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Amillchss Organ für Hlaöt- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 167.

Dienstag den 20. Juli

1897.

Amtliches.

^anöRrete ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Herren Ortsvorstände ersuche ich, mir innerhalb 5 Tagen die Zahl der in ihren Gemeinden rc. vorhandenen

a) Ziegen,

b) Ziegenböcke anzuzeigen, evtl. Fehlanzeige zu erstatten.

Hanau am 17. Juli 1897.

Der Königliche Landrath.

V. 7250 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.

Wegen Ausbaues des Weges von Oberissigheim nach Niederissigheim ist derselbe bis auf Weiteres sür den Fähr­verkehr gesperrt.

Hanau am 19. Juli 1897.

Der Königliche Landrath.

V. 7232 I. V.: vr. Becker, Reg.-Assessor.

Unter der Schasheerde zu Udenhain, Kreis Gelnhausen, ist die Räude erloschen und die Sperre ausgehoben worden. Hanau am 19. Juli 1897.

Der Königliche Landratb.

V. 7154 I. V.; Dr. Becker, Reg.-Assessor.

Nachdem unter dem Pferdebestande des Oekonomen Wil­helm Schultheiß auf dem Gutleuthof bei Frankfurt a/M. die Rotzkrankheit festgestellt und ein Pferd bereits getödtet worden, ist die Stallsperre daselbst angeordnet worden.

Hanau am 19. Juli 1897.

Der Königliche Landratb.

V. 7184 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.

Nimstnaitiriltitm aus dem Kreise.

Verloren: Ein weißes Taschentuch, an den Kanten blau gestreift. Eine Nickeluhr nebst Stückchen Kette.

Gefunden: Ein weißer wildlederner Handschuh (linker). Eine silberne Halskette. Vier Faß Bimstein (am Ladeplatz am Main als herrenlos liegen geblieben). Am 6. d. Mts. ein Geldstück.

Hanau am 20. Juli 1897.

^taötâräe ^anau.

LekaMtmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

An folgenden Tagen kann das HauptauslaßsielPhilipps- ruher Allee" und Sandfang an der Hellerbrücke von dem

Kleines Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

Mainz, 19. Juli. Die gestrige (Sonntag) Aufführung von Händel'sEsther" ging glänzend von Statten. Sie erbrachte den vollgiltigen Beweis, daß wir mit einem neuen und glänzenden Händelbesitz zu rechnen haben. Diese Aus­führung unter Fritz Volbach wird bahnbrechend werden. Esther" wird sich die deutschen Bühnen bald gewinnen. Aller alter Archivplunder ist energisch sortgeworsen, ein modernes, rasch pulsirendes Drama blüht in üppiger Lebensfülle vor dem Hörer auf; die Charakteristik der Einzelgestalten hebt sich plastisch ab von dem orchestralen Hintergründe und den herrlich aufgebauten Chören. Orchester, Chor und Solisten waren mit aller Hingebung beim Werk, der Beifall konnte sich nicht genug thun. Die Kaiserin Friedrich, der Großherzog von Hessen mit seiner Schwester, der Prinzessin von Batten­berg, Fürst Battenberg und Gemahlin, auch die schöne mon­tenegrinische Prinzessin wohnten der Aufführung bis zum Ende bei, spendeten reichen Beifall, entboten die Solisten in ihre Loge und sprachen ihre Zufriedenheit aus.

H. Denkschrift. Der Minister des Innern hat der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger zu Händen ihres Präsidenten einen Abdruck der im Ministerium angefertigen Denkschrift, betreffend die staatliche Einwirkung auf das Theaterwesen in Preußen, und mehrere Abdrücke der im Königl. statistischen Bureau bearbeiteten Theater st atistik zur Kenntnißnahme übersandt. Die Denkschrift gibt ein klares Bild der durch die neuen Bestim­mungen des Gewerbegesetzes geschaffenen Lage.

Einfluß der Röntgenstrahlen auf die Tuber- knlose. In der letzten Sitzung der Pariser Acatèmie de

Fremdeneingang vor dem Kanalthor (Selterwasserhäuschen) aus öffentlich besichtigt werden:

Mittwoch den 21. Juli von 912 Uhr vormittags

Donnerstag den 22. Juli und

Freitag den 23. Juli von 36 Uhr nachmittags, sowie Samstag den 24. Juli von 36 Uhr nachmittags.

Karten hierzu sind unentgeltlich von Dienstag den 20. Juli ab während der Sprechstunden 1012'/ im stâdt. Hausentwöfferungsbureau, Langstraße 41, 1 Treppe, zu erhalten.

Es wird dringend gebeten, den Anordnungen des Auf­sichtspersonals Folge zu leisten.

