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Amtliches Organ für 5taöf- unö Lanökreis Hanau

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Nr 155.

Dienstag den 6. Juli

1897.

Amtliches.

Landkreis Kanan.

Bekanntmachungen des Königlichen Landratbsamtes.

In letzter Zeit ist es mehrfach vorgekommen, daß die aus Verseuch eit Nachbar gebieten mit der Eisenbahn in den Regierungsbezirk eingefüyrten Wiederkäuer und Schweine vor ihrer Entladung von d-m Kreisthierarzte bezw. dessen Stellvertreter nicht untersucht worden sind.

Ich nehme hieraus Veranlassung, die Interessenten darauf hinzuweisen, daß die vom Herrn Regierung^ Präsidenten unterm 17. Dezember 1895

20. Anglist 1896 erIa^ene Verordnung durch dre neuerdings veröffentlichte landespolizeiliche Anordnung über den Trans­port und die Einstellung von Wiederkäuern und Schweinen bezw. Aufhebung der tierärztlichen Untersuchung des Händler- viehs nicht ausgehoben worden ist.

Die Benachrichtigung des Kreisthierarztes von der bevor stehenden Ankunft einer Viehsendung liegt dem Empfänger derselben ob und hat mindeftenA 12 Stunden vor An­kunft der Viehsendung ulegraphisch oder schriftlich zu erfolgen, andernfalls kann der Empfänger keinen Anspruch auf die Untersuchung des Vieles alsbald nach dessen Ankunft machen.

Welche Nachbarbezirke als verseucht gelten, wird all­monatlich bekannt gegeben.

Zuwiderhandlungen gegen die vorbenannte Verordnung werden nach § 664 des Reichsviehseuchengesetzes mit Geld­strafe bis zu 150 Mark oder mit Haft, sofern nicht nach den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen eine höhere Strafe ver­wirkt ist, bestraft.

Die Herren Ortsoorstände werden ersucht, Vorstehendes in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau am 5. Juli 1897.

Der Königliche Landratk.

V. 6826 I. V.: Schneider, Kreissekretär.

.Maöt&r^i^ ^anau. Bekannimachungen des Oberbürgermeisteramtes. Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ausschnsies

Mittwoch den 7. Juli 1897, nachmittags 5 Uhr.

Berathungs-Gegen stände:

1. Die Errichtung des Elektrizitätswerkes betreffend.

2. Rechnung der Sparkasse pro 1896.

3. Reparaturen in der Realschule betreffend. E.-O. Tit. I pos. 3 pro 1897/98. 9728

FerrilletSM.

Unsere kirchliche Jubelfeier in französisch- protestantischer Beleuchtung.

Einer der auswärtigen Theilnehmer an unserer kirchlichen Jubelfeier berichtet in einer Pariser Zeitung (Le Signal) unter dem 16. Juni folgendermaßen:

In Hanau ist soeben ein Fest gefeiert worden, welches deutlich beweist, zu welchen Thorheiten Frankreich vom Jesui­tismus verführt Worten ist. Während man in die em Lande über die zunehmende Entvölkerung klagt, sind in Deutschland und anderswo die Nachkommen der Hugenotten von 3- bis 400,000 ans anderthalb Millionen angewachsen. Welche Quelle des Gedeih ns und des Lebens würden für Frankreich diese Nachkommen der Hugenotten sein, die in der Schweiz, in Deuischland, in Holland, in England, im südlichen Afrika zerstreut sind, wenn sie in ihrem Vaterlande geblieben wären, das sie mehr ais ihr Leben liebten, dem sie aber ihr Ge­wissen weder opfern konnten noch wollten. In Hanau, wo kie Wallonen vor dreihundert Jahren durch den groß­herzigen Gräfin Philipp Ludwig, und später die französischen Hugenotten ausgenommen wurden, haben sie neben der alten eine ganz neue Stadt gebaut, die mit der Zeit einen wun­derbaren industriellen Aufschwung genommen lat. Mit großem Glanze feierte man daselbst die 300jährige Wieder­kehr des Tages, an welchem die Emigranten vom Grafen Philipp Ludwig aufgenommen wurden. In der großen wallo­nischen Küche drängten sich 3000 Personen (es waren wohl­gezählt nur 2000; wenn aber die Platzkommission nicht so großartig ihre Pflicht gethan hätte, wären freilich wohl noch mehr als 3000 in die Kirche geströmt). Vor der Kirche wurde der Erinnerung an den Wohlthäter der Röfugies ein pracht­

Bekanntmachung.

