«-»«emuttS» Preis:
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Amtliches Organ für $faât- unS LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 140.
Freitag den 18. Juni
1897
Amtliches.
^LanöKveis ^artait.
Pekanntmachungen des Königlichen Land rath Samtes.
Das Infanterie Regiment Nr. 166 und das Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6 werden in der Zeit vom 21. bis einschließlich 26. d. Mts. ein Schießen mit scharfen Patronen zwischen Bruderdiebacherhof und Hüttengesäß, Schußrichtung vom Mühlberg gegen den Taubenrain, abhalten.
Tas Schießen wird jedesmal vormittags 6 Uhr beginnen und voraussichtlich um 1 Uhr nachmittags beendet sein.
Tas Gelände, welches während des Schießens nicht betreten werden darf, liegt innerhalb der Straßen Langenselbold— Bruderditbacherhof— Hüttengesâß,
Langenselbold—Ravolzhausen,
Ravolzhausen—Rüdigheim—Rüdigheiwerbof,
Rüdigheim—Marköbel und wird durch Sicherheitèposten abgesperrt.
T en Weisungen der Letzteren ist unbedingt Folge zu leisten.
Die Herren Ortsvorstände wollen dies unter dem besonderen Hinweis darauf, daß aus Gründen der Sicherheit das Zuschauen verboten ist, sofort veröffentlichen lassen.
Hanau am 17. Juni 1897.
Der Königliche Landrath v. Schenck.
NimstnaâMim aus dem Kreise.
Isaak Lilienfeld zu Rückingen ist zum Rechnungs führer dir Syncgogengemeinde Rückingen—Niederrodenbach bestellt und verpflichtet worden.
Gefunden: Nachträglich im Schloßpark: Drei Schlüssel, ein Paar braune Damenhandschuhe und ein kleines grünes Portemonnaie mit Monogramm und etwas Geld. — Ferner: Ein großer Gummiball mit Netz. Ein weißes Herz mit schwarzem Band. Ein Paar braune Damenhanvschuhe. Ein 1 schwarzes breites Band. Ein kleiner fast neuer lederner Damenschuh.
Zugelaufen: Ein gelber kurzhaariger Spitzhund mit weißen Abzeichen, m. Geschl.
Zugeflogen: Site junge weiße Taube.
Verloren: Ein helles Rädchen.
Hanau am 18. Juni 1897.
Die deutsche Kolonialgesellschaft
hat sich in ihrer unter bim Vorsitz tes Regenten Herzog Johann Albrecht ton Mecklenburg-Schwerin in München abge- haltenen Haupwersamn lung vornehmlich mit der Flottenfrage beschâsligt. Nach längeren Erörterungen über mehrere An
FeuiÜetsn.
A u ^ ^ i a M.
Von Otto Leonhardt.
(Nachdruck verboten.)
