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Amtliches Organ für Htaöt- unö LanSkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 174. ^qM>KMBMWWiaBW»fl«gs^

Mittwoch den 28. Juli

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1897.

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Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 51.

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Amtliches.

HiâHLâvors ^attait.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

KeKannlmachnug.

Durch Beschluß des Stadtraths vom 27. April 1897 ist der § 27 der Schlachthofordnung der Stadt Hanau vom 11. Dezember 1894 wie folgt abgeändert worden:

8 27.

Die Mâgen des Großviehes und der Schafe (auch der Blättermagen Mannigfalt) müssen durch die Schlachtenden sofort, nachdem sie aus dem geschlachteten Vieh herausgenommen sind, in die offene Halle hinter der Schweineschlachthalle verbracht, entleert und in dem dazu her­gerichteten Troge abgewaschen werden, nach welcher Verrich­tung das gebrauchte Wasser jedesmal abgelassen werden muß.

Die Mägen der Schweine und Kälber müssen in die dazu in den Kutteleien aufgestellten Zinkblechbehälter entleert werden.

Die Därme sind möglichst direkt in die mit Rechen über­deckten Mulden zu entleeren.

Für die Reinigung der Därme in den Waschbecken der Kutteleien ist so oft wie möglich reines Wasser zu benützen. Hierbei ist darauf zu achten, daß die Hebel der Mischapparate nur langsam umgedreht und sobald ge­nügend Wasser im Becker, vorhanden ist, wieder zurückgestellt werden. Nach der Benützung sind die Becken sofort zu ent­leeren.

Es ist untersagt, Fett, Häute, Därme oder sonstige Ab­fälle in die Schlachthofanlage zu bringen oder daselbst nieder­zulegen.

Hanau den 27. April 1897.

Der Stadtrath.

Dr. Gebeschus. 10682

Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschusses

Donnerstag den 29. Juli 1897, nachmittags 5 Uhr. Berathungs-Gegenstände:

1. Verkauf einer Straßenparzelle vor dem Frankfurterthor Nr. 8 â Mk. 15 pro qm.

2. Verwendung von erübrigten Mk. 200 für die innere Her­stellung des Theaters.

Kleines Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

Ein Skatbrnnnen. Frrundliche Nachricht kommt aus Altmburg, der Ursprungtzheimath des edlen Skat­spiels. Ter Hauptstadt dieses thüringer Ländchens, der Stadt Altenburg, ist soeben ein bemerkenswerthrs Legat zuge- fallen, indem ein dort verstorbener Rentür, namens Stende- mann, aus seinem wohl abgerundeten Vermögen mehrere Stist- tungen gemacht hat, darunter auch eine von 15 000 Mark mit der Bestimmung, daß dafür in Altenburg ein monumen­taler Brunnen errichtet wird, der das Skatspiel in würdiger Weise verherrlicht. Es scll sich auch bereits, wie man der Nat.-Ztg." schreibt, ein slizzenhaster Entwurf für diesen Skaibrunnen vorgesunden hoben. Er ist von einem Künstler gezeichnet, der den charakteristischen Namen Wenzel Grün führt und in der Art des Berliner Schloßlrunnens gedacht. Zwölf kleine Putten in Altenburger Tracht, die in 4 ver­schiedenen Farben die Zohlen 7, 8, 9 tragen, werden, da sie überhaupt nicht viel mit jur eben haben, den Rand des weiten Marmorbassin halten. In dessen Mitte erhebt sich ein etwa 2 Meter im Durchmesser großer, naturalistisch wiedergegebener hoher Eichelklotz, den 4 Paare bewachen, je ein König mit der Dame von einer anderen gmbe* am Arm. Ter brünette Herzkönig mit dem bleuen Schwirl und dem Reichsapfel führt die Trèfledame im Spitzenschmuck, die schmechterde Herzdame gibt dem melancholischen Piqmtönig den Arm, Trèflekönig tat sich zu der koketten Carreaudame ter ab gelassen und die schwarze Pique-Madame muß sich mit dem Caireaukönig be= gnügm. Eine Art Plattform, die aus dem Eichelklotz mit den vier wachthabenden Paaren aufgelegt ist und weit aus- ladet, wird von acht starken Männer nach Art der Gceihe-

3. Herstellung eines 2ständigen Aborts im Rathhaushof anstatt der genehmigten Anlage in der Nähe des Stadt­schlosses.

4. Abänderung des Baufluchtlinienplanes längs des Kavallerie- Exerzierplatzes.

5. Anderweitige Festsetzung des Kapitalwerths vom Wasser­werk betreffend.

6. Uebertrag von noch nicht verwendeten Beträgen für die Turnhalle auf Etattjahr 1897/98.

7. Desgl. für die Herrichtungen in der Kanalthormühle.

8. Tie Abrechnung für s. Z. verwilligte Mk. 4000 für Nothstandsarbeiten betreffend.

9. Nachverwilligung von Mk. 86.25, Tit. XII 3 pro 97/98, Entschädigung für verunglücktes Pferd. 10683

Rede des Vize-Präsidenten im Staats­ministerium Dr. V. Miquel.

