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Amtliches Organ für Htaöt- und Landkreis Hanau.
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Nr. 178.
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Montag den 2. August
1897.
Amtliches.
Ticnstnnchlichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Auflagebuch der Beck'scben Sparkasse Nr. 11. Ein s. g. Brodbuch. Ein Damen-Zeugschuh. Ein Mahmn-Kringel.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Dachshund; ein junger schwarzer Doggenhund, beide m. Gefchl.
Verloren: Eine silb. Damenuhr mit vergoldeter Kette; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Hanau am 2. August 1897.
Hanauer Ortskrankenkasse.
Mittwoch den 11. August 1897,
avends 8 Uhr: Außerordentliche Generalversammlung
im unteren Saale des Ratbhauses, zu welcher die stimmberechtigten Vertreter gemäß § 59 des Kassen statuts hiermit eingeladen.
Tagesordnung:
Einziger Punkt: DeiLlußfasfung über vom Bezirksausschuß verlangte Aenderungen der §§ 20, 25, 31 u. 37.
Hanau den 2. August 1897.
^er Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.
Zimmermann,
10834 Vorsitzender.
Die Kündigung des deutsch-englischen Handelsvertrages
ist nunmehr erfolgt. Sie war längst vorhergesehen worden, denn sie bildet nur den Abschluß der in England seit sieben Jahren von rühriger Seite gegen den deutschen Wettbewerb auf dem Weltmärkte entfachten Bewegung. Die Engländer sind daran gewöhnt, auf den überseeischen Märkten eine Alleinherrschaft zu üben, welche ihnen noch bis in die Mitte i dieses Jahrhunderts thatsächlich unbestritten war. Durch ein zwei Jahrhunderte hindurch mit beispielloser Rücksichtslosigkeit durchgeführtes Schutzzollsystem hatte sich England eine gewaltige Industrie großgezogen, der bald die heimischen Märkte zu eng wurden, und die welterobernd wurde, nachdem der englische Staat durch die Vernichtung der napoleonischen Seemacht auf allen Meeren allein gebot. Um ihr auch alle europäischen Märkte zu öffnen, wandten sich die klugen Engländer in der Mitte unseres Jahrhunderts plötzlich dem Freihandel zu. Sie selbst hatten bei ihrer wirtschaftlichen Ueber- macht gar nichts zu riskiren; wohl aber durften sie hoffen, durch ihr Beispiel auch den einen oder andern Kontinentalstaat zur Annahme des Freihandelssystems zu bewegen und
so ungehinderten Zutritt zu dessen heimischen Märkten zu erlangen.
Mit allen Mitteln wurde daher der Welt plötzlich das allein segensreiche Dogma des Freihandels verkündet, und da diese Bewegung von England ausging und sich wohlweislich in „liberaler" Gewandung vorführte, so biß der deutsche Liberalismus selbstverständlich sofort auf den hingehaltenen Köder an. Es begann in Deutschland die Zeit des Freihandels, die England geschickt damit einleitete, daß es, ähnlich wie vorher mit Frankreich, mit dem deutschen Zollverein einen Handelsvertrag abschloß, welcher die berühmte" Meistbegünstigungsklausel enthielt, deren praktische Anwendung die Völker von selbst der Freihandelspolitik entgegenführt.
Zweiunddreißig Jahre hat dieser Vertrag in Wirksamkeit gestanden. Deutschland hatte sich im Laufe der Zeit ganz zum schrankenlosen Freihandel bekannt und den Engländern alle Märkte geöffnet, aber dabei so üble Erfahrungen gemacht, daß Fürst Bismarck das Freihandelssystem kurzweg bei Seite warf und dem nationalen Wirthschaftssystem mit rationellen Schutzzöllen eine Stätte bereitete. Unter demselben ist die deutsche Industrie ebenso gewaltig erstarkt, wie einst die englische. Sie ist in die Lage gekommen, mit den Engländern auf allen Märkten zu konkurriren. Im letzten Jahre führte Deutschland für 678 Millionen Mark allein nach England ein. Die Engländer sehen also ihre wirthschaftliche Weltstellung durch Deutschland gefährdet, und da auch alle übrigen Kulturstaaten vom Freihandel nichts mehr wissen wollen, so strebt das englische Volk nunmehr einem andern Wirthschaftssystem zu, welches das englische wirthscha'tliche Uebergewicht sichern soll, zu diesem Behuf zunächst die gesammten englischen Kolonien näher mit dem Mutterlande zusammenschließt, und so die „großenglische Wirthschaftsunion" befähigt, durch Bevorzugung der eigenen Fabrikate den fremden Wettbewerb zu erschweren.
Es ist dies, wie man sieht, ein erster Schritt zur Rückkehr Englands zum Schutzzollsystem. Seiner Durchführung stand der bis jetzt noch in Geltung gewesene deutsch-englische Meistbegünstigungsvertrag entgegen, welcher auch der deutschen Industrie jeden zollpolitischen Vortheil zuwies, den man in England und seinen Kolonien einem englischen oder fremden Fabrikate zuerkannte. Wie sich infolge dessen die wirthschast- lichen Beziehungen zwischen England und Deutschland später gestalten werden, ist noch nicht abzusehen. Jedenfalls hat die deutsche Industrie Ursache, sich auf alle Möglichkeiten vorzubereiten. —r.
