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Nr. 156.

Mittwoch den 7. Juli

1897.

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Amtliches.

^taötUreio ^anau.

Die am 16. Juli 1868 in Hanau geborene ledige Anna Elisabeth Kohlhepp, deren gegenwärtiger Aufenthalt unbe­kannt und nicht zu ermitteln ist, entzieht sich der Alimenta­tionspflicht gegen ihr hier in Armenpflege befindliches Kind.

Beim Belanntwerden des Aufenthalts der Genannten wird um alsbaldige Benachrichtigung gebeten.

Hanau am 3. Juli 1897.

Königliche Polizeidirektion.

P. 6589 I. B.: Schneider, Kreissekretär.

(-Sanö&ret# ^banaxu

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Untersotzbach, Kreis Gelnhausen, ist die Rothlaufseuche ausgebrochen und Stallsperre angeordnet worden. Hanau am 5. Juli 1897.

Der Königliche Landralh.

V. 6738 I. V.: Schneider, Kreissekretär.

Kienstiurckrickten aus dm Kreise.

Dom Wasenmeister am 5. d. Mts. eingefangen: Ein blauer deutscher Doggenhund, ein schwarzer Pinscher und ein weißer Foxterrier mit schwarzen und gelben Abzeichen, sämmt­liche m. Geschl.

Zugelaufen: Ein dunkelgelber Hofhund; Empfang­nahme bei Johannes Ruth 4r zu Ravolzhausen.

Gesunden: Eine Peitsche. Ein großer Hundemaulkorb. Hanau am 7. Juli 1897.

^t^M^reiö ^axto/u.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Am Donnerstag den 8. Juli d. Js., nachmittags von 4 Uhr ab, findet im oberen Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 9, öffentliche Sitzung des Ge tverbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitig­keiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau am 5. Juli 1897.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

I. V.: Dr. Bulle. 9782

Bekanntmachung.

Aus Anlaß des in diesem Jahre in der hiesigen Gegend stattfindendln Kaijermanövers wird die Stadt Hanau in der Zeit vom 9. August bis 1. September b. Js. mit der unten verzeichneten Einquartier ung bi legt werden. Die Truppen

FeuiUetsn

Tegernsee.

Von Robert Oberhuber.

(Nachdruck ve rboten.)

Die gelehrten Herren streiten über die Bedeutung des ur­alten Namens Tegernsee. Die Einen glauben, daßTega- rinse" nichts Anderes alsder grüne See" heiße. Die Mönche wollten ihr ehrwürdig Kloster gern noch älter haben, als es ohnehin war, und schrieben ihren See als den larus Teguiinus nach dem Tegurinervolke, das einst noch vor Römern und Celten die Seegestade bewohnt habe. Doch wahrscheinlicher als diese Deutung der lieben Eitelkeit ist die Erklärung, daß eine keltische Wurzel in dem Namen steckt und er der Herren- oder Fürstensee bedeute. Gern denken wir dieses Sinnes gerade jetzt, wo unsere Kaiserin mit ihren Kindern während des Sommers ihren Aufenit alt dort genommen hat. Wohl durste er mit Recht ein herrlicher, fürstlicher See genannt werden. Heinrich Notz, der beste Kenner und Schil- derer der deutschen Alpenwelt, rühmt von ihm, seiner Größe nach sei er unter den oberbayerischen Seeen der siebente, aber an Schönheit sei nach dem Urtheil Vieler keiner mit ihm zu vergleichen. Er fintet hier die Reize der Alpenwasser mit der sanfteren Natur der Vorlanke vereinigt. Eine - herrliche Ab­stufung liege in seiner Umgebung, wie sie ein Dichter malerisch geschildert hat:

Auf nackte Zinnen streut er lichten Schnee.

Und goß ins Thal Smaragde, WeÜ' an Welle;

Donn schimmernd sprangst Du ans der Alpen Zelle Jungfräulich sehnend, grüner Tegernsee.

