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Amtliches Organ für StaöL- unö LanSKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 164.

Freitag den 16. Juli

Jnsertions- Prcis:

Die IspaltigeGarmond» zeile ober deren Raum 10 ^.

Die 1'/,spaltige Zeile

Die 2spaltige Zeile 20^.

Die 3spaltige Zeile 30 ^

Im Reklamentheile di« Zeile 20 ^ netto.

1897

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 48.

flienftnadiriditen aus dem Kreise.

Gesunden: Eine Messingkapsel. Ein Damensonnen­schirm und eine Kette nebst Schloß (auf dem Friedhof).

Hanau am 16. Juli 1897.

Tagesschau.

Miguels Jugendsünden. DerRh.-Westf. Ztg." schreibt man von Berlin: Der Abg. Singer hat bekanntlich jüngst in einer hiesigen Versammlung angekündigt, daß er vier Briefe besitze, die der heutige preußische Finanzminister von Miquel in seiner Jugendzeit an den sozialdemokratischen Oberbonzen Karl Marx geschrieben habe. Er drohte dem neuen Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums einen großen Kladderadatsch im Reichstage an. Mit sozial­demokratischen Enthüllungen ist es ja eine eigene Sache, wie die Bebel'scheEnthüllung" über die Hintermänner des Tausch vor dem hiesigen Schwurgericht und die angeblichen, von Liebknecht pomphaft angekündigten 300 Briefe des Freiherrn von Hammerstein bewiesen haben. Weder jene Hintermänner noch diese Briefe hat die in Spannung versetzte Welt je zu sehen bekommen. Indessen ist es immerhin möglich, daß die Singer'schen Briefe des jungen Johannes Miquel an Karl Marx wirklich vorhanden sind, und daß Herr Singer sich und manchen Anderen das Gaudium machen wird, sie von der Reichstagstribüne herab zu verlesen. Das würde sogar feinen bedeutenden Knalleffekt geben, wenn ja wenn nicht bereits vor 6 Jahren die Pointe dieses sozialdemokratischen Scherzes bereits vorweggenommen wäre. Bereits damals verlas der Abg. Bebel im Reichstage einen Brief, den der kurz zuvor zum preußischen Finanzminister ernannte Herr Miquel in überströmender Studentenbegeisterung an Marx, den Prophe­ten des Kommunismus, gerichtet hatte. Damals wirkte aller­dings diese Enthüllung mit dem Reize einer völlig unerwarteten Ueberrumpelung. Eine mächtige Bewegung ging durch das Haus und Aller Blicke richteten sich gespannt auf den am Bundesrathstische sitzenden preußischen Finanzminister. Nur dieser verlor seine Ruhe und seinen Gleichmuth nicht einen Augenblick. Kaum hatte sein sozialdemokratischer Widersacher geendet, als Minister Miquel sich erhob, den Finger an die Nase legte, einen Augenblick nachzudenken schien und dann mit unnachahmlicher Komik die Frage gleichsam an sich selbst richtete:Sollte ich wirklich jemals einen solchen Unsinn ge­schrieben haben?" Er hatte damit sofort die Lacher auf seiner Seite und gewonnenes Spiel. Die allgemeine Heiter­keit vermehrte sich noch reichlich, als er hinzufügte, er müsse alsdann damals ein furchtbar unreifer Bursche gewesen sein.

fetttUebn.

