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Amtliches Organ für Staöt- unö Lanölireis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die Zspaliige Zeil«

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Im Reklamentheilc die ' Zeile 20 ^ netw.

Nr. 173.

LM^SMMS

Dienstag den 27. Juli

1897.

Amtliches.

Dicnstmlhrilhten aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Arbeitsbuch nebst Quittungskarte Nr. 4 für Heinrich Buchold aus Heidingsfeld. Ein Konsummarken­buch Nr. 2. Ein fast neuer Regenschirm. Eine goldne Herrenvorstecknadel. Ein weißes Taschentuch mit buntem Rand.

Entflogen: Zwei Kanarienvögel; den Wiederbringern Belohnung.

Entlaufen: Ein junger schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen, m. Geschl.; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanan am 27. Juli 1897.

Pferde-Versicherungsverein für den Landkreis Hanan.

In der Vorstandssitzung vom 24. d. M. wurde Herr Privatier Aug. Hermann dahier, Vorstadt 2, zum Vor­sitzenden gewählt und hat derselbe die Wahl angenommen.

Die Prämie für das laufende Semester wurde auf iVa Prozent festgesetzt.

Die Herren Taxatoren werden ersucht, soweit dies noch nicht geschehen, schleunigst die versicherten Pferde umzuschätzen und die Verzeichnisse dem vorgenannten Herrn Hermann einzusenden.

Hanau den 26. Juli 1897.

Der Vorsitzende.

I. V.: C 0 l l m a n n. 10628

Die Erfolge des Jingothums in den Vereinigten Staaten.

(Nachdruck verboten.)

Der für die Interessen nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern auch der meisten europäischen Staaten höchst be­deutungsvolle amerikanische Zolltarif soll bereits zum Gesetze geworden sein. Durch den Tarif werden ja gewiß finanzielle Vortheile für den amerikanischen Freistaat beabsichtigt. Hat doch Mac Kinley sofort in seiner Botschaft am 4. März ver­kündet, daß die Zolleinnahmen wesentlich gesteigert werden müßten, um gesunde finanzielle Verhältnisse in den Staats­einnahmen herbeizuführen. In zweiter Reihe ist es nicht minder sicher, daß der Zolltarif den Zweck verfolgt, eine An­zahl ohnehin schon sehr reicher Leute noch reicher zu machen, nur weil sie sich das unsterbliche Verdienst erworben haben, in der Hoffnung auf reiche Verzinsung ihren Geldbeutel für die Wahl Mac Kinleys weit zu öffnen. DieNew-Aorker Staatszeitung", die die Verhältnisse in den Vereinigten Staaten wohl zu beurtheilen vermag, hat es rückhaltlos aus- wi ^

FeuiÜetsn

Im Lande des Sprachenkampses.

Von Erhard Stubel.

(Nachdruck verboten.)

Wahrhaft verschwenderisch hat die Natur das Böhmer land beschenkt. Mächtigen Urwald und lachende Gebreite, gewaltige Berge und freundliche Hügel hat sie ihm bescheert. Willig und reichlich spendet die Erde die nährende Frucht, Reichthum birgt ihr Schoß und heilsame Quellen entspringen ihm. Wer vom Gipfel des Osser über die Berge des Böh­merwalds weit hinein in das Land schaut, oder vom Hrad- schin herab auf das Herz Böhmens blickt, oder in der heiligen Einsamkeit der Wälder wandelt, die Karlsbao umkränzen, der wird es voll empfinden, daß dies Böhmerland ein herr­liches Stück Erde ist.