Lagesschau.
Von der Marine. Laut telegrafischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine sind S. M. S. „Kaiser", Kommandant Kapitän zur See Zeye, — mit dem Divisions
Chef Kontre-Admiral von Diederichs an Bord —, „Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, „Prinzeß Wilhelm", Kommandant Kapitän zur See Thiele (Adolf), und „Irene", Kommandant Kapitän zur See du Bois, om 29. Juli in Hakodate angekommen.
Prinz Friedrich Karl Denkmal. Aus Metz wird belichtet: Die Voralbeiten zur Errichtung eines Standbildes des Prinzen Friedrich Karl sind nun so weit vorgeschritten, daß mit der Grundsteinlegung nicht länger gezögert werden soll. Dieselbe ist aus dm 6. August angesetzt. Es wird, wie man vernimmt, von dem betreffenden Komitee aus ein engerer Kreis von Theilnehmern dazu geladen werden. Das Modell zu dem Standbilde ist in der Kunstwerkstätte des Professors E. von Miller in München, des Schöpfers auch des hiesigen Kaiferstandbildes fertiggstellt und in den letzten Tagen von dem Grafen von Häseler, der seiner Zeit bekanntlich längere Zeit dem Stabe des berühmten Reiter- führers zugetheilt war, in Augenschein genommen wordm. Das Denkmal wird sich in der Mitte des Boufflers Gartens erheben, eines an Ne Esplanade anstoßenden, beim Justizpalaste nach der Mosel zu vorspringenden Terrainabschnittes, der mit hübschen Anlagen bedeckt ist.
Beim Fürsten Bismarck. Der engere Vorstand des Bundes der Landwirthe, die Herren von Plötz, Dr. Rösicke und Dr. Diederich Hahn, sowie der Abgeordnete Schoof sind am Samstag, wie ein Telegramm aus Friedrichs- ruh meldet, vom Fürsten Bismarck empfangen und zur Frühstückstafel gezogen worden. Der Fürst sah sehr wohl aus und war bei heiterster Laune. Das Gespräch drehte sich besonders um die wirtschaftspolitischen Fragen, wobei der Fürst die Nothwendigkeit des Schutzes der nationalen Arbeit betonte und hervorhob, daß, um dieses Ziel zu erreichen, Anhänger der verschiedensten politischen Parteien heranzuziehen seien unter der Betonung des Grundsatzes: „La recherche de la fraction est interdite/
Herr v. Hammerstein und die Landwirthschaft. Auf dem Festessen zu Ehren des fünfzigjährigen Bestehens der landwirthschaftlichen Akademie Poppelsdorf erklärte Minister Freiherr v. Hammerstein, daß er stets den guten Willen gehabt habe und habe, der Landwirthschaft zu helfen. Wer dies bestreite, gegen den sei wiederholt sein Zorn aufgetreten. Eine schlechte Regierung würde an Preußens Spitze stehen, die nicht begriffe, daß der Nähr- und Wehrstand die Stütze unseres deutschen und preußischen Vaterlandes sei. Preußen sei der Kops, Süddeutschland das Herz Deutschlands. Ueber dem Herzen müsse ein strammer starker Kopf stehen. Das sei es gewesen, was uns zum Ziele, zum deutschen Reiche gebracht habe. Aus innerem Pflichtgefühl wolle er das Wohl der Landwirthschaft; er müsse es aber zurückweisen, daß man sage, der Staat solle allein helfen, der Staat werde und könne erst dann helfen
FenLlletsn
Einweihung der Hanauer Hütte.
Imst (Tirol), 21. Juli.
Die Lechthaler Alpen, jener große Kalkg birgszug, der sich nördlich von der Arlberglinie und dem Innthal bis zum Fernpaß hinzieht, sind erst in der neuesten Zeit ein Lieblingsgebiet der Touristenwelt geworden. Vor einigen Jahren noch waren all die stolzen Höhen, denen als einheitlicher charakteristischer Zug das Spitzige, Bizarre anhaftet, die zerhackten, kahlen Gipfel, die scharsschneidigen, ost übersteilen Pyramiden nur ganz vereinzelten Alpinisten bekannt und jene Gruppe, zu welcher die Berge unseres Gebietes zählen, die P a r s e y e r Kette, blieb lange fast von ollen Alpenfahrern gemieden. Erst Prof. Anton Spieler von Memmingen war es, der durch seine eifrige publizistische Propaganda hier Wandel schuf und mit Erfolg für die Erschließung der ganzen Lechthaler Alpen, wie speziell der Parsiyn-Ketie eintrat. Durch seine schriftstellerischen Arbeiten wurde nicht nur die Touristenwelt auf den bis dahin so wenig beachteten Gebirgszug aufmert sam gemacht, sondern auch verschiedene Sektionen des großen D. u. Oe. Alpenvereins angeeifert, sich ein Arbeitsgebiet in jenen schönen Bergen zu schaffen.
