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Amtliches Organ für Htaöt- unö Landkreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die IVxjpalttge Zeit« Id A

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Die Bipaltige Zeile 30 ^

Die 4fpaltige Zeile 40

Im Reklamentheile di« ' Zeile 20 -4 netto.

Nr. 172.

Dicnstnachlichten aus dem Kreise.

Gesunden: Zwei Brillen. Ein Notizbuch (Heft). Ein Paar goldne Kinderohrringe. Eine rothe Kappe mit rothem Hutter. Eine schwarze Spitzenschürze. Eine Peitsche.

Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 80 Pf.; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein Spazierstock mit ver-

Montag den 26. Juli

1897.

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ob:r Kommando der Marine ist S. M. S.Stein", Kommadant Kapitän zur See von Ahlefeld, am 22. Juli in Stornoway (Hebriden) angekommen und beabsichtigt am 24. nach Eckernförde in See zu gehen; der Reichspost -

I bampferStuttgart" ist mit den Ablösungstransporten von . ?S. M. S. S.Falke" undBussard", Transportführer: Entlaufen: Bst Wmdecken tin welff-brauner Jagdhund; Korveiten-Kapitän Krieg, gestern in Port Adelaide ange­

silbertem Griff.

dem Wiederbringer eine Belohnung.

Hanau am 26. Juli 1897.

Der deutsch englische Handelsvertrag

kommen und beabsichtigt, am 24. zur Fortsetzung der Heim­reise in See zu gehen.

Maul- und Klauenseuche. Nach der im Kaiser­lichen Gesundheitsamt bearbeiteten Statistik über die Ver­breitung von Viehseuchen im Deutschen Reich während des

scheint thatsächlich einer Kündigung von feiten der englischen ersten Vierteljahres 1897 hat die Maul- und Klauenseuche erheblich abgenommen. Neue Ausbrüche wurden gemeldet aus

Regierung ausgesetzt zu sein, wenn anders sich die Meldung bestätigt, daß der kanadische Premierminister Laurier vor feiner Abreise aus London in dieser Hinsicht ganz bestimmte Zusicherungen von Lord Chamberlain erhalten habe. Damit wäre denn der erste Schritt zur Verwirklichung des Problems der großen englischen Handelsunion unter Preisgabe der alten Freihandelspraxis geschehen. Dieser Vorgang wirkt auf viele deutsche Kreise, besonders auf das manchestertiche Lager,

Ueber die Lage in Persien wird in einem Privat­briefe gesagt:Die politische Lage Persiens ist geradezutrost­los. Der Schah hat den Erwartungen, die man auf ihn setzte, nicht im geringsten entsprochen. Es ist noch bei weitem schlechter geworden als unter Nassr-ed din, so unmöglich dies auch schien. Die Regierung ist machtlos und unfähig, die Kassen leer, es herrscht eine latente Anarchie, die nur bei dem friedlichen Charakter des Volkes nicht zum gewaltsamen Ausbruch kommt. Die Verarmung des Landes macht reißende Fortschritte, mit einem Worte, die Zustände sind für den Einmarsch der Russen reif. Dabei ist der Schah so krank, daß er seinen Regierungspflichten gar nicht nach­kommen kann. Er leidet an Eicht, Nieren und Blase. Seine Reise in ein europäisches Bad ist durch Hofintriguen ver­eitelt worden. Eine lange Regierung wird ihm wohl nicht beschieden sein".

25

81

674

2834

11907

Staaten

Regierungs- rc. Bezirken

gegen 24 im 4. Vierteljahr 1896

Kreisen rc.

Gemeinden rc.

Gehöften rc.

79 ff 760

gegen 6180

ff

33527

ff ff ff ff

ff ff ff ff

Der Gesammtbestand an Thieren in den

neu

ff ff ff ff

ff »/ ff ff

betroffenen

Gehöften betrug 154 677 Rinder, 111 325 Schafe, 2123 Ziegen und 49 024 Schweine, zusammen 317 149 Thiere gegen 659 487 im 4. Vierteljahre 1896. Dabei ist zu be­rücksichtigen, daß von 119 (gegen 252) neu betroffenen Ge-

ebenso überraschend wie niederschlagend. Und doch haben ihn genaue Kenner der englischen Verhältnisse längst mit Sicher­heit vorhergesehen.