Der „Herr des weißen Elephanten" macht gegenwärtig eine Rundreise durch die Staaten Europas und wird demnächst auch Deutschland mit seinem Besuche beehren. König Tschulalongkorn und sein Land verdienen wohl, daß das Interesse sich auch bei uns ihnen lebhafter als bisher zuwende. Es ist ein echt orientalisches Land alter Wunder, in deren Geheimnisse bisher nur noch wenige europäische For'cher tiefer eingedrungen fb d, obwohl schon Acolf Bastian's Reisen in den 60er Jahren eine Fülle eigenartigen Lebens offenbarten. Ein echt orientalisches Land auch in feint n Gegensätzen. Wer, den mächtigen Menam hinauffahrend, Bangkok zu Gesichte bekommt, erblickt sofort die charakteristischste Erscheinung des Landes: sine seltsamen, phantastisch geformten Thürme und Tempel des Buddhismus, die ihn bis in den Urwald und bis in die dürftigste Niederlassung begleiten. Golden funkeln die zahllosen Spitzen in der Gluthsonne Asiers, Denkmale der Buße, der frommen Göttermrehruug, vor allem der unbedngten Herrschaft, die der Buddhismus in Siam besitzt. Geben diele Bauten dem Bilde der Stadt einen ganz eigenthümlichen fesselnden Charakter, so wird der Eindruck noch durch das Leben auf dem Flusse erhöht. Da Bangkok auf Alluvialboden steht und die Straßen daher leicht der Überschwemmung ausgesetzt sind, so Müct der Menam mit seinen Kanälen die Hauptverkehrsader. Schwimmende Häuser säumen ihn, in deren offen,s Innere man überall ungestört hineinblickt. Man sieht die Bewohner arbeiten, mit lhrrn Kmdern spielen, Vorlesungen eines Priesters zuhören,
träge, die auf eine Stärkung unserer Flotte hinzielten, wurde schließlich ein Antrag des früheren Gesandten v. Kusserow in folgender Fassung angenommen:
Die von der Teutschen Kolonialgesellschast früher beschlossene Bewegurg zu Gunsten einer Verstärkung der deutschen Flotte ist im Interesse der Machtstellung Deutschlands, seines Welthandels und seiner Kolonialpolitik aus das Aller- thaikrâftigste wieder aufzunehmm. ,
Das Ziel ist darauf gerichtet, zu erreichen, daß die Kaiserliche Marine in einem, durch die Leistungsfähigkeit deutscher Schiffswerften bedingten Zeitmaße in den Stand gesetzt werde, die ihr schon in dem Flotiengründungsplan des Norddeutschen Bundes vom Jahre 1867 vorgezeichneten Aufgaben zu erfüllen, insbesondere in allen für die Handels- und kolonialen Interessen des Reiches wichtigen überseeischen Gebieten, zum Schutze dieser Interessen sowohl ständige Flottenstationen in einer Stärke, welche bei geregelter Ablösung der Stations- schiffe ober ihrer Besetzung ausreicht, unterhalten, wie auch bet besonderen Anlässen eine größere Anzahl gefechtsfähiger Kriegsschiffe entsenden zu können.
Die Deutsche Kolonialgesellschaft hält es deshalb für ihre Pflicht, nach Kräften dafür thätig zu sein, daß die Vorlagen der verbündeten Regierungen, welche die Bewilligung der Kosten für den Ersatz oder Neubau der zur Erfüllung jener Aufgabe der Kaiserlichen Marine unentbehrlichen, den Bedingungen der fortgeschrittenen Marinetechnik und den im neueren Seekriegen gewonnenen Erfahrungen entsprechenden Kriegsschiffe baldigst eine Mehrheit im deutschen Reichstage finden; sie verpflichtet sich selbst und ersucht ihre Abtheilung und Mitglieder, hierfür eine kräftige und nachhaltige Werbung im ganzen Reiche ins Leben zu rufen.
Zu dem Ende wird die Deutsche Kolonialgesellschaft, ohne die freie Thätigkeit ihrer Abtheilungen und Mitglieder hierfür einzuschränken, ihrerseits zur Belehrung weiter Kreise besonders geeignete, von verletzenden Ausfällen gegen abweichende Meinungen frei zu haltende, dagegen die Nothwendigkeit der gesteigerten maritimen Wehrhaftigkeit des Reiches und die allen erwerbenden Klassen des Volkes zu Gute kommende Produktivität der hierzu erforderlichen Mehrausgaben, sowie die finanzielle Befähigung des Reiches zur Bestreitung derselben in g, meinverständlicher Sprache nachweisende Artikel und Auftätze, welche von einem besonderen Komitee des Ausschusses zu prüfen sind, durch die Deutsche Kolonialzeitung und mit Hilfe des hierzu sich bereit findenden Theils der deutschen Presse, sowie durch Flugschriften thunlichst verbreiten und dementsprechende Vorträge veranstalten.