In den Gang der Berathung über das Vereinsgesetz im Abgeordnetenhause hat auch der neuernannte Vizepräsident des Staatsministeriums, Finanzminister von Miquel mit einer Rede eingegriffen, die sich im wesentlichen als Ergänzung und nachdrückliche Wiederholung seiner Solinger Ausführungen darstellt.

Der Behauptung gegenüber, daß unsere Regierung sich mit dem verabschiedeten Vereinsgesetze wie mit ihrem ganzen gegenwärtigen Kurse in den Dienst von Klassen- und Partei­interessen gestellt habe, betonte der Minister zunächst mit aller Entschiedenheit, daß wir keine Parteiregierung haben, son­dern eine Regierung, die sich ausschließlich leiten läßt von den großen allgemeinen Interessen des Staates und der be­stehenden Gesellschaft. Dieser Gesichtspunkt ist auch sür die Wirtschaftspolitik der Regierung maßgebend. Dieselbe ar­beitet auf eine Verschmelzung der Interessengegensätze hin. Um der Staatsgewalt aber die Erreichung ihrer Absicht möglich zu machen, ist eine Verständigung, ein Kompromiß der erwerbenden und arbeitenden Berufsstände unter einander nothwendig.

Die verschiedenen Interessengegensätze müssen sich auf einer mittleren Linie zu vereinen suchen, die durch das Wohl des Staates O'er der Gesammtheit bezeichnet wird. Jeder Berufszweig muß sich mit dem begnügen, was mit Rücksicht auf die Gesammtheit erreichbar und durchführbar ist und Forderungen zurückstellen, die geeignet sind, die Lebensbe­dingungen der übrigen Stände zu gefährden. Das Bewußt­sein von der Gemeinsamkeit der Interessen der gesammten produzirenden Kreise ist nach der Ueberzeugung des Ministers in stärkstem Wachsthum begriffen uad berechtigt zu der Hoff­nung auf einen endgültigen Kompromiß aller produktiven Erwerbszweige.

schen Gewaltigen im zweiten Theile desFaust" gestützt; jeder von ihnen trägt eine starke mächtige Keule, die oben mit einem der vier Äste gezeichnet ist, die vier anderen tragen derbe Morgensterne, wie die mittelalterlichen Landsknechte sie trugen, Lanzrnkolben, von denen jeder zehn stutzige Ausläufer hat. Auf die Plattform gefitzt ist ein richtiger altmodischer Skattisch, wie sie noch heute im Altenburgischen in Gebrauch sind, zu Dreien oder zu Vienn, was der Künstler noch offen gelassen hat. Drei deutsche Männer sitzen an dem Tisch, in das edle Spiel verliest. Dies der Entwurf zu dem Stendkmann'schen Skatbrnnnen in BlUnburg, der nur noch der Annahme der dortigen städtischen Behörden und der Aus- jührung karrt.

Seltsame Mittel, die das Leben verlängern sollen. Man findet häufig, daß sehr alte Leute, Frauen sowohl wie Männer irgend eine Gewchuheit haben, von der sie behaupten, daß dieselbe einzig und allein dazu beigetragen labe, sie ein so hohes Aller in Gesundheit erreichen zu lassen. Ihre Meinungen in Bezug cuf das, was sie für das Richtige halten, dem Leben eine längere Dauer zu ver­leihen, sind ost ebenso interessant wie verblüffend in ihrer Mannigsaltigkeil und Eigenthünlichkeit. So glaubt z. D. ein antikes Individuum im südlicken Frar kreich felsenfest daran, daß es dos hohe Alter von 94 Jahren nimmermehr erreicht haben würde, wenn es nickt täglich seit seinem zehnten Jahre morgens wie abends den Saft einer ganzen Zitrone mit Zucker zu sich genommen hätte. Ein anderes altes Männ­lein in der Schweiz schwört Stein und Bein darauf, daß ein Glas Salzwasser, gleich nach dem Aufstehen getrunken, das einzig wahre Lebenèelixir sei. Eine 87jährige Greisin in Westbomne Park in London behauptet steif und fest, daß sie ihr hohes Alter nur dem täglichen Genuß einer rohen Fkldrübe zu verdanken hätte, die sie jeden Morgen, in dünne Scheiben geschnitten aus Weißbrot mit Butter gelegt, zu sich

