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Nr. 181. Donnerstag den 5. August 1897.

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Amtliches.

^anö&retö ^anatt.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

Unter den Schweinen in Radmühl, Kreis Gelnhausen, ist die Rothlaufseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.

Hanau den 2. August 1897.

Der Königliche Landrath.

v. Schenck.

Dicnstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Mehrere Ortskrankenlaffen-Marken.

Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.

Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Dachshund, ein junger schwarzer Doggenhund, beide männlichen Geschlechts.

Verloren: Ein Taschenmesser von Perlmutter.

Hanau den 5. August 1897.

Tagesschau.

Bon der Marine. Laut te egraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine beabsichtigt S. M. S. Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, am 4. d. Mis. von Hakodate nach Insel Sakhalin (Castries Bay) in See zu gehen.

Die Flotte. Vor einigen Tagen brachte dieWeser- Zeitung" eine Notiz aus einem amerikanischen Konsulats­bericht des Inhalts, daß man sich amerikanischerseits über das Missverhältniß der deutschen Kriegsflotte zur Größe der Handelsflotte wundere. Aufs neue e h ben sich im Auslande Stimmen, die Deutschland nennen, auf Hebung der Flotte bedacht au sein. So schreibt dosWiener Fremdenblatt" in seiner Morgenausgabe vom 17. Juli:Schon im tiefsten Frieden, in der Aera ungestörter Produktion und materieller Entwickelung bedarf eine große seefahrende Ration einer achtunggi bietenden Flotte, um die nationale Flagge jederzeit dort zu zeigen, wo nationale Interessen engagirt sind, und um jederzeit im Stande zu sein, den nationalen Handel zu schützen. Deutschland braucht in der That ganz andere Macht­mittel zur See als es teilte hat, ein starke Seemacht ist ein Lebensbedürsniß dieser Nation". Auch dosWiener Tageblatt", un demokratisches Organ, schreibt am 17. Juli: Es läßt sich nicht leugnen, daß eine starke Kriegsflotte der teste Rückhalt der Handelsflagge ist, mit der wachsenden Schifffahrt stellt sich die Nothwendigkeit von selbst ein, das maritime Ansehen des Staates durch eine respektable Kriegs flotte zu schützen. Das gilt für Deutschland, wie alle übrigen Kontirentalstaatcn". Bei uns in Deutschland sind die wirth- schaftlichenGegner im Prinzip von der Nothwendigkeit eines Aus­

Feuilleton.

Dom Goldfieber.

Milwaukee, Mitte Juli.

Altmeister Goethe kannte die Menschen, als er sein Gretchen den berühmten Vers aussprechen ließ:

Am Golde hängt, Nach Golde drängt Doch Alles und wer es etwa bezweifeln sollte, der sehe sich die Massen der vom Goldfieber Besalleuen ar, die gegenwärtig im Nordwesten ter Union zu finden sind. Und diese Epidemie hat sich von einem Lande aus hierher verpflanzt, das, ver­möge seiner nördlichen Lage am Ende der Welt oder ge­nauer gesprochen om Ende der Neuen Welt, garnicht für ein Fieberland gehalten werden sollte, von Alaska, dem großen Territorium, das in den 66er Jahren die Vereinigte Staaten-Regierung für einige Millionen von Rußland kaufte, was wohl beiläufig eine der besten Kapitalanlagen gewesen sein dürste, die seit Menfchengedenken gemacht wurden.