Aus Anlaß des in diesem Jahre in der hiesigen Gegend stattfindenden Kaisermanövers wird die Stadt Hanau in der Zeit vom 9. August bis 1. September d. Js. mit der unten verzeichneten Einquartierung belegt werden. Die Truppen sollen thunlichst tei freiwillig sich meldenden hiesigen Ein­wohnern untergebracht und soll den Quartiergebern für Quartier und volle Verpflegung drei Mark pro Mann und Tag vergütet werden.

Diejenigen Haushaltungsvorstände, welche bereit sind Mannschaften aufzunchmen, werden ersucht, sich baldigst auf Zimmer Nr. 18 des Rathhauses zwecks Angabe der Zahl der aufzunehmenden Mannschaften und der Zeitdauer der Quartierleistung einzufinden.

Hanau am 5. Juli 1897.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

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Dien^nadiriditen aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit gelben Abzeichen.

Gefunden: Eine Brille. Eine Sturmlaterne. Ein Paar Glacehandschuhe. Ein Paar gelbe Handschuhe. Ein Garantieschein für 1/io Originalloos Nr. 30527. Ein kar-

volles Denkmal geweiht, welches die Gemeinde der Stadt zum Geschenke machte. Der Oberprâsident der Provinz Hessen-Nassau vertrat hierbei den Kaiser. Unmittelbar dar­auf wurde von der wallonischen und der niederländischen Ge­meinde der Stadt eine bedeutende Stiftung überreicht, die zur Errichtung einer Kinderkrippe dienen soll. Ein öffent­liches Feßmabl, an dem 8900 Personen theilnahmen (ge­nau gezählt 784) vereinigte die Mitglieder und Freunde der beiden Gemeinden und alle Herzen jauchzten auf im Gefühle der Dankbarkeit und der Treue gegen die Vorfahren, als einer der Festredner die Tugenden eines Coligm), Paul Ra- baut, Duplessy Mornay und anderer bedeutender Hugenotten pries. Das waren schöne, glorreiche Tage und wir würden von denselben einen unvertilgbaren Eindruck bewahren, wenn wir nicht dabei mit bitterer Wehmuth bedenken müßten, was Frankreich verloren hat, indem es Deutschland diese stolze hugenottische Nachkommenschaft abtrat!" Das Folgende nimmt auf die gegenwärtigen Verhältnisse in Frankreich Be­zug und hat für unsere Leser weniger Interesse. Der Schluß des Artikels erwähnt noch ein Wort, das der große König von Preußen, Friedrich II., dem französischen Gesandten an seinem Hofe gesagt haben soll:Monsieur, ich wünschte, daß Ihr König noch einmal das Edikt von Nantes aufhübe!" Nur eines hatte noch unser verehrter Gast seinen franzö- stlchen Lesern erzählen müssen, daß nämlich die allererste Rede bei dem Festmahle unserem König und Kaiser galt, und daß am Schluffe desselben ein Huldigungstelegramm an ihn abgeschickt wurde.

Ist Mars bewohnt?

Unser Nachbarplanet Mars sieht in den letzten Jahren von allen Welten am Firmamente im Vordergründe unsers Interesses. Seitdem spekulative Köpfe die Entdeckung der

rirtes defektes Kleid. Ein Riemen von einem Pferdegeschirr. Ein großer Hundemaulkorb.

Verloren: Ein Päckchen mit 5 goldnen Armbändern. Ein weißes Kinderhütchen.

Entlaufen: Ein gelber Pinscher mit dem Namen Aeffchen", m. Geschl.

Hanau am 6. Juli 1897.

Miquels Politik.

(Berliner politischer Brief, von unserem ^-Korrespon­denten.)

(Nachdruck verboten.)

Herr v. Miquel wurde als Reformpolitiker in das preu­ßische Finanzministerium berufen. Und er hat die großen Er­wartungen, die man auf ihn setzte, nicht getäuscht. Ein Füll­horn neuer Ideen schulterte er über den eisernen Truhen des Fiskus aus. Wenn er nicht alle seine Gesunken und Pläne in gesetzgeberische Thaten umzvsetzen vermochte, so war das nicht feine Schuld. Die Reform der Einkommensteuer genügt allein schon, um ihm für alle Zeiten einen ehrenvollen Platz in der Geschichte des preußischen Finanzwesens zu sichern.

