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Hanauer Anzeiger

1.4. ^UH

Handhabung der Karpenterbremse ob. Unter den schwer Ver­letzten befindet sich der Arzt Dr. Oswald aus Gudensberg, ein geborener Casselaner, dessen hiesige Angehörige alsbald benachrichtigt werden konnten. Dr. O. soll einen doppelten Beinbruch erlitten haben. Einern Soldaten wäre ein Fuß förmlich abgetrennt, dem schon erwähnten Sergeanten vom 171. Infanterie-Regiment das linke Bein. Die Passagiere, Zug- und Lokomotivbeamten des Schnellzuges sind glücklicher­weise mit dem bloßen Schrecken davon gekommen. Der Heizer der Schnellzugmaschine, Franke von hier, wurde durch den Avp all von der Maschine geschleudert und erlitt hierbei Verletzungen am Kopfe. Da qpi gestrigen Nachmittag ein Ausflug der hiesigen Eisenbahnbeamten und -Arbeiter nach Mönchehof stattgefunden, wurde sofort nach dort telegraphirt, und mittelst Sonderzuges erschien denn auch von dort eine größere Anzahl Hilfskräfte. Gleichfalls begaben sich die Herren Eisenbahnpräsident Ulrich, Regierungs- u. Banrath Beck­mann und Eisenbahndirektor Merker zur Leitung der Ret­tungsarbeiten nach der Unfallstätte, während Herr Polizei­präsident Graf Königsdorff mit dem Führer des Sanitäts­korps der Turnerfeuerwehr, Herrn Maurermeister Stück, nebst einer Anzahl als Samariter ausgebildeter Feuerwehr­leute mit einem Krankenwagen nach dort fuhren. Ein an­derer Berichterstatter schreibt uns: Eine große Anzahl hie­siger Militär- und Civilärzte begaben sich sofort nach dem Bekanntwei den des Unfalles mit mehreren Lazarethgehilfen, versehen mit dem nöthigen Verbandsmaterial, nach dem Orte des Unfalles, und leisteten den Verunglückten die erste Hilfe. Gegen Vi7 Uhr abends war die Strecke auf dem zweiten Geleise für den Verkehr wieder frei gemacht, so daß die ans Wilhelmshöhe und hier wartenden Züge ein- bezw. ausfahren konnten. Der Inhalt des Postwagens wurde per Wagen nach hier geschafft. Zum Glück befanden sich die stark be­setzten vierte Klassewagen in dem vorderen Zugtbeil, sonst wäre das Unglück noch größer geworden. Der Karpenter­bremser Friedrich Jakob Teppe, Weserstraße 18 hier wohn haft, erlitt so schwere Verletzungen, daß er seinen Geist so fort aufgab; ebenso der Schneidermeister Angersbach von hier, Schillerstraße 5 wohnhaft, ferner die Braut eines beim Unfall durch zwei Beinbrüche und Kopfverletzung schwer ver­letzten Sergeanten des 171. Infanterie Regimentes, derselben wurde durcy Quetschung der Leib zerdrückt und verschied die­selbe sofort. Genannter Sergeant schwebte in großer Lebens­gefahr und soll bereits gestorben sein, sodaß im Ganzen bis jetzt vier Todte zu verzeichnen sind. Ferner wurden schwer­verletzt ein Unteroffizier und ein Kanonier des Hessischen Feldartillerie Regiments Nr. 11, ein Unteroffizier des 29. Arrillene-Regiments, ein. Unteroffizier des 14. Jäger-Ba taillons, ebenso ein Sergeant des 171. Jnf.-Regiments und ein junger Arzt aus Gudensberg wurden schwer verletzt. Letzterem sind die Beine derart gequetscht, daß eine Amputa­tion nöthig sein wird. Die Unfallstelle wurde sofort durch Militär, welches requirirt war, abgesperrt. Ein Hauptmann des hiesigen Artillerie-Regiments hatte sofort als Zugpassa­gier nach dem Garnisonlazareth um Hilfe telegraphirt. Fer­ner ist noch zu bemerken, daß ein Musiker des Artillerie- Regiments, welcher aus Wiesbaden krank nach Danzig fahren wollte, ebenfalls eine Kopfwunde erlitt. Der entstandene Materialschaden ist ein sehr bedeutender. Die Züge nach allen Richtungen erlitten 34 Stunden Verspätungen und wurden vielfach die Anschlüsse verfehlt. Die Leichen wur­den nach dem Todtenschauhause des hiesigen Friedhofes ge­bracht. Hinsichtlich der Feststellung der Schuld des Unglückes wurden alsbald Erhebungen angestellt.

