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Amtliches Organ für Htaöi- unS LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Rl. 200.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 59.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein langer Riemen und eine Briefmarke (von der Post). Eine Quittungskarte Nr. 2 für das Kindermädchen Julie Hebeisen zu Fürth i. O. Ein silbernes Reifarmband mit goldenen Sternchen.
Verloren: Ein großer Hundemaulkorb.
Hanau den 27. August 1897.
^taötBrä0 gemalt.
Brkauatm achungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Bei den in diesem Jahre in der Umgegend Hanau's stattfindenden großen Truppenübungen ist die Möglichkeit Vorhände n, daß unvermuthet, z. B. bei Abbruch von Biwaks wegen schlechten Wetters, größere Truppenmassen in Hanau untergebracht werden müssen. Da in solchen Fällen die Ein- quartirung binnen kurzer Zeit nach der Anmeldung eintreffen wird, ist es nicht möglich, die Einquartirung in derselben Weise vorzunehmen, wie bei länger vorher bekannter Ein- quartirung, die Stadtverwaltung wird vielmehr genöthigt sein, für jedes Wohnhaus zu bestimmen, wieviel Mannschaften in demselben unterzubringen sind; dem Hauseigenthümer bezw. dessen Vertreter muß es dann überlassen bleiben, für ein geeignetes Unterkommen der Mannschaften Sorge zu tragen. Die Mannschaften, welche ohne Verpflegung einquartirt werden, haben nur zu beanspruchen eine Lagerstätte aus frischem Stroh in einem gegen die Witterung gesicherten Obdach und mit einer Gelegenheit zum Aufhängen oder Nieder- legen der Montirungs-, Ausrüstungsstücke und Waffen.
Ich mache schon jetzt die Hauseigenthümer auf die Möglichkeit einer solchen unvermutheten Einquartirung aufmerksam, damit sie in der Lage sind, sich vorzusehen.
Hanau den 25. August 1897.
Der Oberbürgermeister.
11940 Dr. Gebeschus.
Tagesschau.
Das erlösende Wörtchen,,Allianz" — in Frankreich wenigstens wurde es ja bekanntlich mit heißer Inbrunst erhofft — ist nun wirklich gefallen. Das neueste Telegramm der „Agence Havas" aus Kronstadt, 26. August, meldet; Bei der heurigen Frühstüllstafil an Bord des „Pothuan" ^anmMMHmmMMMMMBMMMMIWWMMMMBMMWMMMMMBWMMMMM Fenilletsn.
Der Freudentaumel in Petersburg.
Petersburg, 24. August.
Man hat hier schon so Manches erlebt, aber einen solchen Freudentaumel, eine solche Feststimmung sollte man dem Nordländer kaum zutrauen. Man kopirt Paris und möchte ihm in jeder Beziehung gern gleichkommen auch im Ausbruch der trunkenen Freude — worüber in diesem Falle, ist freilich nicht ganz klar. Doch darauf kommt es ja im Grunde nicht an. Viele hören, „der König" von Frankreich ist angekommen, wie mir ganz treuherzig mein Kutscher versicherte, und da wollen wir einmal eine Feier inszeniren, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellen soll. Was die Ausschmückung Petersburgs anbelangt, so muß Jeder gestehen, daß unsere Stadt ein hochmodernes Kleid angelegt hat, das ihr außerordentlich gut zu Gesicht steht.
Wie das „ewig Weibliche" sich bei derartigen Anlässen stets vortheilhaft auszeichnet, so tragen viele Damen Kravatten und Gürtel in französischen Farben, während an der Brust lange Schleifen befestigt sind. Die Frauen erwiesen sich bei der Begrüßung entschieden als das stärkere Geschlecht. Sie kamen sofort, nachdem die Begrüßung zwischen dem Monarchen und Präsidenten vorüber war, auf den kühnen Gedanken, die französischen Schiffe, insonderheit den „Pothuan" zu besteigen, um dort an Ort und Stelle die Begrüßungsfeier vom Stapel zu lassen. Verschiedene Dampfer legten an, das Pub- likum erklomm die Schiffstreppe, und nachdem die russischen Freunde ihren Gästen herzlich die Hand geschüttelt, machten die Damen sich daran, dieselben direkt zu umarmen, freilich nur die Offiziere, bei den Matrosen blieb es beim Händedruck. Ich sah aus nächster Nähe das große Ereigniß, sah
Freitag den 27. August
brachte der Zar folgenden Trinkspruch aus: „Ihr Aufenthalt unter uns schafft ein neues Band zwischen unseren beiden befreundeten und a l l i i r t e n Nationen, die gleichmäßig entschlossen sind, mit ihrer ganzen Macht zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens im Sinne von Recht und Billigkeit beizutragen." Von den Jubelorgien, die sich nunmehr in der französischen Presse erheben werden, kann man sich schon einen leichten Vorgeschmack machen!