Mit dem Gedanken, die Meistbegünstigungsverträge zu , , _ , . ,

kündigen, beschäftigt man sich in England schon seit einer i worden ist. Die größte Verbreitung erlangte die Seuche Reihe von Jahren. Als Ende 1890 die anglo-kolonialen hauptsächlich in den westelbischen und südlichen Theilen des Hollvereinâbestrebungen zum ersten Male ernstlich hervor- Reiches.

höften die Stückzahl der vorhandenen Thiere nicht angegeben

Zollvereinâbestrebungen zum ersten Male ernstlich hervor- traten, verlangten die Kolonialregierungen zunächst die Kündigung der Meistbegünstigungsverträge Englands mit Deutschland und Belgien, weil durch diese Verträge die Kolo­nien verhindert würden, die Einfuhr aus England günstiger zu behandeln als aus den andern Staaten. Schon damals fand diese Anregung in England selbst lebhaften Wiederhall angesichts des Ablaufes der mitteleuropäischen Handelsverträge, der zunehmenden Konkurrenz Deutschlands und der Hochschutzzöllnerischen Bewegung in den Vereinigten Staaten. Mitte 1891 bekundete auch Lord Salisbury seine

Am Schluffe des ersten Vierteljahres 1897 herrschte die Seuche noch in

21

70

346

899

2274

Staaten gegen 22 bei Beginn, Regierungs- tc. Bezirken gegen

75

604

3291

14842

bei

ff ff ff

Beginn,

ff ff

ff

Kreisen rc.

Gemeinden :c.

Gehöften rc.

Mithin waren am Schluffe des ersten Vierteljahres 1897

1 Staat, 5 Regierungs- rc. Bezirke, 258 Kreise rc., 2392

Gemeinern rc. und 12 568 Gehöfte weniger verseucht als bei

Beginn desselben.

Die Herausgabe von Metz. Die Pariser Blätter fangen an, sich mit dem Vir pacificus gezeichneten Artikel derPreußischen Jahrbücher" zu beschäftigen, welcher die

Geneigtheit zur Beseitigung der Meistbegünstigungsverträge bei dem Empfang von verschiedenen wirthschaftlichen Abord­nungen. Er betonte ihnen gegenüber wiederholt, die Regie- rune werde die erste günstige Gelegenheit benutzen, um Eng- . _ . . . ...

land von der ungünstigen Verbindlichkeit der Meistbegün- Möglichkeit der Rückkehr von Metz an Frankreich erörtert, stigungsverträge zu befreien, und voraussichtlich werde sich in JmRappel" bedauert der Radikale Lucien Victor Meunier, nicht zu ferner Zeit die Möglichkeit bieten, jene Nachtheile daß sich auf der Place de la Concorde nicht auch einStand- zu beseitigen. Mitte 1894 sprach dann eine Konferenz der t2rv c k

britischen Kolonialregierungen den Wunsch aus, daß end­lich positive Zollabmachungen zwischen England und seinen Kolonien getroffen werden möchten, wonach dem briiischen Reiche vortheilhaftere Bedingungen gewährt werden können

Preutzischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 23. Juli.)

