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Nr. 175.
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Amtliches Organ für Sfaöf- unö LanöKreis Hanau.
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Donnerstag den 29. Juli
1897.
Dirnstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Baares Geld. Eine Zehn-Pf.- und eine andere Marke und ein Geldstück.
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit gelben Pfoten, w. Geschl.
Verloren: Ein Trauring mit der Eingravierung J. W. 23./4. 82. Eine rothlederne Cigarrentasche, enthaltend: 5 Cigaretten, 1 goldnes Pincenez, 1 Visitenkarte mit Siegfried Brockmüller, 1 Visitenkarte mit Dem Namen Bergtheil, London.
Hanau am 29. Juli 1897.
Tagesschau.
Lehrerbesoldungsgesetz. Nach dem, was bisher über die Ausführung des Lehrerbesoldungsgesitzes bekannt geworden, ist die Zahl der bereits zur Annahme einer bestimmten Skala geschrittenen Gemtinden verhältnißmäßig klein. Blsonders aus den Landgemeinden, deren es im preußischen Staate 36 000 gibt, liegen nur wenige und dürftige Nach richten vor. Etwas best r liegt die Sache bei den Städten. Von den 1262 preußischen Städten sind etwa 12 pCt. bereits soweit g'langt, daß sie der entsprechenden Regierung eire Skala zur Genehmigung haben einreichen können. Von diesen entfallen auf die Provinz Sacksien 24, Schlesien 22, Brandenburg 17, Westpreußen 14, Hessen Nassau 5, Hannover und Ostpreußen je 4, Rhtinprovinz, Posen und Pommern je 3, Westfalen 2 Städte und 1 Stadt in Sch'eswig- Holstein. Ein sicheres Urtheil über die künftige Gestaltung der Einkommenverhältnisse der Lehrer läßt sich ans Grund dieses noch dürftigen Materials nicht bilden.
Waffengebrauch der Forstbeamten. Jm„Reichs- anz." wird eine Verfügung des Landwirthschaftsministers veröffentlicht, wonach Art. 3 der Instruktion betr. den Waffengebrauch der Forstbeamten aufgehoben und Art. 4 durch neue Bestimmungen ersetzt wird, in denen es u. A. heißt: „Beim Gebrauch der Waffen müssen die Forst- und Jagdbeamten sich stets vergegenwärtigen, daß solcher nur soweit stattfinden darf, als die Erfüllung des bestimmten Zwecks, die Holz- oder Wilddiebe, oder die Forst- und Jagdkontravenienten bei thätlichem Widerstande oder gefährlichen Drohungen unschädlich zu machen, es unerläßlich erfordert. In der Regel sind daher die Waffen nicht gegen fliehende Frevler zu gebrauchen. In jedem Falle sind die Wassen nur so zu gebrauchen, daß lebensgefährliche Verwundungen soviel als möglich vermieden werden. Deshalb ist beim Gebrauch der Schußwaffe der Schuß möglichst nach den Beinen zu richten und beim Gebrauch des Hirschfängers der Hieb nach den Armen des Gegners zu führen. Uebrigens muß beim Gebrauch der Schußwaffe die größte Vorsicht angewendet werden, damit durch das Schießen nicht dritte Personen verletzt werden, welche
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Feuilleton.
Uom diplomatischen Handwerk.
Von Paul E. Wallies.
(Nachdruck verboten.)
