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Nr. 192.

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 56.

Amtliches. Berkaus landwirthschastlicher Grundstücke.

Von dem in der Gemarkung von Hanau belegenen Domanialgrundbesitz sollen die nachbenannten Parzellen, als: 1. Kartenbl. 8 Nr. 184 = 15 ar 91 qm Wiese im Stein­heimergrund, 2. 8 185 80 Wiese daselbst, 3. W 9 25 30 Acker am Roden­bacher Weg,

4. W 9a = 14 48 Acker daselbst,

5. CG 53/15 = 10 15 Wiese, Waldesel­miese,

6. WW 61 = 14 32 Acker am

Wäldchen,

7. WW 93 = 24 66 Acker vor der

Ruhebank,

im Einzelnen öffentlich meistbietend verkauft werden.

Termin hierzu ist auf Mittwoch den 25. dieses Monats, vormittags H Uhr, in die Kaiser'sche Bierwirthschaft hinteres Zimmer in der Altstadt dahier anberaumt.

Auf angemessene Gebote erfolgt der Zuschlag ohne Ab­haltung eines weiteren Termins.

Die Bieter haben dem unterzeichneten Beamten auf Ver­langen ihre Zahlungsfähigkeit nachzuweisen.

Hanau am 16. August 1897.

Der Königliche Domänenrath.

Bell. 11557

Aufreizung.

Während die ganze gesittete Welt entrüstet ist über die Ermordung des spanischen Ministerpräsidenten Canovas del Castillo und Angiolillo als gemeinen Verbrecher auf das schärfste verurteilt, wird dieser von dem Berliner Anarchisten­blatteDer Sozialist" in überschwänglicher Weise als Held verherrlicht. In einem Leitartikel des genannten Blattes heißt es:Große Ereignisse fordern große Männer, große Gedanken, große Worte. Der dies schreibt, fühlt sich der gewaltigen Aufgabe, einer That von so großer geschichtlicher Bedeutung, wie sie die Ermordung des spanischen Minister­präsidenten Canovas del Castillo darstellt, nicht völlig ge­wachsen."

Feuilleton.

Aenderungen auf dem Monde.

Unser alter, guter Mond, welcher in seiner wechselnden Lichtgestalt die Erde ans ihrer Reise um die Sonne getreulich begleitet, ist nach den Ergebnissen astronomischer Forschung ein abgestorbener Weliköiper. Kein organisches Leben gibt es auf ihm, weder Thier noch Pflanze kann dort gedeihen. Denn wenn er überhaupt eine Atmosphäre hat, so kann sie nur außerordentlich dünn sein Wasser ist auf ihm auch nicht vorhanden, und ohne Luft und Wasser kann kein Lebewesen nach unseren Begriffen existiren. Dazu kommen noch die ge­waltigen Temperaturunterschiede: Jeder Mondoit ist vierzehn Tage lang den direkten Sonnenstrahlen ausgesetzt, deren Wirkung nicht durch einen schützenden Lustmantel, wie bei uns, gemindert wird. Es tritt also eine sehr starke Erwär­mung ein, der dann plötzlich, ganz unvermittelt, sobald die Sonne für diesen Mondort untergeht, eine außerordentlich niedrige Temperatur folgt. So muß es auf unserem Tra­banten Temperaturunterschiede. von mehreren hundert Grad geben und zwar müssen diese Temperaturunterschiede in ganz kurzer Zeit eintreten, beispielsweise schon während einer Mondfinsternlß, wo die Erde lern Monde das Sonnenlicht und die Sonnenwärme abschneidct.

So ist es denn jedenfalls ausgeschlossen, daß auf dem Monde noch Leben he'rscht unverändert starren die Fels­gebilde empor, kein Frühjahr bedeckt sie mit frischem Grün, kein Sommer reift auf ihnen die Früchte, kein Herbst färbt Baum und Sträucher, und kein Winter deckt mit weißem Tuche den Boden! Wenn von Veränderungen auf dem Monde gesprochen wird, so können es also die Unterschiede, die eine wechselnde Vegetation hervorruft, nicht sein. Nun scheint es nher Mick nsa nh im Innern des Mondes keine Kräfte mehr

Mittwoch den 18. August

DerArme K o n r a d", ein ebenfalls in Berlin er­scheinendes anarchistisches Blatt schüttet die Schale seines Zornes und Hosses über den Ermordeten aus:Canovas del Castillo, Ministerpräsident von Spanien, der fluchbeladene Henker von tausenden nach Freiheit dürstenden Mitmenschen, der herz- und gefühllose Barbar, unter dessen Augen und auf dessen Verantwortung jene entsetzlichen Greuel inBarce- lona vor sich gingen, deren Kunde vor kurzem erst die Welt erschütterte und empörte, jener Verbrecher in Amt und Würden, dessen ganze Regierungslaufbahn mit Blut und Thränen des spanischen Volkes bezeichnet ist, ist am letzten Sonntag den Revolverschüssen eines Anarchisten irlegen . . . Es ist nicht damit gethan, auf der königlichen Hosbühne verständnißvoll den Worten Tells zu lauschen und beim Tode Geßlers begeistert zu applaudiren, sondern es heißt, den dadurch gewonnenen Maßstab für ver­dau: mungsw e r th und gerecht auch in Wirklich­keit bei der Beurtheilung s olcher Th alen zu gebrauchen."

