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Nr. 187. EM^«MW
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Donnerstag den 12. August
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1897.
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Amtliches.
Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.
Gefunden: Ein eiserner Haken. Ein kleiner Hundemaulkorb. Ein blechernes Schild mit der Aufschrift: „I. Bornkessel, Hochstadt".
Verloren: Eine graue Wagendecke. Ein Trauring mit den Buchstaben M. H. eingravirt.
Hanau den 12. August 1897.
Aus Stadt und Landkreis Hanau.
Beamtenpersonal-Nachrichten.
Ernannt: der Gerichtsassessor v. Kienitz zum Amts lichter in Steinbach Hollenberg,
der Postkasfirer Pormann in Cassel zum Postinsprktor, der Postafsistent Karst in Marburg (Bez. Cassel) zum Obetpostafsistenten,
btr Postafststent Sälzer in Niederhone zum Postverwalter,
der Telegraphenanwärter Sauerwein in Marburg (Bez. Cassel) zum Telegraphenassistenten.
Uebertragen: tem Postsekretär Dreyer in Cassel die VorNeberstelle des Postamts II in Mewe.
Ausgeschieden: der Gerichlsasstsior Oppèrmann aus dem Jusuzdtenst infolge Uebernahme in die landwirthschaftliche Verwaltung.
* Ausmarsch der 166er. Das Infanterie-Regiment Nr. 166, welches heute Besichtigung hatte, rückt morgen früh 6 Uhr hier aus, um an dem Brigaderxerziren bei Darmstadt theilzunehmen. Die Rückkehr erfolgt nach Beendigung des Kaisermanövers.
* Kleine Wohnungen. Im Anschluß an den in Nr. 183 gebrachten Artikel „Kleine Wohnungen" können wir ferner berichten, daß die am hiesigen Platze bekannte Bausirma Jäger u. Rumpf (Inhaber H. Usenet u. W. Jäger) bereits im Herbste vorigen Jahres mit dem Bau kleiner Wohnhäuser begonnen hat, dabei bezweckens, gesunde und billige Wohnungen zu schaffen und auch minder bemittelten Leuten Gelegenheit zu geben, sich ein Häuschen erwerben zu können. Vorläufig werden 22 dieser Wohnhäuser „am Großen Rohr" errichtet und bestehen dieselben aus je 4 Zim mern, Küche, Keller, Stallung und einem hübschen eingefrie- digten Garlln; hiervon sind 10 bereits bewohnt, während ein großer Theil der erst im Rohbau fertigen weiteren 12 Stück auch schon vergeben ist. Wir können Jedermann eine Besichtigung der Häuschen, welche von den Eigenthümern gerne gestattet wird, nur empfehlen. Es ist jedenfalls sehr anerkennenswert^ daß die genannte Firma am hiesigen Platze den Anfang gemacht für billige, gesunde und dabei hübsch und praktisch eingerichtete Wohnungen in uneigennützigster Weise Sorge zu tragen. Daß die Wohnungen, namentlich in Anbetracht des bei jedem derselben befindlichen hübschen Gartens, allseitig gefallen, beweist der Umstand, daß die Nachfrage danach eine sehr rege ist. Sehr erwünscht wäre, wenn die Stadt dem Unternehmen insofern ihr Entgegenkommen bewiese, als sie wenigstens den alten Auheimerweg in einen befahrbaren Zustand bringen bezw. chaussiren ließe und Gelegenheit bieten würde die Häuschen in die Kanalisaton „am Großen Rohr" zu entwässern. Alsdann könnten die ca. 200 „am Großen Rohr" wohnenden Personen wenigstens einen Theil der Annehmlichkeiten der Stadt genießen.