Das Abgordnetenhaus erledigte in seiner heutigen Abend­sitzung Petitionen. Bei den Petitionen der Deichoer­bände von Elbing, Marienburg und Falkenau, betreffend die Regulirung der Weichsel, spricht Abg. v. P u t t k a m e r-Plauth (kons.) sein Bedauern darüber aus, daß das bereits im Fe- ! bruar von der Regierung in Aussicht gestellte Gutachten der Akademie des Bauwesens noch immer nicht vorliege. Regie­rungsrath Germelmann sagt zu, daß die Arbeiten thun- lichst beschleunigt werden würden, nachdem das Gutachten er­stattet sei. Das Haus beschließt, dem Anträge der Agrar­kommission gemäß, Ueberweisung zur Berücksichtigung dahin, daß die bereits beschlossenen Regulirungsarbeiten schleu­nigst ausgeführt werden, um erneuten Ueberschwemmungs- kalamiiäten möglichst vorzubeugen". Die Justizkommission beantragt zur Petition des Vorstandes des westfälischen Bauernvereins, betreffend den Schutz der Eigenthümer von Grundstücken und der Gläubiger von eingetragenen Forderungenen gegen Bergschaden, Tagesordnung. Das Haus lehnt diesen Antrag und einen Antrag des Abg. Wille­brand (Ctr.) auf Ueberweisung zur Berücksichtigung ab und beschließt auf Antrag des Abg. v. Heydebrand (kons.) Ueberweisung zur Erwägung. Die Petition der Stadtge- ; meinde Labes, betr. den Erlaß der Rückerstattung der Grund­steuerentschädigung, wird auf Antrag des Abg. v. Dewitz der Regierung zur Berücksichtigung die Petitionskommission

: hatte Erwägung beantragt überwiesen.

bild btr Stadt Metz erhebe, zu dem man pilgern könne, wie

als andern Ländern.

zu der mit Fahnen und Kränzen geschmückten, umflorten Sta­tue der Stadt Straßburg, denn beide Städte sind gefangen; es besteht kein Unterschied zwischen der, die Uhrich hat neh­men lassen, und der, welche von Bazaine ausgeliesert wurde. Beide Leidensschwestern wahren die gleiche Treue, und Frank­reich es wäre nicht mehr Frankreich, wenn es vergessen

(Sitzung vom 24. Juli.)

In der heutigen Sitzung wurde zunächst der Gesetzent­wurf, betreffend die Verpflichtung der Gemeinden in Hessen- Nassau und Schlesien zur Bullenhaltung, ge-

Wenn ipm die Kündigung der Meistbegünstigungsver- reich es wäre nicht mehr Frankreich, wenn es vergessen träge durch England wirklich erfolgen sollte, so würde es ^könnte! liebt gleich innig Metz, die alte Lothringerstadt damit thatsächlich einen entschiedenen Schritt auf der Bahnend die Elsässerin Straßburg." Meunier findet es uner- des Schutzzolles machen. Denn obwohl die Meistbegünsti- hört, daß jemand daran denken könne, die Geschicke der bethen gung nicht an sich eine freihändlerische Einrichtung ist, so Städte zu trennen, Metz an Frankreich zurückzugeben, damit wirkt sie doch insofern freihändlerisch, als sie die betheiligten Luxemburg deutsch werden könne, und Straßburg seinem Staaten nöthigt, allen Vertragsstaaten ohne weiteres die Schicksale zu überlassen. Er nennt diese Anregung geradezu niedrigsten Zollsätze einzuräumen. Allerwärts hat man denn einen Schimpf für Frankreich und schließt so:^,,Herr Vir auch die Meistbegünstigung längst als eine drückende Fessel pacificus, Sie sind ein Unverschämter!" Tre Parlier empfunden, einige Staaten, wie insbesondere die französische und nord amerikanische Republik haben sie zu gänzlicher In­haltslosigkeit herabgedrückt, indem sie keine Tarifverträge mehr abschlossen, während Deutschland in den mitteleuropäischen Handelsverträgen noch eine erhebliche Anzahl seiner Zollsätze festgelegt hat.

