LlonuemeatS« PreiS r
Jährlich 9 »M -MLjLhrl. 4 Ji 50 ^.
Vierteljährllch
2 Ji 25 ^.
Für auswärtige ■Stimmten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 ^.
Amtliches Gegan für Htaöt- und LanSKrsis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Insertions- Preis : Die ispaltige Garmond- zeile oder deren Raum 10 4. Die IVrspaltige Zeile 15 A Die 2spaltige Zeile 20
Die 3spaUige Zeile
30_J
Die Ispaltige Zeile 40 -t).
Im Reklamentheile die Zeile 20 -4 netto.
Nr. 193.
Donnerstag den 19. August
1897.
Amtliches.
<L«rnöKreis ^anaxt.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 3. ds. Mts. mache ich die Herren Ortsvorstände noch aus Folgendes aufmerksam:
Entstehen bei Truppenübungen Flurschäden, so fordert der Ortsvorstand die Beschädigten zur Anmeldung ihrer Ent- schädigungssoiderungkn auf und stellt letztere in eine Liste zusammen. Auch haben die Grundbesitzer bei Vermeidung des Ausschlusses unmittelbar nach eingetretener Beschädigung letztere den Ortsvorständen anzumelden. Die erforderlichen Formulare können in dem landrätblichen Bureau in Empfang genommen werden. In diesem Formular sind die Kolonnen 1—7 auszufüüen. Kolonne 6—7 wird mit Blei ausgefüllt. Beschädigungen, welche nicht durch die Truppenübungen selbst, sondern auf andere Weise, insbesondere durch Zuschauer sowie auch dadurch entstanden sind, daß die Betheiligten das rechtzeitige Abernten unterlassen haben, begründen keinen Anspruch aus Vergütung.
Arbeiten und Auswendungen, von welchen die Interessenten gewußt haben, daß sie durch die Truppenübungen der nächsten Tage gestört werden mußten, begründen einen Anspruch aus Schadloshaltung gleichfalls nicht.
Die Herren Ortsvorstände derjenigen Gemeinden, in welchen Flurschäden entstanden sind, haben dies unverzüglich bierher anzuzeigen. Das Eintreffen der Abschätzungskommission wird seiner Zeit mitgetheilt werden. Die betheiligten Grundbesitzer resp" deren Bevollmächtigte sind demnächst zu den Abschätzungsterminen vorzulader.
Hanau am 4. August 1897.
Der Königliche Landrath.
M. 3611. v. Schenck.
In Ergänzung vorstehender Bekanntmachung mache ich noch aus Folgendes aufmerksam:
Die Beschädigten haben unmittelbar nach eingetrelener Beschädigung die Entscheidung des Ortsvorstandes darüber anzurufen, ob und inwieweit die Aberntung der beschädigten Felder einzutreten hat. Der Ortsvorstand hat die Aberntung anzuordnen, insoweit beim Verbleiben der Früchte auf dem Felde ein höherer, als der durch die Truppen verursachte Schaden entstehen würde, namentlich also bei Früchten, welche dem Verderben ausgesetzt sind.
Ordnet der Ortsvorstand die Aberntung vor dem Eintreffen der Abschätzungskommission an, so hat derselbe sofort in Gemeinschaft mit zwei unparteiischen Ortseingesessenen den Stand der beschädigten und abzuerntenden Felder, das Quantum (Fuder u. s. w.) und die Qualität der übrig gebliebenen Früchte und denn etwaige weitere Verwendbarkeit (z. B.
Ae^zte-Kong^e sfe.
Zum internationalen Aerzte-Kongreß in Moskau, 19.—26. August. Von Dr. med. H. E. Brendel.
(Nachdruck verboten.)
Die ganze medizinische Welt rüstet sich, ihre Vertreter zu dem XII. internationalen medizinischen Kongreß zu entsenden, der vom 19.—26. August dieses Jahres in Rußlands heiliger Krönungsstadt, Moskau, tagen soll. Aber wenn auch Aerzte aus aller Herren Länder, wenn auch Deputirte aller Kliniken und Universitäten sich in Moskau versammeln werden, so kann man doch schon jetzt mit Bestimmtheit voraussagen, daß der Kongreß nur etwa halb so stark besucht sein wird, wie die beiden letzten, die 1890 in Berlin und 1894 in Riga stattfanden. Vielen, namentlich den sonst auf Kongressen stark vertretenen Deutschen, ist die weite Eisenbahnfahrt zu beschwerlich, und so wird das Heer der sogenannten Kongreßbummler, die nur der geselligen Vergnügungen wegen mitmachen, ziemlich klein sein; andere wieder halten sich fern aus Zorn über gewisse gesellschaftliche Ungehörigkeiten und aus Aerger über die wissenschaftliche Bedeutungslosigkeit der letzten Kongresse.