* Ruderfest. Am Sonntag den 22. August hält die Hanauer Rudergesellschaft 1879 ihr diesjähriges Ruderfest, verbunden mit interner Regatta, ab. Der Festplatz befindet sich im Schwanengarten in Kesselstadt, welcher auch das Ziel für die stattfindenden Rennen bildet. Von nachmittags 3 Uhr ab konzertirt daselbst während der Rennen die Küchler'sche Kapelle, nach der Regatta vereinigen sich die Familien der Festtheilnehmer in den Sälen des „Schwanen" zu einem Tänzchen. Seitens des festgebenden Vereins sind an die benachbarten Rudergesellschaften Einladungen zur Betheiligung an dieser sportlichen Veranstaltung ergangen und haben dieselben auch fast ausschließlich ihre Theilnahme zugesagt, so daß die der internen Regatta vorangehende Parade-Auffahrt, an welcher die auswärtigen Vereine theilnehmen, recht imposant zu werden verspricht. Dem guten Beispiel vom vorigen Jahre folgend, hat sich auch heuer wieder eine Anzahl Damen bereit gefunden, zu einem der Rennen einen Preis zu stiften, was von der Gesellschaft dankend anerkannt wird.
* Das Bratfest der Samoaner. Das Rösten eines ganzen Schweines, das uns die munteren Insulaner bereits im vergangenen Jahre einmal vordemonstrirt, hatte
auch diesmal zahlreiche Besucher in den Frankfurter Zoologischen Garten gelockt. Besonders die Damenwelt war sehr zahlreich vertreten, schlug doch das Schauspiel in das Fach der Hausfrauen, die sich davon überzeugen konnten, daß man auch auf primitive Art zu einem schmackhaften Braten kommen kann. Der Vorgang spielte sich, wie die „Fr. Z." berichtet, folgendermaßen ab: Das abgebrühte hellrothe, appetitlich aussehende Thierchen wurde in eine heiße dampfende Grube geworfen, mit grünem Kastanienlaub, Decken und Erde bedeckt und in diesem Zustande seinem Schicksale überlassen. Nach etwa zwei Stunden wurde das provisorische Grab wieder geöffnet; ein angenehm-unangenehmer Geruch verbreitete sich, kleine Rauchwölkchen stiegen gen Himmel und Jedermann suchte der Stelle nahe zu kommen, wo die Ausgrabung vor sich ging. Und siehe da, in neuer, anderer Gestalt, gleichsam durch eine knusperige Haut verschönt, wurde der dampfende Kolossalbraten gehoben und dem Küchenchef zum Tranchiren übergeben. Die braunen Damen hatten sich unterdessen auf das Podium niedergelassen und ließen sich, ebenso wie die Zuschauer, denen auch einige Portionen unentgeltlich verabreicht wurden, den wirklich vortrefflichen, nur etwas zu leis gesalzenen Braten schmecken. Zum Schluß, sei erwähnt, daß das Bratfest durch den Besuch einer hohen exotischen Persönlichkeit eine besondere Weihe erhielt. Prinzessin Gumma von Dahomee, die augenblicklich mit ihren schwarzen Untergebenen in Darmstadt weilt, war zur Visite bei ihren braunen Schwestern erschienen. Es war amüsant, zu beobachten, mit welcher Neugierde die Samoanerinnen die schwarze Schönheit anstarrten.
Für heute. „Bürgerverein": Abends 71g Uhr (tu günstiger Witterung) ; Nitilârkonzert der Kapelle des Infante Regts. Nr. 166. — Evang. Männer- und Jünglingsverein: Abends S^g Uhr: Bibelstunde (Ältst. Rathhaus); — Abends 9 Uhr: Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im hinteren Parterresälchen der „Centralhalle"; — Radfahrerverein „Vorwärts": Zusammenkunft in der „großen Krone"; — Radfahrerverein Hanau 1885; Klubabend in der „Restauration Kippert"; — Klub „Amicitia": Vereinsabend im Gasthaus „zur Sonne"; — Freiwillige Feuerwehr 2. Komp, im „Krahnen", 3. Komp, im „Karpfen". — Speffart- Touristenverein: Abends 9Vs Uhr: Zusammenkunft im Vereinslokale „zum Elephanten".