Die Volksbühne bei Volksfesten

ist in neuerer Zeit mehr und mehr zum Gegenstände öffent licher Aufmerksamkeit geworden und als ein Mittel zur Ver­edlung der letzteren erkannt worden, als eine Gelegenheit die Kunst für das Volk und das Volk für die Kunst zu ge­winnen. Auch bei der Erörterung über den Plan eines deutschen Nationalfestes ist, wie schon vor Kurzem an anderer Stelle erwähnt, die Abhaltung volksthüm licher Büh nenspiele in Betrachtung gezogen worden. Ob deren Veranstaltung nun durch Darsteller von Beruf unterstützt, ob sie lediglich mit dilettantischen Kräften ins Werk gesetzt wird, der heilsame Einfluß der zur Mitwirkung herange­zogenen dramatischen Kunst wird sich auch im Rahmen der bei diesem Nationalfeste naturgemäß mehr in den Vorder­grund tretenden Aufführungen tonlicher Art, wie der mancher­lei Wettkämpfe und Schaustellungen auf dem Gebiete des Sports und gymnastischer Uebungen geltend machen können. Wie sich die Gesittung und Bildung eines Volkes nicht zum Letzten in der Art bekundet, wie es seine Feste feiert, so ergibt sich aus dem Grade der Empfängniß, zu dem es sich den Offenbarungen der Dichter, der Darstellung ihrer Werke gegenüber zu erheben vermag, der Werthmesfer seiner moralischen Eigenschaften.Dasjenige Volk, welches seine Dichter nicht mehr achtet, weil es sie und das Wesen der Dichtung überhaupt nicht mehr versteht, hört nothwendig auf, ein gebildetes zu sein; denn die Poesie ist es, welche jene Harmonie in das Leben bringt und die Materie (das Roh­stoffliche und Erdenschwere), das Alltägliche dm Wirkungen des Geistes zugänglich macht." Diese Worte aus der Biographie Gutzkows sind beherzigenswcrth; sie weisen auf

Durch diese schlagfertige Erwiderung war die Wirkung der sozialdemokratischen Enthüllung gänzlich verpufft, sowohl im Reichstage selbst, als gegenüber der höheren Stelle, aus die sie hauptsächlich berechnet gewesen war. Wenn der Abg. Singer jetzt noch mit vier weiteren, ähnlich gearteten Miquel- Briefen nachhinkt, so wird dafür nicht einmal mehr der Reiz der Ueberraschung in die Wagschaale fallen. Es sind olle Kamellen, die nirgends mehr Eindruck machen und Herrn v. Miquel nicht das Geringste mehr schaden werden. ^Der­artige Jugendsünden, wie überhaupt Fehler aus der Knaben- und Jünglingszeit, wird man ernsthaft keinem gereiften Poli­tiker und keinem Manne überhaupt zur Last legen dürfen, und wer sie doch ausspielt, beweist damit nur einen Mangel an Takt und vornehmer Gesinnung. So wenig es dem Führer Bebel bei seinen heutigen Getreuen zu schaden vermag, daß er als begeisterter Anhänger des Nationalvereins seine politischen Sporen zu verdienen suchte, also etwa auf dem Standpunkte der heutigen Nationalliberalen stand, so wenig wird es dem greisen Minister von Miquel schaden, wenn er in holder Jugendeselei" kommunistische Brandbriefe an Karl Marx geschrieben hat. Ist doch auch Fürst Bismarck mit dem anderenVater der deutschen Sozialdemokratie", Ferdinand Lassalle, einst in freundschaftlichen Beziehungen gewesen.

Zustimmungs-Erklärung. Wie von dem Frei­burger Wochenblatt und Kehdinger Anzeiger (Provinz Han­nover) gemeldet wird, hat dort am Sonntage eine von nationalliberaler Seite einberufene Versammlung stattgefun­den, in der der nationalliberale Landtagsabgeordnete Schoof über das Vereinsgesetz referirt hat. Nachdem eine längere Debatte stattgesunden, wurde mit allen g'gen 4 Stimmen folgende Resolution gefaßt, welche vom Vorsitzenden vorge­schlagen war:Die auf heute von nationalliberaler Seite nach hier berufene Versammlung der Wähler des Kreises Kehdingen hält es für dringend nothwendig, die Macht und Abwehrmittel des Staates gegen die anarchistischen und sozial­demokratischen Bestrebungen noch vor den nächsten Wahlen zu verstärken, namentlich in Rücksicht auf die verführerischen Wahlagitationen der Hamburger Sozialdemokratie in unseren ländlichen Kreisen, welche schon zu blutigen Reibereien mit unseren Wählern geführt haben. Die Versammlung spricht deshalb die zuversichtliche Erwartung aus, daß das Abgeord­netenhaus, und namentlich die nationolliberalen Parteifreunde zur Verhinderung solchen Treibens dem vom Herrenhause zu­treffend abgefaßten Vereinsgesetz Entwurf seine Zustimmung erteilen wird. Wir fühlen uns zu dieser Erklärung um so mehr gedrängt, als in Hamburg ähnliche Bestimmungen be­reits bestehen, und zur Zeit vom Reichstage in dieser Rich­tung keine Abhilfe zu erwarten ist."

