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Samstag den 24. Juli

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1897.

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 50.

Amtlichts.

Dicnstnachrichten aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein Dutzend weiße Knöpfe und ein Stück Schnur. Eine Velo- ziped-Luftpumpe (aus der Aschaffenburger Chaussee); Empfang­nahme beim Herrn Gutsoorsteher zu Pulverfabrik.

Entlaufen: Ein gelber Mopshund. Eine weiße Katze mit grauen und braunen Abzeichen und dunklem Schwanz; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Verloren: Eine Brille. Eine Schachtel mit 46 Stück Revolverpatronen.

Entflogen: Eine junge blau und weiße französische Kropftäubin.

Zugeflogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 24. Juli 1897.

>tadt^rä0 ^attavt.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Für die gelegentlich der diesjährigen Kaisermanöver hier- selbst stattfindende Einquartierung fehlen noch einige Quartiere für höhere Offiziere. Ich ersuche daher nochmals diejenigen Haushaltungsvorstände, welche in der Lage sind, für höhere Offiziere Quartier stellen zu können, sich baldmöglichst auf Zimmer Nr. 18 des Rathhauses zu melden.

Hanau am 23. Juli 1897.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Heraeus. 10560

Tagesschau.

Für die Reise des Kaiserpaares nach Petersburg ist das nachfolgende Prog< amm aufgestellt worden: Am 7. August d. I., vormittags, werden Ihre Majestäten aus der Rhede von Kronstadt eintreffen, wohin die russischen Maje­stäten auf der kaiserlichen JachtAlexandra" dem deutschen Kaiserpaare zur Begrüßung entgegenfahren. Der große Em­pfang des Kaisers und der Kaiserin findet an der Landungs­brücke in Neu Peterhof statt. Am Vormittag dieses Tages machen die deutschen Majestäten Besuche. Am Abend findet Galatasel im Pet rhof statt. Am 8. August, vormittags, treffen die deutschen Majestäten auf einer kaiserlichen Jacht in St. Petersburg ein, begeben sich von der Landungsstelle an der Nikolaibrücke zu der Peter-Pauls-Kathedrale und von

Feuilleton.

Sei der Ernte.

Von Dr. Rudolf Schellenberg.

(Nachdruck verboten.)

Es herrscht gegenwärtig eine große Neigung, überall zu den alten, durch die Entwickelung oft schon halb verschütteten Quellen unseres Volkslebens zurückzukehren. So knüpft man in der Kunst gern an volksthümliche Ueberlieferungen an und im Leben schenkt man der Denk- und Empfindungsweise und den Sitten des gemeinen Mannes besondere Aufmerksamkeit. Aber gerade die Erntezeit ist recht geeignet zu zeigen, wie groß doch immerhin die Kluft ist, die das Seelenleben des Kulturmenschen von dem des Bauern trennt. Der Mann der Kultur blickt mit Freude und Wohlgefallen über das wogende Kornfeld, und wenn in den dichten Halmen der Wind wühlt oder im Sonnenstrahl das Feld jenen eigenthümlichen Glanz, der Reise zeigt, dann lacht ihm das Herz. Davon weiß der Bauer nichts. Ihm ist das Korn, so lange es steht, vor allem ein Gegenstand der Sorge, und lieber als das schönste Feld sieht er die Stoppel, wenn er die Scheuern wohl gefüllt weiß. Es ist dies jener Gegensatz, den Reinick so hübsch in einem Gedichte geschildert hat. Da sieht der Bauer zornig das Unkraut zwischen dem Weizen und murmelt, der böse Feind habe ihm das gesâet. Sein Junge aber springt, mit einem Strauße als der bunten Blumen in der Hand, fröhlich auf ihn zu und jauchzt:Sieh', Vater, all' die Pracht, die hat der liebe Gott gemacht."

Unsere Anschauungen von der Erntefeier sind in hohem Grade von der Kunst und Litteratur beeinflußt worden, und hier tritt begreiflicherweise ein sehr einseitiges Bild zu Tage. Vom alten Horaz bis auf die jüngsten Idylliker ist die Ernte­

hier aus zum deutschen Al-xanderhospital, wo die mit einer gottesdienstlichen Feier verbundene Einweihung des neaerbauten Flügels dieses Hospitals statrsinden wird. Von hier aus fahren die Majestäten in die btuti^e Botschaft, in welcher die Deputationen der reichèdeutfchen Kolonien empfangen werden. Danach nehmen Ihre Majestäten das Frühstück beim deut­schen Botschafter Fürsten v. Radolin tiu. Am Nachmittage haben die auswärtigen Botschafter una diplomatischen Missionen die Ehre des Empfanges im Winterpalais. Um 6 Uhr abends begeben sich die russischen Majestäten mit ihren hohen Gästen zum Umritt in das Lager von Kraßnoje Sselo. Nach dem großen Zapfenstreich findet im Lager eine Festvor­stellung statt. Am 9. August, vormittags, ist große Parade im Lager von Kraßnoje Sselo, nach derselben Festfrühstück im Lagrr, am Abend Gala-Festvorstellung auf der OlgwJnsel im Parke von Neu- Peterhof. Der Vormittag des 10. August ist zur Verfügung Ihrer Majestäten freigehalten. Am Abend wird der Park von Peterhof festlich beleuchtet werden und die deutschen und russischen Majestäten den Thee in dem am Me.re gelegenen Lustschloß Peters des GroßenMonplaiär" einnehmen. Am 11. August vormittags treten der deutsche Kaiser und die Kaiserin die Rückreise nach Deutschland an; die russischen Majestäten geben ihnen das Geleite.

