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Amtliches Organ für Hiaöt- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 162. Mittwoch den 14. Juli 1897;

Kimstaamrimen aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister am 13. d. Mts. eingefangen: Ein schwarzer Dachshund m. Geschl. und ein gelber Pinscherhund w. Geschl.

Zugelaufen: Eine junge grau und weiße Katze.

Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 3 Mk. Ein goldner Ring mit schwarzem Stein, darauf ein Kopf. Eine blaue Schürze und eine schwarze Spitzenschürze.

Zugeflogen: Eine Brieftaube mit silbernen Ringchen am r. Fuß.

Hanau am 14. Juli 1897.

Handelskammer zu Hanau.

Das Sekretariat der Handelskammer befindet sich vom heutigen Tage ab im Stadtschloffe, Fürstenbau, 1. Stock (bis dahin Bureau des Tiefbauamtes).

Die Bureauzeit ist wie bisher von Vs 10 bis 1 Uhr vorm. und von 35 nachm.

Hanau den 12. Juli 1897.

Die Handelskammer.

Canthal. 10059

Tagesschau.

Telegramm des Kaisers an den Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe. Aus Detmold wird berichtet: Mit dem Scheiden des Prinzen Adolf, der in herzlichen Worten der Bevölkerung Lebewohl sagt, hat auch, wie fa on gemeldet, sein erster Berather, der Minister o. Oertzen, seinen Abschied genommen. Derselbe verlas bei der Verab­schiedung der Beamten und derjenigen Landtagsabgeordneten, welche dem Regenten noch ihre persönliche Huldigung im Restdenzschlosse darbringen wollten, ein von dem Kaiser an den Prinzen gerichtetes Telegramm, in welchem es heißt: Deine Regentschaft ist gewiß für dies schöne Land ein Segen gewesen; einen bessern und würdigern Herrn und auch Herrin wird Detmold nie wieder erhalten. Viele Grüße an Victoria und wärmsten Kaiserlichen Dank für die hingebende Treue, mit der Du Deines Amtes gewaltet!" Eine unabsehbare Volksmenge begleitete das Regentenpaar, dessen Wagen mit Blumen geradezu überschüttet wurde, an den Bahnhof unter den wärmsten Kundgebungen der Sympathie.

Der Wechsel in der lippischen Regentschaft. Der Erlaß des Grafen Ernst über den Antritt der Regent­schaft hat folgenden Wortlaut:Wir Ernst Casimir Friedrich Karl Eberhard von Gottes Gnaden Graf und Edler Herr zu Lippe-Biesterfe<d, Graf zu Schwalenberg und Sternberg rc. rc. erklären hiermit und thun öffentlich kund und zu wissen:

Lenilletsn.

Die Telegraphie ohne Draht.

Mit den vielbesprochenen bedeutsamen Experimenten in Betreff der Telegraphie ohne Draht befaßt man sich nun auch in Berlin. Die deutsche Wissenschaft hat es in erster Linie Herrn Geh. Regierungsrath Slaby zu verdanken, wenn ihre Vertreter heute imstande sind, den hochwichtigen Marconi'schen Versuchen des Telegraphirens mit Benutzung natürlicher Lei­tung zu folgen und selbstständige Experimente anzustellen.

Wie bekannt, hatte Herr Prof. Slaby durch persönliche Einladung Gelegenheit erhalten, den in England angestellten Versuchen des Signor Marconi und des Professor Pearce im Dtai d. I. persönlich beizuwohnen.

Oie Liebenswürdigkeit dieser beiden Herren ging soweit, daß der deutsche Gelehrte auf alle seine Fragen He bereit­willigste Auskunft erhielt und sich mit allen Einzelheiten des Apparates vertraut zu machen vermochte. Dennoch ist es bewundernswert, daß Herr Professor Slaby nach seinen zeitlich immerhin mehr oder weniger beschränkten Besichtigungen des Marconi'schen Modells und ohne das Vorliegen einer Zeichnung im Stande gewesen ist, einen Apparat von genau der gleichen Empfindlichkeit (den ersten dieser Art in Deutsch­land) zu konstruiren.