Zur Bestreitung der entstehenden Ausgaben werden die Abtheilungen ersucht, freiwillige Beiträge zu sammeln und die Hälfte derselben dem Vorstande der Teutschen Kolonial- gesellichasr zur Bildung und nachhaltigen Verstärkung eines ausschließlich dem vor bezeichneten Zweck gewidmeten besondern unaeschent im Flusse, — denn den Krokodilen ist es obrigkeitlich verboten zu beißen. Zu Dutzenden schießen die kleinen Käme der Eingeborenen hin und her, von Frauen in enganliegenden weißen Jacken geführt; ein lebhafter Tausch- und Kausverkehr ist im Gange; die Frauen preisen ihre Waaren an, Chinesen bieten in schwimmenden Garküchen ihre Leckerbissen an, Voi nehme machen in Lustboten eine Erfrischungstour auf dem Strome und ab und zu stiebt das Gewimmel auseinander und macht einem Staatsboote Platz. Das ist ein echtes Stück Alt-Siam.
Aber gewaltsam und mit jedem Tage stärker drängt sich Neu Siam dazwischen. Die mächtigen Dreimaster der euro- pä schen Nationen ragen hoch über die einheimischen Fahrzeuge empor, die rauchenden Schlote der Dampfer bilden einen wunderlichen Gegensatz zu den charakteristischen schrägen Dächern und blitzenden Pratschedih's oder Thürmen. Und hier sehen wir die Drähte einer Telegraphenleitung, dort erhebt sich der höchst stattliche Bau des neuen Gymnasiums und vor dem Palaste halten siamesische Soldaten in ganz europäisier Uniform Wache — nur daß sie barfuß gehen, da das Tragen von Stiefeln ein Vorrecht der Offiziere ist. Sehr viel von diesen Neuerungen ist das persönliche Werk des Königs Tschulalongkorn. Allerdings war bereits sein Vorgänger und Vater, der gelehrte König Monkut, ein ungewöhnlich aufgeklärter Monarch; denn ihm verdankt der König eine freisinnige Erziehung, an der Europäer einen erheblichen Antheil hatten. Aber Tschulalongkorn hat diese Erziehung so vortrefflich benutzt, daß mit ihm, wie Carl Block, einer der besten Kenner Siams, bemerk!, eine neue Zeit für Siam angebrochen ist. Eine seiner ersten Handlungen nach seinem Regierungsantritte (1868) war, daß er den alten Zwang oufhob, daß jece vor dem Herrscher erscheinende Person sich zu Boden werfen mußte ; seit damals kann jeder Be-
„Flotten-Werbungsfonds der Deutschen Kolorialgesellschaft" zu überweisen und zur Verfügung zu stellen.
Tagesschau.
Der „Reichsanzeiger" meldet jetzt amtlich, daß der Kaiser den Admiral Hollmann in Genehmigung seines Abschiedsgesuches von der Stellung als Staatssekretär des Reichs-Marineamts entbunden und den Kontre-Admiral Tir- pitz zum Staatssekretär des Reichs-Marineamts ernannt hat. Admiral Hollmann ist ferner â la suite des Seeossizierkorps gestellt. Admiral Tirpitz bat inzwischen die Geschäfte end- giltig übernommen. In einigen Tagen beabsichtigt der neuernannte Staatssekretär des Reichsmarineamts der „Post" zufolge einen Erholungsurlaub auf etwa 2 Monate anzu- treten, wird indessen während dieser Zeit die Geschäfte von seinem jeweiligen Aufenthaltsort leiten. Für die Zeit der Abwesenheit des Staatssekretärs Tirpitz von Berlin ist der Direktor des Marinedepartements Kontreadmiral Büchel zur Vertretung des abwesenden Staatssekretärs ernannt, her auch seit 31. März d. J. mit der Wahrnehmung der Geschäfte des beurlaubten Admirals Hollmann betraut war. Erst zu Anfang September wird Kontreadmiral Tirpitz seinen ständigen Wohnsitz in Berlin nehmen. Staatssekretär Tirpitz steht erst im 