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Nr. 153. Samstag den 3. Juli
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1897.
Amtliches.
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Der Georg Liese hier, wohnhaft Sterngasse 44, ist auf Widerruf zum Kasenmeister für den Stadtbezirk Hanau bestellt und verpflichtet worden.
Die Thätigkeit des seitherigen Wasenmeisters Heuß hat mit dem 30. Juni d. I. aufgehört.
Hanau am 2. Juli 1897.
Königliche Polizeidirektion.
P. 6563 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dien^nsArußten aus ilem Kreise.
Gesunden: Ein Packen Schuhe. Eine Brille. Ein Goldstück. Ein weißer Kiuderhut. Ein gelber Knabenstrohhut. Eme Herienhalsbiude. Ein Paar Gla^öhandschude.
Verloren: Ein neuer großer Hundemaulkorb nebst Halsband; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Entflogen: Ein junger Kanarienvogel.
Hanan am 3. Juli 1897.
Lagesschau.
Der Bundesrath hat in seiner gestrigen, unter Vorsitz des Staatssekretärs des Innern Staaesmimsters Dr. Graf v. Posadowsky-Wehner abgehaltenen Sitzung dem Entwurf einer Verordnung über die anderweike Bemessung der Wittwen- und Waisengelder für die Hinterbliebenen der Reichsbankbeamten, der Vorlage, betreffend die Desinfektion von Eisenbahnwagen bei der Beförderung thierischer Abfälle von Fäkalien, dem Entwurf von Bestimmungen zur Ausführung des Gesetzes über den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln, dem Antrag Preußens, betr. die Behandlung von Naturalisationsgesiichcn, dem Amrag, betr. die Feststellung des Ruhegehalts von Reichsbeamten, sowie den Ausschußanträgen, betr. die Verwendung von Huflattich- blättern bei der Herstellung von Cigarren, betr. die Abänderung der Bestimmungen über die Bewilligung von Theilungs- lagern an die Kaiserlichen Marineverpflrgungsämter und betreffend den Zollverwaltungskostcnetat für Mecklenburg- Schwerin die Zustimmung ertheilt. Ferner wurde der Entwurf einer Bekanntmachung, betr. die Einrichtung und den Betrieb der Buchdruckereien und Schriftgießereien mit Modifikationen angenommen und die Wahl des Vorsitzenden der Berufungskammer in Ehrengerichtsangelegenheiten gegen Börsenbesucher vorgenommen. In Betreff der Uebersicht der Reichsausgaben und -einnahmen für das Elalsjahr 1895/96 und der Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben der afrikanischen Schutzgebiete für 1894/95 bezw. 1895/96 wur-
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feniUekn.
Nachklänge M 300jähr. Ueusta-t-IubeLseier.
Die Dordrechter Bürgerwehr in Hanau.
Das Fest ist vo üttr, der Jubel verhallt, nur der Finanz - Ausschuß müht sich noch mit „ 5oH" und „Haben" weiblich ab. Aber — mit o>er ohne Defizit — schön wars doch I Auch auß'ihalb herrscht nur eine Stimme der Aner kennung über dos von Hanau Gebotene. Unsere Leser dürfte es daher interessiren, nunn wir einen längeren Bericht, den die in Dordrecht erscheinende Zeitung „Dordrechlsche Courant" in ihrer Nr. 135 vom 11. Juni brachte, hier folgen lassen. Dec Bericht führt die Ueberschrfft:
„Het Vendel naar Hanau“*) und lautet in möglichst wörtlicher Ue ersetzung:
„Hat man das Fähnlein hier während der Pfingsttage untern vermißt, unsere Mitbürger mögen sich darüber nicht beklagen, wenn sie wissen, auf welche ausgezeichnete Weise es die Ehre der Niederlande im Allgemeinen wie auch von Dordrecht im Besondern in Hanau hochgehalten hat. Die Nachwirkung dieses Auftretens wird eine sehr günstige sein, dies kann nicht ausbleiben. Sehen wir, was wir darüber vernehmen
Sonntag Morgen fuhren die Vendeliers mit dem Zug 6.50 ab. Nachdem sie in Frankfurt dinirt hatten, kamen sie abends gegen sieben in Hanau an.
