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Rr. 149.
Dienstag den 29. Juni
1897.
Amtliches.
^anb^rex^ ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landratbsamles.
In Albstadt, Bezirksamt Alzenau, ist die Schweineseuche ausgebrochen und Gehöstfperre angeordnet worden.
Hanau am 28. Juni 1897.
Der Königliche Landrath
V. 6410 v. Schenck.
Kienkiulâkiititrn aus dem Kreise.
Gesunden: Auf dem Wochenmarkt am 26. d. Mts. ein schwarzlackirtes Kaffeebrett mit Goldoerzirung. Ein Holz- kasten (auf der Post). Eine braune getragene Kappe. Ein brauner Kinderstrohhut. Ein Schulbuch „L. v. Seydlitz'sche Geographie" (in einem Laden liegen geblieben).
Entflogen: Ein grüner Papagei.
Verloren: Eine Wagenkapfel von Messing.
Hanau am 29. Juni 1897.
Tagesschau.
Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung den vom Reichstag beschlossenen Gesetzentwürfen, betreffend Abänderung der Gewerbeordnung, betreffend Feststellung eines ersten, zweiten und dritten Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für 1897/98, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Reichsheeres und betreffend den Seroistarif und die Klasseneiniheilung der Orte, die Zustimmung ertheilt. Ferner wurde znstimml der Vorlage vom 9. Juni b. Js., betreffend die Kontingentirung von Zuckerfabriken, und dem Ansschußantrage zu der Vorlage, betreffend die den Landesregierungen für die Durchführung der Berufs- und Gewerbezählung vom Jahre 1895 zu gewährende Kosten Vergütung, sowie einem Antrag auf Ueberwrisung eines Arbeitsplatzes bei der zoologischen Station in Rovigno. Den zuständigen Ausschüssen wurde überwiesen die Vorlcge, betreffend den Entwurf von Bestimmungen zur Ausführung des Gesetzes über den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln, dem Reichskanzler wurden überwiesen die vom Reichstage bei der Berathung des Entwurfs eines Handelsgesetzbuchs und des Entwurfs eines zugehörigen Einführungsgesetzes beschossenen Resolutionen, betreffend die Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte und betreffend den Erlaß von Bestimmungen über die Aufstellung und Ausführung der Dispache. Der Resolution des Reichstags, betreffend die Gewährung von Diäten und Reisekosten an die Mitglieder des Reichstags, wurde keine Folge gegeben. Außerdem wurde über eine Reite von Eingaben Beschluß gefaßt.
In einem weiten Gebiete der Provinz Brandenburg, sowie auch in Posen und Westpreußen ist in diesem Frühjahr das
Kleines Feuilleton.
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Aus Kunst und Leben.
* Raff Konservatorium zu Frankfurt a. M. Dem uns über sandten Bericht über das Schuljahr 1896/97 entnehmen wir, daß das Konservatorium von 144 Eleven besucht wurde, von welchen 90 aus Frankfurt, 6 aus Hanau (Minna v. Fransecki, Elisabeth Holm, Christine Müller, Alma Schendke, Else Zeuner und Carl Reich), 36 aus dem übrigen Deutschland, 3 aus England, 2 aus der Schweiz, 3 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus Rußland, 1 aus Indien, 1 aus Amerika waren. An musikalischen Aufführungen haben im verstossenen Schuljahre stattgefunden 16 Uebungsabende, 6 öffentliche Prüfunoskonzerte vor geladener Kritik, 1 kra- motfiche Aufführung im Kostüme auf der Bühne, 1 Schukert- feier in der „Loge Carl". Das neue Schuljahr beginnt am 1. September d. J. Prosvekte sind durch den Hausmeister der Anstalt, Jean Koch, Eschenheimeraniape 5, zu beziehen.
Dem BaÜadenkomponisten ^Awe soll bekanntlich in Stettin ein Denkmal gesetzt werden, dessen Ausführung dem Bildhauer von Glümer-Charlottenburg übertragen wurde. Herr v. Glümer hat das Gußmodell der etwa drei Meter hohen Gestalt des Komponisten bereits fertiggestellt. Der große Tonkunstler steht mit dem linken Arm, dessen Hand eine Notenrolle hält, gelehnt auf ein mit einem Reliesbild der heiligen Cäcilie geschmückten Musikpult, während die Rechte einen Dirigentenstab hält. Die Haltung ist ruhig und doch voll Leben. Besonders naturgetreu ist der eigenartig geformte, interessante Kopf des Tondichters. Die Enthüllung des Monumentes, das vor der Jakobikirche in Stettin aufgestellt werden wird, findet voraussichtlich am 101. Ge-
Auftreten einer gefahrdrohenden Kirfchbaumkrankheit fistgestellt worden. Dieselbe befällt vornehmlich Sauerkirschen und macht nicht nur die Bäume ertraglos, sondern droht sie auch zu zerstören. Bisher für eine mit Frostwirkung im Zusammenhang stehende Erscheinung gehalten, ist die Krankheit neuerdings von der Wissenschaft als rein infektiöse, durch den Pilz Monilia fructigena heroorgerufene festgestellt. Sie gibt sich in einem raschen Braun- und TrockiNweiden der Blüttenbüschel und in einem Fortschreiten des Absterbens auch der Tragzweige zu erkennen und bedeutet bei ihrem an: st,ckenden Charakter eine ernste Gefahr für den heimischen Obstbau. Zur Bekämpfung der Krankheit ist nicht nur das kranke Holz, soweit möglich, her auszuschneiden und zu verbrennen, sondern es sind auch die Baumkronen nach Abfall des Laubes kräftig mit Kupfer vitriolkaltbrühe zu bespritzen, welch h^tne Maßnahmen im Frühjahr darauf vor dem Oeffnen der KnospiN zu wiederholen bleibt, ein Verfahren, welches weder erhebliche Koster, noch praktische Schwierigkeiten verursacht.
