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Nr. 170. Freitag den 23. Juli 1897.
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Im Sumpf.
Tagesschau.
Vous vous embourberiez — dieses seltene in jenem Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an Momente selbst dem französischen Herrscher nicht geläufige das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Loreley", Wort setzte der sprachgewandte Herr von Bismarck Napoleon Kommandant Kapitân-Lieuteuant von Krosigk, am 21. d. M. III. entgegen, als dieser ihm seine weitschauenden Pläne । iu Sebastopol angekommen, vortrug. „Sie würden in den Sumpf gerathen und barin 1 ^" f-^— »*«.«»*
stecken bleiben", meinte Bismarck. Napoleon folgte dem
Berlin, 22. Juli. Das Herrenhaus ehrte in seiner heutigen Sitzung das Andenken der verstorbenen Mitglieder des Hauses Riedesel Frhr. zu Eifenbach uns Graf v. d. Bussche-Jppenburg durch Erheben von den Sitzen und nahm dann die zweite Abstimmung über die Novelle zum Vereinsgesetz vor. Nach der Geschäftsordnung ist eine Diskussion nicht mehr zulässig, und es wird daher auf Antrag des Frhrn. v. Manteuffel über das Gesetz im Ganzen abgestimmt. Die namentliche Abstimmung ergibt die Annahme des Gesetzes mit 112 gegen 19 Stimmen. Nächste Sitzung unbestimmt.
Berlin, 22. Juli. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft beschlossen, auf Wunsch des Handelsministers 12 Interessenten des Getreidehandels als Sachverständige zur Feststellung der maßgebenden Getreidenotirung zu ernennen, womit das Ministerium sich direkt in Verbindung setzen kann. — Das „Tageblatt" meldet: In diplomatischen Kreisen wird es als Thatsache bezeichnet, daß die Forderung der Agrarier, betreffend das Getreideeinfuhrverbot, welches in der Geschichte der Dynastie Hohenzollern eine unerhörte Zumuthung des Vertrags mit den verbündeten Regierungen, sowie ein Treubruch gegenüber diesen und den befreundeten Staaten sei, von allerhöchster Stelle die schärfste Verurtheilung erfahren wird. — Der „Reichsanzeiger" bezeichnet die Agrarforderung mit den Handelsverträgen als unvereinbar, der nicht stattgegeben werden könne.
Brüssel, 22. Juli. Der Minister des Innern erklärte, wie der „Soir" meldet, er werde demissioniren, falls das Gesetz, betreffend die Bürgergarde, abgelehnt oder zurückgezogen werde.
Cannes, 22. Juli. Durch ein noch andauerndes Feuer wurden 150 ha Wald vernichtet.
New-Nork, 22. Juli. In der Waffenfabrik von Newhaven erfolgte eine Explosion, wodurch vier Arbeiterinnen und drei Arbeiter getödtet wurden.
I In letzter Stunde. Die zweite Abstimmung über 1 das Vereinsgesetz im Herrenhause hat, wie vorauszusehen war, Verfahren Nr meisten Menschm"' die wohV um "Rath "'fragen,' das ursprüngliche Resultat unverändert gelassen. Von dem aber ihn nicht beachten, und — er blieb im Sumpfe stecken. Abgeordnetenhause steht nunmehr die endgültige Entscheidung
Vous vous embourberiez würde der Alte von Fried- ^ erwarten. Regierung und Herrenhaus haben ihrerseits richsruh wohl der französischen Kammer gesagt haben, wenn das weitgehendsteEntgegenkommen bewiesen und dem höheren sie ihn darum befragt hätte, ob er ihr riethe, sich nochmals iB11^ zu Uebe ihren. Standpunkt rn wichtigen Beziehungen mit der Panama-Angelegenheit zu befassen. Die französische, abgeandert und umgeformt Die Bahn die zur Einigungi zu Kammer hat sich mit ter Panama-Angelegenheit gehörig in > führen vermag, ist erfolgreich geebnet. Für dasAbgeordnetew den Sumpf gefetzt. Erst kamen die skandalösen Plenarsitzungen, Mben sich bei einigem guten Villen keinerlei bei denen die Angeschuldigten heulten und tobten und bei f Schwierigkeiten, diese Bahn auch seinerseits zu betreten, zu- denen auch die Nichtangeschuldigten sich keineswegs würdig mal. auch innerhalb dieser parlamentarischen Körperschaft die benahmen. Es folgten dann die monatelangen Untersuchungen . Nothwendigkeit einer wirksameren J^mnpsung N des Richters Le Poittevin, die zu keinen Ergebnissen führtm. uns dem Gebiete deo Vereins- und^ersammlungswesens fas hip Einiekuna der allseitig anerkannt worden ist. Wo aber ein einmütiger