Gar sein ist in diesen Zeilen angedeutet, daß bei aller Schönheit dieses Stückchens Welt doch der See erst ihm das eigentliche Merkmal und den höchsten Reiz ausprägt. Auch

sollen thunlichst bei freiwillig sich meldenden hiesigen Ein­wohnern untergebracht und soll den Quartiergebern für Quartier und volle Verpflegung drei Mark pro Mann und Tag vergütet werden.

Diejenigen Haushaltungsvorstände, welche bereit sind Mannschaften aufzunehmen, werden ersucht, sich baldigst auf Zimmer Nr. 18 des Rathhauses zwecks Angabe der Zahl der aufzunehmenden Mannschaften und der Zeitdauer der Quartierleistung einzufinden.

Hanau am 5. Juli 1897.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebes chus.

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Bekanntmachung.

In der Zeit vom 9. August bis 1. September wird in hiesiger Stadt die unten verzeichnete Anzahl Offiziere an den beigesetzten Tage einquartirt. Tie Einquartirung erfolgt ohne Verpflegung, jedoch mit der Verpflichtung der Verab­folgung eines Frühstücks, wo solches beansprucht wird. Für Quartier nebst Frühstück wird pro Tag der Betrag von 4 Mk. aus der Stadtkasse vergütet. Erwünscht wäre es, wenn bei jedem Offiziere quartier ein Bur chenquartier pro Mann und Tag wird unter der Bedingung voller Ver­pflegung 3 Mk. vergütet gewährt würde.

das Dörfchen schmiegt sich eng an seine Ufer an; zwischen Berg und See fand sich nur eine schmale Ebene und so mußten die Siedelungen bald die Hänge und Berge hinan­klettern. Das ist ein Glück für das Dorf geworden; fo wurde es weit, luftig und malerisch, ein rechtes Seedorf und ein Bergdorf zugleich, dessen Wohnstätten weit über die grün- wogende Fläche hinblicken und grüßen. Freilich sind das heute andere Wohnstätten als vordem: schmucke Landhäuser, Schlösser sogar, das schöne Sengcrschloß des rheinischen Herrn voran, in dem die Kaiserin wohnt. Doch noch immer finden wir in Tegernsee jene prächtigen, derben, malerischen bayer­ischen Bauernhäuser, deren Holz das Alter gebräunt hat, deren Obergeschoß die im reichen Blumenschmuck prangende Gallerie säumt, Häuser, die nicht gebaut, sondern aus dieser Erde gewachsen zu sein scheinen. Und noch immer lebt in Tegernsee dies alte kräftige Seevolk der Waldleute mit dem : hellen kühnen Auge und dem von Natur gehaltenen und wür­digen Wesen, hinter dem sich doch so viel Frohsinn birgt. Der Juchzer hallt von den Bergen wieder und aus der niederen rauchgeschwärzten Stube, die Geschlechter von Burschen und Dirndeln werden und n achsen sah, dringt der lustige Ton der Schnadahüpferl und Zitherklang, wie vor Jahrhunderten, als Tegernsee noch keine Villa Rauch und keine Badegäste, und Alles in weitem Umkruse botmäßig und gehorsam war der Stätte des heiligen Quirinus, dem alten Kloster Tegernsee.

Heute ist es ein Herzogs chloß. 1803 wurde das Kloster aufgehoben. Da war es schon nicht mehr das, was es einst oewesen. In seiner Blüthezeir zeigte es sich als ein mächtiges Oblong, in kesfin Mitte die Kirche sich erhob eine eigene Stadt, die eine Buchdruckerei und einKonmödihaus" und eine Studenten Eßstube und alles, was des Leibes und der Seele Nothdurst erforderte, mit der ganzen Opulenz eines geistlichen Fürstensitzes umfaßte. Aber in den schweren Zeit- läufen hatte auch das Haus des Heiligm Quirinus gelitten,

Ick bitte alle Diejenigen, welche Offiziers quartiere mit oder ohne Burschenquartiere zur Verfügung stellen wollen, dies schriftlich oder mündlich letzteren Falles auf Zimmer Nr. 18 unter Angabe der Zahl der zur Verfügung ge­stellten Offiziers- und Burschenquartiere und der Tage, an denen die Quartiere zu Verfügung gestellt werden, hierher mittheilen zu wollen, wobei ich noch bemerke, daß jeder Offi­zier ein Zimmer für sich allein zu beanspruchen hat.

