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Nr. 165. Samstag den 17. Juli
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Amtliches.
^anö^re 10 ^anait.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter den Schafen der Gemeinde Unter-Widdersheim, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Weidesperre angeordnet worden.
In je einem Gehöfte zu Gettenau und Ranstadt (Kreis Büdingen) ist die Rothlaufseuche unter den Schweinen ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.
Hanau am 15. Juli 1897.
Der Königliche Landrath.
J. V.: Dr. Becker, Reg.-Asfessor.
Unter den Schweinen zu Roth, Kreis Gelnhausen, ist die Rothlausseuche ausgebrochen und Ortssperre angeordnet worden. In Untersotzbach ist die Stallsperre aufgehoben worden.
Hanau am 16. Juli 1897. V. 7134/7135.
Der Königliche Landrath.
I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assesfor.
Dienflnadiriditen aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Taschenmesser. Ein Paar gelbe Damenhandschuhe (auf der Ortskrankenkasse liegen geblieben).
Verloren: Am 10. ds. Mls. ein Herrenregenschirm (auf dem Neust. Wochenmarlt stehen geblieben).
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen, w. Geschl.
Entflogen: Ein Kanarienvogel.
Hanau am 17. Juli 1897.
Tagesschau.
Don der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine beabsichtigt der Reichspostdampfer „Stuttgart", mit dem Ablösungstransport S. M. S. S. „Falke" und „Bussard", Kommandoführer: Korvettenkapitän Krieg, am 17. Juli von Sydney in See zu gehen.
Bei den Zwangsversteigerungen in Preußen im Jahre 1896 ist nach einer im „Justizministerialblatt" veröffentlichten Zusammenstellung sowohl ' ie Gesammtzahl der versteigerten Grundstücke wie die der darunter befindlichen der Landwirthschaft dienenden Grundstücke gegen das Vorjahr erheblich zurückgegangen. In keinem der vorhergehenden Jahre sind so wenige ländliche Grundstücke versteigert worden, wie in dem letzten. Es sind im Jahre 1896 10 714 Zwangsversteigerungen beendet gegen 11536 im Jahre 1895, 11404 im Jahre 1894 und 10 917 im Jahre 1893. Gegen das Vorjahr hat also ein Rückgang um 822 oder 7,1 pCt. stattgefunden. Sondert man die hauptsächlich der Land- oder
Feuilleton.
Allerlei Gedanken.
Hanan, 17. Juli.
Nun find die Wogen des Jubels verrauscht, Verklungen die Töne der Freude, Die schimmernden Festgewänder vertauscht
Mit dem nüchternen Alltagskleide.
Vereinzelt taucht eine Erinn'rung noch auf,
Ein Bild, eine festliche Weise
Und ruhig, in ununterbrochenem Lauf
Fährt Hanau im alten Geleise.
Schpn heilen die Wunden, die grausam das Fest So Manchem empfindlich geschlagen, Es trocknen die Gurgeln, die, reichlich durchnäßt,
Die Hitze mit Würde ertragen.
Es trocknet der Thränen bittere Saat, Wovon viele Augen noch feucht sind, Weil manche Menschen vom Schlußrefi'ltat
Des Festes gewaltig enttäuscht sind.
Einige kleine Veränderungen abgerechnet, sind wir also jetzt wirklich wieder in unserem alten Geleise und —
Na, nur langsam, theurer Leser! Nur nicht gleich den Anzeiger in die Ecke werfen. Ich will Dir ja gerne glauben, daß Du genug gehört, gelesen und — gespürt hast vom Fest, aber Du wirst nicht so giftig sein, mich dafür verantwortlich zu machen, wenn auch Du zu der Zahl derer gehörst, deren Gesicht seit jener Zeit eine unerfreuliche Verlängerung erlitten hat. Für mich ist nämlich das Fest noch lange nicht ausgeklungen, denn so lange noch der Vorrath an Festzugalbums L 50 Pfg. und historischen Festdichtungen L 10 Pfg. reicht, so lange sind auch meine Gedanken noch beim Fest. Uebrigens ist man jetzt auf die grandiose Idee gekommen, die Festzugalbums auch in Frankfurt zu verkaufen,
Forstwirthschaft dienenden Grundstücke ab, so ergibt sich für diese die Zahl von 3951 gegen 4305 im Jahre 1895, 4398 im Jahre 1894, 4381 im Jahre 1893, 4908 im Jahre 1892, 4312 im Jahre 1891, 4703 im Jahre 1890, 5337 im Jahre 1889 und 5943 im Jahre 1888. Es hat also in 8 Jahren ein Rückgang um 1992 oder 33,5 Prozent und seit dem Vorjahr ein solcher um 354 oder 8,2 pCt. stattgefunden. Eine Zunahme gegen das Vorjahr zeigen die Sub- hastationen ländlicher Grundstücke nur in Sachsen (+ 32), Hannover (+ 48), Westfalen (+ 7) und Posen (+ 2), wogegen die Abnahme am beträchtlichsten war in Hessen- Nassau mit 97 und Schlesien mit 264. Die Zahl der Zwangsversteigerungen städtischer Grundstücke, die bisher in den letzten Jahren stets zugenommen hatte, ist im letzten Jahre zum erstenmale zurückgegangen.