Dort wurden sie — nicht im Kostüm — empfangen durch den Oberbürgermeister von Hanau und die Häupter desFest-
*) Vendel, oltniederl (jetzt Vaandel) = Fähnlein, im Mittel
alter eine militärische Abtheilung, etwa unserer heutigen Kompagnie entsprechend Die Dordrechter Theilnehmer werden in dem Bericht „Vendeliers“ genannt.
den die nachgewiesenen Etatsüberschreitungen und außeretatsmäßigen Ausgaben in Uebereinstimmung mit den betreffenden Reichstagsbeschlüssen vorläufig genehmigt. Die vom Reichstage bei Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Abänderung der Gewerbeordnung, des Gesetzentwurfs, betr. die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für das Elatsjahr 1897/98, sowie des Gesetzentwurfs, betr. den Servis- tarif und die Klasseneintheilung der Orte, gefaßten Resolutionen wurden dem Reichskanzler überwiesen. Außerdem wurde über eine Reibe von Eingaben Beschluß gefaßt.
Der vom Bundesrath in feiner gestrigen Sitzung genehmigte Entwurf von Ansführungsbestimmungen zu «* Margarinegesetz bestimmt, daß, um die Erkennbarkeit von Margarine und Margarinekäse, die zu Handelszwecken bestimmt sind, zu erleichtern, den bei der Fabrikation zur Verwendung kommenden Fetten und Oelen Sesamöl zuzusetzen ist. In 100 Genichtstheilen der angewandten Fette und Oele muß die Zusatzmenge bei Margarine mindestens 10 Gewichtstheile bei Margarinekäse mindestens 5 Gewichtstheile Sesam öl betragen. Für die vorgeschriebene Bezeichnung der Gefäße und äußeren Umhüllungen, in denen Margarine, Margarinekäse und Kunstspeisesett gewerbsmäßig verkauft oder feilgehalten wird, sind Muster ausgestellt mit der Maßgabe, daß die Länge der die Inschrift umgebenden Einrahmung nicht mehr als das Fünffache der Höhe, sowie nicht weniger als 30 cm und nicht mehr als 50 cm betragen darf. Bei runden oder länglich runden Gefäßen, deren Deckel einen größten Durchmesser von weniger als 35 cm hat, darf die Länge der die Inschrift umgebenden Einrahmung bis auf 15 cm ermäßigt werden. Der bandförmige Streifen von rother Farbe in einer Breite von mindestens 2 cm bei Gefäßen bis zu 35 cm Höhe und in einer Breite von mindestens 5 cm bei Gefäßen von größerer Höhe ist parallel zur unteren Randfläche und mindestens 3 cm von dem oberen Rande entfernt aruubringen. Der Streifen muß sich oberhalb der Inschrift befinden und ohne Unterbrechung um das ganze Gefäß gezogen sein. Er darf die Inschrift und deren Umrahmung nicht berühren und auf den das Gesäß umgebenden Reifen oder Leisten nicht angebracht sein. Der Name oder die Firma des Fabrikanten, sowie die Fabrikmarke sind urmittelbar über, unter oder neben der Inschrift anzubiincen, ohne daß sie den rochen Streifen berühren. Die Anbringung der Inschriften und der Fabri - marke erfolgt durch Einbrennen oder Ausmalen. Werden die Inschriften aufgemalt, so sind sie auf weißem oder hellgelbem Untergründe mit schwarzer Farbe herzustellen. Die Anbringung des rothen Streifens geschieht durch Aufmalen. Die Inschriften und die Fabrikmarke sind aus den Seitenwänden des Gefäßes an mindestens zwei sich gegenüberliegenden Stellen,
komitees und dann in Wagen nach den verschiedenen Quartieren gebracht. Das Hauptquartier war errichtet im Hotel zum Riesen, dort waren der Hauptmann, der Unterhauptmann und ter Fahnenträger (vaandeldrager) einquartirt. Die übrigen Leute desFâh'luns waren meisten6 bei Bürgern und zwar bei den oornemnften Familien unter gebraut.