Der Senat in Rom nahm den Gesetzentwurf betr. die Bewilligung von 7 Millionen Lire für Marinezwecke an, nachdem der Marineminister erklärt hatte, es würde unsinnig sein, sich bei dem Bau der Schiffe an das Ausland zu wenden, von einigen Spezialitäten abgesehen, schon allein, weil die heimische Industrie für Vieles geringere Preise verlange, als das Ausland.
Die trostlose Ebbe des spanischen Staatsschatzes, durch den jahrelangen Krieg auf Kuba hervorgerufen und durch ein Zurückbleiben der Steuern um 40 v. H. hinter dem Voranschläge noch vermehrt, zwingt die Regierung, sich hilfesuchend nach neuen Geldquellen umzusehen, damit nächstes Jahr wenigstens die allernothwendigsten Ausgaben bestritten werden können. Zunächst ist, um die Lasten aus der durch die Zolleinnahmen verbürgten Anleihe aufzubringen, ein „vorübergehender" innerer, also nicht die Zolltarife berührender Zuschlag von einem Zehntel auf die meisten unmittelbaren und mittelbaren Steuern verfügt worden und außerdem droht eine Dividendensteuer von 1,25 v. H. Wie das winhschaftlich entkräftete Land die neuen Lasten auch wirklich ausbringen soll, ist eine andere Sache, zumal in den karlistischen Gegenden schon vorher Steuerverweigerung begonnen hat.
Der Internationale Arbeiterversicherungskon- gretz, welcher in den Tagen vom 23. bis 25. Juli d. J. in Brüssel stattfindet, erregt in den Kreisen der Regierungen ein lebhaftes Interesse. Wie nunmehr feststeht, werden die Regierungen von England, Frankreich, Rußland, Oesterreich- Ungarn, Italien, Spanien, Dänemark und Beutschland eine Reihe Vertreter entsenden. Ferner sind auch nach Mittheilungen aus Brüssel bereits eine größere Zahl namhafter Lehrer der Volkswirihschaftslehre aus den verschiedensten Ländern zu
Das Kölner Kaiser Wilhelmdenkmal, welches kürzlich in Gegenwart des Kaiserpaares enthüllt worden ist, baut sich auf einem Naturfelsen von Granit aus, aus welchem das polirte Granitpostament herauswächst. Der Kaiser- ist zu Pferde dargestellt. Vorn am Postament nimmt die Kolonia ihren Platz ein, die Rückseite beherrscht der Vater Rhein. Links und rechts sind unter den Reichsinsignien große wasserspeiende Löwenköpfe angebracht. Der £ chöpfer des Denkmals, Bildhauer Richard Ankers-Berlin, ist aus Anlaß der Enthüllung zum Professor ernannt worden. Die „Köln. Ztg." gibt noch folgende Beschreibung des Denkmals: Kolonia, eine Jdealgestalt, ruht in sitzender Stellung auf dem vorderen, der Stadtmitte zugemandten Absätze des Postaments. Während die markige Figur des Vater* Rhein, mit dem Dreizack bewehrt, in trutziger Haltung äußerst packend dargestellt, die kernige Wehrkraft des deutschen Volkes zum Ausdruck bringt, verkörpert die Kolonia mit ihrem milden Gesichtsausdruck, dem Sieger einen Lorbeerzweig reichend, den Frieden, dessen ein Gemeinwesen zu seiner gedeihlichen Entwickelung bedarf. Hinter der Kolonia reitet, sich an sie anschmiegend, eine Putte auf einem Delphin, die mit Köln vereinigte Stadt Deutz versinnbildlichend. Zur Linken ter Kolonia befindet sich, zur Symbolisirung der hochentwickelten Industrie der rheinischen Metropole, eine Kammrad, während sich hinter der edlen Frauengestalt eine getreu nachgebildete Fiale des Kölner Domes erhebt, unter der eine Quelle entströmt, das ^Sinnbild des von der christlichen Kunst ausströmenden Segens. Von den beiden an den Längseiten des Sockels angebrachten Tafeln trägt die zur Linken des Standbildes die Widmung: „Wilhelm dem Siegreichen, dem eisten deutschen Kaiser des wiedererstandenen Deutschen Reiches, die dankbare Stadt Köln", nährend zur rechten Seite las von Eichenlaub umrankte einfache deutsche Gelöbniß: „Fest steht "^d trpH hip Wacht am Rbein". vranat. Ueber den beiden
Vorträgen angemeldet. Besonders zahlreich in letzterer Hinsicht wird Frankreich vertreten sein.