Die Unfall-Liste lautet nach amtlicher Mittheilung wie folgt: Todte: 1. Marie Traschewski aus Hagenau (Braut des Sergeanten Gerhardt, 5. Komp. Jnf.-Regt. Nr. 171 in Bitsch), 2. Bremser Teppe, Cassel, 3. Drechsler Lehnert?, Cassel; schwer verwundet: 4. Sergeant Gerhardt, 5. Komp. Jnf.-Regt. Nr. 171 in Bitsch (im Garnisonlazareth Cassel), 5. Unteroffizier Schönewald, 6. Batterie Art.-Regt. Nr. 11 Fritzlar, 6. Kanonier Hauer 3, 3. Komp. Fuß-Art.- Regt. Nr. 13 Ulm, 7. Kanonier Kistenbrück, 3. Komp. Fuß- Art.-Regt. Nr. 13 Ulm, 8. Kanonier Hoiger, 3. Komp. Fuß-Art.-Regt. Nr. 13 Ulm, 9. Kanonier Blackert, 6. Bat­terie Art.-Regt. Nr. 11 Fritzlar, 10. Grenadier Lau, 2. Komp. Jnf.-Regt. Nr. 110 Mannheim, 11. Oberjäger Schröder, 4. Komp. Jäger-Bat. Nr. 14 Colmar, 12. Mus­ketier Schötterhos, 6. Komp. Jnf.-Regt. Nr. 67 Metz, 13. Dr. Oswald, Gudensberg, Kreis Fritzlar; leicht ver­wundet; 14. Postschaffner Riemann, Cassel, 15. Post­schaffner Kirchner, Cassel, 16. Lokomotivheizer Franke, Cassel. (Cass. Allg. Ztg.)

Aus der Provinz und den Nachbargebieten

Offenbach, 10. Juli. Einen furchtbaren Selbstmord verübte heute der in den denkbar besten Verhältnissen lebende Fabrikant C. Birkenstock, indem er sich im verschlossenen Schlafzimmer mit einem Rastrmesser die Kehle durchschnitt. Diese That erregt hier großes Aufsehen. Der Selbstmörder, ein 50 Jahr ° alter jovialer Herr, Vater bereits verheirateter Töchter, wurde als Millionär angesehen; auch ist er Theil­haber einer hiesigen Bleiweißfabrik. Was den Mann in den T00 getrieben, bedarf noch der Aufklärung. Die darüber zirkulirenden Gerüchte sind widersprechend. Er hatte gestern plötzlich seinem Kutscher gekündigt und ihn auf heute früh zur Lohnabrechnung bestellt. Der Kutscher theilte den Ange­hörigen mit, daß ihm nicht geöffnet werde; als man die Thüre gewaltsam erbrach, fand man den Unglück ichen nicht mehr lebend vor. Das hier erscheinende sozialdemokratische Abendblatt macht über den Fall folgende sensationelle Meldung : Am Samstag Morgen sand man den Fabrikanten Karl Lud­wig Birkenstock in der Biebererstraße blutüberströmt todt in

seinem Bette er hatte sich mittelst eines Rasn messers den Hals abgeschnitten. Birkenstock stammt aus einer sehr reichen Familie und seine Frau brachte allein 41/» Million Mark mit in die Ebe und Alles, Alles ist fort, so daß er gestern den Bankerott ansagcn mußte. Day noch andere hiesige Firmen in Mitlettenschaft gezogen werden, steht fest. Einzelne davon sollen ganz erheblich benachtheiligt sein und wäre es nicht unuöglich, daß wir in den nächsten Tagen noch weitere Sensationsnachrichten erführen.

Seligenstadt, 12 Juli. Das gestrige Wett- Straßenrennen des hiesigen Radfahrervereins erfreute sich reger Betheiligung der auswärtigen Vereine. Der überaus günstige Verlauf legte beredtes Zeugniß ab von der erstaunlichen Leistungsfähigkeit der diesseitigen Radlerkreise. Den ersten Preis erzielte Gerbw Virc nz Link - Seligenstadt. Ein Offenbacher Radfahrer stürzte bei der Heiu fahrt unweit des Bahnhofes. Die Befürchtungen, derselbe sei rettungslos Der loren, erfüllten sich zum Glücke nicht, denn als Aerzte auf der Unglücksstâite eingetroffen waren, hatte er sich wieder so weit erholt, daß er die Reise fortsetzen konnte. Am Kopfe scheint er indessen schwere Verletzungen erlitten zu haben. Ein anderer auswärtiger Radler, der dem Rennen nicht beiwohnte, rannte gegen den Abweisstein eines Geschâfshauses. Zwar kam er selbst mit heiler Haut davon, aber mit den geretteten Trümme n seines Stahlrosses mußte er von dannen trollen.

