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25 Juni

Hanauer Anzeiger

Seite 5

-Noch in Steinheim hatte und dort noch wahlberechtigt zu sein glaubte. Spielmann habe eine Anzahl Wähler durch Ver­sprechungen verschiedener Art zu bewegen gesucht, für ihn zu stimmen, auch selbstgeschriebene, kenrtlich gemachte Stimm­zettel an dieselben abgegeben, damit er als Schriftführer des Wahlbureaus diese Stimmen nach der Wahl habe kontrolliren können. So habe er u. A. dem Feldschützen Ulrich in Aus­sicht gestillt, daß er bei dessen Sohn, Steinmetz Ulrich, einen Grabstein für seines Vaters Grab bestellen werde, wenn sie beide für ihn stimmen würden, und dem Adam Rapp Hab­er in derselben Weise die Ueberlassung eines früher verwei­gerten Grundstücks versprochen. Von Anhängern Spielmanns sei ebenfalls ähnliche Wahlbeeinflussung betrieben worden. Girren Wähler, Heinrich Winter, habe man in der Wirth­schaft von Ahlbrandt (Anhänger Spielmann's) in der Nacht vor der Wahl zum Uebernachten dortselbst veranlaßt, um ihn am anderen Morgen in angetrunkenem Zustande in einer Spielmann'schen Chaise zum Wahllokal zu fahren. Der Jo­sef Wendelin Bauer in Klein-Steinheim, dessen Bruder Franz in der Trunkenheit am 25. Januar sich einer Majestätsbe­leidigung schuldig machte und später flüchtig ging, soll am andern Tage dieserhalb bei Spielmann vorgesprochen und die Antwort erhalten haben, es sei Unrecht, daß man den Franz Bauer wegen der Aeußerung angezeigt habe; er, Spielmann, werde bezeugen, daß derselbe ein Narr sei; darauf habe Spielmann dem Josef Wendelin Bauer 15 Mark gegeben, wie dieser aussagt, mit der Bestimmung, Wähler aus dem gegnerischen Lager durch Freibier herüberzuziehen, was auch t geschehen sei. Die Wähler Heinrich am Zehnhof und Jo­hann Josef Schmidt, deren Steuerrückstände aus dem Vor­jahre wegen Uneinbringlichkeit niedergeschlagen worden sind, haben kurz vor der Wahl ihre neuerdings fällig gewordenen und auch die niedergeschlagenen Steuern bezahlt, weshalb behaup tet wird, sie hätten das Geld von der Spielmann'schen IPartei zur Bezahlung der Steuern erhalten, um wahlberech­tigt zu sein und noch in die Wahlliste eingetragen zu wer­den. Den Steinbrucharbeitern Michael Klein und Peter Sommer sei seitens ihres Arbeitgebers Steinbruchbesitzer Ignaz Jmgram indirekt mit Arbeitsentlassung gedroht wor­den, wenn sie nicht für Spielmann stimmten. Dem Wirth und Schiffereibesitzer Leopold Jmgram soll Ignaz Jmgram seine Kundschaft aufgesagt und auch entzogen haben, weil Ersterer nicht für Spielmann stimmen wollte. Die Zeugen­aussagen waren sehr widersprechende und bei eimm Zeugen, der sich in Widersprüche verwickelte, wurde die Nichtverei- digung beschlossen, auf die Vereidigung eines anderen Zeugen -wurde verzichtet. Spielmann selbst bestritt im Wesentlichen die ihm gemachten Vorwürfe, namentlich den, daß er dem Josef Wendelin Bauer 15 Mark gegeben habe, um Wähler zu traktiren; er habe dem Bauer höchstens 2 Mark geschenkt, es könnte aber auch weniger gewesen sein, was er nicht mehr genau wisse, damit dieser sich ein paar Schoppen Bier dafür kaufe. Heinrich Winter behauptete, er habe frei­willig bei Ahlbrandt übernachtet, damit er am andern Morgen nicht von den Anhängern der Bauer'schen Partei geholt werde. Die Bezahlung von Steuern Seitens der Spielmann'schen Partei für am Zehnhof und Schmidt wurde von Letzteren bestritten; Schmivt will das Geld von seiner Schwester er­halten haben. Die Zeugen Michael Klein und Peter Som­mer sind jetzt noch, obwohl sie für Bauer gestimmt haben, bei Ignaz Jmgram in Arbeit, wodurch die angebliche Drohung des Letzteren hinfällig wurde. Dagegen gab Ignaz Jmgram seine Aeußerung zu Leopold Jmgram zu. Zur Verlesung gekommen war auch ein Brief des katholischen Pfarrers Waldmann, worin dieser bestreitet, zu Gunsten der Kandi­datur Bauer einen Einfluß ausgeübt zu haben, er habe viel­mehr sich ganz passiv verhalten. Der Vertreter der Rekla­manten, Rechtsanwalt von Brentano, beleuchtete in längerer Rede die einzelnen Reklamationspunkte und die Vorkommnisse bei der Wahl, auf Grund deren er beantragt, der Reklama- tion stattzugeben. Der Anwalt Spielmann's, Dr. Hoff­mann, wies die persönlichen Beschuldigungen gegen seinen Klienten, wie sie von dem Gegenanwalt zwar nicht in der gegenwärtigen mündlichen Verhandlung, aber zu den Akten gegeben worden seien und wonach sein Klient unchristlich und unmoralisch sein solle, zurück, bezeichnete die Reklamation an -sich als nicht den gesetzlichen Anforderungen genügend und daher unzulässig und suchte die vorgebrachten Reklamations­punkte zu entkräften; Unregelmäßigkeiten seien jedenfalls auch auf der anderen Seite vorgekommen. Nach etwa dreiviertel­stündiger Berathung entschied der Kreisausschuß dahin, daß der Reklamation nicht stattzugeben sei, daß die Reklamanten in die Kosten des Verfahrens einschließlich der anwältlichen Vertheidigung zu nehmen und zur Zahlung eines Aversionalbetrags von 20 Mark an die Kreiskasse zu verurtheilen seien.