Preußischer Landtag. Herrenhaus.
(Sitzung vom 28. Juni.)
Das Herrenhaus genehmigte heute ohne Debatte die Gesetzentwürfe, betreffend Abänderung der hinsichtlich derJagd auf Wasservögel für Ostfriesland geltenden gesetz lichen Bestimmungen und betreffend die Z w a n g s v o l l- streckung aus Forderungen landschaftlicher Kreditanstalten.
Für die Baukommission des Herrenhauses erstattete sodann Herr v. Wedel Bericht über die Lage des Bauprojektes für den Neubau des Herrenhauses, im Anschluß an den eine Anzahl von Rednern eine Reihe von Wünschen geltend macht.
Es folgt die Berarhung über die Handelskammergesetznovelle, in der die Kommission eine Reihe von Abänderungen vorgenommen hat. In der Generaldiskussion bedauert Geheimer Kommerzienrath Schlutow diese Aenderungen, will aber doch dafür stimmen, damit das Gesetz zu Stande komme. Handelsminister Brefeld hält die Aenderungen nicht für so wesentlich, daß das Gesetz dadurch unannehmbar würde, und hofft, daß es möglich sein werde, das Gesetz noch in dieser Session zu verabschieden. In der Spezialdiskussion werden die Kommissionsanträge mit kleinen Aenderungen angenommen. Die wesentlichste vom Hause beschlossene Aenderung ist der hinzugefügte § 19b, wonach die Handelskammer beschließen kann, daß neben den Mirgliedern Stellvertreter gewählt werden.
Der Gesetzentwurf, betreffend Abänderung des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes, der eine größere Schonung des Elchwildes bezweckt, wird ohne Debatte angenommen.
Ein Antrag v. Jerin-Geseß, die Staatsregierung um Erlaß einer Verordnung für die Provinz Schlesien zu ersuchen, wonach für den Fall, daß mehrere Gutsbezirke mit Landgemeinden einen Schulverband bilden, die Auslösung und Eingemeindung eines dieser Gutsbezirke bis zu anderweitiger gesetzlicher Regelung der Schulunterhaltungspflicht nicht ausgeführt werden soll, ist zu Gunsten folgenden Kom- mifsionsantrages zurückgezogen: die Staatsregierung zu ersuchen, bei Auflösung und Eingemeindung eines Gutsbezirkes, der vorher mit mehreren Gutsbezirken und Landgemeinden einen Schulverband gebildet hat, die Anwendung des § 2 der Landgemeindeordnung für die sieben östlichen Provinzen der Monarchie vom 3. Juli 1891 auch auf den § 3 ebendaselbst mit der Wirkung zu erstrecken, daß 1. die sämmtlichen materiell durch die Eingemeindung Betroffenen gehört
Tafeln sind in Nischen die Reichsinsignien und Szepter und Schwert angebracht, darunter speien Löwenköpfe Wasser in breitem Strahl in vorgebaute Becken, aus welchem das Wasser in das große, das Denkmal umgebende Becken abläuft. Auch jonst ist das Wasser als lebendes Element des Monuments verwendet. Hinter der Kolonia sowohl als hinter dem Vater Rhein rieselt Wasser aus Delphinen, als Quellen und aus einer Amphora in senkrechtem Falle über die Felsen nieder, aus denen der schwedische Granitsockel des Denkmals gleichsam empoiwächst.
Charlotte Wolter und Pfarrer Kneipp. Zwei Fliegen mit einer Klappe wollte der Wiener Oberbürgermeister Lueger todtschlagen, als er in einer kürzlichen Sitzung Charlotte Wolter und Pfarrer Kneipp mit Nachrufen bedachte. Julius Bauer glossirt diesen Vorgang selr niedlich:
Im Rathhauâ erhob sich der Bürgermeister, Zwei Todte in einem Athem preist er.
Elegischen Herzens Bewunderung zollt er Dem Pfarrer Kneipp und Charlotte Wolter!
Wer wollte den Bürgermeister verdammen?
Daß Wolter und Kneipp er koppelt zusammen?
Er that dies mit gutem Rechte, dieweil
Bei Beiden die Menge jubelte: Heil!
Es drängten sich häufig viel Hoffer und Harrer Zur tragischen Heldin, zum magffchen Pfarrer.
Er pfuschte den Aerzten ins Handwerk hinein, Sie that dasselbe als Zaub'rin am Stein.
In ihren Fächern manch' Wunder sie schufen, Sie wurden von Hoch und Nieder — gerufen.
Sie boten Beide der Menschheit Genuß, Bei ihnen war Alles aus einem Guß.