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22 Juni

Hanauer Anzeiger

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tasche einen Revolver, mit welchem er in ganz unvorsichtiger Weise in der Tasche selbst I antirte. Der Revolver entlud sich infolge dessen und die Kugel lessellkn durchbohrte len Unterleib des Burschen. Tie Verwundung ist, wenn auch nicht das Leben gefährdend, dock immerhin nicht unerheblich.

Frankfurt a. M., 21. Juni. Eine große Thur- karawane ist heute im zoologischen Saiten eingctroffcn. Der bekannte Thierhändler Menges brachte seinen afrikanischen Transport: 7 Strauße, 4 Beisa-Antilopen, I Jmberbis- Antilope, 4 andere Antilopen, 9 Gazellen, 3 Löwen, 2 Leo­parden, 1 Jagdleopard, 1 Luchs, 6 Cäakale, 1 Ginster kotze, 1 Honigdachs und 7080 Paviane zogen in den Garten ein, um vorläufig als Gäste da zu bleiten. Einiges davon wird die Direktion wohl ankaufen. Das Uibrige geht noch und nach F.n andere zoologische Gärten und sonstige Käufer weiter.

Gießen, 20. Juni. Ter am 24. März d. J. von dem Kaufmann August Koch gegen seine Ehefrau unternommene Mordversuch fand gestern vor dem Schwurgericht der Provinz Oberhessen seine gerichtliche Sühne. Bekanntlich fuhr s. Z. Koch von Fulda nach Gießen, begab sich auf das Zimmer feiner Frau und schoß noch kurzem Wortwechsel vier Schüsse aus einem Revolver auf sie ab. Die Frau wurde am Halse, am Ohr, im Rücken und an der Hand verletzt, die Kugeln am Halse und im Rücken konnten der Gefährlichkeit der Ope­ration wegen noch nicht entfernt werden. Die Geschworenen bejahten unter Zubilligung mildernder Umstände die Frage des Todtschlagsversuchs und wurde Koch zu einer Gefängniß­strafe von 1 Jahr 3 Monaten, abzüglich 2 Monaten Unter­suchungshaft, verurtheilt.

Q Friedberg, 21. Juni. Ter Kriegerverein in un­serer Nachbargemeinde Obermörlen beging gestern unter strömendem Regen seine 25jährige Jubelleier. Tie Vorfeier am Samstag Abend bestand in einem Zuge auf den Fest­platz, verbunden mit Zapfenstreich. Der gestrigen Tages­reveille folgte um 9 Uhr der von Herrn Pfarrer Thaler celebrirte Festgottesdierst mit Predigt. Des unanshörlichen Regens wegen waren von den 16 erwarteten Brudervereinen leider nur 4 Vereine und 3 Deputationen erschienen. Nach­dem am Nachmittag der Festzug auf dem durch ein Zeltdach zwar geschützten, aber dennoch durchweichten Festplatz ange­langt war, hielt Herr Bürgermeister Born namens der Ge­mende eine herzliche Begrüßungsansprache. Ihm reihte sich Herr Vereinspräsident Nicolai im Namen des festgebenden Vereins würdig an. Bei Enthüllung der Fahnenschleife trug Fräulein Mathes ein sinniges Festgedicht wirkungsvoll vor. Die gediegene Festrede hielt Herr Feldgeistlicher Benesizat Dr. Müller aus Seligenstadt. Sie klang aus in einem begeistert ausgenommenen Hoch auf unseren Landesherrn. Brausend erscholl der Gesang herWacht am Rhein". Die hessische Hymne folgte dem vom Vereinspräsidenten Nicolai gegebenen Rückblick auf die abgelaufenen 25 Vereinsjahre. Trotz der herrschenden Witterungsungunst gewann e n feucht­fröhliches Leben und Treiben die Oberhand. Auch heute noch herrschte in der ganzen Gemeinde muntere Festesstimmung.

Klein-Auheim, 19. Juni. Heute Nachmittag brach hier ein kleines Schadenfeuer in der Hofraithe des I. Klein aus, welches durch rasches Eingreifen der Nachbarschaft und Feuerwehr bald gelöscht wurde. Die Entstehung des Feuers sollen die Kinder desselben verursacht haben.