A Haittstadt a. M, 24. Juni. Ein hiesiger Be­wohner schändete kürzlich das Andenken unseres verstorbenen Bürgermeisters Geißler durch schwere Anschuldigungen. Die Anverwandten Les Verstorbenen strengten Men den unbe­sonnenen Mann eine Beleidigungsklage an, welche heute vor dem Seligenstädter Schöffengerichte zur Verhandlung stand. Das reuige Geständniß des Beklagten veranlaßten die durch Herrn Rechtsanwalt von Brentano-Offenbach resp, dessen Accessisten Herrn Keil vertretenen Kläger zu einem Verqleichs- abschlusse. Inhaltlich dessen übernimmt der Beleidiger sämmt­liche Kosten des Verfahrens und gibt überdies in 3 Zeitungen unter Zurücknahme seiner groben Beleidigung eine Ehren­erklärung ab.

A Klein-Welzheim, 24. Juni. Der Zimmermann und Landwirth Karl Sommer fuhr gestern Abend einen Wagen Heu nach Hause. Seine Frau hatte auf dem hoch­beladenen Wagen Platz genommen. In der Hofraithe an­

gelangt, versuchte dieselbe am hinteren Wagenende auszusteigen. Als aber in demselben Augenblick die vorgespannten Kühe den Wagen noch einmal anzogen, stürzte die Frau rücklings und kopfüber in den gepflasterten Hof. Dabei erlitt sie neben mehrfachen Hautabschürfungen und einer klaffenden Kopf­wunde eine starke Quetschung der Hals- und Lendenwirbel­säule, sowie eine schwere Gehirnerschütterung. Der Zustand der Verunglückten gibt zu ernsten Besorgnissen Veran­lassung.

A Crbach im Odenwald, 24. Juni. Das bekannte Erbacher Volksfest, derEulbacher Markt", wird heuer am 18., 19. und 25. Juli abgehalten. Nach einer bürger­meisteramtlichen Bestimmung werden zu diesem Feste die Ver­anstalter von Glücksspielen nicht mehr zugelassen. Diese An­ordnung findet allgemeine Billigung.

Mainwasserwärme gestern Mittag 171/* Grad.

Schiffsbericht.

Der DampferScotia" ist am 22. Juni, 10 Uhr morgens, wohlbehalten in Philadelphia angeksmmen.

Hamburg, 21. Juni. Der DampferAmalfi" der Hamburg-Amerika-Linie ist vorgestern in New-Jork eivge- troffen.

Bremen, 22. Juni. Der Dampfer des Norddeutscher LloydSpree" ist gestern in New-Jork und der Dampfer Preußen" vorgestern in Hongkong eingetroffen.

Nrw'Uork, 21. Juni. Der DampferAmsterdam" von der Niederländisch - Amerikanischen Dampfschifffahrts- Gesellschaft ist gestern hie' eingetroffen.

