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Sr. 197.

De^-König von Siam.

Auf seiner Rundreise durch die europäischen Staaten hält ich der König von Siam nun auch in Deuischland auf und oird mit jener Achtung behandelt, die wohl einem Dianne ukommt, der von seinem Regierungsantritte an bis auf den eutigen Tag unablässig bemüht gewesen ist, sein Land kultu, ell lnmd wirthschaftlich vorwärts zu bringen.

Uns Deutschen ist der König noch aus einem besonderen Grunde sympathisch. Es ist uns das Gefühl einer warmen Theilnahme für den Schwächeren eigen, für denjenigen, der ich redlich bemüht, seine Selbstständigkeit zu bewahren, und Der doch nur ein Spielball in der Hand Mächtigerer ist. Wohl bemüht sich der König, sein Land dadurch, daß er es virthschaftlich hebt, auch widerstandsfähiger gegenüber dem rußeren Feinde zu machen. Aber einmal ist bei der Trägheit )es siamesischen Volkes die rasche Durchsümung der Zivilisirung and Kräftigung des Landes nicht möglich; es ist eben etwas anderes, ob ein ganzes Volk selbst das Streben nach Ent­wickelung hat, wie es bei den Japanern der Fall ist, oder ob dieses Streben nur seinen Führern innewohnt. Zweitens ist Siam nicht von einer einheitlichen Rasse bewohnt, denn die eigentlichen Siamesen bilden nur etwa die Hälfte der Be­völkerung ; ein wirklicher, das ganze Volk durchdringender und zu den höchsten Opfern befähigender Patriotismus ist hier also ausgejchlossen. Drittens befindet sich Siam in einer gar zu ungünstigen geographischen Lage zu seinen mächtigen Nachbarn, den Franzosen und Engländern. Im Südosten, Osten und Nordorsten ist es von französischen, im Nordwesten und Westen von englischen Besitzungen völlig eingeklammert. So können England und Frankreich mit Siam spielen, wie die Katze mit der Maus, und die einzige Aussicht für die arme Maus besteht dann, daß keine der Katzen der anderen den ganzen Bissen gönnen mag. England und Frankreich chaben deshalb im. Winter 1896 einen Vertrag geschlossen, der den mittleren Theil von Siam neutralisirt. Aber auch dieser Vertrag wird dann hinfällig, wenn sich entweder die beiden Mächte über die Ausheilung von Siam einigen, oder wenn eine von ihnen durch irgend welche anderen Ereignisse, z. B. einen unglücklichen Krieg, derart geschwächt wird, daß die andere es sich glaubt gestatten zu können, Siam ganz für sich in Anspruch zu nehmen. Denn gerade weil Siam außer­ordentlich entwickelungsfähig ist, erscheint es den beiden Groß­mächten als eine wünschenswerthe Beute. Von diesem Stand­punkte aus kann man vielleicht sagen, daß die Bemühungen des Königs Tschulalongkorn, das Land wirthschaftlich zu er­schließen, für die Selbstständigkeit von Siam bedenklich sind, denn je reicher das Land wird, um so erstrebenswerther wird sein Besitz auch für die mächtigen Nachbarn.

Uns Deutschen kann es nur erwünscht sein, wenn Siam seine Selbstständigkeit so lange als möglich erhält. Denn

feuiUdon.

Uom User her Gos.

Eine Plauderei zu den Baden-Badener Rennen, 24.-29. August.

Von Alfred Gertz.

(Nachdruck verboten.)

