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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 158. Freitag den 9. Juli
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1897.
«mtUch««.
Nimstluuiiriliiten ans dein Kreise.
Gefunden: Ein Badewanneventil. Ein vernickelter Badewanneschlüssel. Drei Milchkannen (stehen geblieben). Ein Handkörbchen. Ein Hundehalsband.
Vom Wasenmeister am 8. d. Mts. eingefangen: Ein schwarzer Dachshund mit weißen Abzeichen, m. Geschl.
Verloren: Ein Feuerwehrseil.
Hanau am 9. Juli 1897.
^taötâräö ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
In der Zeit vom 9. August bis 1. September wird in hiesiger Stadt die unten verzeichnete Anzahl Offiziere an den beigesetzten Tage einquartirt. Die Einquartirung erfolgt ohne Verpflegung, jedoch mit der Verpflichtung der Verabfolgung eines Frühstücks, wo solches beansprucht wird. Für Quartier nebst Frühstück wird pro Tag der Betrag von 4 Mk. aus der Stadtkasse vergütet. Erwünscht wäre es, wenn bei jedem Offiziersquartier ein Burlchenquartier — pro Mann und Tag wird unter der Bedingung voller Verpflegung 3 Mk. vergütet — gewährt würde.
JL bitte alle Diejenigen, welche Offiziers quartiere mit oder ohne Burschenquartiere zur Verfügung stellen wollen, dies schriftlich oder mündlich — letzteren Falles auf Zimmer Nr. 18 — unter Angabe der Zahl der zur Verfügung gestellten Offiziers- und Burschenquartiere und der Tage, an denen die Quartiere zu Verfügung gestellt werden, hierher mittheilen zu wollen, wobei ich noch bemerke, daß jeder Offizier ein Zimmer für sich allein zu beanspruchen hat.
Ich richte diese Bitte besonders noch an alle Mitbürger, die Fremdenzimmer haben, da in den hiesigen Gasthäusern nur 21 Offiziere Unterkommen finden können und eine genügende Zahl von Logisgebern, die Offiziersquartiere vermieden können, nicht vorhanden ist, sodaß bei nicht genügendem Angebot von Offiziers quartieren zur Zwangseiuquartierung geschritten werden müßte.
Hanau den 7. Juli 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 9829
9. August 64 Offiziere,
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Feuilleton.
Die Geschichte eines Liedes.
„Ein kleines Lied, wie geht's nur an, Daß man so lieb cs haben kann, Was liegt darin? erzähle!
Es liegt darin ein wenig Klang, Ein wenig Wohllaut und Gesang, Und eine ganze Seele."
Marie v. Ebner-Eschenbach.
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Wiâ der Stân auf der Straßen"---
Thomas Koschat's schwermuthsvolles, zu Herzen dringendes Lied erstand unter Thränen, es verdankt seine Eingebung und Entstehung einer Liebes-Episode aus dem Leben seines Schöpfers.
Zu Ende der 60er Jahre in Wien war es, als im Herzen des Studiosus der Naturwissenschast, Thomas Koschat, der in seinen Musestunden eifrig Musik pflegte, die Liebe, die erste Liebe mit aller Macht einzog
Tagtäglich begegnete er ihr, denn täglich gingen sie denselben Weg, — und täglich erröthete die schöne junge Wienerin, die frisch und lieblich wie eine aufblühende Maiblume war, vor den bewundernden Blicken des hochaufgeschossenen jungen Mannes mit den treuen, guten Blauaugen und dem blonden Künstlerkopfe.
Jedes Mal klopfte ihr bisher unberührtes Mädchenherz höher, wenn sie ihn von Ferne kommen sah, — und auch das feine schlug bei ihrem Anblick stürmisch, — aber gingen sie dann aneinander vorüber, so sahen sie sich nur verstohlen an. Es war eben über Beide die schöne Zeit der jungen Liebe gekommen, und gar oft folgte der junge Thomas erröthend den Spuren der Angebeten.
15. August
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Ein altes Schlagwort.
