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Nr. 160
Montag den 12. Juli
1897
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 47.
Amtliche».
Kimstiuulirüliieil ans dem Kreist.
Gesunden: Ein Hundemaulkorb. Zwei Sonnenschirme (in einem Geschäft stehen geblieben). Zwei Spazierstöcke. Ein Stück dunkles Zeug. Ein Schirmzeichen von Heinzinger. Ein Portemonnaie ohne Geld.
Verloren: Ein Badewannenventil mit Kette und Schraube. Ein vernickelter Schlüssel. Ein Portemonnaie mit 245 Mark.
Zugelaufen: Am 10. b. Mts. ein Jagdhund, weiß, mit schwarzen Ohren und einem schwarzen Flecken auf dem Rücken.
Hanau am 12. Juli 1897.
^taötârä^ ^banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeifteramtes.
Die Ferien des Stadtausschusses für den Stadtkreis Hanau beginnen am 21. ds. Mts. und endigen am 31. k. Mts.
Während der Ferien dürfen Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abge halten werden. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.
Hanau am 1. Juli 1897.
Der Vorsitzende des Stadtausschusses des Stadtkreises Hanau Dr. Gebeschus. 10022
Des Pudels Kern.
Ein Fremder, der ohne Kenntniß unserer Vergangenheit und Gegenwart sich augenblicklich in das Studium der oppositionellen Presse vertiefte, müßte den Eindruck bekommen, als befänden wir uns mitten in einer gewaltsamen Krists, einem Staatskonflikte oder ähnlichen Dingen. Maßlos geradezu sind die Uebertreibungen, deren man sich auf gegnerischer Seite schuldig macht. Ein neuer Kurs soll eingeschlagen sein. Warum? Weil ein Wechsel in den Personen der ersten Vertreter des leitenden Staatsmannes im Reiche wie in Preußen eingetreten ist. Aber an leitender Stelle steht nach wie vor derselbe Staatsmann, und der Wechsel betrifft Persönlichkeiten, die seit längerer Zeit in gemeinsamer Arbeit in den höchsten Staats- und Reichsämtern zusammengewirkt haben.
Es liegt daher absolut kein Anlaß vor, aus dem Personenwechsel zugleich auch auf einen System- oder Prinzipienwechsel schließen zu wollen. Aber die Opposition läßt sich durch solche Einwände nicht beirren. Die Thatsachen der Gegenwart wer
feniUehn.
Die Insel der Aussätzigen.
Der von dem „Berl. Lokalanz." auf die Reise um die Welt entsandte Spezialberichterstatter Prof. Dr. Ad. Koch aus Heidelberg sendet dem genannten Blatte folgenden interessanten Bericht:
Mosquitos und Haifische und eine Reihe anderer kleiner Plagen sorgen dafür, daß auch im Paradiese der Sü fee, wie man die Gruppe der Sandwichinseln zu nennen pflegt, nicht allzu paradiesisches Behagen heimisch werde. Ein entsetzliches Leiden aber, das über seine Bewohner verhängt worden ist, läßt jenes Wort fast als Hohn erscheinen.