Mainwasserwärme gestern Mittag 18 Grad.
Missionsfest des Hanauer Diözesanvereins für äußere Mission.
G Mittelbuchen, 11. August.
Das große Missionsfest des Hanauer Diözesanvereins für äußere Mission wurde in diesem Jahre abgehalten in unserer Gemeinde, die allezeit eine treue Hüterin und Pflegerin gewesen dieser Reichssache Christi unter der langjährigen Leitung eines gerade für die Mission besonders thätigen und unermüdlichen Seelsorgers. Sehr zahlreich waren die Gäste, die von Nah und Fern im Laufe des Festtages sich hier einfanden, um von neuem aus berufenem Munde zu vernehmen die großen Thaten Gottes draußen in der Heidenwelt und sich von Neuem zu begeistern für das heilige Werk der Mission. Der Frühgottesdienst begann um 10 Uhr. Den liturgischen Theil desselben hatte Herr Pfarrer Walther übernommen, worauf nach Gesang des Liedes „Der du zum Heil erschienen rc." Herr Pfarrer Correvon aus Frankfurt die Festpredigt hielt und zwar unter Zugrundlegung des Textes Psalm 31, 16 „Meine Zeit siebet in deinen Händen". Auch die Mission — so etwa führte der Redner aus — steht unter dem Gesetze der Zeit und Ewigkeit und wie die Geschichte und Geschicke der gelammten Menschheit und des Einzelnen, so stehen auch die Geschicke und Geschichte der Mission in der Hand des Herrn, den dieselbe getragen auf Adlers Fittichen trotz aller Anfeindungen und Hemmnisse bis zur Stunde. Aber der Herr und Helfer in der Mission verlange, daß ein jeder mit Hand anlege an die Arbeit, selbst Missionar werde, nicht zuletzt an sich selbst gegen sein immer noch heidnisches Herz, hörend auf die Stimme des ersten Missionars Jesu Christi, um bereit zu sein, wenn einmal in der zwölften Stunde durch die finstere Nacht der Ruf ertöne: Der Bräutigam kommt! Gottes Uhr gehe zwar langsam, aber sie gehe recht. Schon zeige sie die elfte Stunde an: die Zeichen der Zeit wirsen darauf hin, wie die Gegensätze sich verschärfen und der Kampf aller gegen alle entbrenne. Auch ein Blick in die Misstonsarbeit überzeuge hiervon, denn nie sei mit so großem Eifer und solchem Erfolge gearbeitet worden in der Mission als gerade jetzt. „Offene Thüren über
all", das sei die Losung, sie werde bestätigt überall, wo die Boten Jesu vordringen und seine Feinde zurückweichen, so in Afrika, an dem sich immer mehr erfülle der Ausruf Livingstons „Afrika für Jesum!" — so in Indien und auch in China. Aber die offenen Thüren verlangen offene Herzen, offene Hände, die da bereit sind sich selbst zu opfern, ihr kleines „ich" ganz und ^ar aufgehen zu lassen in dem großen „Er", sich an Händen und Russen gebunden hinzugeben in leine Hânde, um zuletzt als wahres Kind Gottes getrost sprechen zu können: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.
Nach dieser herrlichen Festpredigt erstattete Herr Missionar Thumm Bericht über den Stand der Basler Mission, anlehnend an das Texteswort 1. Sam. 7, 12 „Da nahm Samuel einen Stein und setzte ihn zwischen Mizpa und Sen, und hieß ihn Eben-Ezar und sprach: „Bis hierher hat uns der Herr geholfen".