Wenn in den andern Badeorten die schlaffere Nachsaison beginnt, dann ersteigt in dem köstlichsten aller deutschen Bäder, in Baden-Baden, das Leben erst seinen Gipfelpunkt. Denn dann strömen von allen Seiten die Herren Pferde und die Pferde-Herren hier zusammen, und auf dem Jfsez Heimer Rasen beginnen die großen Rennen, die noch immer die vornehmsten des deutschen Sports sind. Freilich sind sie in jüngster Zeit der Höhe der Preise nach von einigen Harburger und Berliner Rennen eingcholt und über- bo t worden; aber unerreicht und unvergleichlich bleibt die Baden Badener Veranstaltung als Ganzes. Die Juternatio- nalität der Betheiligung, die Eleganz des Publikums und vor allem die Schönheit der Umgebung, in der sie sich ab­spielt: das olles gibt zusammen e*ne ganz einzige Fest- stimmung. Der rauschende Bergwald und das erregte Ge­wimmel der Menschlein, die schmetternde Musik und die sau­senden Karossen und über all' dem hoffentlich! ein blauer milder Sommerhimmel: das paßt olles so gut zu­sammen und gibt ein Bild, das, einmal gesehen, nie wieder zu vergessen ist.

Im Jahre 1858 war es, als Benazet, der große Benazet, der die Kugeln aus der Roulette rollen ließ und zu Baders heilkräftigen Quellen eine Goldquelle eröffnete, kurz und gut: der Spielpächter Benazet den Gedanken faßte, in Baden- Baden Wettrennen zu veranstalten. Der Mann hatte, das ist gar nicht zu leugnen, in allem, was er that, Stil: er erinnert einigermaßen an jenen Arristide Saccard, den Zola

Dienstag den 24. August

wenn sich Siam wirthschaftlich entwickelt, so ist es möglich, daß sich auch zwischen diesem Lande und Deutschland ein reger kommerzieller Verkehr entwickelt. Diese Aus­sicht aber hört auf, sobald England und Frankreich, bezw. England oder Frankreich Siam völlig unterworfen haben.

Freilich kann Deutschland, selbst wenn es auch anders möchte, Siam doch seine Sympathien nur platonisch beweisen. Denn Deutschland ist nicht im Stande, den Aspirationen der beiden größten kolonialen Großmächte, die auch die größten Flotten haben, gegenüber zu treten. In Asien sieht man so recht, wie England und und Frankreich schalten können, wie sie wollen, und allenfalls nur auf Rußland Rücksicht nehmen müssen, weil dieses eine asiatische Macht ist. Unwillkürlich müssen wir, wenn wir den König von Siam begrüßen, an die vorjährige Anwesenheit Li Hung-Tschangs in Deutschland denken. Deutschland hatte ein Jahr früher bei dem Abschlusse des chinesisch japanischen Friedens China einen wertvollen Dienst geleistet. Es hat dann in seiner gewaltigen wirch- schaftlichen und militärischen Entwickelung sicherlich einen großen Eindruck auf den klugen Bizelönig gemacht. Trotzdem aber sehen wir, wie Frankreich, England und Rußland die wirth- schasilichen Vortheile der Erschließung Chinas für sich ein- heimsen. Der Grund dafür ist einfach genug. Wie die Na­turvölker, die eine gute und eine böse Gottheit verehren, nicht etwa der guten Gottheit, sondrrn der böten (Gottheit die meisten Opfer bringen, um den Zorn dieser "bösen Gottheit zu be­schwichtigen, so ist China am entgegenkommendsten gegen die Mächte, die ihm am meisten schaden können. Man entsinnt sich dort zu gut daran, wie England und Frankreich in den fünfziger Jahren mit dem Chinesischen Reiche umgesprungen sind, um nicht eine Wiederholung jener Ereignisse vermeiden zu wollen. Desbalb wird Deutschland in Südasien wie in Ostasien, wie vielleicht auch anderwärts immer erst hinter anderen Großmächten rangiren.

König Tschulalongkorn ist ein kluger Herr und darum wird er, so sehr ihn der sympathische Empfang in Deutsch­land erfreuen wird, doch erkennen, daß Deutschland, selbst wenn es wollte, nichts für chn thun kann. Er wird deshalb, so sehr er Engländer und Franzosen als die ständigen Bevrober der Selbstständigkeit seines Volkes hassen muß, doch das, was er etwa zu vergeben hat, diesen Staaten geben, denn auch er muß eben den bösen Gottheiten die reichlichsten Opfer dar­bringen.