A Seligenstadt, 21. Juni. Während hier die Masern­epidemie als erloschen zu betrachten ist, herrsckt diese Kinder­krankheit neuerdings in unserer Nachbargemeinde F r 0 s ch- Hausen. Daselbst wurden vor einigen Tagen die Schulen bis auf Weiteres geschlossen. Die Krankheit tritt indessen in Froschhausen mit weit geringerer Heftigkeit auf als hier. Die Epidemie fort erte nämlich dort noch kein einziges Opfer. Hier starben im Monat Mai allein 24 Kinder.

|| Mainflingen bei Sellgenstadt, 21. Juni. Der 27jährige Sohn hiesiger Schiffsleute wollte am Pfingstmontag mit seiner 23jährigen Braut, der Tochter braver Bürgersleute aus dem benachbarten Dettingen, den Lebensbund schließen, wozu alle Vorbereitungen getroffen waren. Am Pfingst- samstag indessen wurde die Braut plötzlich von einer schweren Krankheit, dem Vernehmen nach derGenickstarre", befallen, die das blühende Mädchen hinwegraffte. Heute Vormittag wurde die Verstorbene unter enormer Betheiligung und mit besonderen Feierlichkeiten beerdigt. Der Bräutigam und die Angehörigen sind ob des erschütternden Schicksalsschlages un­tröstlich. Merkwürdig ist die Thatsache, daß auch die 24- jährige Schwester der verstorbenen Braut im Vorjahre kurz vor ihrem bereits anberaumten Hochzeitstage verschied.

0 Dom Untermain, 21. Juni. Im Gegensatze zu dem aus der Umgegend von Zellhausen gemeldeten Kirschen­reichthum können wir konstatiren, daß sich im nahen Gebirge, auf welches die Bewohner des unteren Mainthales bezüglich der Kirschen vorzugsweise angewiesen sind, die Hoffnungen auf eine gesegnete Kirschenernte leider nicht erfüllten. Massen­hafte Fruchtansätze sind herabgefallen oder blieben infolge der Glühhitze in ihrer Entwickelung zurück. Dazu gesellte sich neuerdings der weitere mißliche Umstand, daß die ausgereif­ten Früchte jetzt infolge des anbauemben Regens anfplatzen, an Güte verlieren und sehr rasch verderben. Aus diesen Gründen sind gute Kirschen gegenwärtig nicht unter 30 bis 25 Pfennig per Pfund erhältlich.

Gesangswettstreit in Bockenheim.

An dem vorgestrigen Gesangswettstreite nahmen 55 Ver­eine Theil, welche in 5 Klassen je nach der Zahl der ge­meldeten Sänger eingetheilt waren. Klasse 1 Vereine mit 60 und mehr Sängern sang imRheingauer Hof", Klasse II mit 4059 Sängern imPfälzer Hof", Klasse Illa und Illb mit 2539 Sängern im Saalzum Schwan" und Deutschen Hof" und Klasse IV im Saalzum Lindensels".