Kundgebung der deutschen Universitäts-Pro- festoren. Nach dem „Leipziger Tageblatt" erließen 816 öffentliche Professoren der deutschen Universitäten folgende Kundgebung: Bei dem großen und schweren Kampfe, den die Deutschen Oesterreichs um ihre berechtigte Stellung in der alten von ihnen geschaffenen und in erster Linie durch ihre Kraft erhaltenen habsburgischen Monarchie zu kämpfen gezwungen sind, hat die Prager Universität mannhaft das Wort ergriffen, um auf gesetzlichem Wege die Gefahren zu beschwören, welche der uralten Stätte deutschen Volksthums und deutscher Wissenschaft in Böhmen und Mähren drohen. Die unterzeichneten Professoren deutscher Universitäten drücken der Kollegin, der österreichischen Schwester-Universität, ihre wärmsten Sympathien aus und geben der Ueberzeugung Ausdruck, daß Millionen nationalgesinnter Bürger sich mit ihnen in diesem Gefühle vereinigen.
Mangel an Bergle« ten. In der Kohlenindustrie hat der flotte Geschäftsgang eine starke Nachfrage nach Bergarbeitern zur Folge; auf verschiedenen Zechen bei Gelsenkirchen ist ein Arbeitermangel eingetreten, wie er im rheinischwestfälischen Bergbaubezirke noch nie zu verzeichnen war, und der die Grubenverwaltungen zwingt, Arbeitskräfte in großer Zahl aus anderen Gegenden herbeizuholen. So hat u. a. eine einzige Zechenverwaltung in der letzten Zeit 250 Arbeiter aus anderen Provinzen, eine andere eine große Zahl aus Oesterreich herübergeholt.
Die Sozialdemokraten im Bade. Die Vertreter der Arbeiterpartei haben bereits zum größten Theile ihre Badereisen angetreten. Liebknecht weilt mit Familie in einem englischen Badeort, Bibel macht eine Reise durch Italien, Singer und Bamberger, die Geschäftsführer des „Vorwärts", sind auf einer Nordlandsreise begriffen, während Auer sich noch in Berlin aushält. Die meisten namhaften „Genossen" halten sich ferner da und dort in Bädern und Kurorten auf. Zwei bekannte süddeutsche Parteiführer iweilen augenblicklich in Marienbad, was darauf schließen läßt, daß man auch als von der sicheren Voraussetzung ausgehend, daß die Hanauer nach alter Gewohnheit nun schaarenweise nach Frankfurt strömen werden, um sich dort eine so schöne Erinnerung an den Festzug zu kaufen. Wie schade, daß man nicht gleich auf diese Idee verfiel! Auf diese Weise wäre den Albums sowohl wie den Festbüchlein sicher ein bedeutend besserer Absatz beschieden gewesen.
Da wir nun gerade einmal am Lokalpatriotismus angelangt sind, so möchte ich den geschätzten Leserinnen die Anschaffung einer historischen Festdichtung â 10 Pfg. dringend empfehlen, da sie darin außer einer getreuen Schilderung der EntstehungderNeustadtaucheineAnzahlempfehlenswerther Firmen Hanau's für Kleiderstoffe, Brautausstattungen rc. verzeichnet finden.
Wer übrigens noch nach Beweisen für den vielbesprochenen patriotischen Sinn Hanau's sucht, der wolle sich nur einmal auf den Marktplatz bemühen. Wenn man sich auch nicht entschließen konnte, das Grimmdenkmal selbst in Hanau aus- führen zu lassen, so muß es uns mit um so größerer Befriedigung erfüllen, daß wenigstens die Umgebung (d. h. das Geländer) des Denkmals in den Mauern Hanau's verfertigt wurde, somit ein beredtes Zeugniß für die in unserer Vaterstadt blühende Kunst ablegt. In rührender Schlichtheit und Einfachheit, so ganz im Sinne der beiden großen biederen Männer, welche befriedigt darauf Herniederschauen und in wunderbarer Harmonie mit Jakob's Lehnstuhl ist auch die Umzäunung deS Denkmals, im Style der Barrièren (Anf. d. Jahrhunderts), wie es an der Westseite deS Bangerts heute noch zu sehen ist, ausgeführt. Leider ist man mir mit entzückenden Weih- gedichten über das Denkmal schon zuvorgekommen („So ist es denn geworden wahr, was man ersehnt hat Jahr für Jahr"), aber ich kann mich nicht enthalten, wenigstens der sinnigen Umzäunung des Denkmals ein Lied zu weihen.
ausgepreßter Sklave des Kapitals noch Fett ansetzen kann, während die Mehrzahl der Berliner an der Ost- und Nordsee weilt.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
(Nachdruck unserer Lokalnachrichten nur mit Quellenangabe gestattet.)