Die deutschen Getreidehändler beharren in ihrer Auflehnung gegen das Börsengesetz. Es ist der erste Fall, daß Staatsbürger der besitzenden Klassen einem durchaus

die Nothwendigkeit hin, dem Volke das Verständniß seiner Dichter zu vermitteln und zu erhalten und ihm eine höhere Lebensfreudigkeit zu verleihen. Daß diese Aufgabe von den bestehenden Theatern, deren Richtung im Wesentlichen einem Luxusbedürfniß Rechnung trägt und auch der leichteren Unter­haltung des Tagesgeschmackeâ huldigen muß, nur zu einem gewissen Theil gelöst werden kann, ist eine feststehende That­sache. Eben darum soll die Volksbühne da eintreten, wo das Theater seine Bestimmung nicht ganz zu erfüllen vermag oder in feinen Wirkungen versagt und ganz besonders da auch vertreten sein, wo das Volk sich versammelt, sich der Freude hingeben will, wo es seine Feste feiert. Es ist sonach der Forderung, daß das Theater des geplanten Nationalsestes ein Volkstheater sein solle, die Berechtigung nicht abzu­sprechen, je nachdem die örtlichen Verhältnisse die Ausführung des Gedankens in dieser Form begünstigen werden. Die nationale Dichtung würde hieraus auch neue Anregung schöpfen und uns Werke zu schaffen vermögen, die dem Em­pfinden des Volkes in seiner Gesammtheit ohne Künstelei in der Wahl geeigneter Stoffe beredten Ausdruck zu geben wüßte. Nicht die komplizirte Darstellung psychologischer Gemälde, die Kunstgriffe einer rasfinirten bühnendichterischen Technik braucht es hierzu, sondern einfache ergreifende Handlung, gehoben aus dec Geschichte unseres Volkes, aus seinen Kämpfen und Leiden, seinem leidenschaftlich bewegten Ringen nach steter Fortentwickelung, wie aus dem unerschöpflichen Jugendborn seines an Heimathsgesühl erstarkten reichen Innenlebens, aus der deutschen Familie. Durch Preisausschreiben würde die Produktion nationaler Dichtungen für vorstehende Zwecke entsprechend zu fördern sein.

V. Hertel.

loyal zu Stande gekommenen Staatsgesetz den Gehorsam ver­sagen und im Vertrauen auf ihre Finanzkraft der deutschen Landwirthschaft mit kühler Berechnung unermeßlichen Schaden zufügen. Daß die Getreide Händler sich damit besonderes An­sehen verschaffen werden, ist zu bezweifeln. DieKreuzztg." findet sich bereits mit der geschaffenen Lage ab, indem sie bemerkt: Ta die international thätigen Berliner Großhändler und ihr Gefolge ohne Börse ganz gut auszukommen erklären, haben unsere Landwirthschaft und die anschließenden Gewerbe an einer solchen Einrichtung ebenfalls kein Interesse mehr. Mit einem lokalen Markle ist den Landwirthen, Müllern und Bäckern genügend gedient. Die internationalen Aufgaben der früheren Berliner Produktenbörsen werden von selbst dem Königsberger Platze zufallen, der hierfür nach seiner ganzen Lage besonders geeignet erscheint.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold.")

Berlin, 15. Juli. Der außerordentliche chinesische Bot­schafter Chan, ein Verwandter des Kaisers von China, ist heute Morgen mit großem Gefolge am Bahnhöfe Friedrich­straße angekommen.