Schon in den ersten Dezennien des Jahrhunderts haben sich auf den Sandwichinseln einzelne Fälle von asiatischem A u s s a tz gezeigt. Er soll von Chinesen eingeschleppt worden sein, doch ist das durchaus nicht erwiesen. Bereits in den fünfziger Jahren war die Krankheit weit verbreitet, und sie erreichte allmählich einen solchen Grad, daß im Jahre 1863 die Regierung dazu schreiten mußte, die Absonderung der Kranken von den Gesunden anzuordnen, um so die weitere Ausbreitung zu hemmen. Drei Jahre später wurde die „Ansiedlung für Aussätzige" (Leper- Settlement) aus der Insel Molokai gegründet, wohin seitdem alle Aussätzigen von den verschiedenen Inseln Hawaiis zwangsweise gebracht werden. Deshalb hört man wohl in Honolulu vielfach von Aussatz sprechen, aber man wird selten oder nie einem derartigen Kranken begegnen. Als ich von dem Sekretair des deutschen Unterstützungsvereins erfuhr, daß auch kranke Deutsche aus Molokai sich befänden, faßte ich den Entschluß, die Unglücklichen auszusuchen, in der Meinung, daß ihnen Be
den flugs durch Vermuthungen über die Zukunft ergänzt. Was jetzt geschieht, soll nur eine Vorbereitung für den Herbst sein. Tann erst wird das veränderte System angeblich vollends in Kraft treten und mit einem Wechsel in der leitenden Stelle seinen krönenden Abschluß finden. Das ist natürlich die reinste Zukunftsmusik, aber aus solchen Phantasten wird für die Gegenwart politisches Kapital geschlagen und die Handhabe zur Verhetzung der bürgerlichen Berufsstände und zu maßloser Bekämpfung der Regierung gewonnen.
Zu argen Entstellungen hat ferner die Ernennung deS Generals v. Podbielski zum Generalpostmeister Anlaß gegeben. Die Ernennung eines Nichtfachmannes wird als beispielsloser Fehlgriff hingestellt. Dabei lehrt die Erfahrung, daß gerade Nichtfachmänner als leitende Persönlichkeiten in den verschiedenartigsten Ressorts sich durch große, bahnbrechende Gesichtspunkte und den Geist kühner Initiative zu allen Zeiten aufs segensreichste bewährt haben. Darin liegt auch gar nicht der Grund, weshalb die oppositionelle Presse Lärm schlägt. Die Motive hierfür sind vielmehr ganz wo anders zu suchen. Zunächst finden die militärfeindlichen Neigungen der Demokratie hierin ihren Ausdruck.
Ferner dienen all' die Uebertreibungen im tiefsteu Grunde dem Kampfe wider die Vorrechte der Krone, wider die per- sönliche Initiative des Monarchen. Der Monarch hat in kernigen Worten von Neuem die Leitsätze seiner Politik ver kündet. So etwas kann die Demokratie nicht vertragen. Nach ihren Prinzipien von Parlamentsherrschaft und Volks- souveränetät soll der König nichts als eine Repräsentationâ- figur sein, die ein möglichst verborgenes und jedenfalls lautloses Dasein führt. Der Monarch hat ferner vor Kurzem wieder von dem Kronrechte der freien Beamtenwahl Gebrauch gemacht. Auch das ist ein Torn im Auge der Opposition. Ihren Grundsätzen zufolge dürfen die leitenden Männer der Regierung nur einen Ausschuß der jeweiligen parlamentarischen Mehrheit bat stellen, nur aus ihr genommen werden. Das intimste Denken und Fühlen der auf solche Grundsätze schwörenden Richtung offenbarte jüngst ein leitendes liberales Organ, indem es im Hinblick auf einen andern Herrscher also schrieb: „Eine persönliche Bethätigung seiner Regierungsgewalt kann mit praktischem Nutzen nicht mehr erfolgen", ober an anderer Stelle: „Er muß die Resignation in sich selbst üben, andere walten zu lassen." Ta haben wir es, das ist des Pudels Kern, das ist der rothe Faden, der sich durch alle Aktionen der demokratischen Gegnerschaft in Parlament und Presse hindurchzieht.
Wer die tiefsten Motive dieses Treibens erkannt hat, wird sich mit doppelter Widerstandskraft gegen dasselbe wappnen. Es gilt den Schutz des Königthums. Der Gang unserer preußischen Geschichte ist monarchisch durch und durch 1 und soll es, so Gott will, auch in Zukunft bleiben.
gegnung und Aussprache mit einem Landsmanne vielleicht tröstlich und erfreulich sein werde.
