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Amtliches Argan für $faöf~ unö Landkreis Hanau.

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30 G

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Im Reklamentheile die Zeile 20 -^ netto.

Nr. 159.

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Amtliches.

Dienstnnchlichtcn aus dem Kreise.

Iohannes Kurz von Windecken ist zum Wasenmeister der Stadtgemeinde Windecken bestellt und verpflichtet worden.

^ta&Wreie ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die vom «Ltadtrath und Gemeindeausschuß geprüfte Rech­nung der städtischen Sparkasse pro 1896 wird nach § 90 der Gemeindeordnung zur Einsicht der Gemeindeglieder vom 12. ds. Mts. an acht Tage lang im Rathhause, Zimmer Nr. 21, offen liegen.

Die Gemeindeglieder können zu dieser Rechnung Bemer­kungen beilügen, von welchen der Gemeindeausschuß geeigneten Gebrauch machen wird.

Hanau den 10. Juli 1897.

Der Gemeindeausschuß-Vorsteher

Nickel. 9981

Tagesschau.

Graf Wilhelm Bismarck soll, wie von zuverlässiger Seite gemeldet wird, seinen Wunsch, das ostpreußische Ober- präsidium mit einem andern zu vertauschen, nun doch in Er­füllung gehen sehen. Wenigstens wird aus Hannover ge­schrieben, daß in dortigen maßgebenden Kreisen es als That­sache betrachtet wird, daß Wilhelm Bismarck zum Nachfolger des Herrn von Bennigsen ausersehen sei.

Zur Ausführung der Handwerkervorlage. Der Bundesrath wird zunächst eine Ausführungsanweisung nur betreffs des die Bildung von Zwangsinnungen behan­delnden Theiles des Handwerksorganisationsgesetzes erlassen, deren wichtigster Theil ein Normalstatut für solche Innungen bilden dürfte. Der Grund für diese Beschränkung liegt theils in dem Umstande, daß zunächst die Jnnungsbildung durchgeführt sein muß, bevor an die Einrichtung der Hand­werkskammern gegangen werden kann, theils in dem Wunsche, die Bundesregierungen sobald als möglich in den Stand zu setzen, ihrerseits mit der lokalen Organisation des Handwerks vorzugehen. Die Durchführung der organisatorischen Auf­gabe, bei welcher es bei Festhaltung großer allgemeiner Ge- stchtspunkte doch aus eine durchaus individualistrende Sachbe­handlung ankommen wird, beansprucht indessen zweifelsohne eine sehr geraume Zeit, sodaß es sich empfiehlt, die Bundes­regierungen von Reichswegen sobald als möglich zur Inan­griffnahme derselben in den Stand zu setzen.

V. Thielmann. Der „Hamb. Korr." meint, Herrn v. Thielmann's Ernennung würde mit Rücksicht auf die

Fenilletsn.

Gin Opfer des Rades.

Nach jedem Siege werden die Todten und Verwundeten gezählt. Seit einigen Jahren fliegt das Fahrrad im Triumphe durch die ganze Welt, aber die Bahn entlang, recht und links von bem blitzblanken, pfeilschnell dakinschreßenden Gefährt liegen schon die rühmlich Gefallenen hochgelchichtet in erschrecken der Menge. Ein neuer Industriezweig ist aufgeblüht, groß­artig in seiner Kraft und Fruchtbarkeit, aber die Kosten seines Wachsthums tragen andere Industriezweige, seine Vorgänger und seine Verwandten. Von den ewig praktischen Engländern ist die Verlustliste dieser flott gewonnenen Schlacht unlängst in Ziffern und Zahlen festgestellt worden. Man hörte et­liche davon. Durch die erstaunliche Verbreitung des Fahr­raves verlieren die Sattler jährlich ungefähr 25 Millionen Gulden von ihrem Umsatz, die Wagensabrikanten 40 Mil­lionen, die Pferde- und Fouragehändler 50 Millionen, bie- jenigen Geschäfte welche Bedarfsgegenstände für Pferd und Wagen liefern, beinahe 120 Millionen. Man glaubt, neue Quellen der Wohlfahrt seien erschlossen worden und da ge­wahrt man, daß sich der Vorrath des befruchtenden Elements nur anders vertheilt, die neue Quelle von der alten gespeist wird. Wenn es hier überreichlich sprudelt, beginnt es dort spärlicher zu fließen. Das Weltgesetz von der Erhaltung der Energie gilt auch im alltäglichen Geschäft, in jeglichem Handel und Wandel, auf allen Gebieten der menschlichen Thätigkeit.

