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Nr. 189.
Samstag den 14. August
1897
Amtliches.
LanöKvsis e^onstu. Belanutmachungen des Königlichen Landralhsomtcs.
Die Herren Orlsvorstände mache ich auf das vom Re- gierungssekretär Luge beim Bezirkè Präsidium in Straßburg i. E. Herausgegkbkne Werkchen „Berechnung der Servisent- schädigung für Quartierleistung an die Truppen im Frieden", welches in IV. Auflage erschienen ist, aufmerksam.
Der Preis pro Exemplar beträgt 2 Mk.
Hanau den 12. August 1897.
Der Königliche Landrath.
M. 3766 v. Schenck.
Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.
Gefunden: Ein kleiner Hammer, zwei Briefmarken (von der Post).
Verloren: Eine silberne Damen-Remontoiruhr mit silberner Kette, ein Portemonnaie mit Inhalt.
Hanau den 14. August 1897.
Tagesschau.
Die Abstempelung der Schuldverschreibungen der 4prozentigen Reichsanleihe und der dazu gehörigen Zinsscheine und Zinsscheinanweisungen findet bei den Abstempelungsstellen außerhalb Berlins nur noch bis zum 31. August d. J. statt. Die Inhaber solcher Effekten werden daher von der Reichsschuldenverwaltung aufgefordert, dieselben ungesäumt an die ihnen zunächst gelegene von den in der Bekanntmachung vom 8. April d. I. bezeichneten Abstempelungsstellen zum Zwecke der Abstempelung einzureichen, Nach dem 31. August d. J. findet die Abstempelung ausschließlich bei der Königlich preußischen Kontrole der Staatspapiere in Berlin, Oranien- straße 92/94, statt.
Der König von Siam, der von England via Ostende kommend am 26. d. Mts. am Berliner Hofe lin- trifft, wird als East des Kaisers oller Voraussicht nach in einem der Potsdamer Schlösser Quartier nehmen. Nur drei Tage wird sein Aufenthalt in Potsdam bezw. Berlin wäbren. Bereits am 29. begibt sich der König nach Schwerin. Dorthin hat ihn der Herzog-Regent Johann Albrecht von Mecklenburg geladen, um Revanche zu üben für die echt orientalische Gastfreundschaft, die der Herzog im Königspalast zu Bangkok gesunden, als er auf seiner Weltreise auch Siam besuchte. Am 31. August wird der König nach Hamburg gehen und dann nach Essen reisen. Von dort gedenkt Chulalongkorn Holland und Belgien zu besuchen.
Jnbiläum. Am 3. September d. I. kann in Schwarzburg-Sondershausen ein bedeutsames Erinnerungsfest gefeiert werden. Am 3. September 1697 verlieh nämlich Kaiser
Feuilletsn
Gin Turnvater.
Zum 100. Geburtstage Hans Ferdinand Moßmann's, 15. August.
Von August Hagemann.
(Nachdruck verbaten).
Ich hab' mich ergeben Mit Herz und mit Hand Du Land voll Lieb' und Leben, Mein deutsches Vaterland.
Es ist ein Volkslied geworden, dies treuherzige, innige und trotz einer gewissen alterthümelnden Starrheit so lebensvolle Lied, das man jetzt allerorten in unserem Vaterlande hören mag. Es ist so ganz Volkslied geworden, daß man bei Wort und Weise an den Dichter kaum sich noch erinnert, — an Hans Ferdinand Maßmann. Dafür ist seine Name auf einer anderen Seite ter deutschen Litteraturgeschichte sehr deutlich verzeichnet. Heine hat ihn mit seinem Spotte verfolgt, und mag man sich auch über seine Bosheit ärgern, man muß doch immer nieder lochen, wenn man „Marcus Tullius Maßmanns", den Teutschthümler, den plattnasigen komischen Mann sich vorstellt, der nach des Spötters Behauptung kein Latein kann und deshalb lei der eigenen Ehelichsten in Mißachtung verfällt . . .
Wunderlich: zwei so verschiedenartige Silhouetten von demselben Manne! Welche hat in besser getroffen?
Die Wahrheit ist, daß das Lied „Ich hab' mich ergeben" den historischen Maßmann viel treuer spiegelt, als Heine's Karrikatur. Aber ein kleines Fünkchen Wahrheit steckt doch auch in ihr. Maßmann hatte etwas leise Komisches an sich, — er war in nicht geringem Grade eine Sonderling, ein Sonderling aus Ueberzeugung. Wenige Züge für viele: ein Schüler traf ihn einmal, wie er in seiner unvermeidlichen Turnjacke am Tische saß. Die eine Hälfte des Tisches wurde
Leopold den Grasen Christc n Wilhelm und Anton Günther zu Schwarzburg-Sondershausen den Fürstentitel.
Fabrikinspektoren. Tie bayerische Regierung beabsichtigt, die Zahl der Assistenten der FobrikJnspektoren zu vermehren. Bei dieser Gelegenheit soll in das Budget ein Posten eingestellt werden, um einen Versuch mit der Anstellung weiblicher Assistenten zu machen. Die bayerische Abgeordnetenkammer hat sich bekarnllich s. Z. ebenso wie die wmttembergische für Anstellung weiblicher Anstellungsbeamten ausgesprochen.