Es hält sehr schwer, die Erlaubniß zu dem Besuch der Ansiedelung zu erhalten. Aber dem Einfluß unseres Konsuls, des Herrn Hackfeld, des Chefs des großen Hauses H. Hackfeld u. Co., gelang es, dieselbe bei dem Board of health, der obersten Gesundheitsbehörde, für mich zu erwirken. Zugleich bekam der Kapitain der „Mauna Loa" die Weisung, mich auf Molokai zu landen. Es war Dienstags vormittags zehn Uhr, als die Landungsstelle Kaunakakai in Sicht kam und der Kapitain um meine Abholung an Land signalistrte. Nach einer halb-n Stunde kam denn auch ein mit fünf Kanaken bemanntes Boot angerudert, das mich durch die Brandung führte. J nseit derselben wird das Wasser so seicht, daß die braunen Gesellen über Bord sprangen und das Boot auf beiden Seiten vorwärts schoben. Zuletzt hielt mir einer den breiten Rücken hin und hieß mich aussitzen. So kam ich „huckepack" an Land. Die ganze Bevölkerung hatte sich versammelt, um den Fremden anzustaumn; ein Besuch auf Molokai ist ja etwas Unerhörtes! — Der Sohn des Aussichtsbeamten R. W. Meyer, eines Teutschen, dem ich von Herrn Hackfeld schon gemeldet war, hatte die Freundlichkeit, mir einen Führer und «in Reitpferd entgeqenzuschicken. Uno so brachen wir denn nach Kalae, der Besitzung des Herrn Meyer, auf. Es war ein beschwerliches Reiten auf schmalem, steinigtem Pfade. Nach etwa fünf Viertel Stunden hatten wir die Höhe des Gebirges erreicht, wo mich der Bote aus dem Settlement in Empfang nehmen sollte. Während mein Führer sich in's Gras streckte, bemerkte er, wenn ich etwas weiter vorträte, könnte ich die Ansiedlung erblicken. Ich schriit also zum Rande des Abhangs, piaHte aber unwillkürlich zurück. Unmittelbar vor mir ging es senkrecht mehrere tausend Fuß in die Tiefe. Die Felswand stürzt ganz steil gegen das Meer ab, das
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Dep e sme n-Bur eau „Herold.")
Berlin, 10. Juli. Der Prinz Adolf von Schaumburg- Lippe wird wieder in Bonn a. Rh. seinen Wohnsitz nehmen. Sein Marstall ist bereits dort eingetroffen.
Berlin, 10. Juli. Die heutige Verhandlung der Aelte- sten der Kaufmannschaft mit den Delegirten der Landwirth- schaft und dem Oberpräsimenten von Achenbach in Sachen der Berliner Produktenbörse sind resultatlos verlaufen, da über die Börsenvorschlagsfrage, welche allein zur Diskussion stand, absolut keine Einigung zu erzielen war.
Koblenz, 10. Juli. Der „Kobl. Ztg." zufolge trifft zur Kaiserparade bei Koblenz am 30. August der Kaiser und die Kaiserin mittelst Sonderzuges 9 Uhr vormittags auf dem Bahnhöfe Urmitz ein. Die eigentliche Parade findet auf dem Gelände zwischen dem Bahnhof Urmitz, Mühlheim, Kettig und Weißenthurm statt. Nach der Parade werden sich der Kaiser zu Pferde und die Kaiserin zu Wagen nach Koblenz ins königliche Schloß begeben.
Wien, 10. Juli. Offiziös werden alle Demissionsge- rüchte, den Grafen Badeni betreffend, als vollständig unbegründet bezeichnet und betont, daß der Kurs von nun an entschieden nach rechts gehen werde. Badeni, dessen Position gegenwärtig sehr fest sei, werde beweisen, daß er ohne die oppositionellen Deutschen zu regieren im Stande ist. In nächster Zeit werde eine Kundgebung erfolgen, welche den neuen Kurs deutlich markiren wird.