5 Mainflingen, 12. Juli. Die Firma Bechiholo N. Wollmann aus Biebrich am Rhein eröffnet in den nächsten Tagen in der Seibert'schen Behausung dahier eine Zigarren fabrik, das erste derartige Etablissement in unserer Gemeinde. Die Fobrikemrichtnug ist bereits vollendet. Das Unternehmen w'rd hier freudigst begrüßt. Die hiesigen Zigarrenmachn brauchen jtzt nicht mehr außerhalb Arbeit zu suchen. Auch den Zigarrenarbeitern im benachbarten Klein-Welzheim bringt die neue Fabrik insofern Vortheil, als diese in den dortigen Fabriken leichter Beschäftigung finden und die hiesige Konkur­renz nicht mehr w fürchten haben. In letzterer Zeit wurten hier auch zwei Rusfenstein- Fabriken eröffnet, welche vollauf beschäftigt sind. Durch die Erbauung der Kreisstraße von hier nach Klein-Welzheim ist unsere Gemeinde, scherzweise der Mittelpunkt der Erde" genannt, dem allgemeinen Verkehre bedeutend näher gerückt.

Mühlhausen (Thüringen), 11. Juli. Heute Früh 7 Uhr brach in den Garnlagern der Baumwollenfabrik der Ge­brüder Buch ein Brand aus; der dadurch verursachte Scha­den wird auf Millionen Mark geschätzt.

Sport.

Kaiser Regatta. Die am Sonntag auf der Lahn zu Bad Ems abgehalteneKaiser-Regatta" hatte sich sowohl seitens des Publikums, wie auch in sportlicher Hinsicht einer außerordentlich starken Betheiligung zu erfreuen. Leider war der Verlauf mancher Rennen, denen man in rudersportlichen Kreisen mit Spannung entgegen sah, durch die gegebene ge­ringe Breite der Lahn ein recht unbefriedigender. Dafür waren wieder andere Rennen recht interessant und heiß um­stritten. In 8 Rennen waren Vorrennen erforderlich, welche am Sonntag Vormittag von 8 Uhr ab gefahren wurden, während die Hauptrennen nachmittags präzis 3 Uhr be gannen. Zu dem Verlauf der einzelnen Rennen, an welchem die Hanauer beteiligt waren, sei Folgendes bemerkt: Vor- rennen: VI. Vierer. Erste Abtheilung: 1. Frank­furter RudergesellschaftSachsenhausen" 7 Min. 21 Sek.; 2. Binger Ruderverein 7 Min. 38 Sek. Zweite Ab­theilung: Hanauer Rudergesellschaft von 1879 geht in 7 Min. 44 Sek. allein über die Bahn. Mannheimer Rudergescll- schüft und Offenbacher RudergesellschaftUndine" nicht ge­startet. VIII. Einser für Seniors. Erste Ab­theilung: 1. L. Guckes, Offenbacher Rudergesellschaft Undine" 8 Min. 10 Sek.; 2. Fr. Hartmann, Frankfurter Ruderklub 8 Min. 1 Sek. Zweite Abtheilung : W. Ritter, Koblenzer Ruderklub geht in 9 Min. 12 Sek. allein über die Bahn. Stocker, Hanauer Rudergesellschaft 1879, und A. Rübsamen, Gichener Rudergesellschaft, nicht gestartet. Hauptrennen: VI. Vierer, Lahnpreis. 1. Frank­furter RudergesellschaftSachsenhausen" 7 Min. 45 Sek.; Hanauer Rudergesellschaft 1879 gibt das Rennen vor dem Kurhaus bei 1500 Meter, nachdemSachsenhausen" mit 3 Längen in Führung war, auf. Bis auf 500 Meter nach dem Start lag die Führung in den Händen der Hanauer.

Marktberichte.