Weiterhin wurden die aus Anlaß des Vereinsgesetzes laut gewordenen Befürchtungen, als wenn die Regierung jetzt lediglich durch polizeiliche oder verhindernde Maßregeln die großen sozialen fragen zu lösen gedächte, in treffendster und wirksamster Weise zurückgewiesen. Derartige Befürchtungen wurzeln in einer unzureichenden Kenntniß der Natur des preußischen Staates. Mit Wärme wußte der Minister nach­zuweisen, wie das Hohenzollernthum eine der Hauptaufgaben des Staates stets darin erblickt habe, dem Schwachen zu helfen, ihn zu schützen, ihn emporzuheben und theilnehmen zu lassen an der fortschreitenden kulturellen Entwicklung. Auf die Gegenwart übergehend, betonte er sodann das unveränderte und unverminderte Fortdauern des sozial­politischen Kurses, wie solcher mit der Novemberbotschaft unsers großen Heldenkaisers eingeleitet worden ist. Hieran schloß sich eine wirksame Richtigstellung des Begriffes der Sozialpolitik, der unter den Händen einseitiger Fürsprecher des Lohnarbeiterstandes mehr und mehr einer unzutreffen­den Verengerung anheimgefallen ist. Die Sozialpolitik be­zieht sich auf alle Klassen, vorzugsweise aber aus die in der jeweiligen Zeitlage besonders leidenden Theile der Bevöl­kerung.

So ist beispielsweise heutzutage die Rücksicht auf die schwere Lage der mittleren Klassen und vor allem der land- wirthschaftlichen Bevölkerung als ein sehr wichtiger Theil der Sozialpolitik anzusehen. Der Minister bekannte sich aufs neue, in Uebereinstimmung mit seinem kaiserlichen Herrn, zu den Zielen einer kraftvollen Mittelstandspolitik. Er erklärte es für nothwendig, daß die Zahl der In­teressenten der mittleren Klassen, die Kapital und Arbeit gleichzeitig wirthschaftlich wirksam sein lassen, nicht bloß er­halten, sondern vermehrt werde. Die Anschauung, mit der die Sozialdemokratie zu Agitationszwecken zuweilen noch operirt, daß die mittleren Klassen, namentlich der Hand­werker, infolge der modernen Entwicklung unwiederbringlich verloren seien, ist auch nach der Ueberzeugung des Finanz­ministers wie der jedes erfahrenen Volkswilthes, durch die Thatsachen längst wiederlegt. Aber eben deshalb sind Boll­werke für die Zukunft nothwendig, damit eine durchaus gesunde, ihrer Aufgabe voll gewachsene, für die Gesammt­heit unentbehrliche Klasse der Bevölkerung nicht unter der Ungunst der gegenwärtigen Zeitlage dauernd zu Grunde gehe.

Die Ausführungen des Vizepräsidenten des Staats- ministeriums besitzen ohne Zweifel hohen politischen Werth als ein Regierungsprogranim und bekunden das eifrige Streben der Regierung, den Frieden unter denjenigen Par­teien zu fördern, die sich auf dem Boden der Staatserhaltung und der Vertretung der großen Staatsinteressen stellen. Jeder einsichtige Vaterlandsfreund wird wünschen, daß solches Slre- l^gsg^I^F^^^^^l^^MffllffTW1^?^^ VWWMLitta*yi^^

nimmt. Der Säst der Rübe enthält nach ihrer Meinung den kräftigsten und gesundesten Nährwerth. Ein 80jâhriger Landmann in Pommern ist von der Ueberzeugung durch­drungen, daß man in Schweinefleisch und dicken Erbsen die Panccee gegen alle Uebel, die den menschlichen Organismus befallen könnten und von denen er stets verschont geblieben sei, zu finden habe. Am richtigsten aber wird wohl die Be- Hauplung sein, daß jeder Mensch mit einigermaßen kräftiger Konstitution ein Hobes Alter erreichen kann, wenn er wenigstens von seinem vierzigsten Jahre ab ein recht mäßiges und streng geregeltes Leben führt.

Goldproduktion in Drattsvaal Vor ungefähr 25 Jahren soll ein Abgesandter der englischen Regierung dem Gouvernement von Transvaal ein Angebot von 3 200 000 M. für das ausschließliche Recht, alle mineralhaltigen Minen des Landes auszunützen, gemacht haben. Das Gouvernement war nahe daran, auf das Anerbieten einzugehen und seinen Ansprüchen an jegliche mineralischen Erzeugnisse für obige Summe auf immer zu entsagen. Jetzt hat sich nun heraus­gestellt, daß die Goldproduktion dieses letzten Jahres allein 200 Millionen Mark betragen wird.

Ein zweites Pompeji. Wie von amerikanischen Leitungen berichtet wird, sind kürzlich am Fuße des Vulkans Äcua in Zentral-Amerika Ausgrabungen gemacht worden, die darauf schließen lassen, daß dort rhemals eine Stadt existirt haben muß, die durch gewaltige Eruptionen des vulkanischen Berges vollkommen verschüttet worden ist. Menschliche Skelette von über 6 Fuß Länge, eigenthümliche Instrumente aus Metall, schöne Glaswaaren, irdenes Geschirr, Schmuck­sachen und viele andere Gegenstände sind aus einer Tiefe von 15 und 18 Fuß an das Tageslicht gefördert worden.