Hanau am 17. Juli 1897.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Heraeus. 10279

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine beabsichtigen S. M. S. Kaiser" Flaggschiff der Kreuzer-Division, Chef Kontre- Admiral von Diederichs, Kommandant Kapitän zur See Zeye, S. M. S.Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, S. M. S.Prinzeß Wilhelm", Kommandant Kapitän zur See Thiele (Adolf), und S. M. S.Irene", Komman­dant Kapitän zur See du Bois, am 22. Juli von Chemulpo (Korea) nach Hakodate (Japan) in See zu gehen.

Aus Lippe-Detmold. Nachdem die Frage der Re­gierungsfolge und der Regentschaft in Lippe endgültig geregelt worden ist, wird dies wohl auch hinsichtlich der militärischen Beziehungen des neuen Regenten geschehen, der dem preußischen Heere nicht angehört und in der Rangliste nicht geführt wird. Während der Regentschaft, so meldet dieK. Z.", übt selbst­verständlich der Regent auch die Befugnisse des Fürsten aus, wie er auch den staatsrechtlich abgeschlossenen Verträgen pünkt­lich nachzukommen hat. Hierzu gehört auch die Militär-Kon­vention mit Lippe-Detmold vom 14. November 1873, die in Artikel 7 bestimmt, daß der Fürst zu den innerhalb des Fürstenthums dislocirten Truppen im Verhältniß eines kom- mandirenden Generals steht und neben den Ehrenrechten die Disziplinarstrafgewalt ausübt. Diese Bestimmung findet sich in allen Militärkonventionen der kleineren Staaten und bot auch keinerlei Schwierigkeiten, da sämmtliche regierenden Fürsten bezw. Regenten (Braunschweig) der preußischen Armee angehören und in ihr einen Rang bekleiden. Nun ereignet es sich zum ersten Male, daß der Regent eines deutschen Staates, mit dem Preußen eine Militärkonvention abgeschlossen hat, weder dem preußischen Heere angehört noch irgend einen Rang in demselben bekleidet; nichts destoweniger ist ihm ein Flügeladjutant zuständig, der alsfürstlich lippescher Flügel- adjutant" seitens des Bundesfeldherrn (Konvention vom

Mödecine hielt Professor Gariel Vortrag über eine interessante Frage, die die beiden Profissoren Bergoniâ und Mongour in Bordeaux bearbeitet haben:Sind die Röntgenstrahlen auf die Tuberkulose von Einfluß?" Die beiden Aerzte ließen die radiographische Lichtquelle aus einer Entfernung von 20 Zentimeter auf die kranke Parthie der Lunge ihrer Patienten einwirken, die nur leicht bekleidet auf dem Bette lagen und sich freiwillig zu dem Versuche erboten hatten. Sie kon- statirten in 2 Fällen akuter Phthisis bei Alkoholikern weder lokale noch allgemeine Einwirkungen, in 3 Fällen von chro­nischer Lungentuberkulose bei einem Patienten kein Resultat, bei dem zweiten eine sofortige Besserung des Allgemeinbe­findens ohne Veränderung des lokalen Uebels und bei einem dritten eine Besserung der lokalen und allgemeinen Ver­hältnisse während IV2 Monat, dann aber neues Vorwmts- schreiten der Krankheit. Der Koch'sche Bazillus wurde von den Röntgenstrahlen weder an Form noch an Zahl ver­ändert. Wie es scheint, wird das Lungenzellgewebe unter dem Einfluß der X-Strahlen widerstandsfähiger gegen den Koch'schen Bazillus. Dieses Ergebniß ist zwar noch nicht epochemachend, aber immerhin zer Forisetzung dieser Studien in hohem Grade ermuthigend.

Jahresbericht. Aus dem kürzlich erschienenen Jahres­bericht des Deutschen Privatbeamten- Vereins geht hervor, daß der Versicherungs-Zugang in der Pensions­kasse im Berichtsjahre ungefähr so groß war, wie in den 4 vorausgegangenen Jahren zusammengenommen, was in der Hauptsache darauf zurückzuführen sein dürfte, daß die von der Regierung genehmigten Verbesserungen und Erweiterungen der Versorgungskassen dem Verein viele neue Anhänger und Freunde erworben. Die Wittwenkasse, die Begräbnißkaffe und die Krankenkasse haben ebenfalls ansehnliche Zugänge zu ver­zeichnen. Der Gesammtbetrag der bis jetzt vom Verein geleisteten Unterstützungen erhöhte sich auf über 92 000 Mk.;

26. Juni 1867) kommandirt und aus der Reihe der preußi­schen Offiziere genommen wird. Ebenso aber übt der neue Regent auch die Befugnisse eines kommandirenden Generals in dem angeführten Umfange aus. Mit Rücksicht auf diese Verhältnisse ist anzunehmen, daß der neue Regent des Fürsten­thums Lippe demnächst unter Beilegung eines militärischen Ranges in den Verband' der preußischen Armee ausgenommen wird; anderenfalls wäre er der einzige deutsche Regent, der im Kreise der deutschen Fürsten ohne militärischen Rang be­stimmte Befugnisse eines kommandirenden Generals innerhalb seines Fürstenthums ausüben würde. Daß er in diesem Kreise der regierenden Fürsten nur im Frack oder vielleicht in der Johanniter-Uniform erscheinen würde, dürfte im deutschen Fürstenbunde ebenfalls etwas Neues sein.

