Einzelbild herunterladen
 

WsMttnqlG-

Jährlich 9 ^

GMLHrl. 4 Jt 50 £. Vierteljährlich 2 »M 25 ^.

Für auswärtige »Girnenten mit dem betreffenben

Postaufschlag.

Die einzelne Stummer kostet 10 ^.

Amtliches Organ für Staöt- unS Lanökreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Insertions- Preis : Die ispaltige Garmond­zeile oder deren Raum

10 ^.

Die 1'/»spalüge Zeile 10 ^.

Die 2spaltige Zeile 20 ^.

Die 3spaltige Zeile 30_J

Die 4spaltige Zeile 40 -4.

Im Reklamentheile die Zeile 20 ^ netto.

Mr. 146.

Freitag den 25. Juni

1897.

Amtliches, ^taöt&rei^ ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Das städtische Meldeamt befindet sich vom Samstage den

26. d. Mts. an Langstratze Nr. 41, psni. rechts.

Dasselbe ist für das Publikum geöffnet : vormittags von 1012^2 Uhr, nachmittags 35

Hanau am 22. Juni 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 9148

Bekanntmachung.

Am Freitag den 25. d. Mts., nachmittags, bleibt das Meldeamt für den Verkehr mit dem Publikum geschloffen.

Hanau am 22. Juni 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 9149

Bekanntmachung.

Das Stadtbauamt II, sowie das Hausentwässerungs- Lüreau befinden sich von heute ab Langstratze 41, eine Stiege hoch.

Hanau am 25. Juni 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 9238

J f Bekanntmachung.

Diejenigen Damen und Herren, welche bei den Gesangs­aufführungen der Jubiläumsfeierlichkeilen mitgewirkt haben und noch im Besitze von Noten sind, werden gebeten, dieselben im Rathhaus, Zimmer Nr. 19, baldigst abzuliefern.

Hanau am 23. Juni 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 9239

.......... - -.........- '

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 24. Juni 1897.

Der Reichstag beendete heute die dritte Lesung der Hand­werkervorlage. Ein Antrag Auer will in einem neuen Artikel 10 die Bestimmungen der dem Reichstage vorliegen­den, aber nicht mehr zur Erledigung gelangten zweiten Ge- werbenovelle, welche durch die Verhältnisse in der Konfektions- industrie veranlaßt wurde, in die jetzt zur Berathung stehende Novelle aufnehmen. Präsident Frhr. v. Buol macht vor­weg darauf aufmerksam, daß der Antrag Auer auch Abän­derungen des Krankenversicherungsgesetzes vorschlage, was jedenfalls mit dem Rahmen der gegenwärtigen Vorlage nicht zu vereinigen sei. Nach kurzer Debatte hierüber wird zunächst in die Debatte über den § 114a des Antrags Auer einge- rreten, demzufolge der Bundesrath für bestimmte Gewerbe Lohnbücher oder Arbeitszettel soll vorschreiben können, in denen Art und Umfang der Arbeit, Lohnsätze, Bedingungen für Lieferung von Werkzeugen und Stoffen re. zu beurkunden sind. Nachdem der Abg. Molkenbuhr (sozdem.) den An­trag empfohlen hat, erklärt der Abg. Frhr. v. Hertling (Ctr.), die Regierungsvorlage hätte er sowie seine Partei an­genommen, aber der Antrag Auer enthalte doch Manches, was man ablehnen müsse, und da sei es das Beste, nicht erst Einzelnes herauszugreisen, sondern für jetzt den Antrag Auer abzulehnen. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim (natlib.) schließt sich dieser Erklärung an und betont dabei, daß der Antrag Amr in vieler Beziehung den Wünschen der Arbeiter selbst nicht genügen würde. Abg. Gamp (Reichsp.) ist gleichfalls gegen den Antrag; ebenso Abg. v. Levetzow (kons.). Abg. Singer (sozdem.) bedauert, daß die anderen Parteien dem Antrag entgegentreten; namentlich den Gründen des Herrn v. Heyl werde Niemand im Lande Glauben schenken, seine Partei glaube es selbst nicht. Für den Reichstag handle es sich darum, ein feierlich gegebenes Wort einzulösen jetzt, wo er praktisch dazu in der Lage sei. Abg. Richter (freist Volksp.) sührt aus, die Sozialdemo­kraten besäßen einen Glauben an die Heilkraft solcher ein­schränkenden Bestimmungen, den er durchaus nicht theile. Mit solchen Vollmachten an den Bundeèrath könne man den Arbeitern unter Umständen mehr schaden als nützen. Ver­sprochen habe der Reichstag gar nichts. Abg. Friedberg (natlib.) bemerkt, der Abg. Singer habe die Dreistigkeit ge­