Budapest, 10. Juli. Im Abgeordnetenhruse dauert die Obstruktion ununterbrochen fort, vorerst noch ohne Skandal. Der Gesetzentwurf über die Schwurgerichte, der zu der Obstruktion Veranlassung gegeben hat, ist vorerst nicht auf der Tagesordnung, da die dringenden Vorlagen über die Zuckerprämien und die Jnvestitionsanleihe vorgehen. Die äußerste Linke erklärt, keinerlei Vorlagen zuzulassen, ehe ihr Wille nicht in Sachen der Schwurgerichts-Vorlage durchgesetzt oder wenigstens ein Kompromiß gesichert sei. Die Regierung hingegen will darauf nicht eingehen, weil sie der Ueberzeugung ist, daß damit das Uebel nicht beseitigt werde, die Opposition nur ermöglicht und die Obstruktion, wenn sie jetzt gebrochen werde, sich bei jeder späteren Gelegenheit wiederholen würde. Vorerst jedoch will die Regierung noch keine Gegen-Maßregeln üben, sondern sie läßt die Obstruktion gedeihen. Legt sich der Widerstand nicht von selbst, so dürste allerdings zu stärkeren Maßregeln geschritten merden müssen.
Budapest, 10. Juli. Fran; Kossath hat folgende Interpellation bei dem Ministerpräsidenten angemeldet: 1. Ist die Regierung geneigt, zu kennzeichnen, in welcher Richtung sich die Aktion der europäischen Diplomatie in Konstantinopel und in Athen bewegt, wenn ja, welche Friedensbedingungen halten die Großmächte für annehmbar? 2. Ist das Konzert der Großmächte entschlossen, eine Fortsetzung des Krieges unter
in den herrlichsten Farben erglänzte, nahe am Strande, wo der weiße Gischt tosend um die Klippen schäumte, grün, weiter draußen hell — und tief dunkelblau. Zur Rechten umfing es die kleine Halbinsel, auf der die weißen Holzhäuser der Kranken vom Meere und von den Abhängen des Gebirges landeinwärts sich hinzogen. Der braune Boden wurde durch keinen Pflanzenwuchs belebt; aber trotzdem war es ein freundliches Bild, das gar nicht zu den Vorstellungen passen wollte, die ich mir davon gemacht hatte. Denn ich hatte im Geiste gleichsam ein Höllenthor der Verdammten geschaut, auf dem geschrieben war:
„Ihr, die Ihr eingeht, laßt alle Hoffnung fahren !'
Während ich so hinabspähte, bemerkte ich einen Eingeborenen, der unserem Standorte zustrebte. Es war der aus dem Settlement abgeordnete Führer, der mich nun in Empfang nahm und den steilen, mit Lavageröll und losem Geschiebe bedeckten, kaum zwei Fuß breiten Pfad hinabgeleitete. Es war ein recht beschwerlicher Abstieg, und ich hatte oft Mühe, mich vor dem Sturz in die Tiefe zu bewahren. An der schmälsten und steilsten Stelle ist der Pfad durch ein fünf Meter hohes Paliffadenthor gesperrt. Der Führer, ein alter Mann, der kein Wort Englisch sprach, deutete mir durch Zeichen an, daß wir hinüberklettern müßten, da er die Schlüssel vergessen habe. Es war ein saures Stück Arbeit, aber schließlich gelang es doch, und nach weiteren zwei Stunden Marschirens trat ich in das Geschäftszimmer des Beamten ein, der meinen Erlanbnißschein zu prüfen hatte. Es war der erste Kranke, mit dem ich in nähere Berührung kam. Von seinen Fingern waren an beiden Händen nur noch kurze Stummel übtig, und da die Gewebe des Unterkiefers zerstört waren, mußte er die schlaff herabhängende Unterlippe, wenn er sprechen wollte, jedesmal erst mit der Hand f;ft= halten. Nach der Erledigung des Geschäftlichen bat ich den Beamten, mich zum Vater Wendelin in die katholische Mission