49. Lebensjahr, denn er wurde am 19. März 1849 zu Küstrin geboren. Mit 16 Jahren, am 24. April 1865, trat er als Kadett in die Flotte und wurde im Jahre 1869 Unterlieutenant zur See. Er hat also eine außerordentlich schnelle Laufbahn hinter sich. Fast im ganzen Jahrzehnt der achtziger Jahre war Tirpitz auf dem Gebiet des Torpedowesens thätig, das in jener Zeit noch in der Entwickelung begriffen war. Er wurde 1887 Inspekteur des Torpedo- wesens, in welcher Stellung er auch verblieb, als er am 24. November 1888 zum Kapitän zur See befördert wurde. In den Jahren 1889 und 1890 wurde ihm bas Kommando über die Panzerschiffe 3. Klasse „Württemberg" und „Preußen" übertragen, die dem damals sormirten Uebungsgeschwader an- gebörten. Nachdem er noch vorübergehend einige Admirals- reifen geleitet hatte, wurde er im Jahre 1891 zum Chef des Stabes beim Kommando der Marinestation der Ostsee ernannt, um im folgenden Jahre die Geschäfte des Stabschefs beim Oberkommando der Marine zu übernehmen. Besonders in dieser Stellung hat der damalige Kapitän zur See Tirpitz Hervorragendes auf dem Gebiete der Seetaktik geleistet, was auch in einer Allerhöchsten Kabinetsorore vom 25. September 1894 an den kommandirenden Admiral zum Ausdruck kam. Am 13. Mai 1895 wurde er zum Kontreadmiral ernannt.
Auch in den österreichischen Alpenlärrdern nimmt die durch die Sprachenverordnungen hervorgerufene Bewegung an Stärke zu. Bisher sind aus Oberösterreich lenden Augen verschönte Gesicht fe en. Später folgten Maßregeln zur Aufhebung der Sklaverei. Seitdem ist Köniz Tichulalongkorn unbeirrt auf seinem Wege fortgeschritten. Vor einiger Zeit hat er seinen Bruder nach Europa gesandt; den von seinen etwa 50 Nachkommen, der nach ihm den Thron von Siam b steigen soll, läßt er in Deutschland erziehen und in seinem n-uen Palaste finden sich nicht allein die mannigfaltigsten europâiichen Baustile neben einhamischen Formen, sondern auch die Zeitschriften Englands und Amerikas, die er mit Eiser lieft, wie er denn überhaupt vielleicht der fleißigste Mann in seinem weiten Reiche ist. Man siebt wohl, daß dies keiner von jenen zweideutigen Fortschrittlern des Orients ist, deren „Zivilisation" in einem Paar moderner Beinkleider und dem Besitze eines Leierkastens besteht; wie selbstständig vielmehr seine Persönlichkeit ist, beweise der Umstand, daß er noch heut ein warmer Anhänger der Landesreligion, des Buddhismus, ist, und seine Gebräuche bei aller Toleranz gegen andere Re- ligiomn treu befolgt.
Sind in dieser Hinsicht er und sein Volk eins, so muß im Uebrigen gesagt werden, daß zwischen Tschulalougkoru's rastloser Reformarbeit und dem geistigen Zustande des siamesischen Volkes eine tiefe Kluft besteht. Die zahlreichen Verwandten des Königs folgen zum Theil seinen Bestrebungen; das Volk glaubt au Buddha, verrichtet die üblichen Opfer und huldigt naivem Aberglauben. Als 1881 die Cholera in Bangkok auftrat, traf der König verständige hygienische Maßnahmen, die Siamesen aber trauten ihren Zaubermitteln, fürchteten die Pi oder bösen Geister und steckten Nachts auf hohen Bambusrohren Laternen vor ihren Häusern auf. Opfer scheinen ihnen werthvoller als Medikamente. Je weiter man in das Innere des mächtigen Landes dringt, um so völliger erlischt natürlich der Schein des neuen Lichtes, das in die • Urwälder, die Heimath des Elefanten, nicht dringt, wenn