Das ist um so bedauerlicher, als gerade der bevorstehende Kongreß sicherlich dazu beitragen wird, den internationalen Aerztetagen wieder zu ihrer alten Bedeutung zu verhelfen. Er wird das eigentliche Ziel derartiger Veranstaltungen erreichen ; er wird jeden Theilnehmer noch mehr von der absoluten Interessengemeinschaft aller Rationen in wissenschaftlichen Dingen überzeugen, und er wird es jedem einzelnen wieder ins Gedächtniß zurückrufen, daß die medizinische Wissenschaft ein einheitliches mächtiges Gebäude ist, das auch von jedem Arzt nur als ein einiges großes Ganzes aufgefaßt
als Viehfutter) und den sich hiernach ergebenden Umfang des Schadens sestzustellen und über den Befund der Abschätzungskommission Mittheilung zu machen.
Ist der Ortsvorstand selbst der Beschädigte, so muß er die Nothwendigkeit der Aberntung vor dem Eintreffen der Abschätzungskommission sowie den Umfang des Schadens durch zwei unparteiische Zeugen konstatiren lassen.
Die Nachweisungen über die Anmeldungen von bei den Truppenübungen verursachten Flurbeschädigungen nebst einer Nachweisung über die vorläufigen Abschätzungen der Vor- abschätzungskommission sind mir gesammelt bis spätestens zum IL September ds. Js. einzureichen, eventuell ist Vacat-Anzeige zu erstatten.
Hanau den 18 August 1897.
Der Königliche Landratb.
M. 3844. v. Schenck.
Dicnslnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein weißes Taschentuch. Eine Spannkette. Ein kleines Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein weißer Knabenstrohhut. Ein Griffelkasten. Ein kathol. Gebetbuch.
Vom W a s e n m e i st e r eingefangen: Ein gelber Spitz, m. Geschl.
Zugelaufen: Ein schwarz und weißer Foxterrier, w. Geschl.
Zugeflogen: Eine schwarz-graue Brieftaube mit gräulich glänzenden Ringen versehen, am rechten Fuß ein Ring mit der Nummer 562. Eine hellbraune Brieftaube mit weißem Kopf, weißem Schwanz und weißen Spießen, am linken Flügel ein Gummistempel: „Gebr. Grünewald".
Entflogen: Ein Wellen Sittich.
Entlaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl.
Verloren: Ein ledernes Tragband. Auf dem Wege von Roßdorf bis Hanau eine gelbe Regendecke von Wachstuch. Ein Drei-Markstück. Eine kleine Stabbrosche von Mattgold mit Anhängsel (Herz). Zwei ungefaßte Herzen und sechs tose Steine (in Papier gewickelt). Eine silberne Uhr mit silberner Kette nebst Medaillon, darauf der Buchstabe J.
Hanau den 19. August 1897.
^taÖt&rei0 ^anau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Infolge der erforderlich gewordenen Einquartirung von 2 Bataillonen des Infanterie-Regiments Nr. 94 in Bürgerquartiere bis zum 26. d. Mts. fehlen noch eine Anzahl Quartiere für das am 24. August auf 1 Tag einzuquar- werden darf. Die Hervorkehrung und starke Betonung dieses Satzes ist aber recht nöthig; denn es läßt sich nicht leugnen, daß einerseits unsere Spezialisten sich mehr und mehr in die feinere Ausgestaltung ihres Spezialfaches verlieren und allen anderen Gebieten, soweit sie nicht zufällig irgendwie mit ihrem Fache verknüpft sind, mit Gleichgültigkeit oder gar souveräner Nichtachtung gegenüberstehen, und daß andererseits die große Menge praktischer Aerzte wenigstens in den großen Städten sich mit den allgemeinsten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen begnügt, jeden einigermaßen bedeutenden Eingriff aber Spezialärzten oder den öffentlichen Krankenhäusern überläßt. Das mag in einzelnen Fällen praktisch sein, drückt aber das ganze Niveau der ärztlichen Wissenschaft. Einzelne rühmliche Ausnahmen, wie z. B. ein bekannter Berliner Chirurg, der zugleich als der beste Diagnostiker innerer Krankheiten gilt, können an der Richtigkeit des eben erhobenen Vorwurfs nichts ändern.
Gerade diese großen allgemeinen Gesichtspunkte fehlten aber auf den letzten Kongressen gänzlich, wie überhaupt die wissenschaftliche Ausbeute aus später zu erörternden Gründen sehr gering war, während sie in diesem Jahre sehr groß zu werden verspricht. Zu dem nun einmal bestehenden Mißtrauen in den wissenschaftlichen Werth der Aerzte-Kongresse kommt, wie schon erwähnt, eine gewisse Verstimmung wegen der gesellschaftlichen Mißstände, die aus dem letzten Kongresse zu Tage traten. In Berlin war das nicht weiter schlimm; nur das große Fest, das die Stadt Berlin allen Theilnehmern in sämmtlichen Räumen des Rathhauses gab, artete zu einer so allgemeinen hochgradigen Animirtheit aus, daß nicht ganz mit Unrecht der Stadtverwaltung der Vorwurf gemacht wurde, es seien ihr 100 000 Mark zur Veranstaltung einer würdigen Feier, aber nicht einer wüsten Orgie bewilligt worden. Immerhin hatte selbst diese große Animirtheit noch ihre guten Seiten, denn sie äußerte sich zumeist in übertriebenem Enthu-
tirende Jäger-Bataillon Nr. 11. Anmeldungen von Quartieren für diese Einquartierung werden im Rathhause, Zimmer Nr. 18, entgegengenommen.
