auf der Straße von Rüdigheim nach Oberissigheim eine wasserdichte Pferdedecke, F. Volz gez., Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Rüdigheim; ein Gebund Schlüssel.

Zugeflogen: Eine Lachtaube.

Verloren: Am 31. v. M. auf der Chaussee von Bad Nauheim bis Hanau ein Fernglas, dem Finder wird gute Belohnung zugesichert; abzuliefern bei Königl. Polizei- direktion hier.

Hanau den 4. September 1897.

^»tadtserete ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Zur Verloosung städtischer Obligationen ist Termin auf Donnerstag d. 30. Septbr. d. I.,

nachmittags 3V2 Uhr, in das Sitzungszimmer des Neustädter Rathhauses an­beraumt.

Hanau am 25. August 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 12348

Tagesschau.

Don der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine sind S. M. S.Irene", Kommandant Kapitän zur See du Bois, und S. M. S. Aicona", Kommandant Kapitän zur See Becker, am 2. in Hakodate angekommen; S. M. S.Seeadler", Komman­dant Korvetten-Kapitän Kindt, wird am 6. September von den Seychellen nach Sansibar in See gehen.

Oesterreichische Manöver. Die Stärke des zum Manöver bei Bistritz zusammengezogenen Korps beträgt 47 Bataillone Infanterie, 12Vi Schwadronen Kavallerie und 128 Geschütze, während das 2. Korps 48 Bataillone, 103/4 Schwadronen und 96 Geschütze stark ist. Jedem Korps sind außerdem 2 Kompagnien Pioniere, so eine halbe leichte Kriegs- Brücken-Equipage zugetheilt worden. Der den Kaisermanövern zu Grunde gelegten Generalidee zufolge hat die Krakau be­lagernde feindliche Armee auf die Meldung von der Ansamm­lung von Streitkräften westlich der mittleren March hin das

fettiUehtt

Allerlei Gedanken.

Hanau, 4. September.

Manöver ist eben das Wort, um das sich alles dreht und das füglich auch der Pol sein muß, um den meine Ge­danken ihren Kreislauf zu beginnen haben. Das ist ein Drängen und Hasten, ein Rennen und Schieben, ein Flüstern und Raunen, daß man sich unwiderstehlich in diesen ge- schästigen Trubel hineingezogen fühlt und manches ohne Klagen und Murren über sich ergehen läßt, was einem sonst die Geduld geraubt hätte.Nun nicht zur Kaiserparade?" trug mich heute schon am frühsten Morgen ein geliebter Nach­bar, den ich schon deshalb nicht leiden kann, weil er stets karrirte Hosen und klatschrosenfarbige Shlipse trägt.Nicht zur Kaiserparade?" ist die stereotype Frage, mit der mich jeder Bekannte und Unbekannte empfängt und die mich sogar .bis in die geheiligten Räume meines Musensaales verfolgt. Nachdem ich so einige Dutzend Male geantwortet habe:Lei­ber nicht, wie Sie sehen" und mir mit bewundernswerther Geduld von meinem Nachbar mit dem klatschrofenfarbigen Shlips eine schreckliche Geschichte seines Kanarienvogels, der etwas auf seine neuesten karrirten Unaussprechlichen habe fallen lassen, erzählen ließ, die Lamentationen einer Eierfrau über die Gefräßigkeit wer Kaninchen anhörte, den Aus- lafiungen eines pensionirten Nachtwächters über die Lichtoer- bältniffe der Altstadt und die Sicherheit des europäischen Friedens mit gespanntem Interesse zugehört hatte, fing ich selber an, mir die unheimliche Frage vorzulegen: Warum bin ich nicht zur Kaiserparade? Aus Sparsamkeit nicht und aus Bescheidenheit auch nicht, antwortete ich mir prompt, denn diese Tugenden habcn mich noch nicht zu ihrem Liebling aus­erkoren.

Samstag den 4. September

HBS«ajM*Mffigmm»wCTmgegä6i3H»jii|.MiwiuiuiüMwm«iarwMw«ae!>jiMMBMjaaa

1. Korps gegen Kremsier vorgesandt, um den Truppenauf­marsch zu verhindern. Das 2. Korps hat infolge der Nach­richt vom Eindringen des Feindes in Oberschlesien den Auf­trag erhalten, die Zusammenziehung der eigenen Truppen an der mittleren March zu sichern. Zwischen den von beiden Seiten zum Zwecke der Aufklärung entsandten Vortruppen ist es am Mittwoch zu wiederholten Zusammenstößen gekom­men, während die Gros der beiden vorrückenden Korps an diesem Tage noch nicht aufeinander trafen. Am Donners­tag stieß die im Vordertreffen des 2. Korps vor gehende Di­vision auf den größten Theil des 1. Korps, zog sich jedoch, als sich die Uebermacht des Feindes auf seinem linken Flügel stark fühlbar machte, auf die inzwischen heranrückende In­fanterie-Division zurück, um sich mit derselben zu vereinigen.

