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Amtliches Organ für SiaöL- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die Zfpajnge Zeile

Die -tfpaHige Zeile iO_ -.

Im Nck'mmeutheile die Zeile 20 ^- netto.

Nr. 139. ^gWMa

Donnerstag den 17. Juni

1897

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 43.

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Amtliches.

^anö^rcto ^anaxt.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Das Infanterie Regiment Nr. 166 und das Thüringische Manen-Regiment Nr. 6 werden in der Zeit vom 21. bis einschließlich 26. d. Mts. ein Schießen mit scharfen Patronen zwischen Bruderdiebacherhof und Hütlengesâß, Schußrichtung vom Mühlberg gegen den Taubenrain, abhalten.

Das Schießen wird jedesmal vormittags 6 Uhr beginnen und voraussichtlich um 1 Uhr nachmittags beendet sein.

Das Gelände, welches während des Schießens nicht be­treten werden darf, liegt innerhalb der Straßen Langen felboldBruderdiebacherhos,

RavolzhausenRüdigheimRüdigheim erhof,

RüdigheimMarköbel und wird durch Sicherheitèposten abgesperrt.

Den Weisungen der Letzteren ist unbedingt Folge zu leisten.

Die Herren Ortsvorstände wollen dies unter dem beson­deren Hinweis darauf, daß aus Gründen der Sicherheit das Zuschauen verboten ist, sofort ver öffentlichen lassen.

Hanau am 17. Juni 1897.

Der Königliche Landrath

v. Schenck.

Nenstnentiriititea aus dem Kreise.

Zugeflogen: Eine stahlgraue Brieftaube, an beiden Flügeln gestempeltEssen".

Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit braunen Abzeichen, m. Geschl. Ein gelbes Huhn.

Gefunden: Ein Damenschirm (im Lamboywald). Eine Fahrradlaterne.

Verloren: Eine blaue Schürze.

Hanau am 17. Juni 1897.

'MaMI&ir^ie ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung, betr. Hundesteuer.

Ich mache daraus aufmerksam, daß abgeschaffte, abhanden gekommene oder eingefangene Hunde spätestens bis zum 15. Oktober, wenn der Hund in der Zeit vom 1. April bis 30. September, und spätestens bis zum 15. April, wenn der Hund in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März abgeschafft, abhanden gekommen oder kingegangen ist, auf dem stâdtifchen Steuerbüreau abzumelden ist, widrigenfalls die Steuer fort­bezahlt werden muß.

An- und Abmeldung der Hunde ist lediglich Sache der Besitzer, eine Ausnahme ter Hunde zum Zrm.ck ter Veran­lagung zur Steuer findet überhaupt nicht mehr statt, sondern nur eine Konlrole, ob alle vorhandenen Hunde versteuert sind. Hanau am 16. Juni 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 8868

Sielbau Hanau.

Vergebung ° Schreinerarbeiten

Für den Hochbau der Pumpstation ist die Lieferung von inneren liefernen Flügeltlüren fowie von einem Eingangsthor aus Eichenholz einschl. Beschlag und Verglasung zu vergeben. Die Zeichnungen und Bedingungen liegen auf dem städtischen Sielbau-Büreau zur Einsiche offen und sind Anerbieten daselbst bis spätestens 25. Juni 1897 einzureichen.

Hanau am 16. Juni 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 8867

Der Kaiser in Liegnitz.

Liegnitz, die schlesische Garnisonsstadt, an deren Namen sich die Erinnerung so vieler hervorragender deutschen Waffenthate» knüpft, prangt im Festschmuck. Kaiser Wil- b elm hält seinen Einzug in die Stadt, unter deren Mauern einst Friedrich der Große sich Lorbeern pflückte; der Enkel kommt, um mit den Königs-Grenadieren die Säkularster ihres Regiments (2. Westpreuhisches Nr. 7) zu

begehen.Man kann kein besseres Bataillon sehen, als das vom Major Hundt," meldete im Befreiungskrieg der kom- mankirende General dem König Friedrich Wilhelm III., und rasch machte das Wort die Runde durch die Armee. DieHöllenhunde" hießen von da ab die wackeren ftâmpen in ihren dunkelblauen Röcken und mancher Franzose mußte daran glauben, wie 57 Jahre später an dieblauen Teufel". Heute ist der Name jener romantisch angehauchten Zeit verschwunden; einem edleren hat derselbe Platz gemacht: Königs-Grenadiere" oder wie die offizielle Bezeichnung lautet:Grenadier - Regiment König Wil­helm I."

Im Krieg und Frieden hoben die Königs-Grenadiere be­wiesen, daß sie eine Elüe-Truppe der preußischen Armee sind, die stets und überall die Auszeichnung zu rechtfertigen verstanden hat, den Namen des größten Feldherrn und Sie­gers, den die Geschlchte kennt, den Namen Wilhelms tes Großen zu tragen, und deshalb ruft heute jeder Vaterlands­freund dem prächtigen Regimente zu:Hurrah, Königs- Grenadiere!"