Die ersten öffentlichen Versuche mit diesem Apparat haben nunmehr am Montag den 12. d. M. von 79 Uhr morgens in einem der Hörsäle der technischen Hochschule in Charlotten­burg stattgefunden.

DieD. Warte" ist in der Lage, über die interessanten Experimente zu berichten. Schon die große Zahl der Besucher des Hörsaales, unter denen sich auch einzelne Offiziere be-

Nachdem durch unanfechtbaren Spruch des unter dem Vorsitze Sr. Maj. des Königs Albert von Sachsen zusammengetretenen hohen Schiedsgerichtes vom 22. Juni 1897 ftstgestelll und zu Recht erkannt worden ist, daß nach Erledigung des zurzeit von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Karl Alexander zur Lippe innegehabten Thrones Wir zuerst und ausschließlich zur Re­gierungsnachfolge im Fürstenthum Lippe berechtigt und be­rufen sind, so treten Wir aufgrund und inkrast von § 2, Absatz 1, Satz 2 des Regentschaftsgesetzes vom 24. April 1895, sowie des einzigen Paragraphen des Ges tzes, betreffend die Erledigung des Thronstreites vom 17. Oktober 1896 hiermit die Regierung des Fürstenthums Lippe als Regent an und übernehmen am heutigen Tage alle damit verbundenen Pflichten und Rechte. Mit demüthigem und freudigem Dank gegen Gott erfüllt, daß es Uns vergönnt ist, nach schweren Erfahrungen nunmehr von Rechtswegen in den Besitz der Regierung unserer alten Stammlande eingesetzt zu sein, ge­loben Wir bei Unserm gräflichen Wort und Ehren, gemäß der Verfassung und allen Gesetzen des Landes gewissenhaft zu regieren, alle als Mitglied des deutschen Reiches Uns zu- kommenden Pflichten getreulich wahrzunehmen, das Wohl des Uns über alles theuren lippischen Landes in allen Stücken nach besten Kräften zu fördern und, so viel an Uns liegt, für Recht und Gerechtigkeit oller Orten und Dinge Sorge zu tragen. Wie aber Unsererseits Wir mit dem heiligen Ent­schluß getreuer Erfüllung aller Uns zukommenden Regenten­pflichten die Regierung des Landes übernehmen, so glauben Wir auch der oft bewährten Treue und des vollen Vertrauens Unseres geliebten lippischen Volkes uns versichert halten zu dürfen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß unter Gottes gnädigem Beistände insbesondere es gelingen weide, die im Lande während des Thronstreites unvermeidlich aufgetretenen Gegensätze zu überwinden und alle getreuen Lipper in den gemeinsamen Dienst am Vaterlande und in der Liebe zum angestimmten Herrscherhause zu vereinigen. Sämmtliche Be­amte des Fürstenthums Lippe bestätigen Wir in den ihnen übertragenen Stellen und befehlen, daß sie ihre amtlichen Ver­richtungen pflichtgemäß fortsetzen. Wir behalten Uns vor, alsbald nach der Ankunft in Unserer getreuen Residenzstadt Detmold, weitere Verordnungen über tie Einberufung des Landtages des Fürstenthums Lippe ergehen zu lassen. Ge­geben Schloß Neudorf den 9. Juli 1897. Ernst, Graf und Edler Herr zur Lippe-Biesterfelb, Regent des Fürstenthums Lippe". Dem Amtsblatt zufolge ist der Kammerrath von Wuffow als solcher aus dem Fürstlich Lippischen Kammer dienst ausgetreten, außerdem hat er sich auf seinen Wunsch ebenso wie auch der Bückcburgische Hofmarschall Frhr. v.Ulmen- stein von seiner Stellung als Kammerherr am dortigen Hofe ent­binden lassen. Hofrath Eschenburg hat als Leibarzt seine Ent­lassung genommen. Es ist wahrscheinlich, daß noch mehrere Personalveeänderungen ein treten.

fanden, ließ das Interesse, welches man allgemein der Vor­lesung entgegenbrachte, deutlich erkennen.