Haftpflichtversicherung. Die Minister des Innern, für Handel und Gewerbe und drs Krieges haben die revi- dirten Statuten des Allgemeinen Deutschen Versicherungsver- eins zu Stuttgart vom April 1896 mit der Maßgabe ge­nehmigt, daß bet der Versich rung von Beamten, Rechtsan­wälten, Notaren rc. gegen Regreßansprüche Dritter (Haft pflichtversiHerung) die Versicherten ein Viertel des Schadens selbst zu tragen haben.

Lehrerbesoldungsgesetz. Zur Ausführung des Lehrer- Besoldungsgesetzes wird vom Rhein geschrieben: Unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten Frhr. v. Rheinbaben ver­sammelten sich in Düsseldorf die Landräthe und Oberbürger­meister zur Festsetzung der Lehrergehälter. Es wurden fol­gende 4 Gehaltsklassen festgesetzt:

1. 1150 Mk. Grundgehalt, 9 Steigungen je 130 Mk.

2. 1200 ,, 9 /, 140

3. 1250 ,, 9 ,, 150 ,,

4. 1300 9 160

Konzession. Die Süddeutsche Feuerversicherungsbank in München ist vom Minister des Innern die Konzession zum Geschäftsbetriebe in Preußen ertheilt worden.

Der bewaffnete Friede in Rußland. Das rus­sische Rekruten-Kontingent für 1897 weist wiederum gegen­über demjenigen von 1896 eine Steigerung aus, und zwar eine weil größere, als diejenige von 1896 gegenüber 1895 betrug. Abgesehen vom Kaukasus, dem Terek- und Kuban- gebiete, Transkaukasien und Finnland, sollen 1897 282,000 Rekruten eingestellt werden, 8000 mehr als im Vorjahre.

seier wieder und wieder besungen worden, und immer sind es die hellsten Farben und die fröhlichsten Töne, die dabei ver­wandt werden. Das mag nun ganz zutreffend sein für die Länder des Südens, wo die willig und reichlich spendende Erde dem Landmann allen Grund zu ausgelassenem Frohsinn bei der Erntefeier giebt und auch für die Weinernte: hat doch schon W. H. Rieht überaus geistreich gezeigt, wie der Weinbau überall einen leichten Sinn zu befördern pflegt. Für unsere nordischen Länder aber sind die Erntefestbilder, die die Dichtung gewöhnlich entrollt, fast durchweg unzutreffend, selbst wenn ihre Träger nicht jene zierlichen, mit Blumen und Bändern geschmückten Schäfer und Schäferinnen sind, die in der Litteratur längere Zeit ein mehr liebenswürdiges als wahrhaftiges Dasein geführt haben. Erst in der jüngsten Zeit hat die Ernte künstlerisch eine getreue Darstellung ge­funden, und ganz besonders haben sich die Franzosen mit diesem Problem beschäftigt. Was in der Litteratur Zola (inLa Terre") versucht hat, haben Maler, wie der große Millet und Duprö, vollendeter durchgeführt. Sie zeigen uns die Bäuerinnen und Bauern im glühenden Sonnenbrände stumpf und gedrückt arbeitend oder im spärlichen Schatten einer Garbe einer trägen Ruhe sich hingebend, der von Be­haglichkeit oder Freude nichts anzumerken ist.

Diese französische Darstellung paßt nun freilich nicht ganz auf das Leben germanischer Bauern. Hier hat sich eine gewisse Feierstimmung während der Ernte stets 'erhalten. Nie spendet der Bauer reichlicher Knechten und Mägden Speis und Trank, als in dieser Zeit, und überall kommen jitzt die üblichen Leibgerichte zu besonderer Ehre. Ein Eger­länder Volksscherz illustrirt die bäuerlichen Tafelsreuden dieser Zeit sehr glücklich. Da istSemmel in der Milch" das Lieblingsgericht. Auch der Hüterjunge bekommt davon sein reichlich Theil. Beinahe mit seiner Schüssel fertig, bricht er in Thränen aus:Ich zwing's nimmer." Da erhält erden