habt, zu sagen, was die nationalliberale Partei durch Herrn v. Heyl habe erklären lassen, glaube sie selber nicht. Er er­widere nur, die ganze Rede Singers sei lediglich ein agi­tatorischer Vorstoß gewesen und zeuge nur von völligem Mangel an politischer Reife und an Verständniß. Nach einigen Bemerkungen des Abg. Frhrn. v. Heyl (natlib.) fragt Abg. Hitze (Ctr.), ob die Sozialdemokraten, falls ihrem Wunsche siattgegebm würde, für das Gesetz stimmen würden. Abg. Sing er (sozdem.) hält es für das Richtigste, die Gesammtabstimmung über das ganze Gesetz auszusetzen bis zur Erledigung der Materie des Antrages Auer. Der Abg. Richter habe mit seinen Ausführungen gegen die Voll­machten darin Recht, daß der Reichstag ebenso klug sei als der Bundesrath, aber auf sozialpolitischem Gebiet traue er dem Bundesrath jedenfalls viel mehr Verständniß zu als der freisinnigen Partei. Nachdem noch einige Redner gesprochen, wird der § 114a des Antrages Auer abgelihnt; der Rest des Antrages Auer wird bis aus die Vorschläge auf Abän­derung des Krankenkaffengefetzes zurückgezogen; schließlich werden auch diese letzteren Vorschläge abgelehnt. Damit ist die Spezialberalhung der Vorlage beendigt. Hierauf werden noch zwei Resolutionen angenommen: eine betrifft Geldunter­stützungen für die Innungen zur Ausführung der ihnen ob­liegenden Aufgaben, die zweite will die Einführung des Be­fähigungsnachweises für alle Gewerbe.

Es folgt die dritte Berathung des Nachtragsetats für die Besoldungsverbefferungen. In der Gene­raldebatte spricht sich der Abg. S ch a e d l e r (Ctr.) für warme Abendkost für die Soldaten aus. Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt, daß die Mittel für warme Abend­kost in den nächsten Etat eingestellt werden. Abg. v. Kar- dorfs (Reichsp.) legt den verbündeten Regierungen dringend ans Herz, endlich etwas für die Landwirthschaft zu thun. Abg. v. Ploetz (konf.) schließt sich diesem Wunsche an. Abg. von Jazdzewski (Pole) bemerkt, er bewillige die verlangten Gehaltsaufbesserungen, verlange aber auch, daß die Beamten auch gegenüber der polnisch redenden Be­völkerung gerecht amtiren. Damit schließt die- Generalde­batte und der Nachtragsetat wird unverändert in der Fassung der zweiten Lesung bewilligt.

Sodann wird der Servistarif in dritter Lesung en bloc angenommen.

Schließlich wird die Gesammtabstimmung über die Handwerkervorlage vorgenommen, wobei die Vorlage mit 183 gegen 113 Stimmen angenommen wird.

Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr: Dritte Lesung der noch unerledigten Nachtragsetats.

Preußischer Landtag. Herrenhaus.

(Sitzung vom 24. Juni.)

Im Herreuhause wurde heute die Vereinsgefetznovelle an eine Kommission von 15 Mitgliedern, welche sofort im Plenum gewählt wurde, verwieseu. Im Laufe der Debatte erklärt Minister v. d. Recke, die Regierung legt den größten Werth darauf, die Vorlage zum Abschluß zu bringen und würde noch in dieser Saison die Vorlage zur anderweiten Beschlußfassung dem Abgeordnetenhause vorlegen, wenn das Abgeordnetenhaus eine Aenderung im Sinne der Regierungs­vorlage beschließt.

Nächste Sitzung Samstag: Kleine Vorlagen.

^Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 24. Juni.)

Das Abgeordnetenhaus erledigte Petitionen. Auf der der morgigen Tagesordnung steht die konservative Inter­pellation tetr. Berliner Frühbörse; außerdem kleine Vor- lagin und Petitionen.

Tagesschau.

Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung dem Entwurf der Vorschriften, betreffend die Kontingentirung der Brennereien für die Kontingentsperiode 1898/1903, der Vor­lage, betreffend die Abänderung der Ziffer 4 der Bestimmun­gen über die Befähigung von Eisenbahnbetriebsbeamten, ferner dem Antrag Sachsens, betreffend die Ermächtigung des Steuer­amts Meerane zur Eingari gsabferügung von hartem Kamm­garn aus Glanzwolle, der Vorlage, betreffend die zollamtliche Abfertigung von hartem Kammgarn aus Glanzwolle seitens des Hauptsteueramts zu Mülhausen im Elsaß, dem Ausschuß­bericht, betreffend die gemeinfchaftlichen Einnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern, sowie die in Anrechnung zu bringenden

Verwaltungsausgaben für 1893/94, und dem Ausschuß­protokoll vom 19. Juni 1897, betreffend die Zollbehandlung der aus dem bremischen Freibezirk eingehenden Postsendungen, die Zustimmung ertheilt. Die Anträge über die Bildung des Börsenausschusses wurden angenommen, und mit dem Reichstagsbeschluß, betreffend die Herstellung eines Präsidial­gebäudes für den Reichstag, wurde das Einverständniß erklärt. Der Beschluß des Reichstages zu einer Petition wegen Ab­änderung der Konkursordnung wurde dem zuständigen Aus­schuß der Beschluß des Reichstages, betreffend die Anstellung amtlicher Erhebungen über die Parteistellung der zur Wahl gestellten und gewählten Kandidaten, dem Reichskanzler über­wiesen. Den Beschlüssen des Reichstags wegen Abänderung des Wahlgesetzes für den Deutschen Reichstag vom 31. Mai 1869 wurde die Zustimmung versagt. Außerdem wurde über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