Am Goldenen Horne tagen und rathen nun schon seit Wochen und Monaten die Herren Diplomaten und befleißigen sich in Noten und Gegennoten, Sitzungen, Audienzen und Konferenzen, den Riß in der europäischen Eintracht zu verkleistern und einen Friedensoertrag herbeizuführen, der bekanntlich „auf ewige Zeiten" geschlossen wird, — um, sobald es das Interesse fordert und die Gelegenheit erlaubt, gebrochen zu werden. Philosophen, Politiker, Feuilletonisten und allerhand andere Leute, die Beruf und Neigung zum Richter amte über tie Dinge dieser Welt besitzen oder fühlen, haben sich schon oft darüber verwundert oder entrüstet, daß die Geschicke der Staaten und Völker dem diplomatischen Handwerke anvertraut seien, das so bedingt, unfrei, unsicher, kurz: auf dem großen menschlichen Eiteikensmarkte eine der wunderluchsten Schaustellungen ist. Aber machen die Herren Diplomaten wirklich Geschichte? Fürst Bismarck, dem man schon einiges Verständniß für das Handwerk zutrauen darf, zumal er mit seinen Kritiken darüber — den geistreichsten, die in unserem Jahrhundert gefällt worden sind — nie zurückgehalten hat, — Fürst Bismarck also verneint diese Frage. „Es kommt nicht auf den Gesandten an, sondern die Jnstruk lionen", meint er, und soweit seine eigene Politik in Frage steht, hat er darin gewiß Recht. Aber der Diplomat ist doch immerhin ein Mensch (sozusagen), und die Instruktion nur ein Stück Papier, und das Lebendige ist doch oft stärker und wichtiger als das Todte; und deshalb haben sich seit Jahrhunderten alle, die mit dem diplomatischen Handwerke in dieser oder jener. Weise zu thun hatten, darüber den Kops
ohne Theilnahme an einer Kontravention sich zufällig in der! Schußlinie oder in deren Nähe befinden. In dieser Hinsicht ist besonders dann Aufmerksamkeit nöthig, wenn nach einer Richtung geschossen wird, in der sich eine Landstraße oder ein bewohntes Gebäude befindet. Auch ist der Gebrauch der Schußwaffe überhaupt in der Nähe von Gebäuden zur Verhütung von Feuersgefahr möglichst zu vermeiden".
Eisenbahnverkehr. Daß die günstige Wendung, welche in den preußischen Finanzen eingetreten ist und sich namentlich in dem hohen Ueberschusse des Jahres 1895/96 und dem zahlenmäßig noch nicht bekannten, sicher aber erheblich höheren Ueberschusse des Jahres 1896/97 widerspiegelt, zu einem erheblichen Theile aus dem Steigen des Ueber- schusses der Eisenbahnverwaltung herrührt, ist neulich bereits dargelegt. Neben der Ermäßigung der Betriebsausgaben ; spielt dabei naturgemäß die Steigerung des Verkehrs eine sehr beträchtliche Rolle. Aber diese erfreuliche und erfreulicherweise auch noch fortdauernde Hebung des Personen-, wie auch namentlich des Güterverkehrs ist, finanziell betrachtet, keineswegs eine reine Freude, sondern sie bedingt, auch abgesehen von der damit zusammenhängenden Erhöhung der Kosten des Betriebes im engeren Sinne, sehr beträchtliche Mehraufwendungen. In wie raschem Tempo auch immer in den letzten vier Jahren die Betriebsmittel der preußischen Staatsbahnen vermehrt worden, so genügt das rollende Material derselben doch noch immer nicht den wachsenden Bedürfnissen des Verkehrs, und es wird daher daraus Bedacht genommen werden müssen, die nöthigen Mittel bereit zu halten, damit, wenn die jetzt vergebenen Lieserungen von den voll beschäftigten Lokomotiv- nnd Waggonfabriken ausgeführt sind, neue Bestellungen erfolgen können. Aber nicht blos das rollende Material, auch die stehenden Einrichtungen und Anlagen der Bahnen reichen vielfach zur befriedigenden Bewältigung des wachsenden Verkehrs nicht mehr aus. Dies gilt namentlich von einer Reihe von Bahnhöfen, deren Erweiterung und zweckmäßige Einrichtung zum unabweisbaren Bedürfniß geworden ist. Bereits in dem Nachtrage zu dem Staatshaushaltsetat des laufenden Jahres sind einige erste Bauraten für Bahnhofsbauten der bezeichneten Art ausgebracht. Aber . mit der Inangriffnahme dieser Anlagen ist dem Bedürfniß noch nicht genügt, der Kreis der zu verbessernden Bahnhofsanlagen ist größer, und es werden daher neben der Fortführung jener Bauten auch eine Reihe neuer Bauten in Aussicht zu nehmen sein. Nach den geltenden Verwaltungsgrundsätzen werden die Mittel zur Vermehrung des rollenden Materials der in Betrieb befindlichen Staatsbahnen, soweit dafür nicht der Dispositionsfonds für unvorhergesehene Ausgaben der Eisenbahnverwaltung herangezogen werden kann, und für die Erweiterung und Verbesserung der stehenden Anlagen nicht mehr durch Anleihen, sondern durch den Etat flüssig gemacht. Nach beiden Richtungen dürften daher in dem Extraordinarium zerbrochen, wie die Persönlichkeit eines Diplomaten beschaffen sein solle und müsse.