Eânmiliche Klassen langen je einen besonderen oufgegeberen Chor, welcher acht Wochen vor dem Wettgesang aufg«geben ward 111b je emln stlbstgiwâhlun Chor mit welchem sie roch keinen Preis errungen haben. AIs vorgeschriekene Preis- chöre waren bestimmt: Für Klesse ILerchenschlag" ron Nicolai Wilms, für Klasse IIMondnacht" von H. Spangen­berg, für Klasse Illa und IllbWanderlied" von Otto Torn und für Klasse IVHcrzleid" (Volkslied). Als Preis richter fungirten: in Klasse I; Professor Nicolai von Wilm- Wiesbaden, Musikdirektor August Glück-Frankfurt a. M. und Chordirigent W. Sommer-Wiesbaden, in Klosse II: Kapellmeister Gcm g Ed. Golter mann-Fianksu» t 0. M., Di­rektor H. Spangenberg Wiesboden und Musikleherer C. Walter-Mentobaur, in Klesse Illa; Lebrer I. Jacobi-Wies­baden, Musitdirektor Karl Senff-Daimstatt und Musillchrer Wolfram-Dillenburg, in Klesse Illb: Musikdirektor Professor Franz Lutersâeid-K oller z, Musikdirektor Ludwig Seibert- Wiesbaden und Musikdirektor Hermann Winkelmann-Frank­furt a. M. und in Klasse IV: Musikdirektor Franz Lindlar- Koblenz, Musiklehrer L. Steinert-Usingen nnd Musiköirekior Edmund Parlow Frankfurt. AIs Stellvertreter für sämmt­liche Abtheilungen: Musikdirektor Carl Kern-Frankfurt a. M. Gegen 7 Uhr war der Wettstreit beendigt. Die Verlür digung der Sieger geschah in jeder Klasse sofort noch Beendigung der einzelnen Gesänge. Noch derselben erhielt in der