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Gneise- nau", Kommandant Kapitän zur See Hofmeier, am 20. Aug. in Portland angekommen und beabsichtigte, am 23. d. nach Madeira in See zu gehen; der Reichs-PostdampferStutt-

inLargent geschildert hat; er ging ins Große, ja fast ins Phantastische. Insoweit freilich blieb er stets auf realem Boden, als er sehr wohl wußte, cui bono all' seine impo- nirenden Neubauten und Neugründungen dienten: er streute seine Gelder über das ganze Oostkal verschwenderisch aus, aber in ein paar gewissen Sälen kehrten sie vervielfacht wie­der zu ihm zurück. Er ist es ja gewesen, der das Konver sationshaus mit wahrhaft fürstlicher Pracht ausstottete; er hat das reizende Theater erbaut und hat sich zur Eröffnung von Berlioz die OperBeatrix und Benedikt" bestellt. Wie gesagt, es lag Stil in diesem Benazet. Doch pour revenir â nos moutons, 1858 also faßte er den Plan der Wettrennen. Alle Welt war verblüfft; im engen Thale des Oos eine Rennbahn, wie sollte das möglich sein! Benazet aber verstand sich zu Hilfen: 9 Kilometer vordöstlich von Baden-Baden gegen den Rhein hin lagen beim Dorfe Iffez­heim Wiesen, deren elastischer Boden sich als ganz ausge­zeichnet erwies. Hier führte der Spielpächter seinen Plan aus, und der Erfolg gab ihm vollständig richt. Die Iffezheimer Rennen wurden der Höhepunkt der Saison von Badeu-BadtN.

Bei dem engen Verkehr, der zwischen Baden-Baden und Paris herrschte, war es fast selbstverständlich, daß die fran­zösischen Rennstallbesitzer ihr Augenmerk von vornherein auf dies Sport-Ereigniß richteten und sich an den Baden Badener Rennen regelmäßiger, als an irgend einem anderen deutschen Wettrennen betheiligten. Es war ja damals die Zeit, wo die Baden-Badener sich rühmten, Europa habe zwei Residenzen, Paris im Winter und im Sommer die Oosstadt. Und im Jahre 1850 stattete auch die großeSphinx auf dem Throne", Napoleon III., Baden-Baden seinen Besuch ab. Nur nach dem Kriege von 1870/71 stellten die französischen Sportsmen ihre Betheiligung an den Rennen ein,pour révanche offenbar, sie erkannten aber bald, daß die Revanche viel

1897.

gart", mit der Ablösung S. M. SS.Falke" undBus­sard" an Bord, Kommandoführer Korvettenkapitän Krieg, ist am 23. b. M. in Port Said angekommen und beabsichtigte, noch am selben Tage die Heimreise fortzusetzen.

Ertragsfähigkeit landwirthschaftlicher Klein­betriebe. Der Landwirthschaftsminister hat die Landwirth­schaftskammern angewiesen, in ihren Bezirken genaue Er­hebungen über die Ertragsfähigkeit der größeren oder kleineren landwirthschaftlichen Betriebe anzustellen. Wie verlautet, werden die Landwirthschastskammern geeignete Personen in die einzelnen Kreise entsenden, von welchen die eingehendsten Er­mittelungen vorgenommen werden sollen.

Bürgerliches Kartell. Im Wahlkreis Gotha ist für die nächsten Reichstagswahlen ein Kartell aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie zu Stande gekommen. Die beiden freisinnigen Parteien, Nationalliberale und Konser­vative haben beschloßen, als Kandidaten den Gothaer Ober­bürgermeister Liebetreu aufzustellen. Liebetreu, welcher sich der größten Achtung bei allen Parteien erfreut, ist bereits im September v. I. als gemeinsamer Kandidat der bürgerlichen Parteien in den Landtag gewählt worden, wo er seit Jahren zweiter Präsident ist. Liebetreu gehörte der freisinnigen Ver­einigung an. Jetzt ist der Gothaer Reichstagswahlkreis durch den Sozialdemokraten Bock vertreten.