Darüber hatten und haben natürlich die verschiedenen Zeiten ihre verschiedenen Vorstellungen. Die Epoche der Renaissance, die Zeit der größten Geistesblüthe in der neueren Geschichte, schätzte am Divlomaten die Gelehrsamkeit besonders hoch und Männer, die als die feinsten Kenner des Alterthums berühmt waren, waren damals als Gesandte häufig. Doch spielte zuweilen einem solchen Gelehrten sein Wissen auch einen üblen Streich, wie jenem, den seine Pedanterie verführte, einen grammatischen Verstoß in einer Rede Ferdinands I. öffentlich zu verbessern und der sich deshalb von dem Könige die Antwort gefallen lassen wußte: „Ich glaubte mit einem Diplomaten, nicht mit einem Schulmeister zu sprechen." In unserer Zeit ist die Werthschätzung gelehrter Diplomaten sehr gesungen, ja ins Gegentheil umge- schlagen. Den Grund der Meinungsänberung zeigt ein Wort Nesselrode's über einen Diplomaten: „Ce jeune komme sait un grand nombre de choses, mais il ne sait pas faire une seule." Und auf’â Vollbringen kommt's doch schließlich beim Diplomaten an.
Die Zeit des Galanteriedegens und des Zopfes hatte schon über die Mittel, wie dies zu erreichen sei, ganz andere Vorstellungen. Man legte das größte Gewicht darauf, daß der Diplomat ein vollendeter Weltmann sei. Das war eine einseitige Auffassung, aber der richtige Kern darin ist bis heut in Geltung geblieben. Und freilich forderte das galante 18. Jahrhundert zur Betonung des Weltmännischen gar sehr heraus. Dropsen erzählt, daß die Fürstin von Zerbst dem Preußenkönige empfahl, bei der Czarin Elisabeth „einen hübschen jungen Mann mit frischen Farben" als Gesandten zu bestellen, um die Gunst der Dame Pomvadour mußte sich nolens volens das ganze diplomatische Korps bewerben, und nach Warschau schickte Friedrich der Große 1744 einen jungen
der Eisenbahnverwaltung für 1898/99 die nöthigen Mittel ausgebracht werden, und ist daher wahrscheinlich, daß der schon ausnahmsweise hohe Betrag dieses Extraordinariums für das laufende Jahr dabei noch überschritten werden wird.
Ernennungen im Postdienst. Das Amtsblatt des Reichspostamts brachte jüngst die nachstehenden Ernennungen im Postdienst: „Uebertragen sind: dem Major a. D. Bon das Postamt I in Quersurt, dem Hauptmann a. D. Baranowsky das Postamt I in Barth, dem Hauptmann a. D. Graeßner das Postamt I in Soldin, dem Hauptmann a. D. Lengemann das Postamt I in Uerdingen, sämmtlich unter Ernennung zu Postdirektoren." Dazu bemerkt die „Straßb. Post": Das Sachverhältniß liegt da so, daß in Preußen eine Reihe von Postämtern, wir glauben 80, für Offiziere reservirt sind, welche mit der Aussicht auf Zivilversorgung verabschiedet worden sind. Man nennt sie gewöhnlich Militärpostämter. Es sind darunter große, wie Cleve, Deutz u. s. w., welche an Oberstlieutenants und Majore a. D. verliehen zu werden pflegen, und ganz kleine, wie Samter im Regierungsbezirk Posen, welche Sekondelieutenants a. D. erhalten. Diese Aemter sind ein für allemal festgesetzt, und ihre Zahl kann nicht willkürlich erhöht werden. Aus der Thatsache, daß einige diese Aemter besetzt worden sind, kaun man also keine weitergehenden Schlüffe ziehen. Wenn man die Personalveränderungen im Postfach verfolgt, so findet man jährlich zu verschiedenen Malen ähnliche Veröffentlichungen. Bei dieser Gelegenheit sei zur Sache noch bemerkt, daß