I. Klasse: dcn 1 Preis (500 Mark baar und 1 silberne Me­daille) Männerquartett Frankfurt a. M. mit 156 Punkten (selbstge­wählter ChorVom Rhein von Max Bruch), den 2. Preis (silber- vcrgoldctcr Pokal, glstiftet vom Bockcnkeimcr Schiitzenverein) Verein ,Srmscr'-Hcrau mit 133 Punkten (selkstgtwählter Chor .Hymne an den Gesang" von He; ar), den 3. Preis (reichverziertes Trinkborn, gestiftet von der Brauerei I. I. Jung Erben),, Polyhymnia -Bieber mit 124 Punkten (selkstgewählter CborScrswrm" von Zerlest), den 4. Preis (silberne Medaille).Eintracht*-Mannheim mit 118 Punkten (selbstgcwählter Cbor Dort liegt die Heimath mir am Rhein" von Altenhofer). II. Klasse: 1. Preis (300 Mark baar und 1 silberne Medaille), , Liedertafel' -Weisenau mit 158 Punkten (selbstgewählter CborMorgenlied' von Julius Rietz), 2a Preis (silbervergoldeter Pokal, gestiftet von den Frauen aktiver und passiver Mitglieder des Bockenheimer .Liedcrkrarzes") Germania"-Köln- Lindenthal mit 155 Punkten (selbstgewählter ChorTodtcnvolk" von Fr. Hcgar, 2b Preis (silbervcrgoldeter Pokal, gestiftet vom Gesang­vereinColophoninm"-Bockenheim) .Liederzweig'-Offenbach mit 149 Punkten (selbstgewählter ChorRheingauer Gruß von F. Mötainz), 3a Preis (StatueTos Lied", gestiftet vom Bürger-und Bezirks­verein Bockenheim)Einigkeit -Mainz mit 148 Punkten (selbstge­wählter Chor Vom Rhein" Dm Max Bruck), 3b Preis (silberner Pokal, gestiftet vom GesangvereinEimrackt"-Bockenheim)Wagner- sckes Quartett* -Frankfurt a. M. mit 147 Punkten (selbstgewählter ChorDas Grab am Busento von I. B. Zerlett), 4. Preis (sil­berne Medaille) . Marner Gesangverein Bierstadt mit 142 Punkten (selbstgewählter ChorHymne an die Musik" von V. Lachner). Lobende Erwähnungen erhielten der Gesangverein Dotzheim mit 135, der Gesangverein Thalia'Mied mit 129 und derSänpersreund"- Frarkiurt a. M. mit 192 Punkten. Illa Klasse: 1. Preis (150 Mark baar, gestiftet von den Frauen aktiver und passiver Mitglieder des BockenheimerLiederkranzes' und 1 silberne Medaille) Sänger- einbeit -Mannheim mit 143 Punkten (felbstgewählter ChorDort liegt die Heimath mir am Rhein* von Karl Altenhofer), 2. Preis (silbervergoldeter Pokal, gestiftet von der Rheinischen Brauerei in Mainz)Eintracht -Oberrod mit 127 Punkten (selbstgewählter Chor , Vom Rhein" von Max Bruch), 3. Preis (reichverziertes Trinkhorn, gestiftet vom Bockenheimer Kriegervereir), Frohsinn' -Frankfurt a. M.- Bockenheim mit 124 Punkten (selbstgewählter ChorNachtzauber' von A. M Storch), 4. Preis (silberne Medaille) Männergesangver­ein Hausen mit 116 Punkten (selbstgewählter Chor .Vom Rhein" von Max Bruch). Lobende Erwähnungen erhielten die Gesangver­eineFrohsinn"-Falkenstein mit 110 und .Sänperlust"-Feckenheim mit 109 Punkten. Illb Klasse: 1. Preis (150 Mark baar, ge­stiftet von der Bockenheimer Volksbank, und silberne Medaille) Bauer- feber Gesangverein-Gießen mit 141 Punkten (selbstgewählter Chor In den Alpen* von Fr. Hegar). 2. Preis i silbervergoldeter Pokal- oestistet von der Frankfurter Wirthe» ereinigung)Colophonium"- Franksurt a. M.-Bockenheim mit 131 Punkten (selbstgewählter Chor .Maiennacht* von L. Seibert), 3. Preis (silbervergoldeter Pokal, gestiftet von den Frauen aktiver und passiver Mitglieder des Bockenheimer Liederkranzes*)Thalia"- Frankfurt a. M. mit 116 Punkten (selbstgcwäblter Chor .Nachtzauber' von A. M. Storch), 4. Preis (reichverzierter Dirigentenstab, gestiftet vom Gesclligkeitsver- einFreundschastsbund", Bockenheim)Hermann"-Franksurt a. M.- Bockevleim mit 111 Punkten (selbstgewählter ChorSchlafwandel" von Fr. Hegar), 5. Preis (silberne Medaille)Bavaria"-Mannheim, mit 105 Punkten (selbstgewählter ChorWaldabendschein" von I. E. Schmölzer). Lobende Erwähnungen erhielten Männergesangver- ein Heidelberg mit 102 undEinigkeit"-Gonscnheim mit 85 Punkten. IV. Klasse: 1. Preis (silbervergoldeter Pokal, gestiftet von den Frauen aktiver und passiver Mitglieder des BockenheimerLieder­kranzes") Blumentbal'scher Männerchor, Homburg v. d. H. mit 130 Punkten (selbstgewählter ChorHymne" von Ernst, Herzog zu Sachsen), 2a Preis (silberner Loibeerkranz, gestiftet von der Frank­furter Eartcnbovgesellschaft) Verein Evgelhardt'scher Arbester-Mann- Heim mit 119 Punkten (selbstgewählter CborIm Walde" von H. Schäfer), 2b Preis (silbervergoldeter Pokal, gestiftet von dem Ver­ein 70er Klub, Bockenheim), Männerquartett Heddernheim mit 114 Punkten (selbstgewählter ChorTief ist die Mühle verschneit" von Th. Podbertzki), 3a Preis (silbeivergoldeter Pokal, ge­stiftet von der Brauerei Binding)Liederpalme"-Frankfurt a. M. mit 105 Punkten (selbstgewählter Chor:Das Kreuz im Walde" von C. Kreutzer) 3b Preis (silberner Pokal, gestiftet vom Gesangverein Frohsinn"-Bockenheim) Männergesangverein Rambach mit 98 Punk­ten (selbstgewählter Chor:Die Lore vom Rhein" von K. Schauß).

4. Preis (künstliches Diplom Das Lied", allegorische Widmung von D. Böhm) Mannergesangverein Frankfurt a. M.-Bornheim mit 97 Punkten (selbstgewählter Chor:Schwanenlied" von H. Winkelmann).

5. Preis (silberne Medaille)Frohsinn"-Lendorf bei Gießen mit 96 Punkten (selbstgewählter Chor:Die Nacht" von F. Schubert). Lobende Erwähnungen erhielten:Eintracht"-Franksurt a M.-Born- heim mit 92 undSängerlust -Eckenheim mit 91 Punkten.