Unzweifelhaft war diese große Reform im Interesse der unteren Steuerklassen gehalten. Auch die Wünsche und Be­dürfnisse der sogen.freien Berufszweige", der Handels- und Finanzwelt, der er vordem selber so nahe gestanden hatte, fanden zu jener Zeit an ihm einen wohlwollenden Befür­worter.

Wenn seine Finanzpolitik heute einen mehr fiskalischen Charakter angenommen hat, wenn er in seinen staatswirth- schaftiichen und sozialpolitischen Anschauungen sich mehr den Interessen der Landwirthschaft und des Mittelstandes zuge­wandt hat, so erscheint die Frage berechtigt, ob darin nicht eine völlige Abkehr von seinen früheren politischen Bestrebungen liegt?

Wir glauben Herrn v. Miquel am richligsten zu beur­theilen, wenn wir ihn als einen staatsmännischen Kopf an­sehen, der an jede Frage, die feirer Beurtheilung unterliegt, vom Standpunkt des sachlichen Beobachters, ohne vorgefaßte Meinung herantritt. Ein praktischer Staatsmann kann nicht von allgemeinen Grundsätzen und Anschauungen ausgehen, er muß die Bedürfnisse und Forderungen der Zeit erkennen und wer leugnen wollte, daß die brennendsten Fragen unserer Tage sich um den furchtbaren Daseinskampf der Landwirth­schaft und des gewer blichen Mittelstandes drehen, der klebt an Einzelinteressen und hat keinen Sinn, keinen Blick für den Gesammtorganismus der Nation. Die nämliche Wand­lung, die viele seiner ehemaligen natèonalliberalen Parteige­nossen an sich erfahren haben, hat Miguel als aktiver Staats­mann natürlich in verstärktem Maßstabe durchmachen müssen. Er ist dem Grundsätze aller staatsmännischen Weisheit ge-

Marskanäle und ihrer wundersamen Aenderungen nicht anders deuten zu können glaubten, als durch die Annahme großartiger, von verstandbegabten Wesen ersonnener Bewässerungsanlagen, und seitdem namentlich einige lichte Punkte Bergspitzen, die noch von der scheidenden Sonne getroffen wurden, während die Ebene ringsum schon in Nacht oei senke war, für Feuer- signaie erklärt wurden, die von den Marsbewohnern uns zugesandt wurden, beschäftigt sich Jung und Alt mit diesen Bewohnern des Mars, und die Astronomen können gar nicht genug auf die ihnen in dieser Beziehung gestellten Fragen antworten. ,

èo hat auch Professor Aoung kürzlich auf eine solche Frage sich eingehender über diesen Gegenstand ausgelassen. Er erklärt zunächst den Begriff des Lebewesens, daß unter einem solchen nur ein Wesen verstanden werden soll, das in iroischen Verhältnissen lebensfähig ist. Es ist ja denksar, daß es Wesen gibt, die in weit höherer oder niedrigerer Temperatur existiren können, als die Lebewesen unserer Erde, oder Wesen, die ohne Luft, ohne Wasser zuleben" ver- möaen Solche können uns aber nur wenig mteressiren, sür uns kommt es darauf an, gibt es auf dem Mars Wesen, die uns gleichen. Man kann die Frage auch so stellen, sind die klimatischen Verhältnisse auf dem Mars derartig, daß ein irdisches Wesen, plötzlich auf den Mars vwsetzt, dort weiter existiren könnte. Denn wenn dies der Fall ist, dann sind auch sicher dort lebende Wesen vorhanden, die den unsern ähnlich sind.

Mars ist etwa einundeinhalbmal soweit von der Sonne entfernt wie unsere Erde. Er empfängt daher weniger als halb soviel Wärme und Licht von unserm Centralgestirne als wir. Der Tag aus dem Mars ist nahezu dem unsern gleich. Mars breit sich in 24 Stunden 3 7,4 Minuten um seine Achse. Die Neigung der letztern gegen seine Bahn ist ferner fast dieselbe wie die unserer Erdachse, sodaß auch die Jahres-