In der sozialdemokratischen Preffe gehen die Auseinandersetzungen über die Zweckmäßigkeit oder Unzweck­mäßigkeit einer Betheiligung der Sozialdemokratie an den preußischen Landtagswahlen fort. Ueberwiegend geht jetzt die Meinung in der Sozialdemokratie dahin, daß man sich besser nicht betheiligt. Der ausschlaggebende Grund wird aber meistens verschleiert. Er steckt in der Besorgniß, daß mit einer Parole, an den Wahlen theilzunehmen, ein böses Fiasko vorbereitet werden würde, indem die Wähler schon allein wegen der Gefahren der öffentlichen Stimmabgabe vorziehen würden, zu Hause zu bleiben.

Der tschechische Grotzstaat. Das Bewußtsein, eine lächerliche Minderheit unter den europäischen Nationen zu bilden, treibt die Tschechen in eine andere Lächerlichkeit. Ihnen genügt nicht mehr der Theil des österreichischen Staates, den sie als heutigen tschechischen Volksboden mit mehr oder weniger Recht in Anspruch nehmen zu können glauben. Ihr Vaterland muß größer sein. Freilich gerathen sie dabei in arge Verstöße gegen Geschichte und Logik. Aber mit beiden haben sie ja immer auf gespanntem Fuße gestanden. In einem in ganz Niederösterreich verbreiteten tschechischen Auf­rufe heißt es nämlich:Der Sitz der ^tschechischen Nation umfaßt nicht nur Böhmen, Mähren und Schlesien, er umfaßt auch einen großen Theil Niederösterreichs, jenen Grund und Boden, den die Tschechen erworben oder von ihren Vorahnen ererbt haben. Wir wollen uns auch in Niederösterreich, das zugleich auch das Land des böhmischen Königs ist, um unser Recht melden! Die Geschichte lehrt uns, daß der böhmische König Przemysl Ottokar II. am 13. Juli 1260 auf dem niederösterreichischen Marchfelde in der Schlacht bei Kressen­brunn den ungarischen König Bela IV. geschlagen hat und hier­für Steiermark erhielt. Allein auf demselben Marchfelde fand am 26. August 1278 eine zweite Schlacht statt, in welcher Przemysl Ottokar II. von Rudolf von Habsburg besiegt wurde. Durch diese Schlacht hat Rudolf von Habsburg den Grund zu der Machtstellung der Habsburger gelegt: Nieder­österreich ging damals in ihren Besitz über. Und gerade an

Rechtsrath und Rechtsschutz wurde in ca. 500 Fällen den Mit­gliedern ertheilt. Die Stellenvermittelung wurde wie gewöhn­lich in Anspruch genommen. Das in Magdeburg errichtete neue Vereins- und Verwaltungsgebäude hat sich als sehr prak­tisch erwiesen und wird denklich für Jahre hinaus ausreichend sein. Ueber 300 stiftende Mitglieder, darunter viele erste Firmen des Reiches, gehören zur Zeit dem Deutschen Privat- beamten-Verein an, dessen Mitgliedschaft sich zusammensetzt aus Kaufleuten, Bureaubeamten, Ingenieuren, Technikern u. s. w. u. s. w. und der durch ca. 250 Zweigvereine, Ver­waltungsgruppen und Zahlstellen über das ganze deutsche Reich verbreitet ist. Erwähnt sei noch, daß die Waisenstiftung des Vereins anläßlich der Centenarfeier an freiwilligen Zu­wendungen ca. 30000 Mark erhielt. Drucksachen-Anmel- dungs-Formulare sind kostenlos zu beziehen durch den Deut­schen Privatbeamten-Verein, Zweigverein in Offenbach a/M., vom Vorsitzenden Dr. C. Bindewald, Hebestraße 8 und Kassier Herrn A. Lauber, Bismarckstraße 26.

Humoristisches.

Immer derselbe. Herr (im Restaurationsgarten zum Professor, welcher sich auf einen leerstehenden Stuhl nieder- gelasen hat):Entschuldigen Sie, mein Herr, dieser Stuhl ist schon besetzt!" Professor:So, so, auf wem sitze ich denn?"

Zerstreut. A.:Wo ist denn Ihr alter Diener Jean?" B.:Entlassen. Der arme Kerl roiirbe schließ­lich so zerstreut, daß er während meiner Badereise die Teppiche anstatt auszuklopfen verklapste!"

Ein Protz. Arzt:Von dieser Arznei geben Sie Ihrer Frau alle zwei Stunden einen Theelöffel voll!" Bauer:Was, an Theelöffel voll? Anne Suppenkelle voll will'ch'r gab'n und das aller Värtelstunden! 's kust't, was's kust't, m'r ham's, m'r känn's!"