die Anstellung als Postamtsvorsteher von den verabschiedeten Offizieren als die beste für sie mögliche Zivilversorgung angesehen wird und sehr umworben ist. Die betreffenden Offiziere bereiten sich ein Jahr lang im Postdienste vor und haben dann eine Prüfung zu bestehen, müssen aber oft noch Jahre lang warten, bis eine Stelle für sie frei wird. Von den Postbeemten wird es natürlich sehr unangenehm empfunden. daß eine fo große Zahl von Postämtern mit verabschiedeten Offizieren besetzt und dadurch den Fachleuten entzogen wird. Staatssekretär von Podbielski würde sich unter den Postbeamten sehr populär machen, wenn er die Militär- postämter abschaffen könnte. Indessen dürfte jedes Vorgehen nach dieser Richtung hin aussichtslos sein; die Militärverwaltung würde niemals auf diese Gelegenheit verzichten, eine Anzahl Offiziere bei der Post unterzubringen. Als Kuriosum sei schließlich noch bemerkt, daß sich unter den Militärpostdirektoren in den letzten Jahrzehnten auch einige pensionirte Oberstabsärzte befunden haben, die, anstatt nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienste sich ganz der medizinischen Praxis zu widmen, es vorzogen, sich noch einmal in eine ihnen ganz fremde Welt, die des Verkehrs, einzuleben.
Aus China. Der Fürst Uchtomski, der als Gesandter des Zaren dem Kaiser von China Geschenke und Orden überbrach) hat, befindet sich nunmehr auf dem Rückwege von jBMaMM^MBMMBMMBMW—MMWW’r
Grafen Podewils, weil er befähigt erschien, „sich bei den Frauenzimmern zu insinuiren und beliebt zu machen." Aber die Rolle der Holden Weiblichkeit im diplomatischen Handwerk — das ist ein Kapitel, das sich keineswegs nur aus das 18. Jahrhundert beschränkt. Die Ausgabe, die in älterer Zeit dem Trunke zusiel, den Diplomaten zum Ausplaudern politischer Geheimnisse zu verführen, die lag später den Damen ob, und oft genug batten sie dabei Erfolg. Man kann in der Geschichte der Diplomatie gar nicht oft genug „oü est la femme ?" fragen. Selbst der Ausdruck wcorps diplomatique" in um 1570 von einer Wiener Dame erfunden. Damen schlossen den bekannten, nach ihnen gerauften Frieden von Cambrar und die schöne Aurora van Königs- marck mruichte an dem weiberfiindlichen Kart XII. von Schweden ihre Künste. Uebrigens ist es wenig bekannt, daß die Geschichte uns auch Berufsdiplomatinnen nennt: Katharina, die Gemahlin des damaligen Thronerben von England, späteren Heinrichs VIII., war nach Krauske's Nachweis von ihrem Vater Ferdinand dem Katholischen bei ihrem Schwiegervater in aller Form akkreditirt, und die Marschallin von Guëbriant ging 1646 als Gesandtin an den polnischen Hoß , . .
Doch die Kunst, den Damen (mit Goethe zu sprechen) zart entgegenzukommen, ist keineswegs die einzige weltmännische Fähigkeit, die vom Diplomaten verlangt wird. Zwar die Erfindung neuer Gerichte, durch die in früheren Zeiten sich die Gesandten an gastronomisch hochentwickelten Höfen in Gunst zu setzten suchten, wird nicht mehr verlangt; und der Pudding Nefselrode und das filet de boeuf â la Westmoreland gehören der Geschichte an. Hingegen wirb noch heut ein sehr großes Gewicht auf die Kunst zu „causiren" gelegt, ein Gespräch über alles und nichts zu führen, möglichst wenig zu sagen und möglichst viel zu erfahren. Nicht umsonst bildet die Forderung ausgedehnter und reicher Sprach-