Aber, wie im Neide auf die gebefrohe Natur, hat ihm die Geschichte harte Schicksale bereitet und es von früh auf zu einer Stätte des Unfriedens gemacht. Der Haß, ter die Völker heut entzweit, geht in alte Tage zurück. Schon 1055, als der deutsche Bürger und Bauer in emsiger Arbeit eben die ersten Keime der Gesittung hier eingepflanzt hatte, erließ der Herzog Spitignev II. eine Versüguna, daß alle Deutschen binnen drei Togen das Land zu verlassen hätten, und im folgenden Jahrhundert bot Herzog Sobeslaw II. 100 Mark Silber für einen Schild voll deutscher Nasen. So meldet uns jedes Säkulum Ausbrüche des tschechischen Fanatismus; die Männer des Ziska und seiner Banden priesen Gott:

Er hat uns Hilfe und Ruhm verliehn, Die Deutschen, die Deutschen zu schlagen Und aus dem Lande zu jagen;

und ein Adliger des 17. Jahrhunderts sprach den Wunsch aus, sein Sohn möge lieber bellen, wie ein Hund, statt in deutscher

gesprochen, daß ein wesentlicher Zweck des Zolltarifs darin, besteht, den Beutepolitikern ihren Lohn nicht vorzuenthalten.

Indessen verfolgt der Zolltarif auch noch eine weitere Absicht, nämlich die Befriedigung des wirthschaftlichen Jingois­mus. Man will durch die übertriebenen hohen Zölle die Einfuhr nach Amerika beträchtlich einschränken, wenn möglich, beseitigen. Man hofft, die amerikanische Industrie auf eine Höhe zu bringen, die die Einfuhr fertiger Waaren nach Mög­lichkeit überflüssig macht. Der GrundsatzAmerika den Amerikanern" soll auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht durch­geführt werden, hier freilich mit der Einschränkung, daß man unter Amerika nur die Vereinigten Staaten verstehen will, da diese auch gegen die Einfuhr aus anderen amerikanischen Staaten nach Möglichkeit abgeschlossen werden sollen.

Mit diesem wirthschaftlichen Jingoismus geht der politische Hand in Hand. Man kann der Ansicht sein, daß es ganz be- berechtigt wäre, wenn mit Hilfe der Vereinigten Staaten der Herrschaft der Spann r auf Kuba ein Ende gemacht würde, denn die Spanier haben in Kuba wie überall gezeigt, daß sie kein Volk sind, das würdig wäre, Kolonien zu besitzen. Die Art aber, in der die Vereinig!en Staaten die Spanier jetzt aus Kuba beratrâ drangsaliren wollen, kann wenig gefallen. Statt durch einen offenen Kampf will man die Spanier da­durch aus Kuba heraus drängen, daß man erstens die In­surgenten heimlich unterstützt und zweitens eine ganze Reihe weit hergeholter Entschädigungsansprüche an Spanien stellt, um dieses wirthschastlich ruinirte Land vollends kampfunfähig zu machen.

Ebensowenig kann die Art und Weise gefallen, in der Amerikaner an die Annektirung von Hawai gehen wollen. Ein wohlbegründetes Recht auf diese Inselgruppe haben sie nicht, sondern sie verfahren lediglich nach dem Rechte des Stärkeren, indem sie unter Hintansetzung der Rechte Anderer ihre Hand auf die Inseln legen.

Es hat von jeher zur Politik der Vereinigten Staaten gehöit, daß sie sich wenig daraus machten, es g'eichzeitig mit Mehreren zu verderben So brachen die Noidstaat-n wäh­rend des Secessionskri-ges, der ihnen genug zu schaffen machte, einen Konflikt mit England vom Zaune; immerhin aber ist es ihnen wohl nie in d.m Maße geglückt, die ganze Welt gegen sich zu haben, wie gegenwärtig. Ihre Zollpolitik wirkt verstimmend nicht nur in den europäischen Exportländern, sondern auch in denjenigen amerikanischen Ländern, die ihre Rohprodukte zum größten Theile in den Vereinigten Staaten absetztcn. Das Verlälmiß zu England ist verschlechtert wor­den durch den Streit um die Robbenfongfrage, ein Streit, in dem die Ve: einigten Staaten wohl sachlich im Rechte sein mögen, in dem aber bie Regierung einen im diplomatischen Verkehr nicht üblichen Ton angeschlagen und sich dadurch ins Unrecht gesetzt hat. In der kubanischen Frage legen sie es auf einen Konfli't mit Spar im an. In der Hawaifrage