Die Sektionen Memmingen, Imst, Augsburg, Elmen und Landeck waren es besonders, welche sich der Arbeit in der Parseyer-Kette annahmen, Schutzhütten und Wege daselbst an legten und die Organisation des Führerwesens durchführten. Zu ihnen hat sich in neuester Zeit eine noch ganz junge, erst vor drei Jahren ins Leben getretene Alpenvereins-Sektion gesellt, die, über eine stattliche Mitgliederzahl und ausreichende Mittel verfügend, eine besonders anerkennenswerthe Thätigkeit entfaltet. Die Sektion Hanau—, deren prachtvoll
। auf der Parzinterrasse gelegene Schutzhütte am vergangenen Momag unter Theilnahme von über 50 Pe. fönen bei günstigstem Wetter eröffnet worden ist.
Anton Spieler ist es gewesen, der zuerst die Nothwendigkeit erkannt hat, daß im Parzin, jener ausgedehnten, auf drei Seiten von öden Steinkaren und einem Kranz der wildesten Felsgipfel umsäumten Aochmulde eine den neueren Anforderungen entsprechende Unterkunstshütte errichtet und damit die Bezwingung der umliegenden, so unnahbar ausschauenden Höhen ermöglicht werde. Der erste Akt, den die in der neuen Schutzhütte sich versammelnden Bergfahrer noch vor der Erörterung und Einweihung derselben vornahmen, war deshalb auch ein Akt der Dankbarkeit gegenüber diesem leider zu früh verstorbenen Mann, dessen großartigen Verdiensten um die Erschließung der Lechthaler Alpen Karl Deutsch am Vorabende des Eröffnungstages in erschöpfender Rede gedacht hat uud dem alle Anwesenden ein bewegtes „Fiducit" weihten.
Wir waren schon am Sonntag Morgen in Gesellschaft einiger Jäger über Maldon und Hochtennen nach Boden, jenem weltverlassenen Oertlein Pfafflaes hinübergewandert; ein mit mehreren liebwerthen Ehegesponsinnen im „Josefs- kar'l" unbesorgt weidender Gemsbock war hierbei der Kugel eines unserer Nimrode zum Opfer gefallen und einige andere Theilnehmer der Parthie hatten die kleine Klettertour nach dem Plattjoch nicht gescheut, um von dort als schlichte, aber stolze Trophäe die schneeigen Sterne des Edelweiß mit nach der neuen Schutzhütte zu bringen.
Welch lieblicher Anblick bietet sich dem Auge, wenn man nach Umgehung des „falschen Kogls" den Sattel ober dem Plaitjoch erreicht. Da liegt zu unseren Füßen die grüne Fläche des Plötzigbodens, in dessen Hintergrund grüne Hänge aufsteigen. Rechter Hand herrscht der ebenfalls bis zur Spitze grüne Schachaunkopf, ihm gegenüber der Wetter
spitz und zwischen beiden weitet sich ein großes Gebirgs-Panorama.
Auf der anderen Seite des Sattels, gegen Hochtennen hin, ist das Bild ein vollständig geändertes. Himmelanstrebende öde Steinkare, in denen nur mühsam einige wenige Legzundern ihr armes Dasein fristen, Schutthalden und wieder Schutthalden, die den Maldonboden und die ganze Sohle des Hochthales zu überschütten drohen. Ein eigenthümliches Gefühl der Vereinsamung überkommt jeden Menschen, der zwischen diesen zerbröckelnden Felsen dahinwandert, zwischen denen das Leben ganz erstorben scheint und nur ein abrollender Stein oder im Frühjahr das Getöse der zu Thal schießenden Lawinen die Stille unterbricht.
Da dringt ein Juchzer aus der Tiefe zu uns herauf. Drunten beim „Kühlbrunnen" lagert eine ganze Kolonne fideler Touristen, die das gleiche Ziel vor sich haben wie wir. Wir winken und juchzen zurück und die Gesellschaft — winzig kleine Manndeln — setzt sich in Bewegung, so daß wir sie erst in Boden erreichen.
In der Räbe des Hochtennensattels treffen mir mehrere jener einfachen Erinnerungszeichen einer Unglücksstätte. Ein grellfarbiges Bildtaserl mit der Unterschrift: „Hier ist im Jahre N. N. von der Lahne verschüttet worden. Wand'rer bitte für die arme Seele."
Man nimmt leise den Hut herunter und denkt jener armen Unglücklichen, die hier im Schnee und Eis einst ein jähes Ende gefunden. Die Gegend ist eine der lawinengefährlichsten, aber der Pfafflarer, der — abgesehen von dem Weg durchs Lechthal — nur über den Hochtennen mit der Außenwelt verkehren kann, ist trotz der Gefahr verhalten, hier seinen Pfad zu nehmen.
Beim Wirth in Boden gings etwas lebhaft her. So viel Leute hat das Dörflein mit der prächtig grünenden „Hauptstraße" vielleicht noch nie beisammen gesehen. .Der Wirth