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Nr. 202.

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Montag den 30. August

1897.

Amtliches. cÈanö&reio ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

Während der diesjährigen großen Manöver müssen den Truppen nicht unerhebliche Anstrengungen zugemuthet werden. Die Herren Orts- und Gutsvcn stände ersuche ich dafür Sorg: zu tragen, daß beim Durchmarsch von Truppen längs der Dorfstraßen möglichst viele große Gefäße mit gutem Trink- waffer aufgestellt werden.

Hanau am 21. August 1897.

Der Königliche Landrath.

M. v Schenck.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein Fünfmarkschein. Ein Portemonnaie mit Mark 3.75. Ein goldener Ring mit rothem Stein und weißer Perle.

Entflogen: Eine s. g. Lachtaube.

Gefunden: Ein Bierkrahnen. Ein kettenförmiges Hundehalsband mit der Hundemarke Nr. 450. Eine Zehn- psennig-Marke (von der Post). Ein Paar braune getragene Glacehandschuhe. 27 Stück Fournierbrettchen.

Zugelaufen: Ein junger gesprenkelter Hahn.

Hanau den 30. August 1897.

MHa^t&rei^ ^anau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Meine Bekanntmachung vom 25. August er. in Nr. 200 dieses Blattes ist dahin verstanden worden, daß die Haus­eigenthümer die Quartierlast zu tragen hätten. Dies ist irrig. Die möglicher Weise die Stadt treffende Masfenein- quartierung wird sich im ungünstigsten Fall so vollziehen, daß die einrückenden Truppen direkt von dem Truppenkommando nach dem Bedürfniß in die Häuser vertheilt werden. Im günstigsten Fall kann die Einquartierung auf Grund eines hier aufzustellenden Verzeichnisses erfolgen, was voraussetzt, daß die Einquartierung einige Stunden vor dem Einrücken der Truppen hier angezeigt wird. In beiden Fällen ist die Ausfertigung von Quartierbillets und Vertheilnng derselben an die Mannschaften wegen der vorgerückten Tages- bezw. Abendzeit und der Menge der unterzubringenden Mannschaften ausgeschlossen. Aus demselben Grunde ist eine Berückstch- tigung von Wünschen der Quartier pflichtigen unmöglich.

Die in ein Haus kommandirten Mannschaften melden sich bei dem Hauswirth, bezw. wenn derselbe nicht im Hause wohrt, bei seinem Stellvertreter eventl. dem oder einem der Miether. Die Vertheilung auf die einzelnen Wohnungen erfolgt durch die Mannschaften selbst, wenn sich die das Haus bewohnenden Parteien nicht einigen.

Hanau den 30. August 1897.

Der Oberbürgermeister

12048 vr. Gebeschus.

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist der Reichspostdampfer „Stuttgart" mit der Ablösung von S. M. S. S. „Falke" und „Bussard", Führer: Korvetten-Kapitän Krieg, am 28. d. in Neapel angekommen und hat an demselben Tage die Heim­reise fortgesetzt.

Trinksprüche. Bei dem Diner zu Ehren des Königs von Siam brachte Kaiser Wilhelm nachstehenden Toast, und zwar in englischer Sprache aus: „Indem Ich Eure Majestät in Meinem Lande herzlich willkommen heiße, drängt es Mich, all den großen Unternehmungen, die Sie in Ihrem Reiche be­gonnen haben, und allen den Reisen, die Sie im Interesse Ihres Volkes unternehmen, Glück und Gedeihen zu wünschen. Mögen die Bande der Freundschaft und regen Handelsver­kehrs, wie sie zwischen unseren Ländern so glücklich bestehen, zum Segen unserer Völker immer weitere Ausgestaltung fin­den. Ich trinke aus das Wohl Seiner Majestät des Königs von Siam!" Der König von Siam erwiderte obigen Trink- spruch, gleichfalls in englischer Sprache, folgendermaßen: Ich bitte, Eurer Majestät meinen herzlichsten Dank ausdrücken zu dürfen für die gütigen Worte, welche Sie gesprochen haben, und Ihnen sagen zu dürfen, wie dankbar ich Eurer Majestät bin für den mir zu Theil gewordenen herzlichen Empfang und die mir bezeigte Gastfreundschaft. Ich bin erfreut, in der Lage zu sein, meine Verehrung Eurer

Majestät persönlich darzubringen. Ich möchte diese Gelegen­heit auch zu einer dankbaren Erinnerung an die Güte be­nutzen, welche Eure Majestät meinem Sohne Paribatra und meinen Brü ern erwiesen haben, wie auch an den Beistand, welchen Eure Majestät mir bei der Einrichtung von Post und Telegraphen und dem Bau von Eisenbahnen geliehen haben. Ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß ich immer auf diese Hilfe rechnen darf in allen Angelegenheiten, welche den Fortschritt, die Wohlfahrt und das Gedeihen meines Landes fördern könnten. Ich danke daher Eurer Majestät nochmals und, indem ich es thue, erhebe ich das Glas und trinke auf das Wohl Seiner Majestät des Deut­schen Kaisers, Königs von Preußen und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin!"