Das Prinzip des Telegraphirens ohne Draht beruht nach den Ausführungen des Herrn Professors auf der Fortpflan­zung elektrischer Stromwellen, die in einem besonders kon- struirten Raum entwickelt werden. Sie verbreiten sich über eine bestimmte Fläche und erzeugen in einem zweiten, in ge­wisser Entfernung aufgestellten Empfangsapparat elektrische Funken. Diese letzteren werden durch das Morse-Instrument gewissermaßen übersetzt, und so entsteht, je nachdem man die Wirkung des Funkens durch längeren oder kürzeren Druck regulirt, ein Strich oder ein Punkt. Man hat sich bisher bei den Versuchen ausschließlich des englischen (Standard) Relais mit 12 Trockenelementen bedient; doch besitzt dasselbe lange nicht die Empfindlichkeit des Relais der deutschen Reichspost. Es erscheint allerdings wahrscheinlich, daß gerade die über­große Empfindlichkeit des Letzteren seine Verwendung in diesem Falle ausschließt.

Die bisher praktisch erreichte Fernwirkung ter elektro­dynamischen und Jnduktionsvorgänge beträgt über zwei deutsche Meilen, und zwar werden dieseelektrischen Wellen" weder burd) Bäume, Mauerwerk oder sonstige Objekte aufgehalten. Marconi befürchtete anfangs eine erhebliche Ablenkung durch elektrische Leiter, hauptsächlich also Metallkörper; er glaubte namentlich, daß die Stromwellen allerhand Störungen durch die im Wege liegenden Telephon- und Telegraphendrähte aus­gesetzt sein würden. Im Gegensatze hierzu hat Herr Professor Slaby jedoch in seinen bisherigen Experimenten die Grund­losigkeit der Befürchtungen mit Sicherheit konstatiren können.

Nachdem der Vortragende in einem kleineren wohlgelungenen Versuch, bei dem sich der Apparat des Operators bezw. der Empfangsapparat an den entgegengesetzten Enden be^ Hör­saales befanden, mit Zuhilfenahme des Morse'schen Instru­mentes den NamenMarconi" telegraphirt hatte, ging er zu

Flugblatt. Im Verlage des Christlichen Zeitschriften- vereins in Berlin SW., Alte Jakobstraße 129, ist ein neues Flugblatt erschienen mit der UeberschristKeine Worte, sondern Thaten!" Als Gegenmittel gegen die von gegnerischer Seite in Wort und Schrift ausgesprochenen Ver­dächtigungen, als sollten die verfassungsmäßig gewährleisteten staatsbürgerlichen Rechte und Freiheiten beschränkt werden, verdient daS Flugblatt in den weitesten Kreisen zur Auf­klärung verbreitet zu werden. Für staats- und königstreue Männer bietet sich hier die Gelegenheit, ihre Gesinnung praktisch zu bethätigen! Der Preis beträgt für das Stück 1 Pfg.; größere Bezüge sind erheblich billiger. Mehr als 10 Stück werden portofrei versandt.

SozialdemokratischeEnthüllungen". Der sozial- demokraüsche Abgeordnete Singer hat am Donnerstag in einer öffentlichen Versammlung des vierten Berliner Wahlkreises mitgetheilt, daß er im Besitz von vier Briefen sei, die an­geblich Herr von Miquel vor vierzig oder mehr Jahren an Karl Marx geschrieben habe, und daß er diese dem Reichs­tage nicht vorenthalten wolle. Hierzu bemerken dieBerl. Neuesten Nachr." sehr treffend folgendes: Herr Singer scheint den Liebknecht'schen Grundsatz zu befolgen: Jeder blamirt sich so gut er kann. Wir wissen nicht, ob Herr Singer ver- heirathet ist; jedenfalls wird seineEnthüllung" auf die Oeffentlichkeit ungefähr denselben lächerlichen Eindruck machen, als wenn jemand zu Herrn Singers goldener Hochzeit die Liebesbriefe publiziren wollte, die der genannte Abgeordnete in seiner Sturm- und Drangperiode etwa an eine Reihe junger Mädchen geschrieben hat. Jene angeblichen Briefe an Marx, sofern sie echt sind, würden nur beweisen, daß der Minister vom Leben viel gelernt hat, Herr Singer nicht.