PanamakomMission, die sich in wenigen Wochen unsterblich ^e vorhanden ist, da sollte sich auch em Weg finden lassen, ErliA Ä" auf dem dieser Wille zur That zu werden vermag. Mit
Um die schlimmste Lächerlichkeit ist die Kommission noch Wvckn, Wünschen und Wollen allein ist es nicht gethan, mit genauer Noth herumgekommen, um die Reise zu Corne- Praktisches Handeln thut, noth, und hierzu bedarf wn e = lius Herz. Das ist aber nicht das Verdienst der Kommission, fefilger ^pfer und Zugeständnisse, uur können zum Schlüsse, denn man war ja schon aus dem Sprunge, die Reise anza- wie mir es schon so oft gethan haben nur noch einmal den treten Nur der Umstand, daß es endlich auch dem blödesten ^Wunsch und die-Hoffnung aussprechen, bag für das end
en'« v . Son (snmJiti^prj eine unerhörte gültige Resultat allem sachliche Erwägungen ent cheidend sein
Auge klar werden m ^ » » ^s Wohl des Vater-
F°pp°r,< °°-h«b-, v°,mochl° ,m °tzl.n ^^ s Hèsammth-Ü darf sich das Urteil her $otS=
L?."^n ^â L L ici to einem »ertretung bestimmen .lassen. Das Valk sieh, der immer
Zuerf 9 '' ö h 'Trankreick Alloden war und drohender werdenden Umsturzgefahr mit wachsender Besorgniß
Motoriken G"umr, der aus .^ ante-, ch flohen ^ m ^^ unb ^ £ä ^« ^^ wmn die erwählten
^ Audimz an ulreten, das fiel den wackeren sranjästschen Männer seines D-rtrauenS dieser Gesahr nach weNerh.n mit ° F ... mir kon- verschränkten Armen zusehen wollten.
Präsidenten der Republik -in g-m-ineS und freches Erpiefsungs- dw âhl^dnrch geheime Abstimmung mittelst Stimmzettel schreiben gerichtet Satte. ... D-nutirten di- es' 3«r Eingabe des Bundes der Landwirthe
Waran liegt es, daß d u ftunz«stichen D-Putnt-n, d, es ^ bcr ^ichSauzeiger-'h Das zeitweilige Getreideeinsuhr- doch sonst an Eitelkeit nicht sehe ss , verbot, dessen Erlaß in der an den Reichskanzler gerichteten
so gänzlich abhanden gekommen war < ^«rLt vor Eingabe des Bundes der Landwirthe beantragt wird, würde
SÄE- 2 Eè- «r =»“•* ii<S, lieber tte Demiilhtgung auf I ch z h . Danzig, ist durch den Grafen Ernst zur Lippe-Biesterseld als
... m n-rderben. Kabinetsmiuister nach Detmold berufen worden. Der neu-
ernannte Kabinetsmiuister ist geboren am 29. Juni 1859 zu Berlin als Sohn des 1866 als Kommandeur des Garde- Artillerie-Regiments gefallenen Obersten gleichen Namens. Seine Ausbildung erhielt er auf der Ritter-Akademie zu Liegnitz und studirte zu Breslau, Genf und Berlin, machte 1882 ___________ , „
das erste, 1888 das zweite Staatsexamen. Mit dem fetzigen £ ' dèn Theil als vollkörnig und vollgewichtig. Dazu
Regenten von Lippe-Detmold trat Miefitscheck 1889 als ......
Landrath zu Wrongowitz, Kreis Thorn, in nähere Beziehung.
aelecenheit zu dringen, ablehne, und deshalb entschloß man
wie wir es schon so oft gethan haben, nur noch einmal den
3t>m Handelskammergesetz, in dem bekanntlich das
Witterungsbericht.
Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch Fortdauer mit bestehendem Witterungscharakter.
Volkswirthschastlicher Theil.
Steigerung der Getreidepreise. Aus Wien wird berichtet: Der Weizenpreis hat heute die Höhe von nahezu 10 fl. erreicht und ist seit dem letzten Samstag um nicht viel weniger als 1 Gulden gestiegen. Ein so hoher Preisstand ist seit dem Jahre 1892 nicht vorgekommen. Die scharfe Aufwärtsbewegung, welche sich seit zwei Tagen vollzogen hat, ist ebenso wie die ganze Preisgestaltung der letzten Wochen
ungarischen Ernte zurückzuführen. Aus den neuesten Be-
sich, lieber tie — 7-D—ö —, . / « der öffentlichen Meinung zu verderben.
Diese Furcht vor der öffentlichen Meinung beeinflußt die französische Politik in außerordentlichem Maße. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß es in Frankreich eine ganz erhebliche Zahl einsichtiger Männer gibt, die die ganze Revanche-,wee für höchst thöricht halten. Aber diese Männer wagen ihre Meinung nicht frei heraus zu sagen, aus Purcht, es mit den von den Revanchepolitikern bethörten Massen zu verderben. So kommt es, daß selbst in Fällen, wo man allen Anlaß hat, Deutschland oder einzelnen deutschen Persönlichkeiten dankbar zu sein, der Dank in einer gequälten, für den Em-1 pfänger des Dankes wenig erfreulichen, und für den, dens
Er gehörte der freikonservativen Partei an.
