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Amtliches Organ für $faöf~ unö Lanökreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die 4spalrige Zeile
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Nr. 150
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Mittwoch den 30. Juni
1897.
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Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 45.
Amtliches.
Landkreis Kanan.
Belannlmachunge» des Königlichen LandralhsamleS.
Ich mache darauf aufmerksam, daß die Kaiserliche Verordnung vom 31. Mai d. I., betreffend die Ausdehnung der §§ 135 bis 139 und des § 139b der Gewerbe- ordnuuq auf die Werkstätten der Kleider- und Wäschekonfektion, am 1. Juli d. I. in Kraft tritt.
Hanau am 30. Juni 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Kieustullchriltiteu aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit gelber Brust und gelben Beinen, trägt ledernes Halsband; ferner ein weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen, trägt ebenfalls ledernes Halsband, beide m. Geschl.; Auskunft hierüber ertheilt Herr Bürgermeister zu Dörnigheim. Ein Hund (braunes Windspiel) m. Geschl.
Gefunden: Ein kleiner gelber Kinderstrohhut.
Hanan am 30. Juni 1897.
Städtisches 5
asserwerk.
Der Wasserverbrauch ist in den letzten Tagen auf 3600 cüin gestiegen.
Bei einer noch größeren Beanspruchung der Brunnen ist ein Versagen derselben zu befürchten. Wir ersuchen daher unsere geehrte Abonnenten, jeden nicht unbedingt nothwendigen Wafferverbrauch zu vermeiden und müßten jede Wafferoer- geudung unnachsichtlich zur Anzeige bringen.
Hanau am 30. Juni 1897.
Der Wasserwerks-Direktor
v. G â ß l e r. 9464
Die Handwerkervorlage
ist vom Reichstage endlich verabschiedet worden und zwar wesentlich nach den Vorschlägen der verbündeten Regierungen. Sie entspricht in ihrer Fassung nicht schlechthin den Erwartungen der ausgesprochenen Freunde der alten Zunftverfasiung. Denn sie sieht von der obligatorischen Zwangsinnung und der grundsätzlichen Einführung des Befähigungsnachweises ab. Aber die Befürworter eines einbeitlich und streng durch
Fenrkletsn.
Frauenliebe und Leben in der Negerlitteratur.
Von Dr. Reinhart Thilo.
(Nachdruck verboten.)
Noch hat die Litteraturgeschichte keine Litteratur kennen gelernt, die so roh wäre, daß nicht das Weib und sein Leben, seine Schönheit und die Liebe zu ihm darin eine Rolle spielte und inmitten barbarischer und primitiver Klänge eine liebliche und menschlich-ansprechende Weise veranlaßte. Als man die Negerlitteratur, jenen reichen Schatz der afrikanischen Völker an populären Ueberlieferungen, Sagen ui b Sängen, kennen lernte, fand man in ihr zunächst nur Thierfabeln und Räthsel, mythologische und historische Legenden: heute weiß man, daß Frauenleben und -Liebe auch in ihr seine Stelle gefunden haben. Freilich darf man hier nicht die zarte und ergreifende Lyrik unserer Litteraturen suchen. Alles, was die Betschua- nin von ihres Gatten Liebe erwartet, sind gelegentlich ein paar Stockschläge, die ihr der Beweis seiner andauernden Neigung sind. Bei solchen Anschauungen und Sitten wird sich das Ewig-Weibliche hier in ter eigenen Gestalt präsen- tiren müssen. Und dennoch wird der, der den Kern herauszuschälen versteht, ergreifende Schilderungen und Züge aus dem weiblichen Leben auch in der Neger-Litteratur in nicht geringer Anzahl finden.
Vor allem ist es die Mutter, der auch hier ersichtlich die größte Ehrfurcht und Liebe gezollt ( wird. Sagt doch ein Sprichwort der Suaheli: „Dein'"j Mter ist dein anderer Gott," — ein Ausspruch, der.. ,-irie Zartsinnigkeit des Stammes ganz gewiß beredtes, ’ \blegt In zahlreichen Legenden sprechen rührende ^^ ^ dem
geführten Jnnungszwanges und des Befähigungsnachweises haben doch guten Grund, sich des Erreichten zu erfreuen. Es stellt immerhin eine reichliche Abschlagszahlung auf ihre Wünsche dar und entspricht genau demjenigen, was zur Zeit überhaupt möglich war.
Es ist für sie schon von Werth, daß die verbündeten Regierungen sich als aufrichtige Freunde des Handwerks bethätigt haben. Das erweckt Vertrauen für die Zukunft. Die Regierung«n wären dem Handwerk, wie der frühere Handwerksorganisations-Entwurf des Ministers v. Berlepsch beweist, auch gegenwärtig gern noch weiter entgegengekommen, wenn es nur nach ihren Wünschen gegangen wäre. Aber unter den obwaltenden Verhältnissen dursten sie bestimmte Grenzen nicht überschreiten.