Doch hönn wir kurz die alarmirenden Thatsachen: Mit dem letzten Dampfer, der in Son Franzisko aus Alaska ein- haf, sind etliche Eoldgräter mügelommen, die eine geradezu fabelhafte Ausbeute erzielt laben. Ein früherer Grobschmied hat sich in 2 Jahren Goldklumpen und Goldstaub im Werthe von 115.660 Dollar (also fast/i Million Mark) erübrigt, d. h. von den Grlt mengen, die er für seinen Lebensunter­halt opfern mußte und für SpülDergi ügungen", wie man sie im Goldgrâberlager eben kennt, freiwillig verwendete, in dieser Zeit ülrig behalten. Ein Anderer bringt 96,000 Dolla rs, ein T rrlter gar 135,000 Dollars mit, Alles in Allem haben die Passagiere dieses einen Heinen Dampfers

baues unserer Marine im nationalen Interesse überzeugt. Aber die Kräfte verzehren sich im fruchtlosen Ringen gegeneinander und das gemeinsame nationale Jnter-ffe tritt in den Hintergrund. Es ist jdoch zu erwnten, daß die beiden grossen Gege sâtze in der gemeinsamen nationalen Flottenfrage zu einer Einigung gelangen werden. Dafür hat uns Frankreich, wo dieselben Gegensätze in gleichem Maße vorhanden sind, soeben e st das beste Beispiel gegeben, dem wir natürlich nur inner­halb der Grenzen, die dem Reiche zu Gebote stehen, folgen können.

Schuldverschreibungen der 4proz. Reichsan- leihe. Die Abuempelung der Schultwerschreibungen der 4proz. Reichsanleihe und dir dazu gehörigen Zinsscheine und Zinsscheinanweisur gn find t bei den Äbstempelungsstellen außerhalb Ber ins nur noch bis zum 31. August d. Js. statt. Die Inhaber solcher Effekten werden daher von der Reichsichuldenveiwaltung aufgefordert, dieselben ungesäumt an die ihnen zunächst gelegene der in der Bekanntmachung nern 8. Ap il d. Js. bezeichneten Abstempelungsstellen zum Zwecke der Abstempelung einzureichen. Nach dem 31. August d. Js. fin et die Abstempelung ausschließlich bei der Königlich Preußischen Konsole der Staatspapiere in Berlin, Orarien- straße 92 94, statt.

Angst vor Der leeren Krippe. Mit gut gespielter Entrüstung zieht die sozialdemokratischeSchwab. Tagwacht" gegen dieApostaten des Klaffenkampfes" zu Felde, die der sozialdemokratischen Partei den Rücken kehren, weil sie es satt haben, nur den Mund halten und Parteisteuern zahlen zu sollen. Das Blatt nennt die Kluggewordencntraurige Subjekte",die die Fahne der proletarischen Freiheitsbewegung verlassen und verleugnen." Aus diesem Erguß spricht deut­lich die Angst vor einem Massenabfall, der, wenn er e inträte, die Führer vor der leeren Krippe stehen lassen de.

Vergewaltigung Arbeitswilliger. Die Verge­waltigung arbeitswilliger Elemente durch strikende Genossen hat schon zu einer Anzahl scharfer, aber wohlbegründeter ge­richtlicher Verurteilungen Anlaß gegeben Indessen ist da­mit erst seit verhältrißmäßig zu kurzer Zeit vorgegeben worden, als daß infolge dessen schon eine durchgreifende Aenderung der von den sozialdemokratischen Hetzern den Massen seit langen Jahren g-predigten und diesen in Fleisch und Blut übergegangenen Brutalisirungsproxis hätte herbeigesührt werden können. Es wird deshalb noch manches Exempel statuirt werden müssen, ehe den Strikelanatikern das Verständniß da für aufdämmert, daß es ein einfaches Gebot der ausgleichen­den Gerechtigkeit ist, die Freiheit, die man für sich selbst in Anspruch nimmt, auch anderen Leuten zuzugestehen. Einst­weilen, wie gesagt, sind die Genossen von dieser Erkenntniß noch recht weit entfernt. In Bielefeld, wo der schon er­loschene Manerftrike wieder frisch entzündet worden ist, haben die Gerichte alle Häute voll mit der Aburtheilung von sozial­