Hanau den 19. August 1897.
Der Oberbürgermeister
11639 Dr. Gebeschus.
Die Herrn Vertreter der Ortskrankenkasse des Landkreises Aanau werden hierdurch zu der auf Freitag den 27. August er., nachmittags
4 Uhr
in das Löwengärtchen, Vorstadt Nr. 1, dahier anberaumten Generalversammlung ergebenst eingeladen.
Tagesordnung:
1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1896.
2. Wahl eines aus 3 Mitgliedern bestehenden Ausschusses zur Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres.
3. Bericht über den Stand der Verhandlungen betr. Gewährung freier ärztlicher Behandlung an Familienangehörige.
4. Antrag des Vorstandes auf Wiedereinführung des ursprünglichen Arzthonorars von 3 Mk. pro Kopf und Jahr.
5. Ergänzung des Vorstandes.
6. Anträge aus der Versammlung.
Hanau den 18. August 1897.
Der Vorstand
der Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau.
11634 vr. Gans.
Englands und Afghanistans Streitkräfte.
Schon vor vielen Wochen sagte ein russisches Blatt — und in Rußland ist man naturgemäß über diese Dinge gut unterrichtet — die nahe Möglichkeit eines Kampfes zwilchen England und Afghanistan voraus. Seitdem haben die Kämpfe in Tschitral stattgefunden, es ist weiter ein Angriff auf ein englisches Fort in der Nâbe von Peschavour gemacht worden, und die Engländer sind sich klar darüber geworden, daß sich ein Kampf mit Afghanistan kaum wird vermeiden lassen. Schon werden in Rava'pindi, rückwärts von der indischafghanischen Grenzstadt Peschavour und mit dieser Stadt durch die Eisenbahn verbunden, bedeutende Strertkiäfte zusammengezogen. Ob mit diesen Streiikräsien in Afghanistan eingedrungen werden soll, oder ob man die Offensive Afghanistans abwarten will, wird noch nicht gesagt, kaun wohl auch noch nicht festgesüllt werden, den selbstverständlich wird auch die Haltung der Afghanen auf die Maßnahmen der englisch-indischen Truppen einen Einfluß ausüben müssen.
Die Afghanen scheinen kaum noch verbergen zu wollen, daß sie den Krieg wünschen, sonst wären wohl kaum die siasmus, der z. B. eine Reihe älterer amerikanischer Aerzte veranlaßte, den greisen Virchow unter lautem Jubelgeschrei auf den Schultern durch die Festsäle zu tragen.
Anders schon in Rom. Hier verstimmten von vornherein die maßlosen Preise der Wohnungen, die man überhaupt nur durch die Vermittelung des Festkomitee's erhalten konnte. Und der sehr stark verbreiteten Behauptung, daß das Festkomitee selbst erhebliche Prozente von den Zimmervermiethern erhielt, wurde eigentlich niemals ernsthaft widersprochen. Geradezn widerlich aber war es, wie bei den Festmahlen, besonders aber bei dem Frühstück in den alten Thermen, sich eine ganze Reihe Festtheilnehmer wie hungrige Wölfe auf die Speisen stürzten, als ob sie sich schon seit Jahren nicht sattgegessen hatten. Daß die Hauptsünder dabei wirklich blutarme italienische Provinzärzte waren, die gewiß oft hungerten und darbten, konnte das Peinliche des Eindrucks nicht verwischen. Recht unangenehm berührte auch die echt italienische Unordnung, die bet allen Veranstaltungen herrschte. Trefflich harmonirte damit das Arrangement der wiffenschaftlichen Sitzungen. Für die allgemeinen Sitzungen, an denen also alle Kongreßmitglieder theil- nehmen sollten, hatte man ein Theaterchen gewählt, in das statt 6000 höchstens 600 Menschen hineingingen. Die Sitzungen der Sonderabtheilungen aber fanden in einem fern von Roni gelegenen, schwer zu erreichenden neuen Gebäude statt, in dem es unerträglich nach Farbe, frischem Mörtel rc. roch. Ein bekannter Breslauer Professor gab, damals der allgemeinen Stimmung trefflichen Ausdruck durchhin drastischeo Wort, das seiner Zeit die Runde durchs die Preise machte. „II congresso è un grau mumipizio“.
Doch auch der wissenschaftliche Werth der beiden letzten Kongresse war gering und mußte der Natur der ^ache nach gering sein. Während die siebziger Jahre unter dem g^ waltigen Eindruck des anfänglich antiseptischen (Faulnrß hemmenden), später aseptischen (Fäulniß aus schließenden)