Liegnitz, 15. Juni. Das Jubiläum des 100 Jahre alten Grenadier- Regiments König Wilhelm I., als Königsgrenadiere rühmlichst bekannt, welches sich bei Weißenburg, Wörth, Sedan und vor Paris hervorthat, be­gann heute mit der Begrüßung der Gäste in der Kaserne. Der Berliner Verein hatte 60 Vertreter entsandt. Sie über­reichten einen Schild aus Silber mit dem Stammbaum des Regiments und den Nau en der seitherigen Obersten. Heute Abend fand im Sckützrnhausgarten ein von sämmtlichen Fest- genoffen besuchtes Konzert statt. Unter den ehemaligen Offi­zieren waren zahlreiche Generale eingetroffen, die sich theil- weise im Ruhestand befinden. Das Konzert leitete der Mvsikdirigenl Goldschmidt, Ritter des Eisernen Kreuzes, ein 73 Jahre alter Herr, der zweite Dirigent der Kapelle wäh rend der 100 Jahre seit dem Bestehen des Regiments.

Liegnitz, 16. Juni. Der Kaiser traf kurz nach 1 Uhr auf dem festlich geschmückten Bahnhöfe hier ein. Da großer Empfang verbeten war, waren nur der kommandirende General des 5. Armeekorps, v. Bomsdorff, und Oberpräsi- dert Fürst v. Hatzfeldt-Trachenberg anwesend. Die 1. Kom-

pagnie des 154. Regiments hatte auf dem Bahnhöfe Parade- aufstellung genommen. Vom Bahnhöfe begab sich der Kaiser in offenem Wagen nach dem Denkmalsplatze am Eingänge der Königsallee. Schulen und Vereine bildeten Spalier. Auf der ganzen Fahrt wurden dem Kaiser von der in den Straßen zahlreich angesommelten Menge brausende Huldig­ungen dargebracht. Um l1/* Uhr traf der Kaiser unter dem Geläute der Glocken und den jubelnden Zurufen ter zahl­reichen Volksmenge auf dem Denkmalsplatze ein. Die 1. Kompagnie des Jubelregimentes als Ehrenkompagnie präsen- tirte. Unter den Klängen des Präser tirmarsches ritt der Kaiser die Front ab und nahm sodann unter dem Kaiserzelte Platz. Nach einer kurzen Ansprache des Regierungspräsi­denten von Heyer tret der Kaiser an den Grundstein heran und führte drei Hämmerschläge mit folgenden Worten:Den Heimgegangenen zum Gedächtniß, den Lebenden zur Erinne­rung, den Kommenden zur Nacheiferung." Darauf ergriff Obertürgermeister Oertel das Wort, hob die Beziehungen der Stadt Liegnitz und des Regiments zu einander hervor, dankte dem Kaiser für seinen Besuch und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser Wilhelm II. Nachdem der Kaiser dem Oberbürgermeister herzlich gedankt und auch den Bildhauer Böse mit einer huldvollen Ansprache beehrt hatte, erfolgte die Abfahrt zur Parade. Der Kaiser stieg bei dem Schießhause zu Pferde und begab sich um l3/» Uhr auf das Paradefkld. Das Regiment formirte alsbald ein Viereck. Der Kai ter hielt eine kurze Ansprache, in der er der ruhmreichen Geschichte des Regiments gedachte, demselben seinen Glückwunsch auèsprack und ihm zum Zeichen seines Dankes die Säkularfahnenbänder mit der Jahreszahl 1897 verlieh. Der Oberst des Regiments dankte dem Kaiser und schloß mit einem dreifachen Hurrah auf den obersten Kriegs­herrn. Hierauf erfolgte ein zweimaliger Vorbeimarsch vor dem Kaiser, welcher sich alsdann an die Spitze der Fahnen- kompagnie setzte und dieselbe unter den Hochrufen der Be­völkerung nach der Kaserne führte. Um 442 Uhr fand im Offizierskasino ein Diner zu 380 Gedecken statt.

Tagesschau.

Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine beabsichtigt S. M. S.Condon", Kommandant Korvetten-Kapitän Meyer (Hans), am 24. Juni von den Seychellen nach Sansibar in See zu gehen.

Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung der Vorlage, betr. die Erweiterung des Bezirkes der Norddeutschen Knappschaftspensionskasse, und dem Ausschußantrage, betr. den Salzsteuerverwaltungskostenetat für Sachsen-Meiningen, die Zustimmung ertheilt. Ferner wurden angenommen der Ent­wurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen, betr. die Re- gistrirungsabgaben für die Uebertragung von Apotheken und Kuxen, sowie die Erbschaftssteuer von Kuren und die Be­schlüsse des Landesausschusses zu elsaß-lothringischen Gesetzent­würfen, betr. das Stempelwefen und die Gebühren in Ver- waltungsangelegenheiten, betr. den Geschäftsbetrieb der öffent­lichen Vorschußkassen, über die Rechtsverhältnisse der Gerichts­vollzieher und die Errichtung einer Pensionskasse für Gerichts­vollzieher und deren Hinterbliebene, und endlich über das Vermögen der Ortschaften, sowie über das Vermögen, welches mehrere Gemeinden oder Ortschaften in ungetheilter Gemein­schaft besitzen. Ein Antrag Preußens, betr. die Behandlung von Naturalisationsgesuchen, der Freundschafts- und Handels­vertrag zwischen dem Reiche und dem Oranje-Freistaate und die Vorlage, betr. die Desinfektion von Eisenbahnwagen bei der Beförderung thierischer Abfälle und Fäkalien wurden den zuständigen Ausschüssen, die Reichstagsbeschlüsse zu Petitionen wegen gesetzlicher Regelung des Kellnerinnenwesens und betr. die Errichtung kaufmännischer Schiedsgerichte dem Reichskanz­ler überwiesen. Endlich wurde über die Reichstagsresolution, betr. die Einberufung einer Kommission zur Berathung der Jmpffrage, die Vorlage, betr. die Neuwahl und Berufung nichtständiger Mitglied! r des Reichsversicherungsamts aus dem Stande der Arbeitgeber und Arbeitnehmer und über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

Die deutsche Sozialdemokratie _ hat allein für das Preßorgan derpolnischen sozialdemokratischen Partei", für dieGazeta Robotnicza" in den drei Jahren 1891Jbtâ 1893 über 12 000 M. bezahlt. Die Subvention derSchwester­partei" aber dauert noch fort, sodaß die sozialdemokratischen Polen den deutschenGenossen" recht viele Arbeitergroschen kosten. Dafür haben die Herren Polen auf ihrem letzten Parteitag den Antrag, die polnischenGenossen" sollten sich lediglich auf die sozialdemokratische Propaganda unter den Polen beschränken, die nationalen Bestrebungen aber ablehnen, mit Entrüstung zurückgewieseu und den Anhänger« dieses An­trages anheimgestellt, entweder zu widerrufen oder aus der Partei auszutreten. Wie man sieht, unterstützt die inter­nationale Sozialdemokratie nicht die sozialdemokratische Be­wegung unter den Polen, sondern der.n national-politische Bestrebungen mit dem Gelde deutscher Arbeiter.

Die sozialdemokratische Schwarzmalerei der vaterländischen Zustände, welche mitunter selbst den hellersehenden Genossen, wie der Streit Liebknechts mit dem Genossen Schönlank wegen des angeblich größeren Arbeiter­elendes in Deutschland als in Holland darthut, zu arg ge­trieben wird, erscheint glänzend Lügen gestraft durch die Wahrnehmungen, welche ein französischer Beobachter deutscher Verhältnisse im PariserXIX. Siècle" zum Besten giebt. Derselbe spendet unter dem TitelDie Wahrheit über Deutsch­land" dem enormen Aufschwünge der Industrie, sowie der hervorragenden erwerblichen Strebsamkeit des deutschen Volkes wärmstes Lob. Er erklärt Deutschland, welches er von den Vogesen bis Berlin und von Hamburg bis Straßburg durch­reist habe, für ebenso reich wie Frankreich und dabei noch in den Anfängen seines wirthschaftlichen Emporblühens stehend. Auch die Betriebsamkeit der deutschen Landwirthschaft imponirt dem Franzosen ganz gewaltig; er meint, wenn die französi­schen Landwirthe den modernen Fortschritten ebenso zugänglich wären, so würden sie mindestens das Doppelte an Getreide ernten wie jetzt. Deutschland habe aufgehört, arm zu sein, sein Reichthum nehme in erschreckender Weise zu und überall empfange man den Eindruck einer außerordentlichen Prosperität. Wenn das so weiter gehe, so werde Deutschland in 25 Jahren die am meisten Geld und Reichthümer besitzende Nation sein. Ihr könnt es mir aufs Wort glauben," ruft Charles Bos empathisch,Amerika liegt nicht mehr jenseits des Atlantic, es liegt jenseits der Vogesen!"

Ueber ein merkwürdiges Denkmal russischer Pietät" schreibt man bimHamb. Korr." aus Konstan- tinopei: Am 13. d. M. findet im benachbarten Städtchen St. Stefano eine seltene Feier statt. In Gegenwart des russischen Botschafters Nelitow wird ein russischesMauso­leum" zur Erinnerung an die im Kriege 187778 gefallenen russischen Soldaten èingeweibt. Mit diesem Mausoleum hat es aber eine ganz andere Bewandtniß. Das Bauwerk ist nämlich von ganz außerordentlichen Massen, die auch nicht im Entferntesten durch seinen Zweck gerechtferiigt werden können. Nicht minder auffallend ist es, bas sowohl tre