Bei ihrem Empfang erhielten alle Mannschaften ein L deretui „Zur @i innerung an die 300jährige Jubelfeier der Neustadt Hanau 1597 — 1897" mit Programm u. s. w.
Sonntag Abend war großes Fest in der großen Seadt (!), die ca. 28 000 Se Un zählt. Der Festplatz oder Festpark war gebaut hinter dem alten Stadlschloß. Darinnen war eine große Halle, die 4000 Personen fassen konnte, und eine Anzahl Hallen von kleineren Abmessungen. In diesen Hallen fanden Konzerte statt, Sänger-, Turn- und militärische Vorstellungen u. s. w. Kurzum, es gab von allem zu genießen, bis selbst zu den Herrlichkeiten eines Karouffels, das auf dem Festplatze stond.
Ueberall, wohin die Leute des Fähnleins kamen, wurden sie mit großer Begeisterung empfangen. Unaufhörlich klang es: „Das ist ein Holländer, diesen müssen wir haben."
Regnete es auch des Nachts nach Zwölf, die folgenden Tage ließ das Werter nichts zu wünschen übrig. Es war zwar kein sonniges, aber doch auch kein regnerisches Wetter, echtes Wetterchen (weertje) für einen Festzug.
Montag Morgen 8 Uhr mußte man für den historischen Festzug antreiea. Die Leute des Fähnleins versammelten sich im Hauptquartier. Darnach wurde auf der Straße Appell geschlagen und marschirte man nach der Zeichenakademie, woselbst das Fähnlein gestärkt wurde mit Wein, Brövchen, Fleisch u. s. w., m t eintm Worte; mit Allem, was sie nur ' haben wollten.
Die heutige Rümmer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.
falls das Gesäß einen Deckel hat, auch auf der oberen Seite des letzteren, bei Fässern auch auf beiden Böden anzubringen. Die Vorschriften über die Anbringung der Inschriften und der Fabrikmarke finden sinngemäße Anwendung auf die beim Einzelverkauf verwendeten Umhüllungen und auf die Bezeichnung der würfelförmigen Stücke.
Eine Reichstags Ersatzwahl in der Westpriegnitz wird durch die Ernennung des Abg. v. Podbielski nothwendig. Abg. v. Podbielski wurde 1893 nur mit 19 Stimmen über die absolute Mehrheit gewählt. Er erhielt 6265 Stimmen, während 2960 Stimmen auf den Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei, 1798 auf den Sozialdemokraten, 1458 auf den Kandidaten der Freisinnigen Vereinigung entfielen, während sich 11 Stimmen zersplitterten.
Der Chef der Landgendarmerie, General der Infanterie v. Rauch, hat seinen Abschied eingereicht.