Der neue Servistarif für das deutsche Heer, der demnächst auf Grund der letzten Reichstagsbeschlüsse zur Aus­gabe gelangen wird, enthält verschiedene Aenderungen gegen­über den bisher geltenden Bestimmmungen. So wird fortan der Personalservis der fünften Klaffe durchweg nach den Sätzen der bisherigen vierten Klasse bemessen werden, so daß für die Inhaber von Naturalquartier alsdann der Personal­servis in beiden Klassen gleich sein wird, thatsächlich also nur noch vier Klassen bestehen roerb.it. Für Quartier an Mannschaften vom Feldwebel abwärts ist bei Unterkunft außerhalb der Garnison bei nicht längerer Dauer als sechs Monate oder bei unbestimmter Dauer sowie bei Märschen und Kommandos ein besonderer Tarif festgesetzt worden. Die sich ergebenden höheren Beträge an Servis sind vom 1. April 1897 ab, an Wohnungsgeldzuschuß dagegen eist vom 1. Ok­tober d. J. ab zahlbar.

Die wichtigsten Ergebnisse des Postkongresses in Washington werden in der „Deutschen Verkehrsztg." nunmehr wie folgt zusammengefaßt: Unfrankirte Postkarten unterliegen nicht mehr der Taxe für unfrankirte Briefe, son­dern nur dem doppelten Betrage des Portos für frankirte Postkarten. Auf der Vorderseite der Postkarten dürfen Vig­netten oder Reklamen angebracht sein, vorausgesetzt, daß sie die Deutlichkeit der Adresse sowie der Stempelabdrücke und der postdienstlichen Angaben nicht beeinträchtigen. — Das Meistgewicht der Waarenproben ist von 250 Gramm auf 350 Gramm erhöht. Glas fachen, Flüssigkeiten, Oele, fette Stoffe, abfärbende oder nicht sbfärbende Pulver, ferner lebende Bienen sind allgemein zur Versendung gegen die Waa'en- probentoxe zugelassen. — Gegen die Drucksachentaxe sind künftig auch Photographie-Album zugelassen, sowie — bei gleichzeitiger Auflieferung von mindestens 20 Exemplaren — alle auf mechanischem Wege erhaltenen Abdrücke, nicht nur der mit der Feder, sondern auch der mtt der Schreibmaschine hergestellten Schriftstücke. Die Zahl der bei Drucksachen ge­statteten handschriftlichen Zusätze ist erheblich vermehrt worden. So dürfen z. B. aus Visitenkarten Glückwünsche, Beileids­bezeugungen u. s. w. nicht nur ro'.e bisher in Buchstaben, sondern auch in Worten, höchstens fünf, niedergeschrieben werden; auf Weihnachts- und Aeujahr starten ist die Hinzu­fügung von Widmungen gestaltet. — Der zulässige Meistbe­trag der Nachnahme auf Briefpost- rc. Sendungen ist von 500 Fr. auf 1000 Fr., der zulässige Meistbetrag einer Post­anweisung gleichfalls von 500 Fr. auf 1000 Fr. erhöht worden, auch hat die Taxe für Postanweisungen über 100 Fr. eine wesentliche Ermäßigung erfahren. — Das Meistgewicht der Postpackete ist von 3 auf 5 Kilogramm erhöht worden. Diese Beschlüsse treten nach ihrer Ratifizirung durch die Re­gierung mit dem Januar 1899 in Kraft.

Herbstparade des Gardekorps.

Berlin, 28. August.

Heute fand die Parade über das gesammte Gardekorps statt. Das Weiter war anfangs bedeck, hellte sich aber später auf. Gegen 8 Uhr rückten die Truppen in ihre Stellungen auf dem Tempelhoferfelde ein. Die Fahnenkompagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß und die Standarten Eskadron vom Regiment Gardes du Corps marschirten mit klingendem Spiele an. Die Parade wurde in Vertretung des Generals v. Winterfeld auf kaiserlichen Befehl von Generallieutenant Bock v. Polach, Kommandeur der 20. Division, kommandirt, dem der Chef des Generalstabes des Gardekorps, Oberst v. Scheffer zur Seite stand. Die Truppen bildeten zwei Treffen; das erste bestand aus der 1. Garde-Infanteriedivision und Generallieutenant v. Klitzing und der 2. (zusammengestellten) Garde-Infanteriedivision unter Generallieutenant Freiherrn v. Falkenhausen. Am rechten Flügel standen die Leibgen­darmerie, die Leibgarde der Kaiserin, der Stab und die Hauptkadettenanstalt. Es folgten in aufgeschlossenen Tief- kolonnen die 5 Garde Infanterie- Brigaden (die 5. zum ersten

Male) und eine zusammengestellte Brigade, bestehend aus Garde-Fuß-Artillerie und den Garde-Pionieren, einem zu- sammengestellten Eisenbahn-Regiment und der Luftschiffer-Ab­theilung. Das zweite Treffen, welches von Generallieutenant Grafen v. Wartensleben befehligt wurde, umfaßte die vier Garde-Kavallerie-Brigaden, die Garde-Feld-Artillerie und den Garde-Train. Die Kavallerie stand in nach der Flanke ab­geschwenkten Regia entskolonnen, die Artillerie und der Train in Breitkolonnen.