Diese offenkundige Verherrlichung von Verbrechen ist noch übertroffen worden in einer Versammlung, die die Berliner Anarchisten in diesen Tagen abgehalten hoben. Da sagte ter Schlosser Weisheit:Der Atten­täter Angiolillo bleibt für mich ein warmer Menschenfreund (!), der aus Liebe zur Mensch­heit (') zum Mörder geworden ist. Die staats- erhaltende Presse hat ihn schon als Verbrecher beschimpft, als kaum die Seele des Herrn Canovas die Himmelspsorte erreicht hatte. Von den schändlichen Grausamkeiten, die der soge­nannte Staatsmann anbesahl und duldete, hat dieses Ge­sindel (!) nie ein Wort gesagt. Ter Genosse Angiolillo ver­zichtet darauf, daß man seine That öffentlich anerkennt; das mog jeder mit sich in seinem stillen Kämmerlein abmachen . . . Die Handlung des armen Genossen, der nun sein Leben für seinen Racheakt lassen muß, begreife ich vollkommen. So lange die Gesellschaft brutale Mittel gegen die Anarchisten anwendet, kann sie nichts anderes erwarten." Großes Lob spendete der Redner der sozialdemokratischen Presse, doß sie den Attentäter seiner Bedeutung nach ge­würdigt und ihn nicht, wie früher Henry, Caserio rc. als geistesgestört bezeichnet habe. Es beginne anscheinend auch in diesen Kreisen zu dämmern.

Ein anderer Redner, Genosse P a w l o v i t s ch, meinte: dem Schusse auf Canovas würden sicher noch mehrere folgen. Bei einemwahrenMenschen- freund könne der Tod des spanischen Ministerpräsi­denten kein Bedauern Herrorrufen. Der Schriftsteller Landauer fühlte sichunsagbar klein" gegenüber einem

inneren Kern gelegt hat, so dick geworden ist, daß sie von den noch immer lodernden Gewalten nicht mehr gesprengt werden kann. Vulkanische Ausbrüche, wie wir sie bei uns noch in so großem Maßstabe erleben, daß sie wohl vom Monde aus mit einem unserer Riesenfernrohre wahrgenommen werden könnten, sind auf dem Monde nie beobachtet worden. Trotzdem scheinen aber auf der Oberfläche unseres Trabanten noch Veränderungen vor sich zu gehen, die vielleicht auf die oben erwähnten außer­ordentlichen Temperatur-Unterschiede zurückzuführen sind. Der Nachweis für solche Veränderungen ist freilich schwer, weil die Mondlandschaften bei der durch den Stand der Sonne verursachten wechselnden Beleuchtung stets einen anderen An­blick darbieten. Vertiefungen in der Oberfläche z. B. lassen sich bei hohem Stande der Sonne gar nicht erkennen, wäh­rend sie bei schiefer Beleuchtung durch den Schatten, mit dem sie erfüllt sind, sehr gut als dunkle Flecke sichtbar werden. Es muß daher eine Mondgegend bei allen möglichen Be­leuchtungen studirt worden sein, ehe man mit Ge­wißheit behaupten kann, daß irgend ein Berg, ein Krater, eine Rille, die man früher nicht gesehen hat, ent­standen sei.

Unser Mond ist nun aber so vielfach, besonders in ein­zelnen Gegenden beobachtet worden, daß doch in einigen Fällen der Beweis erbracht zu sein scheint, daß aus seiner Oberfläche noch Veränderungen vor sich gehen. So ist beispielsweisein der Nähedes Kraters Hypiaus, der etwa 300 Kilometernord­westlich von der Mitte der Mondscheibe liegt und etwa sechs Kilometer im Durchmesser mißt, ein großer, schattenreicher Krater ohne Wall bei jedem ersten und letzten Mondviertel leicht zu sehen, und zwar über einen Tag lang. Trotzdem ist derselbe von früheren Mondâeobachtern, die gerade diese Gegend der Mondoberfläche mit besonderer Sorgfalt durchforscht halten, nicht erblickt worden, denn er fehlt auf allen Mondkarten. Es ist daher wohl anzunehmen, daß diese Kratergrube neu entstanden ist. Hn*

1897. solchen Attentäter, dessen Ruhm noch Jahrhunderte lang fort- tönen werde.