In der Anpftanzung von Obstbänmen auf öffentlichen Wegen und Plätzen, in der Herstellung von Schmuckanlagen auf Dorfauen, in den Vorgärten und an Häusern, sowie in der Pflege solcher Anlagen in den verschiedenen Jahreszeiten soll die Schuljugend im Kreise Teltow durch geeignete Lehrer praktisch unterwiesen werden, um den Sinn der Jugend hierfür in beten eigenem späteren Interesse zu fördern. Zur Förderung der Obstbaumzucht hat dec Kreisausschuß schon seit Jahren hohe Prämien denjenigen Ortschaften in Aussicht gestellt, die sich auf diesem Gebiete auszeichnen würden, doch machten nur sehr wenige Gemeinden von diesem Anerbieten Gebrauch. Um nun die zu dem gedachten Zwecke bewilligten Gelder verwerthet zu sehen, wandte sich der Landrath an die Kreisschulinspektoren mit dem Ersuchen, ihm diejenigen Lehrer ihres Bezirks namhaft zu machen, denen Obstbaumzucht und Schmuckanlagen besonders am Herzen liegen. Die in Vorschlag gebrachten Lehrer wurden zu einer Besprechung auf das Landrathsamt geladen und diese Besprechung hatte ein im vorgedachten Sinne befriedigendes Ergebniß. Die Lehrer versprachen, nach bestem Wissen und Können auf diesem neuen Arbeitsselde mit der Schuljugend wirken zu wollen. Zur Verrichtung der hierbei nothwendigen Arbeiten soll ein Theil der Turn- und Naturgeschichtsstunden, aber auch je nach Bedürfniß die freie Zeit der Kinder verwendet werden. Zur Durchführung des Planes wurde jedem Lehrer eine Summe von 250 Mark überwiesen, die vorläufig je fünf Jahre hindurch in gleicher Höhe gezahlt werden soll.
Der italienische Minister der öffentlichen Arbeiten, Prinetti, scheint der Bestechlichkeit im Gebiet der Verwaltung und der unlauteren Prositmacherei im staatlichen Lieferungswesen recht energisch zu Leibe zu gehen. In der Köln. Ztg. werden jetzt zwei hübsche Geschichten erzählt, wie er jüngst erst durch seine peinliche Gewissenhaftigkeit und Zähigkeit dem
Der Festzug bestand aus 2000 Theilnehmern, 200 Musikern, 20 Gruppen, 15 Punkwagen und 200 Pferden. Er
hatte eine Länge von 3 Kilometern.
Der Ehrenplatz in diesem großartigen Festzuq roß’ dem holländischen Fähnlein vorbeha ten; es schloß fidj direkt an hinter den ersten Prunkwaan, der das alte Stadtthor mit der Stadtjungfrau (stedelijke maagd) oorstellte.
In dem Festzug, btr eine halbe Stunde zu spät 12 Uhr — begann, wurde das Fähnlein, sowohl auf dem Zug von als in die Sta"t, schier unter Blumen begraben. Jeder V-ndelier mar von Kopf bis zu Fuß mit Blumen Aeschmückt („van top tot teen met bloemen getooid") feine Lchärpe, fein Gewehr, seine Pike, alles war mit Blumen verziert. Selbst die schönen Trommeln, die sehr bewundert wurden (sie sind ein Geschenk des Herrn S. van Gijn), trugen schweren Blumenschmuck.
Als der Festzug vor der Tribüne angelangt war, woselbst der Oberbürgermeister, der Stadtrath und der Regiernngs- präsident und andere hohe Persönlichkeiten Platz genommen hatten, hielt der Z"g still. Der Hauptmann des Fähnleins, Herr Johs. Tuinenburg, trat vor und überreichte dem Oberbürgermeister mit einigen passenden Worten ein Album in rothem Plüsch mit Photographien von „Oud-Dordrecht", ein Andenken, das wohlwollende Annahme fand.
Auf Ersuchen des Oberbürgermeisters traten darauf alle Vendeliers aus dem Festzug — der
der
warten
mußte, — um in einem Bürgerhause empfangen zu werden. Doit wurde ihnen durch Damen ein Ehrentrunk kredenzt in schön geprägten Bechern, worauf auf einer Seite der Kirchenbau der Niederländisch-reformirten und Wallonischen Gemeinde und auf der anderen Seite das dieser Tage enthüllte Denkmal des Grafen Philipp Ludwig II., der vermählt war mit der Tochter Wilhelm des Schweigsamen, Katharina Belgica, und dessen Schutz eâ zu danken ist, daß