ungemünztes Gold von mehr als l1^ Millionen Dollars oder 5 Millionen Mark von ihrer Argouautenssahrt mitge­bracht. Dabei sind das erst die Ersten, die gesättigt zurück­kehren; Tausende, vielleicht sogar Zehntausende sind noch draußen, die erst ein gehöriges Vermögen verdienen wollen, und es scheint, daß die Meisten dazu die beste Aussicht haben. Wer nicht selbst einen Amheil kaufen ober in noch uner­forschten Gebieten sein Glück versuchen kann, muß als Tage­löhner arbeiten, und das wird immerhin mit 10, 12, 15 bis 18 Dollars den Tag bezahlt oder mit 250450 Mark die Woche. Andere, die vielleicht über 500 Doll, verfügen, können auf eigene Rechnung arbeiten und, wenn sie Glück haben, manchmal an einem einzigen Tage 1000 Dollars aus dem Sande auswaschen. Tas ist nämlich die ergiebigere und leichtere Art der Goldförderung, die im Winter in der eigenthümlichen Weise betrieben wird, daß das Eis, das hier in dem sibirischen Klima die Flüsse bis auf den Grund er­starren macht, gesprengt wird und das Gold dann vom trockenen Flußbette emsach ausgelesen wird. Die schwierigere Art der Goldgewinnung, die bergmännische, indem das Me­tall aus den Gesteinsodern herausgeschieden wird, kommt bereits ebenfalls vor, will aber angesichts des Umstandes, daß noch so unglaubliche Schätze leichter zu heben sind, noch nicht viel bedeuten.

Alle Berichte, die bisher vor liegen, stimmen darin über­ein, daß im oberen Laufe des Aukon und in den zahlreichen Quell-Nebenflüssen desselben Erze, außerdem auch Petroleum- lager von größter Ergiebigkeit existiren und die Schätze von Kalifornien, die vor 50 Jahren die Welt in Bewegung fetzten, wahrscheinlich noch weit übertreffen. Etwas Sicheres ist natürlich schwer zu sagen, schon aus dem Grunde, weil hier Bezirke von Hunderten, ja Tausenden von englischen Quadratmeilen in Frage kommen, die überhaupt noch keines Menschen Fuß betreten hat und so leicht auch Niemand be­

demokratischen Vergewaltigern friedlicher Arbeiter zu thun. In Harburg, wo die Bagzerarbeiter wegen Lohndifferenzen in einen Strike eingetreten sind, zeigt sich schon, ebenso wie bei früheren Arbeitseinstellungen, die Brutalität gegenüber den Arbeitswilligen. Ein Baggerarbeiter, der wulich Abend von der Arb.it kam, wurde von vier jungen Burschen überfallen und mit Messern arg zugerichtet. Er hat verschiedene Stich­wunden in den Kops davong' tragen und mußte sich in ärzt­liche Behandlung begeben. Hoffentlich g lingt es, die Messer­helden zu ermitteln, damit sie der ihrer Rohheit gebührenden scharfen Strafe nicht entgehen. Wie viele ähnliche Attentate mögen vorfall'N, von denen keine Kunde in die Oeffentlichkeit dringt. Es isst daher nur Pflicht des Staates gegenüber seinen ruhigen, gesetzliebenden Bürgein, bei Strikeanläsfen mit voller Energie der sich breit mcchenden Ung bühr Gesetz­losigkeit und Brutalität der strikenden Genossen entgegenzu­treten und insbesondere die Rechtsprechung hat hier eine wirk­liche Kulturmisston zu erfüllen.

