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Amtliches Organ für Staöt- unS LauöKrsis Hanau.

Erscheint täglich mit Au-uahm- der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer

Bit Sfpaltt^c Seilt

ÄI. 134.

Frcitag den 11. Juni

1897

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Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 42.

flienjtnadiriditen aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Paar schwarze Handschuhe. Ein Regenschirm und eine Briefmarke (von der Post). Ein weißes Taschentuch. Ferner im Schloßpark gefunden: Ein braunes Damenrädchen. Eine goldne Brille. Ein schwarzer Damen­gürtel. Eine Kanne. Ein Korallenhalskettchen.

k Zu gelaufen: Ein junger glatthaariger Dachshund m. Geschl.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 8 bis 9 Mk. Ein schwarzseidener Regenschirm mit kurzem weißen Griff.

Entlaufen: Ein braun und weißer schottischer Schäfer­hund.

Hanau am 11. Juni 1897.

Die sozialistische Gefahr.

Um gegen die Vereinsgesetz-Novelle Stimmung zu machen, hat dieKölnische Zeitung" unter der UeberschriftDie Angst vor der Sozialdemokratie als politisches Machtmittel" einen Artikel veröffentlicht, der bei den meisten Lesern Befremden erregt haben dürfte. Es heißt in dem Artikel unter anderm: So hat denn die Vereinsgesetz-Novelle wieder einmal gezeigt, daß es etwas Schlimmeres gibt als die Sozialdemokratie, und das ist die Angst vor der Sozialdemokratie. Die un­richtige Beurtheilung der Sozialdemokratie, die Wahnvor­stellung, daß wir einem Pöbelaufstand entgegen­trieben, ist um so gefährlicher, als sie immer wieder von machthungrigen Intriganten ausgebeutet wird." Und weiter heißt es,daß das Junkerthum, das doch wenig Gelegenheit hat, mit sozialdemokratisch verhetzten Massen in Berührung zu kommen, am ängstlichsten nach Abwehrmitteln schreie, während die Vertreter der Industrie, von vereinzelten Aus­nahmen abgesehen, sich für einen Schutz bedanken, der unter unsern heutigen Verhältnissen mehr schadet, als er unter besondern Umständen nutzen könnte."

Das Hauptorgan der rheinischen Nationalliberalen hat sich mit diesen Aeußerungen in direkten Gegensatz gesetzt zu den bei der dritten Lesung der Vereinsgesetz Novelle im Abgeord­netenhause vom Abgeordneten Hobrecht abgegebenen Erklä­rungen. Hiernach sind in der nationalliberalen Partei viele zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Sozialdemokratie gegenüber ein verstärkter staatlicher Schutz nothwendig sei.

In der Tbat bildet die Umsturzbewegung die größte Gefahr für das Gedeihen unsers Vaterlandes. Diese Ge­fahr ist immer größer geworden und wird noch weiter wachsen, wenn ihr nicht bald mit Nachdruck entgegen­

getreten wird. Tie Sozialdemokratie hat einen Aufschwung genommen, den bei der Gründung des deutschen Reiches Niemand vorausgesehen hat. Sie hat Erfolge zu verzeichnen, welche die schlimmsten Befürchtungen für die Zukunft recht­fertigen. Gegen die Vernichtung unserer europäischen Machtstellung und innern Wohlfahrt wird uns die weit­sichtige deutsche Politik bewahren können. Was wir jedoch zu fürchten und mit allen Kräften abzuwehren haben, ist ein inneres Sedan" oder, wie die Sozialdemokraten sagen, der große Kladderadatsch", der Umsturz unserer Staats- und Gesellschaftsordnung. Und wenn die leitenden Kreise dieser großen Gefahr durch gesetzliche Maßregeln vorbeugen wollen, so liegt ihnen gewiß jedes andere Gesühl ferner, als das der Angst. Sie thun ihre Pflicht, wenn sie die Folgerungen aus der Sachlage ziehen, daß die soziale Frage keine Rechts-, sondern eine Machtfrage ist, in der es sich allein darum handelt, ob die Sozialdemokratie den Staat oder der Staat die Sozialdemokratie unterwirft.