Um l1/a Uhr wurde das Gefecht abgebrochen. Kaiser Franz Josef, von dem deutschen und italienischen Militär-Attachee begleitet, war dem Verlaufe des Gefechtes mit der gespanntesten Aufmerksamkeit gefolgt. Trotz der herrschenden Hitze und sehr bedeutender Marschleistungen einzelner Truppentheile war das Aussehen und die Haltung der Truppen ganz vor­züglich. Alle Ortschaften, die der Kaiser passirte, waren fest­lich geschmückt und überall wurde der Herrscher von der zahl­reich versammelten Bevölkerung begeistert begrüßt.

Abkühlung. Die Jubelhymnen über die Bestätigung der Allianz sind nun in Frankreich verhallt. Dagegen be­stehen die Zweifel fort und gelangen in Blättern der ver­schiedensten Richtung zum Ausdruck. Nicht bloß Eassagnac und Rochefort, deren Hauptforce im Tadeln liegt, sondern auch aufrichtige Republikaner fahren fort, Bedenken zu äußern und den praktischen Werth der Allianz kühl abzuwägen. So schreibt der ehemalige Abgeordnete de Lanessan imRappet", Frankreich habe die Allianz schon theuer bezahlen müssen und wisse auch heu'e noch nicht, was man ihm dafür geben werde. Die Verzichtleistung aus die Revanche und die Wiederher­stellung unseres Landesgebietes sind der erste Preis, womit wir die Freundschaft Rußlands bezahlt haben. So lange die Freundschaft auf d eler Basis fortbesteht, werden wir ver- urtheilt sein, alljährlich über eine Milliarde für unser Heer nnd unsere Marine auszugeben, ohne davon einen freiwilligen Gebrauch machen zu dürfen, aber in der beständigen Furcht vor einem Angriff. Denn wenn wir Rußland zu ieb darauf verzichtet haben, die Revision des Frankfurter Friedens zu verlangen, so ist hingegen Deutschland keine berat tige Ver- pfl chlung eingegangen. Wenn sein Kaiser wollte oder wenn es irgend einen Vortheil davon erhoffte, so könnte es uns zu einem neuen Kriege herausfordern und uns der Unter­stützung Rußlands berauben, indem es alle Schuld auf uns wälzte. Es gibt sogar Leute, welche meinen, es läge im Interesse Deutschlands, einen europäischen Krieg zu veran­lassen, ehe Rußland mit seinen Kriegsrüstungen und dem Bau seiner strategischen Bahnen zu Ende wäre. Dazu be-

Aber es hat mit meiner heldenmütigen Entsagung eine andere Bewandniß. Ich bin ein aufrichtiger Verehrer von glühenden Sonnenstrahlen, von bazilleureichen Staubwolken und von den Stiefelabsätzen meiner Mittmenschen, sofern ich damit nichts zu thun habe. Auch hege ich eine tiefe Zu­neigung zu den Köpfen anderer Erdensöhne, nur türfen sie mir nicht die Aussicht versperren, was ich ihnen selbst dann nicht verzeihen kann, wenn ihr Inhalt als schlechter Wärme­leiter mich vor allzu hartnäckigen Angriffen des tückischen Helios schützt. Ich wappne mich daher mit der in solchen Fällen sehr nützlichen Resignation und beginne darüber nach­zudenken, was uns die Woche sonst noch Erzählenswerthes brachte. Wenig oder besser gesagt nichts, denn ich kann mich nicht entschließen die Geschichte, die mir me:n Nachbar mit dem klatschrosenfarbigen Shlips von seinem Kanarienvogel erzählte, oder die Lamentationen einer Eierfrau als Motive zu einer gereimten Besprechung zu betrachten. Ich mag es auch nicht, denn der kriegerische Hauch, der eben durch unsere Gegend weht, hat auch den Eingang in meine Brust offen pefunben und ich fürchte wahrhaftig, daß mich die allgemeine Aufregung angesteckt hat, obgleich ich mich noch über die heftig gestikulirenden Gruppen, die man eifrig erzählend an jeder Straßenecke stehrn sieht und die die getroffenen Ar­rangements bald loben, bald tadeln, je nachdem sie für ihren Horizont begreiflich oder unbegreiflich sind. O, es gäben lauter famose Feldherren, diese wackeren Plauderer, die so vortrefflich zu kritisiren verstehen, und der europäische Friede erschiene noch mit gesicherter, wenn man isren Meinungen die verdiente Beachtung schenken würde; nach ihrer Meinung ua üblich. Der wackere Bierphilister, der vor und nach jedem Schoppen ein Schnèpslein genießt, und der ein paar Mann Einquartierung hat, gibt seine Ansichtrn mit demselben Stolz fun\ wie das alte Butlerwrib, das ihrem Sohn ein Dutzend Handkäse und den sauer ersparten Gold-

1897. darf es noch etlicher Milliarden und eine Frist von fünf oder sechs Jahren. Sollte inzwischen ein Krieg ausbrechen, so würde Frankreich fast allein die Wucht desselben zu tragen haben, auch wenn Rußland ihm seinen militärischen Bestand leihen müßte. Folglich bürdet die französisch-russische Allianz unserem Patriotismus schmerzliches Entsagen auf, ohne uns dafür eine unbedingte Garantie des Friedens und der Ruhe zu geben, ohne uns eine Verminderung unseres Heeresbudgets zu gestatten, wodurch die Steuerpflichtigen entlastet oder öffentliche Bauten ausgeführt werden könnten, deren unser Handel, unser Gewerbe und unsere Landwirthschaft dringend bedürfen. Darüber ist sich jedermann in Frankreich so ziem­lich klar. Das französisch-russische Einvernehmen erfreut sich aus diesem Grunde wohl heute der Gunst des Publikums, gewährt aber niemand die Befriedigung, die seine Urheber davon zu erhoffen berechtigt gewesen wären."