Die Kriegsflotte Japans soll, dem bis jetzt be­stehenden Programm zufolge, bis 1906 einen Zuwachs von im ganzen 117 Schiffen, Fah zeugen und Torpedobooten er­halten. Ein großer Theil der zahlreichen Neubauten ist jetzt schon europäischen und amerikanischen Werften übergeben. Es sind bereits 1896 bei den Thames Jronworks und zu Els­wick die beiden Schlachtschiffe erster KlasseFuji" undIa- schima" von Stapel gelaufen und jetzt vollendet. Das SchlachtschiffSchikischima" soll innerhalb zweier Jah'e bei den Thames Jronworks hergestellt werden, während die drei andern Schiffe derse ben Klasse auf der Werft von Thomson zu Clydebank und beim Vulkan zu Stettin gebaut werden sollen. Die Aufgabe eines dieser Rirsenschiffe b im Vulkan schki t sich, den neuesten deutschen Nachrichten entsprechend, zu bewahrheiten, so daß der Vulkan dann beim Bau ders lben Schiffsklasse mit obigen englischen Schiffswerften in scharfe Kontur; enz treten wird. Zwei geschützte Kreuzer sollen Ende Dezemb r 1898 in Philadelphia und San Franzisko fertig werden, während die Werft zu Clydebank noch in diesem Jahre einen Kreuzer vollendet. Zwei 30 Knoten Torpedo bootzerstörer sollen bei Thornycroft und vier derselben Gattung lei Jarrow gebaut werden. Schichau-Elbing soll fünf Tor­pedoboote zu 34 Knoten Fahrt und Normand-Havre ebenso- viele liefern. Die weiteren Bauaufträge, insbesondere die­jenigen für die Werft zu Elswick, sind noch unbekannt.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-Bur eauHerold/)

Berlin, 4. August. Die Kaiserin hat vor ihrer 'Ab­reise aus Tegernsee für die Hilfsbedürftigen des Bezirks den Betrag von 1000 Mark und für Zwecke der evangelischen Kirchengemeinde 500 M. überweisen lassen.

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treten kann, weil die Reise dorthin die denkbar schwie­rigste ist.

Man muß ent ueber rach einer Seereise von mehreren Tausend Meilen von San Franzisko aus mit dem Dampfer in die Aukonmündung an der Behrings-See einfahren, wozu eine Reisedauer von 6 Wochen erforderlich ist, oder auf dem Ueberlandwege von Sitka und Juneau, den beiden einzigen nennensmerthen Orten im Süden Alaskas, nach der See­reise noch 700 bis 800 englische Meilen zurücklegen, was wahrscheinlich kaum viel weniger Zeit erfordert, jedenfalls aber bedeutend gefährlicher ist, weil schlecht zu passtrende Ge­birgsgegenden, reißende Flüsse und Stromschnellen fast.ohne jedes Hilfsmittel der Civilisation überwunden werden müssen. Man spricht freilich schon davon, daß nach dem neuen Platze in der besten GoldgegendCickle City", dem für nächstes Frühjahr eine Einwohnerzahl von dreißigtausend Seelen pro­phezeit ist, eine Eisenbahn gebaut werden solle, allein selbst beim besten Willen würde die Anlage einer so langen Strecke durch völlig wilde Gel irgsgegenden immerhin noch Jahre er­fordern und dann vielleicht schon zu spät kommen. Denn es ist sehr fraglich, ob auf die Dauer sich genügende Ansiedler in dem amerikanischen Sibirien finden dürften, wenn erst alles Goldland okkupirt und sozusagen der Rahm abgeschöpst sein wird.

Die Zeitungen sind jetzt voll von Einzelheiten, die nament­lich durch die Kapitäne, die aus dortiger Gegend kommen, berichtet werden. So soll ein Grundeigenthümer den Ver­kauf seines Besitzes für 200 000 Doll. abgelehnt haben, weil er bereits JOO 000 Toll. erbeutete und sicher sein will, mindestens noch den vielfachen Betrag in kurzer Zeit selbst einheimlen zu können.

Andere haben lieber den Sperling in der Hand wie die Taube auf dem Dache gesehen und ihre Antheile für 25- bis 60 000 Doll, verkauft, was darauf schließen läßt, daß be-