Sprache zu reden. In all diesen Ausbrüchen und ihre Zahl ließe sich leicht ins Massenhafte vermehren äußert sich ein Charakter, der dem Deutschen überaus fremd ist. Es ist der blinde Fanatismus, der sie, der das tschechische Wesen überhaupt kennzeichnet. Wer in (in Tsch'chendorf kommt,der findet eine fast kriechend freundliche Bevölkerung. Der Hand kuß ist eine von den Deutschen in Böhu en leider nicht selten angenommene Tschechensitte; das Kind küßt Vater und Mutter, der Greis einem vornehmen Fiaumbart demüthig die Hand; der Bauer spricht mit abgezogener Mütze und fließt vor Ergebenheit gegen dengnädigen Herrn" über. Doch vor dem Herrn zu klage" und hinter dem Thore zu lachen" räth schon ein slavisches Sprüchwort, und in diesem Sinne bricht der Bauer, wenn dergnädige Herr" außer Sicht ist, in Schimpfwörtern aus, deren Leidenschaftlichkeit alles Maß übersteigt. Darin liegt die Gefahr, daß dies Volk, einmal erregt, kein Maß kennt. So durchbrach es in der furchtbaren Hussitenzeit alle Schranken der Gesittung, so zeigt seine Reli­giosität den Zug wilden Eifers. Das hat schon 1505 Bolus- low von Hassenstein bemerkt und kann noch heut Jeder be­merken, der sieht, wie die Missionspredigten der Jesuiten ganze Dörfer aus ihrer Ruhe reißen, eine leidenschaftliche Bewegung hervorrufen und nach Andree's Zeugniß be­sonders die Weiber geradezu toll machen. Und neben der Religion ist es eben vor allem die nationale Frage, in der sich der zügellose Fanatismus des tschechischen Charakters hauptsächlich dokumentirt. Aus jener Verbindung von sla­vischer Unterwürfigkeit und blinder Wuth erklärt es sich, daß das Tschechenvolk Jahrhunderte lang in Ruhe verharrte, um dann plötzlich mit einem Schlage in entfesselter Gewalt los­zubrechen. Als in unserem Jahrhundert die tschechisch-nationale Bewegung sich entwickelte, da war jede kleine tschechische Stadt, in der sonst von geistigem Leben kaum eine Spur zu be­merken war, mit eins ein Heerd kochenden Nationalhasses.

endlich haben sie nicht nur Japan zum Gegenpart, sondern auch Rußland, dem es bei seinen weit ausgreifenden Plänen in Ostasien nicht gleichgültig sein kann, im Stillen Ozean einen so mächtigen Konkurrenten, wie die Vereinigten Staa­ten zu finden.

Wir haben allen Respekt vor der Energie und dem Selbstgefühle des amerikanischen Volkes, aber wir meinen, daß es sich gegenwärtig denn doch ein wenig übernimmt. Sowohl wirthschastlich wie politisch sind die Vereinigten Staaten so vielen Gegnern nicht gewachsen. Ein diploma­tischer Grundsatz, der heute noch so erfolgreich ist, wie er vor Jahrhunderten war, lautetDivide et impera". Die Ver­einigten Staaten erzielen cs aber durch ihre Politik, daß die anderen Mächte nicht getrennt, sondern vereinigt werden. Kommt aber eine solche Vereinigung zu Stande, dann dürfte das Jingothum von der Höhe seiner Macht unendlich tief herabgestürzt werden.

Tagesschau.

Staatliche Unterstützung der Postunterbe- amten. Wittwen. Die erste That des neuen Staars- fekretärs des Reichspostamts v. Podbielski ist für dessen Untergebene hoch erfreulich. Den Unterbeamten-Wittwen soll in Rücksicht darauf, daß deren Männer der Gehaltserhöhung nicht theilhaftig geworden sind, eine einmalige Unterstützung in der Höhe der jedesmal jährlichen Unterstützung zutheil werden. Zu diesem Zweck sind, nach demGrand. Gefell.", mehrere Hunderttausend Mark bereitgestellt worden.