Ich richte diese Bitte besonders noch an alle Mitbürger, die Fremdenzimmer haben, da in den hiesigen Gasthäusern nur 24 Offiziere Unterkommen finden können und eine ge­nügende Zahl von Logisgebern, die Offiziersquartiere ver­mieden können, nicht vorhanden ist, sodaß bei nicht genügen­dem Angebot von Offiziers quartieren zur Zwangseiri quartierung geschritten werden müßte.

Hanau den 7. Juli 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 9829

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darunter 26 Marschquartiere,

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darunter 20 Noth quartiere,

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Vom Friedenssch auplatze in Konstantinopel kamen in der letzten Zeit Nachrichten, die beinahe ein Schei­tern der Verhandlungen befürchten ließen. Angeblich sollten unter den Botschaftern Meinungsverschiedenheiten über das Maß der Zugeständnisse an die Türkei bei dem Friedens­schlüsse ausgebrochen sein. Ties erschien von vornherein un­begründet, da man weiß, daß alle Mächte grundsätzlich in

und gar als es aufgehoben wurde, ward mit seinem Vermögen schier ungeheuerliche Verschwendung getrieben, und mancher ward durch seine Verarmung reich. 1817 kaufte es König Mcx I. und ließ das nun zum Schloß gewordene Kloster ve»lchönern und wiederherstellen. Es wurde sein Lieblings- sitz, unb er zeigte es den Tegernseern, daß er sich bei ihnen wohlfühlte; ihrengnädigen Vater" nannten sie ihn. Heut besitzt und bewohnt das Schloß, das nun wieder stattlich auf den See hinaus! chaut, der Herzog Carl Theodor, der unter den deutschen Fürsten dadurch eine besondere Stellung ein­nimmt, daß er ein studnter Dr. med. ist und als Augenarzt eine segensreiche Praxis ausübt. An das 1831 begründete Krankenhaus zu Tegernsee hat er einen Neubau ansügen lassen, den er als Augen Heilanstalt benutzt und wo er seine von weit und breit herbeiströmenden Kranken mit Liebe und Getuld bebandelt. Ist es dock, als liebte die Geschichte wirklich zuweilen, Neues ans Alte anzuknüpfen. So zogen ja auch einst in dunkleren Jahrhunderten die Beladenen und Siechen von den Bergen und aus den Wäldern hoffnungs­voll den Thürmen zu, in deren Schatten die heilkundigen Brüder mildthätig walteten. Sie künden ein großes Stück menschlicher Geschichte und Gesittung, diese alten Thürme.

Als düster noch der Wald die Ufer und die Berge be­deckte und seine Stille nur selten der Klang einer Axt oder der Ruf «ines Jägers brach, da hauste hier ein mächtiges Gräfingeschlecht, dem Karl Martell diesen Gau übergeben haben soll. Mächtig war cs nicht nur an Habe und Ansehen, sondern auch an Körpergröße. Denn9 Sckuech 7 Zoll" sollen die Adalbert und Otkar gemessen haben, die das Kloster gründeten; und jedenfalls maß man ein Bein OtkarS im Jahre 1753, als man den Sarg der Stifter öffnete, zu 1 Schuh und 10 Zoll. Selbiger Otkar verlor, so erzählt die Sage, einen Sohn durch den Jähzorn eines Prinzen, und da zogen sich die beiden Brüder hierher in die Einsam-