Man darf nicht vergessen, daß in den süddeutschen Bundesstaaten die Begeisterung für die Zwangsinnung füglich nur eine sehr getheilte gewesen ist. Dort sind im Lause der Jahre aus dem freien Zusammenschluß der Handwerker ganz lebensfähige Schöpfungen hervorg.-gangen, welche dem Handwerk eine gute Organisation und einen Hebel zu fruchtbringender Fortentwicklung bieten. Die süddeutsche Strömung ist zur Zeit nicht geneigt, diese Errungenschaften im allgemeinen Reichsinteresse preiszugeben; und die auf die Gewerbefreit eingeschworene freisinnige Presse hatte hier geschickt die Hebel angesetzt, um eine allgemeine deutsche Handwerksorganisation auf dem Boden der Zwangsinnung zu hintei treiben.
Mit dieser Thatsache hatten die verbündeten Regierungen zu rechnen. Wollten sie überhaupt dem Handwerk nützlich sein, so mußten sie sich mit dem zunächst Erreichbaren begnügen und doch zugleich Grundlagen schaffen, auf denen sich das Handwerk rm Sinne der Freunde einer straffen Handwerks organisätion forrentsalten konnte. Dies ist hinreichend geschehen. Die Bestimmungen des § 100, nach welchen von den Behörden die Bildung einer Zwangsinnung an geordnet werden kann, sobald die Mehrheit der betheiligten Handwerker die Einführung des Beitrittszwanges zustimmt und die Zahl der im Bezirk vorhandenen betheiligten Handwerker zur Bildung einer leistungsfähigen Innung ausreicht, — diese Bestimmungen haben Gesetzeskraft erlangt und leisten den Freunden der obligatorischen Zwangsinnung unstreitig großen Vorschub.
Die Handwerker haben thatsächlich Grund zur Zufriedenheit. Sie erhalten durch das neue Handwerkergesetz hinreichende Gelegenheit, sich zu organisiren, das Handwerk zu fördern und die Unentk ehrlich üit der Zwangsinnung ihren Berufsgenossen überzeugend erkennbar zu machen. Mit dieser Errungenschaft können sie vorläufig zufrieden sein. —r.
Opfermuth der Mutterliebe. Die Zulu-Sage von dem Heroen Usikulumi erzählt, daß sein böser Vater alle seine Söhne umbrachte. Als aber Usikulumi geboren wird, da verbirgt ihn die Mutter in ihrem Schooße, trägt ihn zu den alten Frauen und bewegt sie durch hohe Bitten und Geschenke, den Kleinen am Leben zu lassen und zu ernähren. Als ihn der König später erkennt, will er, daß er in den Wald geschickt werde. Der Wald ist weit und die Meisten werden müde und kehren vorher um; die Mutter aber sagt: „Ich kann ihn nicht im offenen Lande verlassen; ich will gehen und ihn dahin bringen, wo er hin soll". So geleitete sie und eine Tochter ihn zum wilden Walde. Einigermaßen verwandt ist die Manyema- Legende von König Gumbi's verlorener Tochter. Hier befiehlt König Gumbi, daß alle neugeborenen Mädchen in den Lualaba geworfen werden sollen. Aber das Mädchen, das Miama zur Welt bringt, ist „so schön und hat so große Augen urd ihre Farbe ist so weich, gleich einer reifen Banane", daß tie Oberamme den inständigen Bitten der Mutter nicht widerstehen kann und sie mit dem Kinde in Abwesenheit des Königs entschlüpfen, läßt. Sie trägt die Kleine in den dunkeln Wald und dort findet sie einen Papagei, der bereit ist, das Kind seiner Großmutter hinzutragen, was er auch treulich oussührt. In der Fortsetzung dieses überhaupt sehr anziehenden Märchens, das Stanley milgetheilt bat, findet sich ein Zug, der eine eigenthümliche innere Vewandtschaft mit der bekannten Legende von Salomo's weisen Richter- spruche aufweist. Schön und stattlich kehrt die Prinzessin zu ihrem Vater zurück, der sie nun froh aufnimmt. Aber wer ist ihre Mutter ? König Gumbi läßt eine Matte zum Frauenhause legen, gibt aber nicht an, zu welcher Thür sie führen solle. Dann führt er das Mädchen ein, und da er erklärt, bei ihrem ersten Anblick habe er „wie ein Mann von Vergnügen voll" sich gefühlt, so drängen sich alle Weiber vor und rufen: „Sie ist mein! Sie ist mein!" Miama
Tagesschau.