Die Kaisertage in Franken.

Nürnberg, 3. September. Der vom Prinzregenten bei der Paradetafel ausgebrachte Trinkspruch lautete;

Im Namen der gesummten Bürgerschaft Nürnbergs, dessen alte Geschichte so eng verflochten war durch den Burg­grafen von Nürnberg mit dem glanzvollen HauseHohenzollern, ist es mir eine liebe Pflicht, dem deutschen Kaiser und der huldvollen Kaiserin für Ihre gnädige Theilnahme an den Paraden der beiden bayerischen Korps nochmals meinen tief­gefühlten Dank auszusprechen. Ihre Majestäten leben hoch, hoch, hoch!"

Hierauf ergriff der Kaiser das Wort zu folgender An­sprache:

Ew. Königlichen Hoheit spreche ich meinen tiefgefühltesten Dank aus für die erneuten gnädigen Worte. Ich spreche Ihnen sodann meinen herzlichsten Glückwunsch aus zu der schön gelungenen Parade. Aber ich spreche noch mehr mit tiefbewegtem Herzen meinen Dank dafür aus, daß durch Ihre gütige Einladung es mir endlich vergönnt gewesen ist, in dieser herrlichen kerndeutschen, alten Stadt zu weilen und auf der Burg zu sein, die Jahrhunderte lang meine Vorfahren in altbewährter Treue für den deutschen Kaiser verwaltet und erhalten haben. Mit ganz besonderer Andacht blicke ich auf das ehrwürdige Gemäuer, wenn ich mich erinnere, daß gerade in Nürnberg und auf der Burg die innigsten Beziehungen des Hauses Wittelsbach zu dem Hause Hohemollern zu finden sind. Als gute Freunde und Kameraden ritten der junge Burggraf und der junge Wittelsbacher im Gefolge der deut­schen Kaiser und fochten zusammen ihre Kämpfe für Kaiser und Reich. Von Heinrich VII. wurden mein Vorfahr Fried­rich V. und der nachherige deutsche Kaiser Ludwig von Bayern vor Rom zu Rittern geschlagen, und derselbe Vorfahr von mir hat als treuer Mann bei Mühlberg gekämpft und fuchs in's Feld schickte; der Schneidergeielle, der jahraus jahrein über die zunehmenden Heereslasten schimpft und nie­mals Blut sehen kann, ergeht sich in begeisterten Schilder­ungen der Schlagfertigkeit unserer Armee und der muskulöse Metzgerbursche vertheidigt erfolgreich die Stellungen, die er mit seinem Zeigesinger auf die Tischplatte gemalt hat; der kleine Schuljunge mit dem Holzsäbelchen und dem Papierhelm schlägt seinem Kameraden ein Loch in den Kopf, weil dieser seinen Rang alsGeneral" nicht respektiren will und das strohblonde Backsi'chchen zeigt glückstrahlend ihreraufrichtig­sten" Freundin die Postkarteaus dem Manövergelände", die ihr der gutmüthige Einjährige auf ihre dringenden Bitten ge­schickt hat. O, was könnte man noch alles aufzählen, was die Manöverstimmung charakerisirt, wenn man alle Be­obachtungen wiedergeben wollte und wenn der gefürchtete Zensmstist nickt wäre, der ein geschworener Feind aller per­sönlichen Studien und Entdeckungen ist. Es wird auch Zeit, daß ich meine losen Rrden in eine gebundene Form zwänge, denn meine Freundin zürnt schon, daß ich sie so lange ver­nachlässige. Also ein schwarz-weiß rothes Lied und statt lyrischem Jambengeklimper eine kräftigere Blechmusik:

Laut rasselt die Trommel, hell klinget das Horn, Frisch flattern die Fahnen im Winde, Tief fliegt in die Weichen den Rossen der Sporn, Sie wiehern und sausen geschwinde.

Und überall glitzert und glänzet es hell In der Sonne verklärenden Strahlen

Und alles durchsauset die Felder so schnell Und folget geschwind den Signalen.

Dort über die staubige Ebene saust Der glänzende Zug der Schwadronen Und rings von den Bergen und Hügeln erbraust Der donnernde Gruß der Kanonen.

Es wälzt sich heran, die Erde erdröhnt, Wie der wüthende Sturm auf dem Meere Und ringsum, vom Echo vertausendfacht, tönt Der knatternde Schall der Gewehre.