Wir gehen den Wahlen entgegen. In solcher Zeit muß man sich auf manches gefaßt machen; sonst ruhige Leute verfallen in Fieberzustand und Gespensterfurcht, und in der Presse werden die Schlagworte probirt, welches von ihnen die meiste Zugkraft hat. So muß heute das alte 1848er Schlagwort „Reaktion" herhalten. Warum denn gerade dieses? Weil man sich dabei alles Mögliche denken kann und weil dem ruhigen Bürger dabei ungefähr zu Muthe ist wie den Kindern beim „Knecht Rupprecht" oder dem „Schwarzen Mann". Von Reaktion konnte man vielleicht in den 50er Jahren sprechen, als eine starke einflußreiche Partei sich in den ganzen Parlamentarismus nicht finden konnte, von dessen Vorzügen nichts wissen wollte und den Parlamenten als Redeanstalten nichts Gutes zutraute. Heute genießt der Parlamentarismus eine solche Anerkennung, daß er sich sogar so anstellt, als wolle er den Kamps mit der Monarchie aufnehmen.
Am allerwenigsten aber kann man von Reaktion reden, wo es sich um ein Vereinsgesetz handelt, wie es in den liberal regierten deutschen Staaten seit Jahren besteht und dort von den liberalen Kammermehrheiten gutgeheiß-n und von den liberalen Regierungen täglich in vollem Umfange zur Anwendung gelangt. Dennoch versucht hinter dem Schilde „Reaktion" die sozialdemokratische Partei Heuer den Stimmenfang. Auch die nationallibtrale Partei soll mit diesem Schlagworte bewogen werden, der Regierung das Mittel zu verweigern, um die Umsturzbestrebungen erfolgreicher als bisher zu bekämpfen. Möge sich die nationalliberale Partei darauf besinnen, daß ihre Existenz nicht allein in der Vertretung liberaler Grundsätze, sondern vor allem in der Stütze und Erhaltung des nationakn Staates beruht. Sie sieht sich
Auf diese Weise wußte er gar bald, wo sie wohnte und erfuhr auch, daß sie die Tochter einer geachteten Bürgerfamilie, und ein echtes Wienerkind von gutem Schlage, lebensfroh, unmuthig, gemüthvoll und brav sei.
Schon ein halbes Jahr war vergangen, seitdem sie sich zum ersten Male gesehen.---
Der holde Frühling war wieder dem Winter gefolgt, die Zeit der Rosenpracht war gekommen, und heiß wie die Sonne vom blauen Himmel brannte die Liebe in Beider Herzen.
Diese erste Liebe, mit welcher Zauberkraft sie sich junger, unschuldvoller Herzen bemächtigt! Und welche heilige Scheu sie im Gefolge hat I
Mit welchem Entzücken die Holde ihn hinter ihrem blumengeschmückten Fenster erwartete, wenn er oft, ja sehr oft an ihrem Hause vorbeiging. Wie sie erschrak, wenn er schüchtern zu ihr hinaufblickte.
Und er, der sonst so energische junge Mann, wie er nicht den Muth fand, sich ihr zu nähern! Er hätte doch nicht nöthig gehabt, — wie Leander, — das Meer zu durchschwimmen, um sich seiner thaufrischen Maiblume mit einem freundlichen Gruße, mit einem trauten Worte zu nähern. —
Gott Amor aber hatte ein Einsehen! Der lofe Schelm, der vor Ungeduld dem stummen Liebessp el zugesehen, führte einstmals die beiden heimlich Liebenden in einer Gesellschaft zusammen, und hier sahen sie sich noch tiefer in die Augen, fanden erst recht Gefallen aneinander, und als sie sich trennten, da mußte Koschat für länger von ihr Abschied nehmen, denn die Herbstferien und die Zeit der Reise zu seinen Lieben in die heimathlichen Berge war gekommen.
Wie ein Alp lag es aus Beiden, als sie Abschied nahmen, sie fühlten, daß sie an jenem Abschnitte standen, der über Menschenschicksale entscheidet!
Wenn er damals den Muth gehabt hätte, die kleine Hand festzuhalten! Wenn er sie damals in die herrlichen Berge, in
abermals vor eine Entscheidung gestellt, bei der das Wohl des Staates und die Einführung einer unbedingt nothwendigen Maßregel von der Zustimmung der Nationalliberalen abhängt. Die Radikalen haben immer auf die naiionalliberale Partei dadurch Eindruck zu machen versucht, daß ne auf die liberalen Grundsätze hinwiesen. Ihnen ist ja an der Erhaltung ihrer Fraktion alles, an der Erhaltung der staatlichen Ordnung und nationalen Kraft weniger gelegen. Es ist nicht zu verwundern, daß sie heute wieder durch Spott und Hohn die Nationalliberalen verhindern möchten, umzufallen.