Frankfurt a. M., 12. Juli. Der heutige Viehmarkt war mit 397 Ochsen, 40 Bullen, 626 Kühen, Rindern und Stieren, 257 Käl­bern, 215 Hämmeln, 1131 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qualität Mk. 6568, 2. Qualität Mk. 54 bis 60, Bullen 1. Qualität Mk. 5254, 2. Qualität Mk. 4850, Kühe, Rinder und Stiere 1. Qualität Mk. 5760, 2. Qualität Mk. 4650. Alles per 50 Kilo Schlachtgewicht. Kälber 1. Qualität 6570 Pf., 2. Qualität 5560 Pfg., Hämmel 1. Qualität 5860 Pf., 2. Qualität 4854 Pf., Schweine 1. Qualität 59-60 Pf., 2 Qualität 5758 Pf. Alles per Vs Kilo Schlachtgewicht.

Frankfurt a. M., 12. Juli. Es notiren nach Qualität!: Weizen, hiesiger und Wetterauer Mk. 15.7516.25, kurhessischer Mk. 15.00-15.70, norddeutscher Mk. 1515.70, russischer Mk. 16.75 bis 19, Nedwinter Mk..-, Laplata Mk. 17.5018.50, Rumäni­scher Mk. 17.75-18.75, Roggen, hiesiger Mk. 12.25-12.50, Pfälzer Mk.., russischer Mk. 12.5013.00, Westernroggen Mk. 12.50 bis 12.80. Hafer, hiesiger Mk. 1213.50, Württemberger, bayerischer Mk. 12.5014., russischer Mk. 13.2515.75, amerika­nischer Mk. 12.6013.40, Mais, mixed Mk. 8.75-8.90, Donaumais . Laplata Mk. 8.50910. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier. Mehl fest im Preise. Es notirt nach Qualität: Weizen­mehl hiesiges Nr. 0 Mk. 26.5027, feinere Marken Mk. 2829, Nr. 1 Mk. 24.5025.50, feinere Marken Mk. 26-27, Nr. .1 Mk. 2323.50, feinere Marken Mk. 2424.50, Nr. 3 Mk. 21.7522.25, feinere Marken Mk. 22.5023, Nr. 4 Mk. 1919.50, feinere Mk. 19.75-20.25. Roggenmehl, hiesiges Nr. 0 Mk. 19.7520.75, Nr. 1 Mk. 16.75-17.75, Nr. 2 Mk. 14-14.50. Alles per 100 Kilo

infl. Sack loco hier. Futterartikel etwas fester. Es notiren: Weizenschalen Mk. 3 904, Weizeukleie Mk. 3 904, Roggeukleie Mk. 4.104.20, Futtermehl Mk. 5.506.60, Biertreber, getrocknet Mk. 4 505 je nach Qualität. Alles per 50 Kilo netto effektiv loco hier.

Magdeburg, 12. Juli. Kornzucker exkl. von 92 pCt... neue., Kcrnzucker exkl 88 pCt. Rendement 9.409.60, neue ., Nachprodukte exkl. 75 pCt. Rendement 6.707.25. Ruhig. Brodraffinade I. 2325, Brodraffinade IL 23, Raffinade mit Faß 23.2523.50, Gem. Melis I. mit Faß 22.50. Ruhig. Rohzucker I. Produkt Transito f. n. B. Hamburg per Juli 8.40 8.50 Br., per August 8.50 G. 8.52 Va Br., per September 8.55 G 8.60 Br., per Oktober - Dezember 8.67'/» G. 8.75 Br., per Januar-März 8.87 V8 G. 8.92'/» Br. Still.

Wie«, 12. Juli. Weizen Mai-Juni., Weizen Herbst 8-< 6. Roggen Moi - Juni., Roggen Herbst 7.07. Hafer Mai-Juni., Hafer Herbst 5.86. Mais August 4.49, Reps neuer 12.50.

Gebrauchs-Muster.

Nr. 77 145. Asbestpackung, bestehend aus einem eng- geflochtenen Asbestkern, welcher mit Talkum oder Graphit ge­füllt sein kann, und einer Decke aus Weichmetallfäden. Frankfurter Asbest-Werke Louis Wertheim u. Co. m. b. H., in Frankfurt a. M., vom 7. Mai 1897 ab. F. 3505. Kl. 47.

Schiffsb-richt.

Der DampferPennsylvania" ist am 8. Juli, 8 Uhr abends, wohlbehalten in New-Dork angeksmmen.