Ermordung des Präsidenten von Uruguay. Inmitten des Nanonalsestes, der Feier der am 27. August 1828 erfolgten Unabhängigkeitserklärung Uruguays, hat Mârderhand, wie gestern gemeldet, dem Leben des Präsidenten ein unerwartetes Ziel gesetzt. Dcr Mörder ist ein junger Mann Namens Arredondo, der den Präsidenten I. Jdiarte Bordo in dem Augenblick erschoß, als er nach der kirchlichen Feier die Kathedrale verließ. Senatspräsident Cuestas hat vorläufig die Präsidentschaft übernommen. Das sind die bisher eingrlaufenen Meldungen, aus denen sich nicht erkennen läßt, ob es sich um ein anarchistisches Attentat oder einen Racheakt oder Aehnliches handelt. Ju der ersteren Annahme konnte die Drohung des Mörders Canovaâ', Angio- lillo, Anlaß geben, der darauf hinwies, daß sein Tod^ gerächt werden würde; seine Andeutung, das nächste Opfer werde Präsident Faure sein, ist ja doch nur als leere Großsprecherei auszunebmen.
Aus Indien. Tie Afridis fühlen sich bereits stark genug, den Engländern die Bedingungen vorzuschreiben, unter denen sie gegebenen Falls die Waffen niederlegen wollen. Daß die indische Regierung nicht daran denkt und denken kann, unter irgendwelchen ihr von den Aufständischen diktirten Bedingungen, und seien es die denkbar günstigsten, in einen Frieden oder Waffenstillstand zu willigen, der die Aufständischen als Sieger erscheinen ließe, liegt auf der Hand. Denn das wäre das Signal zum Aufstand der Mohamedaner und Hindus im Innern Indiens, unter denen es seit Langem gährt und die, so feindselig sie sich sonst gegenüberstehen, ein- müi^ig sind in dem gemeinsamen Haß gegen die englischen Unterd.Ücker. Ter „Voss. Z'g." wird aus London, 25. August, gemeldet: Eine Simlaer Drahtung der „Times" besag!, die Afridis enthielten sich am Dienstag aktiver Feindseligkeiten und blieben im Gebirge, wo sie vorläufig sicher gegen jeden Angriff seien. Sie halten die Kühnheit, Bedingungen zu stellen, unter denen sie sich zerstreuen wollen. Diese Bedingungen sind: Abzug der britischen Truppen aus Swat und Samana, Auslieferung aller innerhalb der indischen Grenze redenden Afridifrauen und Revision des Salzregle- mcnts. — Indischen Amtsdrpeschen zufolge ist nunmehr der ganze Khaiberpaß in der Gewalt der Afridis. Alimasgid ist geräumt; die Besatzung, aus Afridis bestehend, ging theilweise zum Feinde über. Das Fort ward später vom Feinde besetzt und niedergebranut. 4000 Afrivis drang! n nach
die freudige Erregung des Präsidenten und die herzliche Begrüßung durch den Zaren, der ihn zweimal küßte. Ja, wir sahen auch auf einem Kutter den „Otjetz" (Vater) Johann aus Kronstadt. Der allgemein verehrte Geistliche hatte sich auch zur Begrüßung eingefunden. Als das schlanke, flinke Ruderboot den Präsidenten dem Zaren entgegenführte, breitete der Geistliche seine Hände aus, den hohen Gast segnend. Nur Wenige haben den Vorgang bemerkt, der Gast selbst leider auch nicht. Die Heimfahrt des schwedischen Dampfers „Nord- kusten", dem ich mich angeschlossen hatte, gestaltete sich in jeder Beziehung als gelungen. Es war ein Kommers im wahrsten Sinne des Wortes. Champagner, Rheinwein und Kognak wurden in unglaublichen Quantitäten und bester Qualität vertilgt. Das Dejeuner fiel großartig aus, zu besonders gelungenen Reden kam es eigentlich nicht, da unsere Stadtverordneten nur eine beschränkte Zahl von Oratoren die ihrigen nennt, und diese waren nicht gleich bei der Hand. Man half sich einfach mit „vive la France". Wer des Französischen nicht mächtig war, schrie einfach: „Wie la Franze". Doch war es herzlich gemeint und fand ebenso herzlichen Beifall. Die Stimmung war die denkbar fröhlichste. Leider verstand die Bedienung kein Wort russisch, und die russischen Stadtverordneten waren gezwungen, mit den schmucken Schwedinnen in ihrer kleidsamen Nationaltracht deutsch zu unterhandeln, was zu manchen komischen Episoden führte. Das Schiff sollte am nächsten Tage, wie mir der Kapitän äußerte, nach Schweden expedirt werden; ob es einem Dutzend handfester Leute wohl gelungen ist, die Spuren des gestrigen Tages über Nacht zu vertilgen, ist mir allerdings nicht recht glaubhaft.
Zur Gala-Vorstellung im Theater von Peterhof war die Zahl der ausgegebenen Billets eine ziemlich geringe. Das Theater ist nicht groß, aber desto reizender in seiner Ausstattung. Der äußere Bau in seiner feenhaften Beleuchtung
1897.
Lukurai vor, wahrscheinlich um zu fouragiren, da sie knapp an Lebens mitteln uno Munition sind. Die Orakzaistämme griffen Mmai und andere Punkte im Kurramthale an.