A la suite der deutschen Marine. Der am 27. Juni gelegentlich des Festmahls zu Ehren der Königin von England in Kiel vom Kaiser â la suite der deutschen Marine gestellte König der Belgier, Leopold II, ist der neunte Fürst, der diese Auszeichnung erhält. Der erste Fürst, dem diese Auszeichnung zu Theil wurde, war König Oskar II. von Schweden und Norwegen am 30. August 1888, da er zur Taufe des fünften Sohnes des Kaisers in Berlin weilte. Die zweite Verleihung erfolgte am 2. September 1890 an den Erzherzog Karl Stephan von Oesterreich, der in diesem Jahre an den großen deutschen Flottenmanövern theilnahm. Am 7. Juni 1895 erfolgte die Stellung des Kaisers Alexander III. von Rußland â la suite und zwar gelegentlich der an diesem Tage stattgefundenen Zwei-Kaiser-Zu- sammenkunft in Kiel. Am 9. Januar 1893 wurde Prinz Alfred von Großbritannien, Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, â la suite der Marine gestellt und am 7. April 1894 Prinz Ludwig von Italien, Herzog der Abruzzen. Gelegentlich der Eröffnungsfeierlichkeiten des Kaiser Wilhelm-Kanals, am 19. Juni 1895, wurden Großfürst Alexis Alexandro- witsch, der Bruder des Kaisers Alexander III. von Rußland, und Prinz Thomas von Italien, Herzog von Genua, â la suite der deutschen Armee gestillt, endlich im vorigen Jahre, am 5. September, Kaiser Nikolaus II. von Rußland. Kaiser Alexander III. ist inzwischen verstorben. Zur Zeit befinden sich also in der Ehrenstellung â la suite der deutschen Marine je ein deutscher, österreichischer, schwedischer und belgischer Fürst, sowie je zwei italienische und russische Fürsten. Der älteste derselben ist König Oskar von Schweden (68 Jahre).
Der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Bülow hat sich durch seinen Besuch beim Fürsten Bismarck, den er in Gemeinschaft mit dem Reichskanzler Fürstin Hohenlohe unternommen, beim deutschen Volke aufs Beste eingeführt. Ein deutscher Staatsmann, der seine Visitenkarte bei dem Vertrauensmanns des deutschen Volkes abgibt, gibt sie dadurch auch bei der Nation selbst ab und bekundet deutlich vor aller Welt, daß auch ihm das gespannte Verhältniß, das bisher geherrscht hat, unnatürlich erscheint. Unsern linksliberalen, ultramontanen und sozialdemokratischen Blättern, die den Fürsten Bismarck nun schon so lange „überwunden" und neuerdings sogar des „Landesverraths" überführt haben, mag es wenig in den Kram passen, daß zu dem Landesverräter Bismarck derselbe Reichskanzler fährt, unter dessen Amtsführung „aus ohnmächtigem Neid und Haß" dieser Landesoerrath geschehen sein soll.
Das kergänzttngssteuerpftichtige Vermögen in Preußen belief sich für das Jahr 1896/97 auf 64,02 Milliarden Mark. Steuerpflichtig sind bekanntlich nicht diejenigen, welche ein Vermögen von nicht über 6000 Mark
aber, die echte Mutter, saß krank und schwach vor ihrer Thür und sagte: „Verlängere die Motte bis zu meiner Thür, denn wie ich fühle, ist mein Herz mit ihr wie mit einer Schnur verbunden, sie muß das Kind sein, das der Papagei meiner Mutter zutrug". Man wird gewiß auch dieser Erzählung die Anerkennung nicht versagen können, daß sie einen Vorgang, der die Phantasie vieler Völker beschäftigt hat, bei aller Schlichtheit mit Feinheit, Gemüth und Eigenart schildert.
Die Neger-Litteratur liebt überhaupt eine gewisse Wortkargheit. Sie malt die Empfindungen nicht, sie deutet sie nur an. Auch die Schönheit eines Weibes wird gewöhnlich nur erwähnt, nicht geschildert: und selten nur verräth ein dithyrambischer Erguß das negritische Schönheitsideal. So streiten sich die Jünglinge um den passendsten Vergleich für die Schönheit der Gumbi-Tochter. Einige vergleichen ihre Farbe mit der der reifen Banane, andere finden sie dem Gummi, wieder andere einer röthlichen Oelnuß ähnlich, die Poetischsten aber meinen, ihr Gesicht gliche mehr der Farbe des Mondes als irgend etwas Anderem. Eine Bosoko-Er- zählung schwärmt von den Reizen der schönen Maranda. „Ihre Glieder waren rund und glatt und endeten in dünnen schmalen Händen und Füßen. Oit sprachen die jungen Leute von Maranda's leichten geraden Füßen und ihrem schwebenden Schritt. Eines Jungen Arm konnte ihre schlanke Taille umfassen, und die Art, in der sie ihren Kopf trug, und der zarte Nacken und der klare Blick ihrer Augen gehörten ihr allein."
Um solche Schönheiten entspinnt sich denn natürlich auch in darkest Africa der süße Kampf der Minne, und die Jünglinge müssen mit einander in Wettstreit treten. Ein schönes Hauffa-Mädchen erklärt vor versammeltem Stamme ihren Freiern: „Wer von euch im Stande ist, auf dem Kameele meines Vaters umherzureiten, ohne herunter zu fallen, dem