Das verheerende Unwetter, das kürzlich das württembergische Unterland so schwer heimgesucht hat, gibt dem Organ der schwäbischen Sozialdemokratie, derSchwäbi­schen Tagwacht", Veranlassung zu folgender Geschäflsem- pfehlung:Die sozialen Umsturzgewalten zu überwinden und eine Gesellschaft der Ordnung zu begründen, in welcher die Menschen mit vereinten geistigen und materiellen Kräften auch die Umsturzgewalten der Natur immer mehr in heilsame Schranken bannen das ist das Ziel der Sozialdemokratie." Diesebescheidene" Reklamemacherei geht sogar dem demo­kratischenStuttgarter Beobachter" zu weit, so daß er seiner Spottlust wie folgt freien Lauf läßt:Das streift nach­gerade ans Pathologische; die Sozialdemokratie das Univer­salmittel gegen Wolkenbrüche, Blitzschlag und Hagelwetter!" Also nicht blos die Menschheit kann die Sozialdemokratie von ihren Fehlern und Schwächen kuriren, aus Dieben und Mördern gesittete Mitglieder der Gesellschaft machen, alle Faulen und Arbeitsscheuen mit einem wahren Feuereifer be­seelen. Sie kann auch dieUmsturzgewalten der Natur" in 'heilsame Schranken bannen"! Alles das freilich erst im «MIMMS einem anderen mit Spannung erwarteten Experiment über. Ein Assistent des Herrn Professors hatte sich schon früher nach einem Hause der über 100 Meter entfernten Sophien- straße begeben, um von dort aus zu einer vorher bestimmten Zeit dem im Hörsaal aufgestellten Apparat ein Telegramm auf dem Luftwege zu übermitteln.

Der Morse ist aufgezogen," kündigte Herr Professor Slaby, die Uhr in der Hand, dem Auditorium an, das mit größter Spannung der Dinge harrte, die da kommen sollten. Lange wurde die Geduld nicht auf die Probe gestellt; pünkt­lich zur festgesetzten Minute, um ein Viertel vor 9 Uhr, er­tönte die Alarmglocke. Das ZeichenAchtung" folgte, und dann klickte es Punkt, Punkt, Punkt.....

Es lebe der Kaiser," so buchstabirte man nach geraumer Weile heraus, und beifälliges Füßescharren, ein Ausdruck studentischer Zustimmung, erdröhnte durch den Saal. Hatte doch o manch einer unter den Zuhörern schon am frühen Morgen mit Bedauern von dem Unfall Kaiser Wilhelms am norwegischen Felsgestade gehört.

Herrn Professor Slaby wurde bte gleiche Ehrung zu theil * als er sich mit einigen Worten von feinem Auditorium verabschiedete. Es war die letzte Vorlesung vor den Ferien gewesen aber auch nach dem Urtheil Aller die interessanteste.

Aus Kunst und Leben.

Hd. Die Genossenschaft Deutscher Bühnen­angehöriger Oesterreichs beschloß die Errichtung eines großen Versorgungshauses für invalid gewordene Theater­leute in Verbindung mit einem Asyl, wo durchreisende Bühnen­angehörige gegen geringes Entgelt Nachtquartier erhalten. Behufs Aufbringung der nöthigen Fonds sollen Sammlungen in allen größeren Städten und Veranstaltung von Vor­stellungen durchgeführt werden.