* Mittheilung der Handelskammer. Die König!. Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. hat angeordnet, daß Sonntags die zwischen Hanau und Aschaffenburg verkehrenden Züge 94 (ab Hanau Westbahuhos 9 Uhr 57 Min. Vorm.), 102 (ab Hanau Westbhf. 12 Uhr 5 Min. mittags) und der Sonntagszug (ab Hanau Westbhf. 2 Uhr 40 Min. Nachm.) am Uebergange Nr. 52 zwischen Dettingen und Ost- heim, also bei der Rückersbach er Schlucht, im Bedarfsfälle anhalten. Diese Anordnung ist indeß nur widerruf lich getroffen worden und muß laut Benachrichtigung der Eisenbahndirektion zurückgezogen werden, sobald die Bahnsteigsperre auf der Strecke Hanau Aschaffenburg eingesührt werden wird.
* Genoffenschaftstag deutscher Tanzlehrer. Der am Dienstag im benachbarten Frankfurt eröffnete sechste Tanzlehrertag der Genossenschaft deutscher Tanzlehrer war von etwa 125 Theilnehmern besucht. U. A. wurde der Vorstand auf Grund eines Antrags ermächtigt, Unterstützung bis zur Höhe von 50 Mk. auszugeben. Eine lebhafte Debatte entspann sich über das Organ der Genossenschaft und die Wahl des Redakteurs. Es wurde beschlossen, den künftigen Abonnementspreis aus 9 Mk. festzusktzen und den Verlag der seitherigen Firma zu überlassen. Dem Vorstand wurde der Auftrag, eine Eingabe an den Reichstag zu richten, wonach Tanzlehrer nur Derjenige werden kann, der die Befähigung dazu nachzuweisen im Stande ist. Bei Berathung des Punktes „Hochschule" versprach der Vorsitzende auf eine aus der Mitte der Versammlung geäußerte Rüge, daß der Vorstand einschreiten werde, wenn mit dem Besuch der Hochschule Reklame getrieben werden solle. Ein Antrag, der das einheitliche Lehren der Figurentänze betrifft, kam nicht zur weiteren Berathung, nachdem der Vorsitzende erklärt hatte, es würde ein Beschluß keinen Zweck haben, da Jeder doch nach seiner Manier lehre. Der Verhandlung am Dienstag folgte ein Festessen, abends eine Festaufführung im Saale der Loge Karl am Mozarlplatz. An das Festessen schlossen sich die „Festaufführungen". Als erste Nummer wurde seitens des Frl. Straßer-Frankfurt und des Herrn Franz Söhnlein- Hanau ein „Ungarischer Tanz" überaus „chic“ zur Ausführung gebracht. Einstudirt war der Tanz von Herrn Söhnlein. Hieran schloß sich eine von den Damen Haupt, Görland, Radermacher I und II, den Herren Fries, Grünert, Schmidt, Tomasini vorzüglich getanzte Pierrot Quadrille, durch Herrn Oldenburg einstudirt. „Wingkachersdans" (ein schwedischer Tanz) gab fernerhin den Geschwistern Rademacher und
O Wandrer, halte Deine Schritte ein Erheb' Dein Äuge zu geweihter Stätte!
Hier strahlt der Dichterbrüder Glorienschein, Der fast Dein staunend Aug geblendet hätte. Schlicht ist das Bildniß, wie die großen Brüder; Zwanglos, wie sie gelebt, erblickst Du sie; Es strahlen ungesuchte Harmonie , Das Denkmal und die Holzumzäunung wieder.
Wo fremde Kunst sich mit der heimischen paart, Wo sich Geschick und Fleiß die Hände reichen, Da wird der Stern des Ruhmes nie verbleichen, Da blüht vereinten Geistes Eigenart.
Geh' nicht vorüber an dem großen Orte, Lausch' nach dem geisterhaften Säuseln hm, Sie haben gar geheimen, tiefen Sinn, Der Brüder flüsternd ausgesprochne Worte:
Sieh', Wilhelm, wie die Stadt uns treu behütet, „Die gute Stadt, die uns so zärtlich liebt, "Die mit Barrieren unser Bild umgibt , Und nie im Dienst für unser Wohl ermüdet. 'Längst ruht des Leibes Rest m Wen Urnen
Und doch, ein Bildniß kaum dem Volk genügt, "Das zu dem Standbild ein Geländer fugt, ^An dem verstohlen schon die Buben turnen.
Schämt ihr euch nicht, ihr freien Gassenbengel?
»Vergeßt ihr so die alte Zucht und Art?
Ihr habt den Kindersmn euch schlecht bewahrt! "Seht doch auf den Reliefs die braven Engel, "Zum Himmel reif wenngleich noch ohne Flügel, .Die sind's, die an den Saaten sich erfreu'n, „Die wir in ihre reinen Herzen streu'n;
„Euch frechen Buben aber ziemen Prügel.
Und weiter fließt der Brüder goldne Rede; Sie sprechen von dem Kunstsinn ihrer Stadt, Der manches große Werk gezeitigt hat, Um das der Geist erhab'ner Größe wehte. Sie tadeln manches auch, das sie vermisien, Doch ist ihr Tadel freundlicher Natur Und stets erstreckt er sich anf Dinge nur, Von denen sie sonst nichts zu sagen wissen.