Gebrauchs-Muster.

Nr. 75 996. Doppeltes Vorgelege mit einer um 90° verstellbaren Antriebsscheibe. Mayer u. Schmidt in Offenbach a. M., vom 19. Mai 1897 ab. M. 5452. Kl. 47.

Nr. 75 880. Aus einem lose in einer Hülse geführten Stift bestehende Regulirvorrichtung für den Graphitbehälter einer Fahrradkettenbürste. Carl Rei ml in g in Frankfurt a. M., Weberstraße 130, vom 14. Mai 1897 ab. R. 4378. Kl. 63.

Nr. 75 ö90. Fahrradpedal mit über einer Spindel auf Kugeln laufendem Gehäuse. Wirth u. Co. in Frankfurt a. M., vom 15. Mai 1897 ab. W. 5458. Kl. 63.

Nr. 75 934. Ans einer elastischen oder mit elastischen Einlagen versehenen, der Länge nach aufgespalteren Hülse bestehender Ueberst-ckhandgriff für Fahrräder. Wilbelm Ull­rich III. in Offenbach a. M., vom 29. April 1897 ab. U. 539. Kl. 63.

Drahtnachrichten desHan. Anz."

Berlin, 25. Juni. Wie aus Petersburg gemeldet wird, sieht man am dortigen Hoslager dem Besuch des deutschen Kaiserpaares für den 1. August entgegen. Es verlautet, das Zarenpaar habe gebeten, den Kronprinzen und den Prinzen Eitel Fritz mitzubringen, doch soll eine endgültige Entscheidung hierüber noch nicht getroffen sein.

Berlin, 25. Juni. TerLokalanz." meldet aus Peters­burg : DieNowoje Wremja" will aus bester hiesiger Quelle wissen, Präsident Faure werde am 20. Juli auf dem DampferDupuy de Lome" mit kleiner Begleitung in Peter­hof eintreffen. Die Nachricht ist an auffallender Stelle im gesperrten Druck wiedergegeben. Der französische Botschafter sagte, Präsident Faure werde nicht vor Mitte August seinen Gegenbesuch machen können, da die Kammern erst im August geschlossen würden und Faure während der Session nicht außer Landes sein würde. Das russische Hofministerium er­klärte, Definitives sei noch nicht bestimmt. Da Faure unter allen Umständen eine Begegnung mit dem deutschen Kaiser auf See vermeiden will, was bei einer Reise Mitte August vielleicht nicht möglich wäre, klingt die Nachricht derNo­woje Wremja" nicht unwahrscheinlich.

Kiel, 25. Juni. Auf einem schwedischen Schooner brach eine Meuterei aus, die Mannschaft wollte den Steuermann erstechen. Der Bedrohte sprang hinter Friedrichsort über Bord und wurde durch ein Lootsenfahrzeug gerettet.

Hamburg, 25. Juni. Der Arbeiterausschuß nahm einstimmig den von der Handels- und Schifffahrtsdeputation ausgearbeiteten erhöhten Lohntarif für Staatsquaiarbeiter an.

Hamburg, 25. Juni. Nach Meldungen desHamb. Korresp." aus Berlin ist die nach dem Etat vorgesehene Heimordre des KreuzersSeeadler" aus Ostafrika bis auf Weiteres verschoben worden.

Hamburg, 25. Juni. In einer längeren Zuschrift desHamb. Korresp." wird behauptet, dem Reichstage werde in der nächsten Session eine neue Marinevorlage zugehen. Wahrscheinlich werde die Majorität, insbesondere das Centrum, eine ganz andere Haltung einnehmen, als in der vorigen Session. Die Aufnahme einer Anleihe von 150 Millionen 90 für Schlachtschiffe und 60 für Panzerkreuzer sei dazu erforderlich.

Budapest, 25. Juni. Der ungarische Naturforscher Samuel Brassy, Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften, der vor kurzer Zeit seinen 100. Geburtstag feierte, ist gestern gestorben. *

Brüssel, 25. Juni. Die gestern hier eingetroffene Kongopost bringt keinerlei Meldung über die Kolonne Dhanis, dagegen einen ausführlichen Bericht über die Einnahme der Festung Bedjaf durch die Truppen Choltins. Bedjaf, wel­ches 10,000 Einwohner hat und von 4000 Mann besetzt war, wurde am Abend des 17. Februar genommen. Die Beute bestand in zwei Bronce- Kanonen, Waffen und Muni­

tion. Der belgische Lieutenant Sarolea fiel in dem Kampfe. Der Verlust der Mahdisten betrug mehrere hundert Mann. Die Bevölkerung von Redjaf zeigte sich glücklich über ihre Befreiung aus den Händen der Mahdisten und unterwarf sich den Kongobehörden. Die geographischen Resultate der Expedition ergaben, daß Lago am Nil nicht mehr existirt, obgleich diese Stadt aus allen Karten angegeben ist, ebenso­wenig drei andere Handelsplätze. Der Ort, wo letztere ge­legen haben, läßt sich nicht mehr feststellen.