Eine zahlreiche Zuschauermenge hatte sich eingefunden. Der Wagenpark war besonders groß. Die zur Zeit im Zoolo­gischen Garten auftretende Kalmückenhorde war ebenfalls an­wesend. Gegen 9 Uhr war am rechten Flügel des 1. Treffens eine glänzende Suite versammelt; die hier anwesenden Prinzen, Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen und Prinzesin Aribert von Anhalt, beide in Wagen, das gesammte Haupt­quartier, viele hohe preußische und besonders auch fremd­ländische Offiziere, die in ihren originellen Uniformen ein farbenprächtiges Bild boten.

Um 9 Uhr trafen der Kaiser und die Kaiserin, von Wildpark kommend, mit ihrem Gefolge auf dem Paradefelde ein, von den Truppen mit dreifachen Hurrahrufen begrüßt, und stiegen zu Pferd. Der Kaiser trug Generals-Uniform, die Kaiserin ein weißes Koller mit schwarzem silbei betreßtem Dreimaster. Die Majestäten hatten das Band des Schwarzen Adlerordens umgelegt. Gleichzeitig mit dem Kaiserpaar war der König von Siam und dessen zahlreiches Gefolge vom Potsdamer Bahnhöfe her in Hofcquipagen ange­kommen.

Nachdem die Majestäten die Fürstlichkeiten begrüßt und der Kaiser von dem kommandirenden General den Frontrapport abgenommen hatte, ritten die Majestäten, gefolgt von dem König von Siam, den Prinzen und Prinzessinnen und der gesammten Suite zu Pferde und zu Wagen, die Front der Truppen ab, während diese präsentirten und die Fahnen sich senkten. Die rauschenden Wirbel des Präsentirmarsches er­tönten weit über das Feld hin. Gleichzeitig stieg der große, eigenthümlich geformte Fesselballon der Lustschiffer-Ab- thrilung aus.

Es begann der erste Vorbeimarsch, voran die Kadetten, die Infanterie in Kompagniefront mit dem neuerdings be­fohlenen Halbtief-Abstand, die Kavallerie in Eskadrons- und die Artillerie in Batteriefront. Das gesammte zweite Treffen ging nach den geänderten Dispositionen sogleich im Trab vor­über. Der Kaiser führte bei dem ersten und auch bei dem zweiten Vorbeimarsch das 1. Garde Regiment zu Fuß der Kaiserin und dem König von Siam vor, der sich salutirend im Wagen erhob. Die Kaiserin unterhielt sich mit dem König von Siam kurze Zeit während der Vorbereitungen zu dem zweiten Vorbeimarsch. Dieser, in der Richtung gegen die Stadt zu, fand für die Infanterie in Regimentskolonnen statt, die berittenen Truppen gingen im Galopp vorüber. Da trotz der hervorbrechenden Sonne das Feld staubfrei blieb, war der Anblick der dahinjagenden Schwadronen besonders großartig.

Die Parade dauerte drei Stunden. Nach der Kritik setzte sich der Kaiser an die Spitze der Fahnenkompagnie und führte diese nach dem Schloß zurück, stürmisch begrüßt von ter zahlreichen Menschenmenge, die den bekannten Weg durch die Belle Alliance-Friedrichstraße-Unter den Linden besetzt hielt.

Politische und »apolitische Nachrichten

(Depefchen-Bureau „Herold.")

Berlin, 29. August. Der Staatssekretär Marschall hat gestern Abend bereits wieder Berlin ver­lassen und sich zunächst nach Frankfurt a. M. begeben.

Berlin, 29. August. Dem „Lokalanz." zufolge verlautet nunmehr in Marinekrüsen, daß Fürst Bismarck die Ehrung Kaiser Wilhelms, welcher den erstklassigen Kreuzer Ersatz Leipzig „Fürst Bismarck* taufen will, angenommen hat. Ob der Fürst dem -stapellauf beiwodnen wird, ist immerhin noch zweifelhaft und hängt ganz von seinem Ge­sundheitszustände ab.

Budapest, 29. August. In einer gestern Abend statt- gefundenen Versammlung der streikenden Maurer wurde einstimmig besch offen, den Streik mit allen Kräften fortzusetzen. Anläßlich der Auszahlung der Wochenlöhne wurden in allen Fabriken und Arbeitsstätten umfangreiche Sammlungen für die Streikenden veranstaltet.

Paris, 29. August. Pl äsident Faure wird Dienstag früh in Dünkirchen und am selben Tage abends 6 Uhr in Paris erwartet. Für seinen Empfang werden großartige Vorbereitungen getroffen. Faure wird am Bahnhof von