Hamburg, 11. Juli. Der DampferAsiuria" von der Hamburg-Amerika Linie ist gestern in New-Jork und der DampferItalia" vorgestern in Monievioeo einge­troffen.

Bremers, 10. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen LloydSaale" ist vorgestern in New-Iork eingetroffen.

New-York, 11. Juli. Der DampferSt. Louis", von der American Linie in Liverpool ist gestern hier einge- troffen.

Drahtnachrichten desHan. Anz."

Berlin, 13. Juli. Der Kaiser beabsichtigt, heute noch in Odde zu verbleiben und dann die Fahrt nach Bergen anzutreten. Es ist Hoffnung vorhanden, daß er sich bald erholen wird und keinerlei Schaden davonträgt. Der zum Gefolge des Kaisers gehörige Lieutenant von Hahnke soll auf einer Veloziped-Tour bei Landwandsee bei Odde die Balance verloren haben und im See ertrunken sein. Seine Identität ist jedoch noch nicht festgestellt.

Eger, 13. Juli. Die Stadtvertretung beschloß eine Kundgebung gegen das brutale Vorgehen der Prager Polizei. Gleichzeitig soll eine Deputation zum Kaiser gesandt werden, welche die Geschehnisse berichten soll.

Budapest, 13. Juli. Ministerpräsident Banffy hat sich nach Wien begeben und wird heute vom Kaiser empfangen werden. Man glaubt, daß diese Audienz mit der parlamentarischen Lage zusammenhängt und daß Banffy nach seiner Rückkehr die geeigneten Mittel finden wird, um der Obstruktion ein Ende zu machen.

Budapest, 13. Juli. Der Streik der Ziegeleiarbeiter dürfte schon heute sein Ende erreichen, da die erhofften Geld­sendungen aus dem sozialistischen Streikfonds ausgeblieben sind, sodaß sich die Ziegeleiarbeiter genöthigt sehen, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Madrid, 13. Juli. Der amtliche Bericht bestätigt die kürzlichen Mittheilungen über die schlechte Lage auf Kuba. Die Aufständischen erhalten fortwährend V-rstärkung durch amerikanische Freiwillige. Die Regierung führte dieserhalb in Washington Beschwerde. Es ist bereits sicher, daß der Auf­stand vor Jahresfrist nicht beendet sein wird.

Warschau, 13. Juli. Es wird zuverlässig bestätigt, daß das Zarenpaar hier am 12. September zu viertägigem Aufenthalt eintreffen und dann für einige Wochen nach dem Lustschloß Spala gehen wird.

Bukarest, 13. Juli. Aus Konstanm wird der Unter­gang eines Personendampfers der Gesellschift Freycinet ge­meldet. 17 Matrosen sind ertrunken. Die Zahl der verun- glückten Passagiere ist noch unbekannt.

Athen, 13. Juli. Vor Beginn des gestrigen Mi­nisterraths konferirte der Finanzminister längere Zeit mit dem deutschen Gesandten. Der König wünscht, sämmtliche Ge­sandte möchten erst nach dem Friedensschluß Urlaub nehmen.

Kandia, 13. Juli. Die Lokal-Regierung befiehlt den Baschi-Bozuks durch Maueranschlag die freiwillige Nieder­legung der Waffen bis zum 15. d. M. Eine daraufhin sofort entsandte Protest-Abordnung erklärte dem Gnuverneur, man würde sich fügen, sofern die Insurgenten ebenfalls die Waffen niederlegen würden. Der Protest wurde gleichzeitig telegraphisch der hohen Pforte übermittelt. Der beabsichtigten Ausdehnung der Kordons zu Gunsten der hiesigen Bevölke­rung bringen die Insurgenten Widerstand entgegen, sodaß ein neuerliches Blutvergießen trotz der Anwesenheit der Europäer unvermeidlich fein. wird. Die Italiener sollen binnen zehn Tagen nach Kanea beordert werden, sodaß nur die englischen Truppen hier verbleiben.

Washington, 13. Juli. Die Botschaft des Prä- fidenten Mac Kinley über die Münzfrage erklärt dem Par» lament, daß die Münzreform ebenso dringend sei, wie der Zolltarif.

Erprobt seit 1880 u. belobt in tauf. Zuschrift, ist nur der Holl. Tabak, 10 Pfd. lose im Beutel fco. 8 Mk. bei B. Becker in Seesen am Harz. 3619