Marseille, 25. Juni. Gestern Abend am Jahrestage des Todes des verstorbenen Generals Hoche fand >in Fest­mahl statt. Der Unterrichtsminister hielt eine Ansprache, in der er die Einigkeit aller Franzosen empfahl und auf den Zarenbesuch zurückkam. Durch das Bündniß mit Rußland sei der Frieden im Westen gesichert.

Madrid, 25. Juni. Aus Havanna wird gemeldet, die Entrüstung über die Grausamkeit des Generals Weyler sei so groß, daß ein Jnsurgentenchef 36 spanische Gefangene aushängen ließ.

London, 25. Juni. Tie Königin sandte anläßlich des Jubiläums eine größere Summe nach Athen zwecks Unter­stützung der aus Thessalien gefluchten Griechen.

London, 25. Juni. Die französische Kolonie hat der Königin Viktoria eine künstlerisch ausgestattete Glückwunsch- Adresse überreicht.

London, 25. Juni.Daily Mall" meldet, die Zahl der offiziell Eingeladenen zur Flottenschau sei so groß, daß dazu ein Packeldampfer zur Verfügung gestellt werden mußte. Allein 450 englische Schiffe werden in fünf Linien aufgestellt.

Athen, 25. Juni. Die im Auslande verbreitete Mel­dung, daß die Regierung die Friedensverhandlungen mit fort­gesetzten Protestnoten störe, wird von kompetenter Seite als vollständig erfunden bezeichnet. Die bisherigen Proteste der Regierung bezogen sich lediglich auf die fortgesetzten Ver­letzungen des Waffenstillstandes sowie auf die von den Türken verübten Gewaltmaßregeln in Thessalien. Die Regierung wird, falls die Großmächte die Interessen Griechenlands wahren, alle in Konstantinopel vereinbarten Bedingungen ac- ceptiren. Es sei ihr einziger Wunsch, einen rasch; n Abschluß des Friedens herbeizuführen.

Athen, 25. Juni. Das BlattAsty" versichert, Ehdem Pascha habe Weisung erhalten über die Art und Weise, wie Thessalien geräumt werden soll. Bis zur vollständigen Zah­lung der Kriegskosten werden die Türken kleine Truppen- abtheilungen in Thessalien zurücklassen.

Zum Diamantarbeiterstreik.

Wir erhalten folgende Zuschrift: In derVolksstimme" vom 23. ds. befindet sich ein Artikel mit der Tendenz mich verächtlich zu machen. Da ich mich mit derVolksstimme" nicht in Auseinandersetzungen einlassen kann und will, so bitte ich um gefl. Veröffentlichung folgender Richtigstellung in Ihrem geschätzten Blatte:

Ich habe zu erklären, daß ich von den Fabrikanten nicht angegangen wurde, bei denselben in Arbeit zu treten, sondern habe dies aus freien Stücken gethan. Es wurde mir ferner keine besondere Vergünstigung versprochen, viel­mehr arbeite ich ausschließlich zu dem geltenden Schleifer­tarif. Was nun mein angeblich langsames Arbeiten anbe­trifft, so habe ich das angenehme Bewußtsein, mich bisher immer als ehrlicher Mann ernährt zu haben; ich lasse mich weder,um faulenzen zu können, von meiner Frau ernähren, noch lasse ich mich, da es gegen mein Gefühl der Selbstachtung geht, von anderen Arbeitern, die weniger verdienen können als ich selbst, durch Almosen unterstützen.

Weshalb aber werden wir Schleifer, die sich selbst er- rähren wollen und ernähren können, von den Führern des Fachvereins angegriffen? Meiner Ansicht nach nur deshalb, damit ein das große Wort führender Leiter und einige seiner Gesinnungsgenossen, die durch den Streik wahrlich nichts eingebüßt haben, aus der Noth der irregi- fühtten Schleifer, die sie unter ihrer Knute haben, Kapital schlagen können. Carl F a r r."

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