Bund der Kontinentalmächte gegen England.

DieKöln. Ztg." schreibt zu der französischen Anregung auf Aussöhnuug mit Deutschland und Bildung eines festländischen Bundes gegen England: Deutschland werde einer aufrichtigen Versöhnung wie stets geneigt sein, aber schwerlich seine Hand in der der Republik lassen; denn ein neuer Dreibund zwischen Rußland, Frankreich und Deutschland gehöre in das Gebiet der Chimäre. Deutschland werde nie vergessen, daß der Schwerpunkt seiner Interessen in Europa liege, und daß diese Interessen bei dem Bunde mit Oesterreich und Italien vortrefflich aufgehoben seien. Wenn Deutschland trotzdem mit seinen Verbündeten eine Annäherung an Rußland und Frank­reich suche, so geschehe dieses zur Festigung des Weltfriedens und um von Fall zu Fall seine Zwecke zu fördern.

England in Indien. Aus London meldet ein Tele­gramm: Die Empörung der indischen Grenzstämme ist völlig gebrochen. Die britischen Truppen haben ohne weiteren Widerstand alle Thäler besetzt. Die meisten mohamedanischen Priester, die an der Anfreizung der Stämme die Hauptschuld getragen haben, sind bei den britischen Kommandeuren um Vergebung eingekommen.

Die Ankunft des Präsidenten Faure in Kron­stadt ist gestern Mittag erfolgt, und die französischen Gäste wurden auf russischem Boden, wie nicht anders zu erwarten war, mit großem Enthusiasmus begrüßt. Ueber die Ankunft Faure's und seines Gefolges, sowie über die Empfangsfeier- empfindlich-r sei, wenn sie sich unser schönes Geld holten, und sandcn sich seit 1883 wieder ein. Und bi die deutsche Zucht im allgemeinen leider noch nicht mit der jenseits des Rheinè^wetüüern kann, so müssen wir es binnehmen, daß die Franzosen sich die größten Preise zu einem erheblichen Theile holen, und immerhin will das schon etwas besagen: betrugen doch die ursprünglich auf noch nicht 50 000 Mk. sich belaufenden Rennpre se im Jahre 1890 nicht weniger als 165 000 Mk., wozu noch 80 000 Mk. an Einlagen seitens der Besitzer der Rennpferde flossen.

Als die Rennen begründet wurden, batten die Franzosen auch ihre Leitung. Damals war eben in Baden-Baten alles französisch, weil "es der Genei algewaltige Benazet war: die Baumeister, die Mcler, die Musiker wurden aus Paris ge­holt, das auch von seinem Ueberschusse an lebelustiger^ Weib­lichkeit, an abenteuerlichen Existenzen und exotischen Figuren ein reichliches T'.eil an die glücklichen Alemannen abgeben mußte. Also wurde natürlich auch der Pariser Jockey-Klub mit der Leitung der Rennen betraut. Das änderte sich nun, als die Herrlichkeit der Spielbank 1872 aufhörte. Damals übernahm der vom Fürsten von Fürstenberg begründete Internationale Klub" die Anordnung und er schuf eine neue Anziehung für die Rennen durch die Einführung des Armee- Jagd-Rennens, zu dem unser Kaiser Wilhe'm I. regelmäßig erschien, um dem Sieger selbst den schönen Ehrenpreis zu überreichen. Es begreift sich, daß dieser Wechsel der Leitung der ganzen Veranstaltung keineswegs zum Nachtheile gereichte: sie verlor nun auch die letzten Spuren ihres etwas aven- turesken Ursprungs und nahm einen vollendet vornehmen Charakter an. Seit 1885 ist die Organisation dahin um­gestaltet, laß ein internationales Rennkomitee, das sich aus ersten Fachmännern der betheiligten Länder zusammensetzt, die Leitung handhabt; es ist in Sportskeeisen bekannt und unbestritten, daß diese Leitung ganz mustergiltig ist. Und