Diese Verlustliste ist wahrscheinlich noch lange nicht voll ständig, obwohl sie sogar Industriezweige ansührt, von denen man nur schwer begreifen kann, daß der Radsport in irgend einer Richtung zu ihrem Vortheil oder Nachtheil

Samstag den 10. Juli

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handelspolitischen Verhandlungen, die sich an das Inkraft­treten des Mac Kinley Tarifes knüpfen dürften, von Bedeu­tung sein. Und an einer anderen Stelle führt das zitirte Blatt aus: Die Thatsache, daß man bei der Besetzung dieser Stelle an Frhrn. v. Thielmann gedacht hat, gibt einen Fingerzeig dafür, daß die Tariffragen sehr bald im Vorder­gründe der Verhandlungen stehen werden. Der jetzige Bot­schafter hat schon 1872 weite Reisen durch einen großen Theil Rußlands xemacht und war infolge seiner Kenntnisse über Rußland erster deutscher Unterhändler bei den Zollverhand­lungen mit Rußland 1893/94. Damals war er bekanntlich noch preußischer Gesandter in Hamburg. Doch nicht weniger ist er mit den nordamerikanischen Verhältnissen vertraut, schon 1875 war er Legationssekretär bei der deutschen Ge­sandtschaft in Washington und bereiste nicht nur die west­lichen Staaten der Union, sondern auch Mexiko, Cuba, Haiti, Columbien, Ekuador, Peru und Chile. Außer ver­schiedenen Reisebeschreibungen in geographischen Zeitschriften, wie dem „Ausland", sind von ihm erschienen: 1874 „Streis- züge in Kaukasien, Persien und der astatischen Türkei", wie 1879 „Vier Wege durch Amerika". Vor zwei Jahren wurde Frhr. v. Thielmann zum Botschafter in Washington ernannt und hatte volle Gelegenheit, die Absichten der Amerikaner in Bezug auf Zollsragen in der neuesten Zeit unmittelbar ken­nen zu lernen. Auch auf dem Gebiete des Münzwesens hat der Botschafter mehr als gewöhnliche Erfahrungen. Als er Anfang der achtziger Jahre erster Legationssekretär bei der Botschaft in Paris war, wurde er neben Herrn v. Schraut zum Vertreter der deutschen Regierung auf der deutschen Wâhrungs- konferenz ernannt. Dabei mag noch daran erinnert werden, daß er während der deutsch-russischen Handelsvertragsvertzandlvngen vom Kaiser wiederholt in besonderer Weise empfangen wurde. Unter den erwähnten Umständen bekommt das Reichsschatz­amt, namentlich wenn es bei den bevorstehenden Verhandlungen über Zolltarife mit Rußland und mit den Vereinigten Staaten die führende Rolle spielen sollte, eine ganz andere einflußreichere Bedeutung, als sie ihm bisher innewohnte. Daher ist es erklärlich, daß dieses Reichsamt, das man nur bisher als ein HÜlfsamt in finanziellen Fragen für den Reichskanzler ansah, einem Botschafter angeboten wird.