Politische und unpolitische Nachrichten
(Depeschen-Burcau „Herold.")
Berlin, 26. August. Der Kaiser nahm heute Vormittag den Vortrag des Ministers des königlichen Hauses, von Wedel, entgegen und empfing mittags den bisherigen chilenischen Gesandten am hiesigen Hose, Pinto, sowie dessen Nachfolger Suhercaseaux behufs Entgegennahme des Ab- berufungs- bezw. Beglaubigungsschreibens in Audienz.
Berlin, 26. August. Der König von Italien wird sich, wie der „Post" zufolge nunmehr seststeht, vom Minister des Aeußern, Visconti Venosta, begleiten lassen.
Berlin, 26. August. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." hört, ist für den durch die Ernennung des Freiherrn von Thielmann zum Staatssekretär des Reichsschatzamts erledigten Posten des Botschafters von Washington der bisherige preußische Gesandte in Stuttgart, Dr. vonHolleben, in Aussicht genommen. Den Gesandtenposten in Stuttgart wird der bisherige deutsche Gesandte in Lissabon von Derenthall, denjenigen in Lissabon der bisherige preußische Gesandte in Weimar, Raschdau, erhalten. Für den letzteren Posten ist der bisherige deutsche Generalkonsul in Budapest, Prinz von Ratibor, ausersehen. An Stelle des deutschen Gesandten Freiherrn von Gutschmied, welcher in den einstweiligen Ruhestand tritt, kommt nach Tokio der bisherige deutsche Gesandte in Bukarest, Graf von Leyden, welcher durch den bisherigen deutschen Gesandten in Stockholm, Grafen von Bray-Stein- burg, ersetzt wird. Zum Gesandten in Stockholm ist der bisherige preußische Gesandte in Hamburg, Graf von Wallwitz, zum Gesandten in Hamburg der bisherige deutsche Generalkonsul von Egypten, Graf Wolff Mckternich, bestimmt.
Berlin, 26. August. Der „Reichsauzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Kreuzes der Groß Komrhure des Hohenzollernschen Hausordens an den Herzog Karl Theodor in Bayern.
Berlin, 26. August. Dem Botschafter von Bülow ist das Großkreuz des belgischen Leopoltordens verliehen worden.
Berlin, 26. August. Im Grunewald hat heute früh ein P i st o l e n d u e l l stattgesunden zwischen einem aktiven O'fizier und einem hiesigen Chemiker, welcher Reserveoffizier ist. Der Offizier erlitt eine Verwundung am linken Arm.
Bremen, 26. August. Der Norddeutsche Lloyd er- mäßi gte die Zwischendeckpreise nach New Jork auf 150 Mark für Schnellpostdampfer und auf 130 Mark für Postdampfer.
mit den riesigen brennenden Opferschalen auf den vier Ecken und den phantastischen Kronleuchtern, von denen meterlange Bänder in französischen Farben herniederwallen, und die tausend bunten Lampen und Lämpchen mahnten an Aladins Zauberpracht. Dazwischen glitten die eleganten Karrossen durch die dunkeln Parkwege, wo das Publikum schweigend dem kaleidoskopischen Bilde zuschaute. Der ganze Umkreis des Theaters war zauberhaft erleuchtet und ließ die Insassen der glänzenden Equipagen genau erkennen. Bei der Auffahrt von Hanotaux, Boisdeffre und Gervais verstieg sich das Publikum zu einem recht schüchternen „Vive la France", das ebenso schüchtern, um nicht zu sagen kalt, erwidert wurde. Erst die Ankunft des Zaren in Begleitung des Präsidenten löste den allgemeinen Bann.
Unmittelbar darnach erschien die Equipage der Zarin, auf dem Trittbrett der Leibkosak in seiner malerischen Tracht. Der Schlag öffnete sich und heraus trat eine Märchenprinzessin, denn so blendend schön sah in der That die junge Sarin aus, um in dem glänzend dekorirten Vestibüle zu verschwinden. Mittlerweile hatte sich das Theater total gefüllt; im Parkett hatten die hohe Generalität, Diplomatie, hohe Beamte Platz genmmen, während die Logen einem Blumenbouquet eleganter Damen glichen. Auf den tief dekolletirten Toilette»» blitzte und schimmerte eine Pracht von Diamanten und Perlen. Nach rechts und links wurde eifrig konversirt, hüben und drüben Bekannten zugenickt, bis plötzlich die Klänge der Marsellaise alle Augen aus die Kaiserloge richteten. Alexandra Feodorawna, in entzückender rosa Toilette, ein Dia- maudendiadem auf dem aschblonden Haar und Diamanten um den Nacken geschlungen, näherte sich der Logenbrüstung, gefolgt von Felix Faure und dem Zaren. Großfürstin Wladi- mirj sowie Elisawetta Mawrikowna und die Prinzessin von Oldtuburg nahmen ebenfalls die vorderste Reihe ein. Im FonL erblickte man sämmtliche Großfürsten. 9hm hob sich der