Nach den Bestimmungen des Ausschreibens kamen die­jenigen Vereine, welche in den Klassen I, Illa und Illb je die Preise 1, 2 und 3, in den Klassen II und IV die Preise 1, 2a und 2b errungen haben, in den engeren W ett- streit, welcher am Montag Morgen von ICP/a Uhr ab im Rheingauer Hof" stattfand. Jeder Verein sang dabei einen Chor nach eigener Wahl. Hierbei errangen Ehrenpreise:

In Klasse I (silbervergoldcter Pokal, gestiftet von der Stadt Frankfurt a. M.) Frankfurter Männerquartett mit 134 Punkten für «Morgenlied" von Julius Rietz; in Klasse II (silbervergoldeter Pokal, gestiftet von den Frauen aktiver und passiver Mitglieder des Bockenheimer Liederlranzcs") . Germania"-Köln-Liudenthal mit dem­selben Chor; in Klasse Illa (silberner Eichenkranz, gestiftet von dem TurnvereinVorwärts"-Bockenheim)Eintracht"-Obcrrad mit 112

Punkten für , Das Grob im Busento" von I. B. Zerlctt; in Klasse Illb (silberner Eichenkranz, gestiftet von der Bockenheimer Turngkmeinde)Thalia"-Franksurt a. M. mit 125 Punkten für Dos Herz am Rhein" von Schulz und in Klasse IV (silberver­goldeter Pokal, gestiftet vomBockenheimer Liederkranz ) .Verein Engelhardt'scher Arbeiter"-Mannheim mit 139 Punkten fürDas Heimweh" von Heim.

Die Preisvertheilung fand nachmittags um 4*/« Uhr auf dem Fefiplatze statt. Sämmtliche Vereine be­gaben sich mit Fahnen und Musikbegleitung vomRhein­gauer Hof" ab nach dort, wo sich in den Nachmittags­stunden bei besserer Witterung eine recht fröhliche Fesistimmung einstellte.

___ Verwischte Nachrichten.

DevkmalèenthÄllung. Wie aus Weißenburg i. Els. berichtet wird, fand bei starkem Regen am Sonnrag Mittag die Enthüllung des Denkmals des fünften schlesischen Jäger­bataillons statt. Anwesend waren: der Inspekteur der Jäger, Generallieutenant v. Müller, Generallieutenant v. Strantz, Kommandeure und Offiziersdeputationen des fünften, achten und 14. Jägerbataillons. Die Weiherede hielt Pastor Wer­nicke, das Hoch auf den Kaiser brachte Generallieutenant von Müller aus. Nach der Feier besuchten die Festtheilnehmer den Gaisberg und sodann die Grabdenkmäler auf dem Kirch­hofe in der Altstadt, wo sie am Grabe des bei Weißenburg gefallenen Kommandeurs des fünften Jäger-Bataillons, Major Grafen von Waldersee, einen Lorbeerkranz niederlegten.

Tödtlicher Unglückèfaü. Freiherr Karl V. Falken­stein, Lieutenant im 63. Infanterieregiment zu Oppeln/ ist am 17. d. M. tödtlich verunglückt. Er faßte ein wildes Pferd, welches ein anderer Offizier einfahren wollte, an der Kandare, wurde von dem durchgehenden Pferde geschleift und kam so unglücklich zu Fall, daß der Kopf auf die Bord­schwelle des Rinnsteins aufschlug und der junge Offizier einen Schädelbruch erlitt. Er lebte noch bis abends 7 Uhr und verschied dann sanft. Die in Berlin lebenden Eltern sind am Freitag nach Oppeln gereist, wo avch die Beerdigung stattfinden dürfte.

Raubzeugvertilgung. Nach einer im Ministerium für Landwirthschaft, Domâncn und Forsten gemachten Zu­sammenstellung sind im Etatsjahr 1896/97 in Preußen 5076 Fischreiher, 1 Kormoran und 119 Fischottern erlegt und 49 Reiher horste zerstört worden. Die größte Zahl von Er­legungen von Fischreihern kommen auf die Regierungsbezirke Potsdam und Frankfurt a. M. (676 und 672); dann kommt gleich Stade mit 651 und Lüneburg mit 377. In Ost- und Westpreußen sind geschossen: im Regierunqsbezrrk Königsberg 288 und Gumbinnen 531, Danzig 209 und Marienwerder 403.