Rechnet man die eingeborenen Kontingente der vorgenannten Gebiete, sowie die finnischen Rekruten und etwa 78000 Freiwillige hinzu, so darf man die Ziffer der Rekruten für 1897 auf rund 300,000 schätzen. Die beiden letzten Jahre haben allein im europäischen Rußland eine Vermehrung des Rekruten-Kontingents um 13,000 Mann gebracht. Der Ent­wickelungsgang der russischen Armee in den letzten Jahren läßt erkennen, wozu die Steigerung der Rekruten-Einstell­ungen bestimmt ist. Es handelt sich darum, die Artillerie- Brigaden der Korps zu 3 Divisionen sämmtlich auf je 9, diejenigen der andern aus je 8 Batterien zu bringen, noch weitere Reserve-Artillerie Brigaden auf den aktiven Stand zu bringen, die Reserve-Infanterie, wie dies zum Theil schon geschehen, zur Stärke von aktiven Divisionen zu erheben und zu vereinigen, weitere Festungs-Bataillone zu Regimentern von 2 Bataillonen auszugestalten, endlich zunächst die beiden vorhandenen selbstständigen Kavallerie-Brigaden zu Kavallerie- Divisionen auszubauen, so daß im europäischen Rußland im Kriege dann, bei Heranziehung einer Kavallerie-Division aus dem Kaukasus, 23 Kavallerie-Divisionen verfügbar sein wür­den, eine Zahl, die derjenigen entspricht, auf welche man die im europäischen Rußland einzusetzenden Armeekorps des Linienheeres bringen will.

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 23. Juli.)

Das Abgeordnetenhaus berieth heute zunächst den vom Herrenhause in den §§ 3, 7, 8, 12 und 19 abgeänderten und in dieser Fassung von Neuem an das Haus gelangten Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des Gesetzes über die Handelskammern vom 24. Februar 1870. In der Generaldiskussion spricht sich Abg. Rickert (steif. Ver.) gegen die Aenderungen des Herrenhauses aus und kommt auf die Eingabe des Bundes der Landwirthe, betr. ein Ver­bot der Getreideeinfuhr, zu sprechen, dem derReichsanzeiger" nur in zahmer Weise entgegen getreten sei; das beweise die schwächliche Haltung der Staatsregierung gegenüber dem extremen Agrarierthum und seiner demagogischen Hetzerei. Hoffentlich werde der Vizepräsident des Staatsministeriums ein kräftiges Wort gegen diesen Unfug sprechen. Handels- ministcr Brefeld rechtfertigt die Streichung des Herren­hauses in § 12, betr. fakultativ-geheime Wahl, und erklärt, daß ihm ein vom Vorredner angezogener Landwirthschafts­kammerbericht, worin der Staatsregierung vorgeworfen fein solle, daß sie den Kapitalismus begünstige, nicht bekannt sei. Er behalte sich Weiteres vor, sobald er davon Kenntniß ge­nommen. Vizepräsident des Staatsministeriums, Finanz­minister v. Miquel führt aus, daß der Antrag des Bundes der Landwirthe an den Reichskanzler gerichtet sei. Was

Rath, ein paar Mal um den Hof herum zu laufen, und das rrweist sich als praktisch: erzwingk's".

Solche Züge von Humor oder Heiterkeit des Gemüthes finden wir besonders unter den Erntearbeitern nicht selten. Alte Ueberlieferungen geben ihnen in dieser Zeit besondere Rechte. Wer dcs Weges kommt, wird angehalten und muß sich mit einer Gabe auslösen. Eine ganz merkwürdige Tra­dition besteht bei den englischen Erntearbeitern in Suffolk. Sie haben untereinander für diese Zeit eine feste Organi­sation, um Zeitverlust, Trunkenheit und Ausschreitungen zu verhindern. Wer sich nun in dieser Hinsicht etwas zu Schul­den kommen läßt, wird nach allen Regeln der Kunst von Einigenübergelegt", worauf der, dessen Sache das ist, ihm mit einem Schuh die vereinbarte Zahl von Schlägen geben muß. Dieser Exekution wohnten alle Arbeiter, die Hüte auf den Köpfen bei, und macht der Strafvollstrecker seine Sache nicht gewichtig genug, so verfällt er selbst der gleichen Buße. Das nennt man dortten-pounding".

Aber während die Arbeiter in leidlichem Frohsinn ihrem Geschäfte obliegen (stellenweise übrigens unter einem lyth- mischen Gesänge, der an den Gesang der Matrosen erinnert, wenn sie die Anker heben), ist für den Bauern die Ernte eine Zeit unausgesetzter Furcht. Es zeigt sich hierbei in ganz merkwürdiger Weise, wie fest in der Volksseele die ältesten Erinnerungen und Sitten haften. Eine Reihe von wunder­lichen Erntegebläuchen ist erst durch die neuesten Forschungen, besonders die von U. Jahn, erklärt und in einen Zusammen­hang gebracht worden, der bis zu dem altgermanischen Götterkönige zurückreicht.

In Nord- wie in Süddeutschland finden wir weit ver­breitet die Sitte, bei der Ernte ein Aehrenbüschel stehen zu lassenDamit de Waur Futter für sein Pferd finde", heißt es in Mecklenburg; und ähnlich sorgt der Baier mit diesem Büschel für den Waudlgaul, während er noch Bier, Milch