Sollten nicht dennoch die Erwägungen praktischer und das Leben kennender Männer den Bann des Doktrinarismus brechen, — heute, wo diejenige Forderung erfüllt ist, welche Herr v. Bennigsen als Hauptwortführer der Partei am 23. Mai 1878 bei der Ablehnung d°s Sozialistengesetzes als die einzig wichtige und richtige betonte. Er schloß damals seine Rede mit der Erklärung, „keineswegs die Tendenz zu bekämpfen, den sozialdemokratischen Ausschreitungen mit Entschiedenheit entgegenzutreten", und fuhr dann fort: „Wir erwarten, daß die Regierung nachholt, was sie seit Jahren hätte thun sollen, daß sie uns ein Vereins- und Versamm- lungsrecht vorlege mit Bestimmungen, welche wirksam sind, wirksamer, als Bestimmungen, die wir jetzt in der preußischen Gesetzgebung haben."
Ein Ausnahmegesetz kann die Regierung genau wie im Frühjahre 1878 nicht bekommen. Sie befolgt nun den Rath, den ihr die nationalliberale Partei durch den Mund des Herrn v. Bennigsen schon 1878 gegeben hat, wenigstens in Preußen, da es im Reiche zur Zeit nicht möglich ist, das Vereins- und Versammlungsrecht wirksamer zu machen. Mögen die Männer, auf deren Abstimmung im Landtage soviel ankommen wird, sich nicht durch das leere Geschrei von Reaktion einschüchtern lassen; dasselbe ist bei der sozialdemokratischen und radikalen Presse wohl zu verstehen, eine Partei aber, welche den nationalen Staat stützen und erhalten will, darf vor einem Popanz nicht erschrecken.
Tagesschau.
Bevölkern« gsziffer Deutschlands. Nach dem soeben erschienenen statistischen Jahrbuch für das deutsche Reich beträgt die Gesammtsumme der Bevölkerung 52 279 901, wovon 25 661 250 männlich und 26 618 651 weiblich sind. Ueber die Zunahme der Bevölkerung geben folgende Zahlen einige Auskunft. 1876 betrug die Einwohnerzahl 41 Mill.; 1880: 45 Millionen und 1890: 49*/, Millionen, während sie 1816 sich noch nicht auf 25 Millionen belief.
Die lippesche Thronfolgefrage. Bekanntlich schwebt seit dem am 20. März 1895 erfolgten Tode des Fürsten Woldemar von Lippe Detmold die Frage, wer der rechtmäßige Herrscher des Fârstenlhums sei, da der Bruder die frische, erquickende Luft seiner Kärnthner Heimath hätt mitnehmen dürfen!--—
Jür Bild begleitete ihn in die Heimath, die Erinnerung an sie beflügelte seine Phantasie und inspirirte ihn zu manchem schönen Liede ! Und als die Zeit der Rückkehr nach der Kaiserstadt herankam, da war Niemand glücklicher als Thomas Koschat! —
Zu ihr! Zu ihr! jubelte es in seinem Herzen.
Nun wollte er erst recht arbeiten und kämpfen, um sie zu erringen!
Sein erster Gang in Wien war an ihrem Hause vorüber.
Welch' ungewohnter Anblick, — anstatt Blumenstöcke vor den Fenstern waren die Vorhänge tief herabgelassen!
Täglich machte er wieder den gewohnten Weg, täglich hoffte er mit heißer Sehnsucht, sie, zu sehen, aber vergebens.
Von Unruhe gepeinigt, forschte er nach, und zu nsuem Entsetzen erfuhr er, daß die Geliebte einem typhösen Fieber erlegen, daß die Augen, die sein Entzücken gewesen, sich für immer geschlossen, daß die Hand, die zum Abschied so warm die seine gedrückt, im Grabe modere!
Er hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten, es war ihm, als wenn etwas seine Kehle mit eisernen Griffen um- klaiiinwre.chnell ^ j^wer war das Unglück über ihn gekommen! Seine ganze Kraft mußte er aufbieten, um nicht unter dem Schicksalsschlage zu erliegen.
Lange Zeit brauchte er, bis er den Gedanken fassen konnte, daß in das Paradies seiner echten Liebe das rauhe Geschick mit zerstörender Hand eingegriffen habe.
Und niemals sollte die Wunde in seinem Herzen vernarben, — zum Grabe der Unvergeßlichen zog es ihn mächtig hin, — er versorgte es mit Blumen, pflanzte noch während des Todesjahres eine Trauerweide darauf, — die heute mächtig den Hügel überschattet. Zu jener Zeit war es, wo