Nach diesem Schritte Englands wäre ferner die Bahn frei gemacht für die handelspolitische Verschmelzung des Mutterlandes mit seinen Kolonien nach dem Vd.bilde des alten deutschen Zollvereins. Ob aber damit die alte Welt-

Meunier findet es uner-

Preffe mag sich beruhigen, im Ernste denkt in Deutschland

Herrschaft der englischen Industrie wirklich wieder neu aufge­richtet werden kann, darüber werden die Engländer selbst nicht ohne berechtigte Zweifel sein. England kann von dieser Maßregel genau so schwer betroffen werden, wie die andern Vertragsstaaten. Insbesondere erlangt Deutschland England gegenüber völlig freie Hand, und der englische Import nach Deutschland ist doch noch immer ein sehr großer. Wie dem auch sei, da eine Aenderung der bestehenden Verträge erst nach Jahresfrist eintreten kann, so hat man in Deutsch­land hinreichende Zeit, um sich auf die neuen Verhältnisse

norzubereiten.

r.

niemand daran, Metz herauszugeben.

Mit den Streiks haben viele Kategorien von Arbeit­nehmern in letzter Zeit gar üble Erfahrungen gemacht, so daß sie jetzt selbst auf Maßnahmen zur Verhütung leichtsinnig vom Zaune gebrochener Ausstände sinnen. So beschlosst n die Buchbinder Berlins, ein neues verschäftes Streikreglement einzuführen und dessen allgemeine Durchführung durch den Centralverband deutscher Buchbinder zu beantragen. Das Re­glement verlangt die Zustimmung des Vorstandes zu sämmt­lichen Lohnbewegungen in der Branche. Wenn nicht genügend Kräfte am Orte vorhanden sind, soll dem Vorstande auch die Leitung des Streiks zustehen. Allgemeine Ausstände müssen acht Wochen vorher dem Centralvor stände angezeigt werden. Streikunterstützung wird erst vom vierten Tage ab, und zwar in der Höhe von 7 Mk. für weibliche, 9 Mk. für ledige und 12 Mk. für verheiratete männliche Mitglieder gezahlt wer- ben. Man sieht, daß die Arbeiter anfangen, verdünnendes Wasser in ihre Becher zu gießen. Wenn die Arbeitgeber einmüthig handeln, haben sie es in der Hand, das Strerk- unwesen eiuzudâmmen und damit der Sozialdemokratie ihre wirksamste Waffe zu entwinden.

nehmigt. .

Es folgt die Berathung des vom Herrenhause in abge­änderter Fassung zurückgelangten Gesetzentwurfs zur Ergän­zung und Abänderung von Bestimmungen über Ver­sammlungen und Vereine.

In der Generaldebatte führt Minister des Innern Frhr. v. d" Recke aus, daß die Regierung nach reiflicher Erwa- gäng dem Gesetzentwurf in der Fassung des Herrenhauses zugestimmt und es übernommen habe, dieselbe diesem Hause zur Annahme zu empfehlen. Das dringende Bedürfniß, die staatlichen Machtbefugnisse auf dem Gebiet des Vereins- und Versammlungswesens zu vermehren, ergebe sich daraus, day seit Aufhebung des Sozialistengesetzes die sozialdemokratischen Bestrebungen zur Untergrabung der Staâ und Gesellschafts­ordnung einfach geduldet werden müßten, sobald diese Be­strebungen als unerlaubt und verwerflich gesetzlich gekenn­zeichnet würden, werde sich auch ein großer Dhen der Bevölke­rung davon sofort zurückziehen. Da die sozialdemokratische Agitation sich jetzt von den Städten aus auch auf das Land erstrecke, müßten nicht nur die Abgeordneten aus industriellen, sondern auch die aus ländlichen Kreisen sich überlegen, ob sie die Verantwortung dafür übernehmen könnten, der Regierung Machtbefugnisse dagegen zu verweigern. Ganz besonders ließen militärische Rücksichten die Regierung wünschen, die gewünschten Machtbefugnisse zu bekommen, da das Liebes­werben der Sozialdemokratie um das Heer, insbesondere um die Reservisten und Landwehrmänner täglich stärker werde. Sobald die sozialdemokratischen Führer merkten, daß der Staat auf das Heer nicht mehr rechnen könne, sei der An­fang vom Ende gekommen. Die Regierung glaube nicht an das Märchen, daß die Sozialdemokratie eine Reformpartei fei, fondern halte sie für eine revolutionäre im wahren Sinne