Kann man sich eine größere Aufreizung denken?! Fordern nicht solche einem Meuchelmörder gespendete Worte der Aner­kennung und des Lobes zur Nacheiferung heraus? Welcher Staatsmann ist in Zukunft noch seines Lebens sicher, wenn die Anreizung zu Mordthaten wegen vermeintlich zugefügten Unrechts so ungehindert in öffentlichen Versammlungen be­trieben werden darf? Mit den bestehenden Gesetzen läßt sich solchem staats- und gemeinfâhrlichen Treiben in Preußen nicht steuern. Jetzt kann man sehen, eine wie schwere Ver­antwortung diejenigen auf sich geladen haben, welche der Re­gierung die in der Vereinsgesetznovelle vorgesehenen Abwehr­bestimmungen gegen umstürzlerische Bestrebungen in Vereinen und Versammlungen verweigerten!

Tagesschau.

Ein Bismarkdenkmal läßt die Gemeinde Dorstfeld bei Dortmund dem Schmied der deutschen Einheit errichten.

Der Verbandstag der deutschen Kriegsveter­anen, der am Montag in Köln nach zweitägiger Verhand­lung geschlossen wurde und von Abgeordneten aus 84 deut­schen Städten besucht war, hat den Fürsten Bismarck zum Ehrenmitglied ernannt. Der nächstjährige Verbandstag soll in Dresden abgehalten werden.

Stimmen aus dem Centrum. In einem rheini­schen Blatte ist ein bemerken? werther Brief des Centrumsab­geordneten Grafen von Hoensbroech veröffentlicht worden. Graf Hoensbroech erklärt es für unbesonnen,daß der Gegen­satz, der zwischen dem Centrum und der konservativen Partei in der Frage des Vereinsgesetzes besteht, vielfach in der Presse den Anlaß zu einer Hetze gegen dieOstelbier" gegeben hat, die schon aus dem Grunde ihr Bedenken hat, als die Gemein­samkeit des Vaterlandes nur auf dem Boden der Verständi­gung gedeihen kann." Außerdem weist Graf Hoensbroech darauf hin,daß die großen, auch unsere heimische Bevölkerung so lebhaft berührenden sozialpolitischen Fragen, insbesondere die Agrar- und Handwerkerfrage, nur in Gemeinschaft mit dem Osten befriedigend gelöst werden können, und es eine Schädigung dieser Aufgaben ist, wenn die Verschiedenheit der Anschauungen in unsachlicher, verletzender Weise zur Aus- breituug der Zwietracht benutzt wird. Die heutige Zeit bietet so heißt es daun weiter wchrlich Aufgaben genug, welche das Sammeln erwünschter erscheinen lassen wie das Zerstreuen. Zudem dürfen wir nicht außer Acht lassen, daß fast nur in der konservativen Partei diejenigen auf positiv christlichem Boden stehenden evangelischen Elemente vorhanden sind, ohne welche unsere katholische Minderheit wohl abwehren, aber nicht schaffen kann.

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Aus Kunst und Leben.

* Volkstümliche Turnübungen. Betreffend den Betrieb des Turnunterrichts in den Schulen, insbesondere Pflege der sogenannten volkstümlichen Uebungen, ist kürz­lich nachstehender Minist; rial-Erlaß ergangen:Sowohl bei den Besichtigungen des Turnunterrichts in den Schulen als auch bei den Turnlehrer-Prüfungen ist wiederholt wahrge­nommen worden, daß die sogenannten volkstümlichen U bungen, namentlich das Stabspringen und die Wurfübungen, nicht nach Gebühr gepflegt worden waren. Eine Entschul­digung kann für diesen Uebelstand nur in den Einflüssen ge­funden werden, welche das in unsern: Klima unvermeidliche Hallenturnen aus den Turnbetrieb überhaupt leicht ausübt. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, für das Turnen im Freien die Pflege der genannten Uebungen noch besonders zu em­pfehlen. Auch der schulgerechte Lauf (vergl. § 22 im Leit­faden für den Turnunterricht in den preußischen Volksschulen) und der Lauf und Sprung über Hindernisse ist auf den Turnplätzen eifrig zu üben. Gleichzeitig mache ich auf die ei sreuliche Erscheinung aufmerksam, daß oft gerade die leistungsfähigsten Turner, denen einzelne schmierige, beim Schauturnen besonders beliebte Uebungen trefflich gelingen, bei der Ausführung grundlegender einfacher Uebungen die rechte Sauberkeit vermissen lassen. Ich sehe darin die Folge davon, daß hier und da die unerläßlichen, zum Schauturnen gehörenden Uebungen unter dem einseitigen Streben nach kunstturnerischen, in die Augen fallenden Leistungen vernach­lässigt werden. Es wird gleichzeitig darauf zu halten sein, daß im Turnunterricht der Schulen überall den Gesichts­punkten gebührend Rechnung getragen wird, welche in dem Leitfaden für den Turnunterricht in den preußischen Volks­schulen von 1895 und in den Lehrplänen für die höheren Schulen von 1892 dargelegt worden sind.