Pest in Arabien. Nach Meldungen aus Djeddah (Arabien) kommen dort täglich durchschnittlich drei Todesfälle an der Pest vor, die Zahl der täglichen Erkrankungssälle läßt sich nicht feststellen; seit dem 6. d. M. sind im Ganzen 35 Personen an der Pest erkrankt. Der Charakter der Krankheit ist ein milder. 2000 türkische Pilger, welche in Djeddah zurückgeblieben sind, werden bis zur Ankunft der Trausportschiffe auf drei Inseln des Rothen Meeres überge­führt. Strenge Maßregeln dürften die Verbreitung der Pest verhindern.

Die Erschließung von Neu-Guinea. Von Neu- Guinea kommen über Australien Nachrichten, aus denen her­vorgebt, daß jenes Schutzgebiet schnell seiner Erschließung ent­gegensieht. Als im vorigen Jahre eine Expedition unter Führung des Dr. Lauterbach von der Astrolabe Bai aus den Gogolfluß und dessen Nebenflüsse hinaufging, traf sie östlich vom Bismorckgebirge einen recht ansehnlichen Fluß, den sie auf schnell hergestellten Kähnen eine große Strecke hinabfuhr. Seiner ganzen Lage und Richtung nach kann dieser Strom nur der Oberlauf des Ottilienflusses sein, in dessen Mündung der damalige Landeshauptmann Vizeadmiral Freiherr von Schleinitz 1888 zum ersten Male einfuhr und dem er diesen Namen beilegte. Die Entdeckung ist von großer Bedeutung, denn mit diesem Gewässer erhält man einen Zugang zu dem Bismorckgebirge, das bis über 2000 m ansteigt. Zugleich haben die neueren Forschungen ergeben, daß das Bismarck­gebirge weiter nach Westen hin, also näher zur Grenze von Britisch-Neuguinea hin liegt, als es bisher auf unseren Kar­ten erschien. Nun hat ein Engländer aus dem Flusse Purura, der noch auf keiner Karte zu finden ist, eine Fahrt bis weit stromauf nahe der deutschen Grenze gemacht, ist bis in das deutsche Schutzgebiet hineingegangen und hat im westlichen Theile des Bismarckgebirges Untersuchungen angestellt. Von da aus ist er nach Sydney gefahren und hat das dortige Kaiserliche General Konsulat um seine Vermittelung für ge­wisse Gesuche nach Berlin gebeten. Der Unternehmer hat erklärt, daß das Bismarck Gebirge nach gewissen sicheren An­zeichen sehr metallreich sein müsse; er wünscht daher eine Ge­rechtsame aus ein Stück im Westen des Gebirges in einem Umfange von etwa 4000 qkm auf 60 Jahre. Die Neu- Guinen-Compagnie, der das Gesuch zugegangen ist, soll jedoch nicht geneigt sein, aus das Gesuch einzugehen, vielmehr hat sie beschloffen, östlich vom Bismorckgebirge am Oberlaus des Ottilienflusses eine neue Station zu errichten und zu deren Leiter den Landwirth Tappenbeck zu ernennen, der schon früher im Dienste der Compagnie stand und die Expedition des Dr. Lauterbach voriges Jahr mitmachte. Dahin sollen nun Prospekte gesandt werden. Eine der dringlichsten Aus­gaben wäre nun, da die Engländer auch von Südwcsten nach unserem Gebiete einzudringen beginnen, die dort nur oberflächlich geographisch gezogene Grenze nun auch örtlich bestimmt und sichtbar festzustellen. Man sollte sich mit Eng­land über die Einsetzung einer gemeinsamen Grenzkommisston verständigen. Je eher man diese Frage regelt, desto mehr spätere Streitigkeiten wird man vermeiden. *