Das Verhalten der Nordamerikanischen Re ri—— -------- -----c , z , . , gierung in den Tariffragen erschreckt die Amerikaner bereits
Dank Abstattenden wenig ehrenvollen Weise heraus-ommt, nur New-Aork Herald" warnt vor jedem Chauvi -
weil man Furcht hat, daß die öffentliche Meinung eine wirk-; niâmu§ unb mißbilligt die agressive auswärtige Politik, die lich liebenswürdige Form Deutschland gegenüber verübeln ^^ Finley befolgt. Wenn die Vereinigten Staaten ihre könnte. Aehnlich war es mit der Politik rvahreno des ‘ Boxerpolitik gegen andere Nationen fortsetzen, so würden sie griechisch-türkischen Konfliktes. Der thörichte Phchellemsmus,, *- - ^ batb unbeliebt machen und brauchten sich nicht zu der sich in Frankreich breit machte, wurde von der Regierung ■ ^ârn, wenn eines Tages die Nationen der Welt eine " "" Vereinigung gegen diese Politik Amerikas schließen würden.
zwar nicht getheilt, aber sie trug ihm Rechnung und schlug deshalb eine unsichere Politik ein, die zeitweise das Verhältniß zu Rußland etwas trübte. Um des Molochs der öffentlichen Meinung willen brachte man also selbst das russische Bündniß in eine gewisse Gefahr.
Diese Furcht vor der öffentlichen Meinung bringt Fronk- reich in den Sumpf, denn eine zielbewußte Politik läßt sich nicht durchführen, wenn man die wechselnden Launen der Menge zur Richtschnur nimmt. Augenblicklich befindet sich die innere französische Politik in dem Sumpf der Panama-Angelegenheit — hier kann man das Wort Sumpf in mancherlei Bedeutung brauchen, und wir sind recht neugierig, wie man sich aus diesem Sumpfe wieder herausziehen will.
Gebieten Ungarns, in der Theißgegend und in der Bacska noch hinter den geringen Erwartungen, die bisher gehegt wurden, erheblich zurückbleiben. Man hat deshalb behauptet, daß die Schätzung des offiziellen Berichtes, welcher die Weizenernte Ungarns auf 28 bis 29 Millionen Mele».- Gentner herabminderte und gegenüber dem Vorjahre ohnehm schon einen Ausfall von 10 Millionen an nahm, noch immer zu hoch gegriffen sei. In qualitativer Beziehung Kalt man
kommt die Thatsache, daß die Vorräthe keineswegs so groß sind, um etwa den Minderertrag der neuen Ernte zu kom- vensiren: die Bestände sind vielmehr stark gelichtet. Dre Preissteigerung in Wien und Budapest war bisher eine isolirte Bewegung, seit einigen Tagen sind jedoch die fremden Märkte der Bewegung nachgefolgt. Auf dem internationalen Getreidemarkte gaben die Meldungen über die germgen Ernte- aussichten in Rußland den Anstoß zur Prersstergerung; ferner bildete sich allmählich die Ansicht, baß der Importbedarf Frankreichs gleichfalls infolge ter schwächeren Ernte dieses Landes Heuer größer werden dürfte, als un vorigen ^ahre Ueberblickt man die Verhältnisse des Weltmarktes, so findet man eine reiche Ernte in Amerika und eine Hoff- * 1 • ^„..AiAs^Mk S.tnoAOT, in hort itfirttwtt
Volitische und unpolitische Nachrichten, nungsvolle Ernte in Deutschland, dagegen in den übrigen produzirenden und konsumirenden Ländern theils unbefne- Berickterstattermeldung digende, theils, wie in Ungarn und in Rumänien, entschieden Berichterst g ^^che Ergebnisse. Die Preisentwickelung ist auf den
amerikanischen Märkten eine verhältnißmäßig ruhige; auch diese Erscheinung weist darauf hin, daß die Ernte Amerikas eine sehr reiche ist. Viel intensiver als in New-Dork und Chicago war die auffteigende Preisbewegung auf den sran-
(Depeschen-Bur eau
Herold.")
Berlin, 22. Juli. Nach einer L , . verbleibt Staatssekretär Marschall doch im Reichsdienst und erhält den Botschafterposten entweder in Rom oder Konstan
Berlin, 22. Juli. Der Unterstaatssekretär Rothenhan tritt angeblich nach Uebernahme der Geschäfte durch Bülow einen längeren Urlaub an. Rothenhan soll ebenfalls einen Botschasterposten erhalten.
zöstschen Märkten.