Ueber die Haltung Deutschlands gegenüber den Wirren im Orient fchreibt der Athener Zeitung Ephimeris, welche früher in nahen Beziehungen zum Ministerpräsidenten Rallis stand, Folgendes: In feiner letzten Unterredung, welche der deutsche Gesandte Freiherr v. Plessen mit unserem Mi­nister des Aeußeren hatte, wies der Erstere darauf hin, wie ungerechtfertigt es sei, von einer feindseligen Haltung der deutschen Politik gegenüber Griechenland zu sprechen. Die deutsche Reichsregierung habe während des türkisch-griechischen Krieges die strengste Neutralität beobachtet, wozu sie um so mehr berechtigt gewesen fei, als hierbei keinerlei deutsche In-

aus sie einwirkt. Der jährliche Umsatz von Klavieren zum Beispiel soll durch das Fahrrad um eine ganz nette Ziffer zurückgegangen sein, um nickt weniger als drei Millionen Pfd. Sterl. Die sogenannte Klavierpest scheint also im Er­löschen zu sein. Jahraus, jahrein werden um 40 Millionen Gulden weniger Klaviere gekauft, seitdem die Menschen lieber ein anderes Pedal treten, als dasjenige eines Pianoforte. Solche Zahlen geben wirklich mancherlei zu denken. Leider fehlen die Theater auf der Liste, vielleicht weil die Verlusi- ziffer schwer zu ermitteln war. Denn es steht ganz außer Frage, daß auch der Theaterbesuch durch das allmächtige Fahrrad herabgedrückt wurde. Es ist der zweite große Feind, der unseren Schaubühnen ersteht. Früher hatten sie sich vor der Eisenbahn zu fürchten, die ihnen das sommerliche Geschäft ganz und gar zerstört hat. Seitdem man so leicht und so rasch ins Freie gelangen kann, geht man schon im Mai nicht mehr ins Theater. Auch die Stammgäste erscheinen dann bloß, wenn sie zu einem ganz besonderen Schmauß geladen werden. Wie jammerte der alte Laube, der Wiener Wald vernichte das Wiener Theaterleben, die Konkurrenz mit dem Kahlenberg sei nicht auszuhalten! Nun hat sich das Rad mit der Bahn gegen die dramatische Kunst verschworen. An ihren offenen Pforten, an ihren bunten, lockenden Zetteln saust mon vorüber in die grüne Weite hinaus, dem er­quickenden Schauspiel der Natur entgegen, und am stillen Schalter der Theaterkasse sitzt ein vereinsamter Mann und zä-stt trübselig die spärlichen Groschen.

Das Theater nicht allein, das ganze Schaugewerbe wird von demselben Feinde bedroht. Am nämlichen Tage, da wir von den vielen Millionen lasen, welche den alten Industrien mrloren gehen und von der neuen aufgefangen werden, kam aus Hamburg die Nachricht von der Auflösung des Cirkus Renz.^ Schlechter Geschäftsgang wird als Grund angegeben. Früher bangte dem Theater vor dem Cirkus — jetzt besuchen

1897.

teressen auf dem Spiele gestanden hätten. Daß die türkische Armee durch deutsche Offiziere reorganistrt worden sei, wisse seit sieben Jahren Jedermann; dagegen sei es eine völlig unbegründete Behauptung, daß vor dem Ausbruche des Krieges noch eine Anzahl teutscher Offiziere nach der Türkei entsandt worden sei. In der Frage der Friedensbedingungen stehe Deutschland auf dem Standpunkt, daß Thessalien von der Türkei zu räumen sei. Dies fd jedoch auch keine Partei­nahme für Griechenland, sondern nur eine Folge des von deutscher Seite vertretenen Grundsatzes der Unverletzlichkeit der Türkei. Wolle der Sultan jetzt das Recht des Eroberers geltend machen, so entziehe er selbst den europäischen Mächten die Rechtsgrundlage, bei irgend welchen späteren kriegerischen Verwicklungen, die zu Ungunsten der Türkei ausgehen würden, eine Verkleinerung des türkischen Staatsgebietes zu verhindern.