Sehr eingehend und interessant waren die Berichte über die Fortschritte der Mission in Indien, China, an der Goldküste und in Kamerun, wo insgesammt über 4000 Seelen für das Reich Gottes allein im verflossenen Jahre gewonnen seien. Zehn Jahre schon werde in Kamerun gearbeitet, wohin zuerst nur 4 Missionare gegangen, während heute 60 Missionare und Schwestern dort thätig seien. Heute gäbe es dort 9 Hauplstationen und 91 Außenstatiown und Filialen, — etwa 1900 Kinder würden heute in christlichen Schulen dort unterrichtet. Aber noch harren der Mission größere und schwierigere Aufgaben, immer weitere Gebiete würden derselben eröffnet, aber es fehle an Arbeitern, darum sei das heutige Missionsfest, wie alle, ein Werbetag. — Mit Schlußgebet und Segen erdete der Frühgottesdienst.
Der Nachmittagsgottesdienst begann um 2 Uhr. In demselben hielt zunächst die Festpredigt Herr Missionsprediger Professor Dr. Path- Berlin. Derselbe hatte seiner musterhaften Rede des Herren Wort zu Grunde gelegt: Matth. 16, 26: „Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne, und nähme doch Schaden an seiner Seele? oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?
Mit heiligem Eifer wendete sich der Festprediger zunächst gegen den irrigen Wahn so Vieler, auch in der Christenheit, die da meinen, dec Mensch habe keine Seele Sie — „ein Hauch von Gott", dem Menschen gegeben bei seiner Erschaffung, sei aber geschädigt durch die Sünde uno verpfändet dem Teufel, darum bedürfe sie der Hilfe. Aber nicht helfen etwa Macht, Reichthum und Ansehen, nicht alle Kostbarkeiten und Schätze der Erde, auch nicht aller Ruhm und Weisheit, denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne? Der Mensch könne nichts geben, um seine geschä- dizte und verpfändete Seele zu lösen, darum habe unser Heiland, der gekommen sei zu dienen, seine Seele gegeben als Lösegeld anstatt vieler; das Lamm Gottes, das der Welt Sünde getragen, habe am Kreuzesstamm seine Seele in seinen durchgrabenen Händen dargebracht als Lösegeld für alle, auch für die Heiden, denen es heute allerorten die Sendboten Gottes verkünden und von denen herüber bis zu uns heute der Jubelgruß erschallt: Jem sachai, Gott unsere Hilfe! —
Eine weitere Festpredigt hielt sodann Herr Pfarrer Göbels-Hanau über Luc. 10, 21—35. — Vor allem forderte er seine Zuhörer auf, nicht herzlos und ohne Mitleid und unbarmherzig vorüberzugehen an allen, die unserer Hilse bedürften, sei es im eigenen Vaterlande, wie an den durch furchtbare Ueberschwemmungen Heimgesuchten, sei es auch im fernen Lande, dort wo die Hindus wohnen, unter denen Pest und Hungersnoth arg wütheten, oder an den schwer verfolgten und bedrückten Armeniern. Auf deren lange Geschichte der Verfolgungen und des stetigen Blutvergießens ausführlich eingehend, schilderte in anziehender Weise der Festprediger den Beginn der dortigen gregorianischen Kirche und deren allmähligen Verfall und endlich die Ärbeit der Baslermission seit 1821, das Christenthum in seiner ursprünglichen Reinheit wiederherzustellen. Doch sei die im schönsten Fortgang begriffene Arbeit für immer vielleicht gehemmt und gestört durch den fanatischen Islam, der zur Zeit der erbittertste und gefährlichste Fèind des Christenthums sei. Hier thut Hilfe noth, wahre Samariterhilfe, welche auch schon durch reichliche Sammlungen in der Schweiz, England, Amerika und auch hier in Deutschland wohl gewährt, aber immer noch nicht hinreichend dargeboten sei. Mit der Mahnung, auch ferner zur Hilfe bereit zu sein, schloß der Festprediger. Nach dem Gottesdienste fand im Freien eine nochmalige Zusammenkunft aller Festfreunde und Festgäste statt, in welcher verschiedene Ansprachen gehalten und Missionslieder gesungen wurden.