Neue Fünfzigmarkscheine. Wie diePost" er­fährt, ist man zur Zeit mit der Herstellung neuer Fünfzig­markscheine beschäftigt. Sie sollen einen anderen bildne­rischen Schmuck und eine andere Farbe als die jetzigen erhalten.

Die Ablehnung der Vereinsgesetznovelle wird von allen grundsätzlich opponirenden Parteien mit Jubel­hymnen gefeiert, ein etwas voreiliges Beginnen in An­schauung der so überaus knappen Mehrheit, welche die tcot- läge zu Falle brachte, und angesichts der in der großen Pro­grammrede des Vizepräsidenten des Staatsministeriums Finanzministers Dr. v. Miquel, hervortretenden Bestreben, das Zusammenwirken der staatserhaltenden Parteien für eine spätere gemeinsame Aktion gegen den Umsturz zu sichern.

Außergerichtliche Vergleiche. Das Reichsjustiz­amt hat in einer Zuschrift an das Aeltestenkollegium der Berliner Kaufmannschaft erklärt, daß es im Prinzip mit der Einführung des gesetzlichen Schutzes außergerichtlicher Ver­gleiche, wie er von verschiedenen kaufmännischen Körperschaften gefordert wird, einverstanden ist.

Industrielle Leistungsfähigkeit. Wie von zuver­lässiger Seite mitgetheilt wird, hat die Germania-Werft in

Das Tschechenvolk ist sicherlich an Gaben reich. In seiner Poesie und Musik finden wir jene sinnende Melancholie, die einen Hauptreiz des slavischen Geistes bildet, vereint mit heißem Temparement. Ist der Tscheche erst einmal in den Kreis der Kultur getreten, so zeigt er ein unermüdliches Streben, eine schnelle Entwickelung, einen hohen Eifer für alles Geistige. Davon legen die großen Fortschritte, die die tschechische Kultur in den letzten Jahrzehnten gemacht hat, Zeugniß ab. Und wer wollte die Liebe, mit der der Tscheche an seiner Nationalität hängt, an sich anders als im günstigen Sinne beurtheilen? Aber unter so vielen Gaben ist dem Stamme eine versagt geblieben, die allein eine volle geistige Harmonie herstellen kann: die Gerechtigkeit gegen Andere, das schöne Erbe des germanischen Blutes, scheint ihm nicht gegeben, und darum gehen alle seine Empfindungen und Handlungen ins Extreme.

Wenn bei der Beobachtung der Volksnatur im Leben leicht Irrthümer unterlaufen können, zumal wir die Feinde des böhmischen Deutschthums begreiflicherweise nicht mit besonderem Wohlwollen zu behandeln im Staude sind, so zeigen uns doch die Aeußerungen des tschechischen Geistes, wie sie in der Wissenschaft vorliegen, mit voller Sicherheit diesen Zug fanatischer Maßlosigkeit.' Die tschechische Wissenschaft hat nicht allein die Erfindung der Buchdruckerkunst für die Tschechen reklamirt, sie hat auch gefunden,daß der Baum des italienischen Lebens seine Wurzel im slavischen Boden hat", daß die Hansa dem Namen und der Sache nach slavischen Ursprungs ist, daß Anakreon, Gluck und Lessing Männer des Slavenvolkcs sind und unser Karl Maria von Weber wenigstensdem Wesen seiner Musik nach" als Tscheche an­zusehen sei. Das ist derselbe Geist, der in dem deutschen Landsgenossen nur den Hund sieht und das gegenseitige Ver­hältniß von Geben und Empfangen nicht objektiv zu würdigen vermag. Ueber dies Verhältniß gibt uns der treueste Zeuge,