Gegen das Versteigerungswesen, eine der schwersten Schädigungen des reellen Hatidelsbetriebes, wendete sich eine größere Anzahl kaufmännischer Vereine in einer Eingabe an den Reichstag und Bundesrath. Es wird eine erhebliche Einschränkung des Auktionswesens durch gesetzgeberische Maßnahmen und die strenge Bestrafung der Zuwiderhandelnden I verlangt. Als Hauptforderung ist die Konzessionspflicht des ' Auktionators aufgestellt, wobei die Ertheilung der Konzession nur an Personen von durchaus makellosem Rufe erfolgen soll, die auch die Bürgschaft für einen reellen gesetzmäßigen Geschäftsbetrieb bieten. Im Uebrigen soll für die Konzessioni- rung auch die Bedürfnißfrage maßgebend sein und die Behörde unter Umständen die Hinterlegung einer Kaution verlangen können. Des Weiteren soll die Versteigerung von neuen, sog. Parthiewaaren, mit Ausnahme der Zwangsversteigerungen bei Verlassenschaften und Konkursen, ebenso wie das Vorschußgeben â conto des Vcrsteigerungserlöses untersagt werden.
Manöver in Oesterreich. Wie man der „Kreuz- ztg." ans Pest berichtet, soll den großen österreichisch-ungarischen Manövern bei Totis in Ungarn in der ersten Hälfte des Septembers, zu denen bekanntlich Kaiser Wilhelm kommen wird, auch der König von Rumänien beiwohnen. Aus derselben Quelle wird mitgetheilt, daß Kaiser Wilhelm nach diesen Manövern urd noch einem kurzen Besuche in der ungarischen Hauptstadt sich nach Bukarest begeben werde, um den rumänischen Königshof zu besuchen. König Albert von Sachsen, dessen Theilnahme an den Manövern in Ungarn ursprünglich ebenfalls in Aussicht genommen war, dürfte von denselben fernbleiben; der König soll sich unter Hinweis auf sein Alter entschuldigt haben.
Politische und ««politische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau .Herold.*)
Berlin, 13. August. Das Kaiser paar wird bereits heute Abend hier auf seiner Rückreise von Rußland erwartet. Der für Ende des Monats angesetzt gewesene Stapellauf des Panzer kreuzers „Ersatz Leipzig" ist auf Anfang September verschoben worden.
Berlin, 13. August. Dir Magistrat hat der gestern von den Stadtver ordn eti n für die Ueber schwemmten be
für die Mahlzeiten der Familie gedeckt, die andere war mit Büchern, Folianten und Papieren beladen, unter und neben dem Tische spielten die Kleinen. Diese Einrichtung patriarchalischer Häuslichkeit hatte sich Maßmann ausgedacht, um keinen Athemzug seiner Kinder zu verlieren, jeden belauschen zu können. Und Scherer erzählt von seiner wissenschaftlichen Arbeitsweise. Da sah er unverwandt aus die alte Handschrift, die er Tapiren wollte, und schrieb sie nach, ohne auch nur einen Blick auf seine eigene Schrift zu werfen; „ich hab's im Duktus", meinte er. Ja, das sind gewiß Sonderlingszüge. Aber was dahinter steckte — Heine verstand es nicht —, das war doch gut, echt und treu. Und das Son- derlingthum lag ja dem Kreise, dem er geistig entsprossen war, überhaupt einigermaßen nahe. Die, die in der Zeit vor dem Befreiungskämpfe das erschlaffte Volk wachrufen und aufrütteln wollten, die mußten, willig oder widerwillig, wohl etwas übertreiben, um sich bemerklich zu machen und ihrem Streben scharfe Züge zu leihen. Aus tiesem Streben erwuchs dann ein merkwürdiges Geschlecht, als dessen Ver- i treten uns Maßmann auch kulturhistorisch hochinteressant ist.
Er war ein geborener Berliner. Als die nopoleowsche Fremdherrschaft auf Preußen lastete, stand er im empfänglichsten Alter ; mit warmem Herzen schloß er sich den Patrioten an und auf Altvater Jahn's Turnplatz war er einer der ältesten Schüler. Toch zeigte sich zeitig, daß er, um einen landläufigen Ausdruck zu brauchen, ein Stück Pechvogel war. Jahn hatte keinen begeisterteren Anhänger als ihn, und doch hatten weder er noch seine Freunde ein rechtes Vertrauen zu dem jungen Menschen, der schon damals eine gewisse Lintisch- keit und Verlegenheit zeigte, die als Mangel an Offenheit gedeutet wurde, und überlies durch einen tragikomischen Zufall noch im Hause des als sranzosenfreundlich geltenden Polizeipräsidenten Lecocq verkehrte. Indeß wurden !re Beziehungen zu Jahn und seiner Sache doch allmählig sehr eng
willigten Summe von einer Million Mark heute zugestimmt.