Ueber die Verhältnisse in Transvaal wird aus englischer Quelle gemeldet, daß die offiziellen Mitglieder des Ausschuffes zur Prüfung der Lage der Industrie, obgleich dieselben eine Herabsetzung der Dynamitabgaben und der Eisenbahntarife befürworten, doch nicht bereit sind, die Ab­schaffung des Dynamitmonopols oder die Expropriation der Eisenbahn zu empfehlen. Es wird hinzugefügt, die finanzielle Lage der Regierung vermehre die Schwierigkeiten der gegen­wärtigen Verhältniffe. Die Einnahmen des Staates aus Johannesburg im Monat Juni d. I. seien um 40 pCt. niedriger als im gleichen Monat des Vorjahres, während die Staatsausgaben nicht geringer geworden sind. Der Volks­raad habe behufs Unterstützung nochleidender Burghers die Verwendung von 50 000 Pfund baar und die Aufnahme einer Anleihe von 150 000 Pfund genehmigt. Es verlautet auch, daß bereits 500 000 Pfund zu Beihilfen für die durch die Rinderpest um Hab und Gut gekommenen Burghers ver­wandt worden seien.

Die Einführung fremder Arbeitskräfte in die Vereinigten Staaten ist durch Gesetz verboten worden. Das hat in Canadia große Erbitterung hervorgerufen, und man beabsichtigt dort, Repressalien gegen die Vereinigten Staaten in Anwendung zu bringen.

Aus Stadt- und Landkreis Hanau.

(Nachdruck unserer Lokalnachrichten nur mit Quellenangabe gestattet.) Oeffentliche Sitzung des Gemeinde - Ausschusses am 9. Juli 1897.

Anwesend die Herren: Nickel, Vorsitzender; Bier, Bode, Dr. Eisenach, Föll, Fritz, Halin, Henrich, Alex. Jung, Kehr, Koch, Korff, Kreuter, Rumpf, Voltz, Weber, Wörner und Zch, sowie Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

Nachdem bei der Etatsberathung für Herstellung von Cementtrottoirs unter Vorbehalt der Spezialbewilligung der Betrag von 5000 Mk. eingestellt worden ist, beschloß der

die Leute weder das eine, noch das andere. Alles besteigt das Rad und fliegt vorüber. Der neue Sport scheint näm­lich, gleich so vielen andern Sports, auch ein bedeutendes Associationsvermögen zu besitzen. Er wird scharenweise aus­geübt, er bildet Gesellschaften und Vereine, die ihre eigenen Vergnügungsabende veranstalten. Die Welt ist heute mit Radfahrerklubs übersäet, und in diesen Klubs unterhält man sich so gut als im Theater, noch besser als im Cirkus. Der drolligste Clown bleibt ohnmächtig, der dümmste August kann nichts dagegen ausrichten. Ren; scheint längere Zeit ge­kämpft zu haben; mit seiner Kunst, seinem Gelde, seiner Freude an lärmendem Prunke, seiner Spürnase für luittgen Blödsinn suchte er das Verhângniß aufzuhalten. Doch was vermochte er mit seinen edelsten Vierfüßlern gegen das Zwei­rad ! Schließlich warf er auch die Flinte in'sKorn, um sich hinter den natürlichen Schutzwall seiner Geldsacke, von denen ihm glücklicherweise noch eine hübsche Anzahl verbleibt, entsagungsvoll zurückzuziehen. Auch er fällt als ein Opfer des Rades. .

Als wir die traurige Kunde lasen, hatten nur gerne dem Manne, dec aus der Welt, wo man sich umüsirt oder amü- siieu sollte, so unversehens sich davonschleicht, einen fach­männischen, seiner würdigen Nachruf geschrieben. Lerder hindert uns daran eine bedauerliche Bildungslücke. Aber daß mit dem abtretenden Renz, der schon der zweite seines Namens war, ein gewisses Etwas, ob noch so klein und un­bedeutend, aus dem Gesüge der modernen Gesellschaft ver­schwindet, das empfinden wir ebensowohl, wenn nicht ebenso schmerzlich, als der nächste beste Husarenlieutenant. Ein Nagel ist rostig geworden, ein Schräubchen hat sich gelockert, ein dünner Draht wurde entzwei geschnitten — irgend was fehlt in unserer alltäglichen Kleinwelt, seitdem es keinen Renz mehr gibt, vielleicht nur der Splitter eines Spans, vielleicht nur ein Staubkorn.