Dem aus dem Amte geschiedenen Präsidenten des Reichs- Versicherungsamtes, Dr. Bödiker, ist Seitens der Firma Siemens u. Halske ein Einkommen von 100 000 Mark garantirt worden. Herr Bödiker hat, wie dieFreis. Ztg." meldet, ärztliche Atteste eingereicht, um seine Unfähigkeit zur längeren Verwaltung des Amts darzuthun, und infolge dessen eine Pension von 8500 Mark erreicht.

Infolge der vom Präsidium von Sachsens Militâr- bund erlassenen Bestimmung, nach welcher Bundesmitglieder nicht auch zugleich Mitglieder von sozialistisch geleiteten Kon­sumvereinen sein können, wurden im Bundesbezirke Zwickau allein 4 Militärvereine mit 800 Mitgliedern von Sachsens Militärvereinsbunde ausgeschlossen und aller Vorrechte ver­lustig erklärt.

Ueber den aus Rom zum Kaiser berufenen Botschafter am Quirinal v. Bülow, den Stellver­treter und muthmaßlichen Nachfolger des Frhrn. v. Marfchall, erhält dasBerl. Tagebl." aus Paris folgendes Charakter­bild telegraphirt: Freiherr von Bülow ist in Paris eine wohlbekannte Persönlichkeit. Er hat hier anfangs der achtziger Jahre den Posten des ersten Sekretärs bei der deutschen Botschaft bekleidet und mehr als Einer der hier Lebenden bewahrt eine Erinnerung an diesen damals etwas über dreißigjährigen Legationsrath von Bülow, mehr als Einer auch ist in Beziehungen zu ihm geblieben, v. Bülow verkehrte damals in Paris in einem Kreise von jungen Leuten, von denen mancher später eine glänzende Karriere gemacht hat. Francois Charmes, der bekannte Deputirte und Mit­arbeiter desJournal des Debüts" und derRevue des deux Mondes" gehörte zu seinen vertrautesten Freunden. Auf dem neutralen Gebiet der gemeinsamen künstlerischen und litterarischen Interessen schlossen sich diese Verbindungen zwischen dem jungen deutschen Diplomaten und den jungen Franzosen. Aus der Erinnerung derjenigen, die ihn hier intim gekannt haben oder auch später mit ihm in Verkehr geblieben sind, setzt sich diese kleine Porträtskizze zusammen. Wenn sie sehr schmeichelhaft ausfällt, so ist es nicht meine Schuld. Herr v. Bülow hat eben, wie es scheint, nur Freunde hier zurückgelassen. Auf den Bildern, die ich von ihm gesehen habe, erkennt man, daß er von ziemlich großer Figur ist und ein wenig zur Korpulenz neigt. Man sagt, daß er seinem Vater, dem Staatsminister von Bülow, sehr ähnlich sehe. Sein fast bartloser Kopf (nur ein winziges blondes Bärtchen sproßt auf der Oberlippe) erinnert an die Porträts mancher englischer Staatsmänner, man könnte auch glauben, sein Kopf sei der eines weltmännischen Gelehrten. Die Bilder von Wilms zum Beispiel haben, wenn ich mich recht erinnere, mit seinem Bilde eine gewisse Aehnlichkeit. Schon diese äußere Erscheinung verräth, daß dieser Mann sozusagen bis in die Fingerspitzen Kulturmensch ist, Kulturmensch in dem Sinne, daß er die geistige Kultur der Völker, mit denen er in Berührung gekommen ist, und deren intellektuelles Leben ihn interessirt, in sich ausgenommen hat. Er gehört in dieser Beziehung weniger zu der militärischen oder nüchtern bureau- kratischtn Richtung in der preußischen Diplomatie als etwa zu der Richtung Schloezer, so wenig er auch sonst mit dem in der Geschichte noch schwankenden Charakterbilde des Herrn v. Schloezer gemein haben mag. Seine Belesenheit auf historischem, litterarischem, philosophischem Gebiet wird nur noch durch sein fabelhaftes Gedächtniß übertroffen. Und diese Belesenheit und diese Kunst, das einmal Gelesene zu behalten und im geeigneten Moment hervorzuholen, tragen dazu bei, aus ihm einen der glänzendsten Plauderer und Erzähler zu machen. Denn er ist, wie es scheint, in der That solch ein glanzender Plauderer. Er besitzt, sagen mir die, welche ihn kennen, die seltene Gabe, gleich int ersten Augenblick zu fas- ziniren. Tritt er in einen Salon, so bildet sich sofort ein Kreis von Hörern um ihn. Seine Rednergabe ist außer-