Berlin, 13. August. Die „Berl. Neuest. Nachr." entwerfen über die Lage in Deutsch Südwest-Afrika ein überaus trostloses Bild. Bei den Hereros hat die Rinderpest unter den Beständen gewaltig aufgeräumt und im südlichen Theile des Schutzgebietes, wo die Seuche noch nicht hingekommen ist, hat die Trockenheit des Vorjahres den Viehbestand erheblich verringert. Seitdem aber die Straßen für den Ochsenverkehr gesperrt sind, scheint jeder Verkehr abgestorben zu sein. Der Handel liegt darnieder, die Preise steigen. Man erwartet eilige Linderung der Noth durch den Bahnbau von Swapkopmund. Wie dasselbe Blatt weiter berichtet, soll von der Feldbahn von Swapkopmund nach Windhoek zunächst 100 km gebaut werden, deren Fertigstellung einige Monate in Anspruch nehmen wird. Der Landeshauptmann, Major Leutwein, ist telegraphisch angewiesen worden, von den Mannschaften der Schutztruppe sofort eine größere Anzahl eingeborener Arbeiter in Swapkopmund zur Verfügung der Mitte September dort eintreffenden Eisenbahnbau-Kompagnie bereit zu halten. Die Entscheidung über den Weiterbau der Bahn bis Windhoek wird dem Reichstage bei Beginn der nächsten Session in einer Vorlage anheim gestellt werden.
Berlin, 13. August. Durch eine soeben bekannt gewordene Verfügung hat das kanadische Zoll-Ministerium angeordnet, daß die nach Kanada dirett importirten deutschen Waaren bis zum August 1898 die bisher den englischen Waaren eingcräumten Vorzugszölle des kanadischen gegenseitigen Tarifs genießen sollen, und daß der seit dem 22. April d. I. auf direkt importirte deutsche Waaren erhobene Mehrzoll auf Antrag von den kanadischen Zollbehörden zurückgewährt werden wird.
Kiel, 13. August. Das heute Nachmittag hier ein- trcffende Kaistrpaar wird hier über Nacht bleiben und morgen früh 10 Uhr nach Wilhelmshöhe fahren. Die kaiserlichen Prinzen treffen heute um 6 Uhr aus Plön hier ein und fahren abends zurück.
Wien, 13. August. In dem Beleidigungsprozeß Ver- gam contra Wolf und Gen. wurden die Beklagten freige- sprocken.
Wien, 13. August. Im Ministerium des Aeußern sind Nachrichten singt laufen, die erwarten lassen, daß der österreichisch bulgarische Konflikt noch im Lause des heutigen Tages eine befriedigende Löfung finden wird.
Budapest, 13. August. Nach einer Blättermeldung soll bei einer Uebung zwischen dem 23. Infanterie-Regiment und dem 16. Honved-Jnfanterie-Regiment seitens der letzteren auf die gemeinsamen Truppen mit scharfen Patronen geschossen worden sein. 6 Rekruten wurden schwer verwun-
und Maßmann nahm seine Prinzipien ganz in sich auf. Die Wahrheit ist: er hatte sogar zu viel Prinzip. Eine gewisse natürliche Steifheit seines Geistes wurde durch einen ziemlich pendantischen Lehrer auf dem Gymnasium eher befördert, und fo entwickelte sich der junge Maßmann derart, daß er vm des theuren Prinzips willen die Sachen leicht zu weit trieb. Auf einer Turnfahrt im Jahre 1811 hatte er an einem Rastort sein Sacktuch liegen lassen. Flugs unternahm er einen Dauerlaus zu der Raststelle und wieder zurück zu Turngknossen, bei denen dann der orduungslubente junge Mcnsch über und über in Schweiß gebadet ankam. Es war ein Glück, daß der treffliche Gedanke, dir in dir turnerischen Llwcgung log, Maßmann's Thun mit Leben beseelte; gewiß wöre er sonst leicht verknöchert. .
Wenige Jahre darauf spielte ihm sein übertriebener Eifer einen Histon ch gewordenen Streich. Iahn hatte das Studentevfist auf der Wartburg in Anregung gebracht; Maßmann führte den Gedanken durch und ollem Anicherne nach stau mte von ihm dir Plan des Bücher-Autodafes. Man kann ^acen: er schichtete dm Holzstoß aus der alten Äbminqer Burg, er warf die „unsauberen Bücher" hmem. Wie viel kö'es Blut dies Spektakel veranlaßte, werß man; Maßwarn aber saß den Winter darauf still in Jena, um — die Bücher zu lesen die er verbrannt hatte, damit er doch nicht im Falle einer Untersuchung als mit ihnen unbekannt erfunden würde! So mischte sich in jener Bewegung der jungen deutsch, n Freiheitsfreunde Gutes und Uebles in wunderlicher Weise: echte Begeisterung und treues Wollen mit vorschnellem und herausforderndem Handeln.
Treu aber war Maßmann, und wohin er kam, wirkte er für die Jahn'schen Ideen, für die frische fromme Turnerei, der er in Jena einen Turnplatz begründete, die er in Breslau, wo er sein Kandidaten-Examen machte, in Magdeburg, wo er am Gymnasium lehrte, und anderwärts wesentlich