Berlin, 15. Juli. Heute Nachmittag 4 Uhr ist Graf zu Lippt-Biesterfeld in Berlin eingetroffen. Die Abreise nach Detmold erfolgt morgen.

Bremen, 15. Juli. Der Bremer Reichs-Verein, der deutsch-freisinnige Partei-Verein, Vertreter der freisinnigen Volkspartei, der allgemeine deutsche Schulverein haben ge­meinsam einen Gruß an dm Bürgermeister von Eger und an alle Theilnehmer des deutschen Volkstages abgesandt für die heldmmüthige Vertheidigung des schwer angegriffenen Deutschthums durch slawischen Uebermuth.

München, 15. Juli. Bei der heutigen Landtagswahl im Wahlkreise Regen wurde der Redakteur desBayerischen Vaterlandes" Dr. Sigl mit geringer Majorität gewählt.

Solingen, 15. Juli. Heute Vormittag kurz vor 10 Uhr kam Prinz Friedrich Leopold in Begleitung der Minister Miquel und Thielen von Elberfeld hier an. Nach Vor­stellung der Vertreter der Behörden und Komitee-Mitglieder erfolgte kurz darauf die Abfahrt zur Einweihung der Eisen- bahn-Linie Remscheid-Solingen (Müngstener Brücke). An dem Feste nahmen etwa 400 Personen Theil, u. A. der Oberpräsident, der Landesdirekior, der Regierungspräsident uud zahlreiche höhere Offiziere. Der Festakt auf der Kaiser Wilhelm-Brücke begann mit einer Rede des Oberbürgermeisters von Remscheid, welcher Allen dankte, die sich um die Erbau­ung der neuen Bahnlinie verdient gemacht haben. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, worauf die Nationalhyme gesungen wurde. Minister Thielen vollzog alsdann die Weihe der Brücke und brachte ein Hoch auf das bergische Land aus.

Aus Kunst und Leben.

* Protest des Schulvereins. In der soeben in Jena stattfindenden Hauptversammlung des Allg. deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschthums im Auslaude bemerkte der Geh. Reg.-Rath Wattenbach u. a. Folgendes: Wir haben einen Punkt zu erledigen, der zwar nicht mit auf dem Programm steht, der uns aber viel zu sehr am Herzen liegt, als daß wir ihn mit Schweigen übergehen könnten. Er betrifft den Kampf der Deutschen in Oesterreich gegen die Sprachenverordnungen. (Lebhafter Beifall). Unser Verein ist zwar durchaus unpolitisch. Wir würden uns aber dem Gespött und dem Hohn aller denkenden Menschen aus­setzen, wenn wir zu diesen Maßnahmen schweigen sollten. (Sehr richtig!) In einem Lande, das nur durch das Deuftch- thum, durch deutsche Sitte und Kultur groß geworden ist, will man eben dieses Deutschthum schmählich erwürgen. Man will dies Land, eine wunderbare Schöpfung deutschen Geistes vergangener Jahrhunderte, überantworten einer Mehrzahl nichtdeutscher Nationalitäten, die nicht zusammen-, sondern auseinanderstreben. Man scheint zu glauben, daß vielleicht die Kirche im Stande sein wird, die Auseinanderstrebenden zusammenzubringen. Wie dem aber auch sein mag: Wir sind der Ansicht, daß nur das Deutschthum im Stande sein wnd, Oesterreichs Macht zu erhalten, und deshalb, und weil wir gewiß sind, daß wir unser Ansehen im Volke nur erhalten können, wenn wir das offen sagen, so hat der Allgemeine deutsche Schulverein eine Kundmachung beschlossen, die Ihnen Herr Pfarrer Gamper unterbreiten wird. (Stürmischer Bei­fall). Pfarrer Gamper-Dresden verliest dann folgende, wieder­holt mit Beifallrufen aufgenommene Resolution zu den Sprachenverordnungen:Der Kampf, den unsere deutschen Stammes genossen in Oesterreich seit langer Zeit zum Schutze ihrer deutschen Nationalität zu bestehen haben, ist durch die berüchtigten Sprachenverordnungen für Böhmen und Mähren