Gerade die industriellen Kreise sind sich der von der Sozial­demokratie drohenden Gefahr bewußt. Sie können täglich sehen, wie gewerbsmäßige Agitatoren in Versammlungen die Unzufriedenheit schüren und den Klassenhaß fördern, wie halb­wüchsige, der Schule eben entwachsene Burschen in Vereinen mit unklaren Ideen eingefangen und so der Revolution die Wege geebnet werden. Mit journalistischem Spott und gefälschten Behauptungen lassen sich solche Thatsachen nicht beseitigen.

T a g-^e s s ch a u.

Am 15. Juni finden in den Niederlanden die Kammerwahlen statt. Zum ersten Mal wird das dem allgemeinen Stimmrecht ziemlich nahe kommende Wahlsystem angewandt werden. Es treten 500 000 neue Wähler an die Urne. Jede Muthmaßung über den Ausfall der Wahlen wäre verfrüht, da sich ganz sonderbare Gruppirungen voll­zogen haben. Gegenwärtig zählt die zweite Kammer der niederländischen Generalstaaten 60 Liberale verschiedener Schattirungen einschließlich der Radikalen und 40 konservative Katholiken und Protestanten.

Dem russischen Kaiserpaare war aus seinem am 21. Oktober (a. tot.) 1894 geschlosfinen ßhebund bisher ein Kind entsprossen, und zwar nicht ein Thronerbe, kontern eine Tochter, die am 3. November 1895 geborene Großfürstin Olga. Jetzt meldet der Draht aus Peterhof, daß die Kaiserin Allxavdra Feodorowna am Donnerstag von ihrem zweiten Kinde entbunden wo, den. Auch diesmal aber ist bei Wunsch, die unmittelbare Thronfolge gesichert zu sehen, nicht in Erfüllung gegangen, da dos Neugeborene gleichfalls eine Tochter ist. Vorläufig behält also noch der stark kränkelnde Bruder des Zaren, Georg, den Charakter als Großfürst- Thronfolger bei.

Der Sultan läßt aus Kosten seiner Privalschatulle sämmtliche Truppen der Operationsarmee in Thessalien und Epirus neu equtpiren. Gegen 30,000 Uniformen gingen be­reits dortbin ab. Auch die Truppen in der Provinz sollen baldmöglichst neue Ausrüstungen erhalten; einige kleine Ver­besserungen der türkischen Uniformen werden bei dieser Ge­legenheit durchgeführt. Soweit die türkischen Fabriken nicht ausreichen, sollen deutsche Häuser berücksichtigt werden. Wie der Konstantinopler Korrespondent derPost" von einer dem tüikischen Kriegsministerium nahestehenden Seite" er­fährt, sind die türkischen Verluste im Kriege gegen Griechen­land weit größer als bisher offiziell veröffentlicht wurde. Verwundet wurden 3123 Mann, getödtet 1564 und als vermißt werden fast 200 angegeben, worunter hauptsächlich die in griechische Hände gefallenen Türken einzubegreifen sein dürften.

Die Finanznoth auf Cuba ist nicht gering. Die letzten Nachrichten besagen, daß für Papiergeld nur noch 40 Prozent vom nominellen Werthe bezahlt wird. Beamte, Soldaten u. s. w. werden in dem minderwerthigen Gelde entlohnt, wenn man sie überhaupt bezahlt; nach den Ver­sicherungen, die Sagasta kürzlich in einer öffentlichen Ver­sammlung abgab, schuldet man den Soldaten für fünf Mo­nate den Sold. Arbeitseinstellungen sind an der Tages­ordnung, da die Arbeiter das entwerthete Papiergeld nicht in Zahlung nehmen wollen, weil sie selbst nach offizieller Mittheilung mindestens 37 Prozent einbüßen müßten.

Ueble Nachrichten kommen wieder über die Wirthschaft- liche Lage in den Vereinigten Staaten. Die In­dustrie liegt fast völlig darnieder, besonders in den volkreichen Fabrik- und Bertzwerksdistrikten Pensylvaniens und Ohio, und die Unzufriedenheit der Arbeiter in diesen Gegenden ist groß. Bankerotte, Verschmelzungen, Anhäufungen von Vor- räthen und andere Ursachen haben die Schließung vieler Fa­briken verursacht, wodurch Tausende von Arbeitern um ihr Brot gekommen sind. Die kaufmännischen Bankerotte im Staate Obio beziffern sich der Summe nach seit Januar d. J. auf 50 000 000 Dollar. Die Sache hat aber auch ihren politischen Beigeschmack, denn die Menge macht natür­lich die republikanische Regierung für diesen Zustand der Dinge verantwortlich, an vielen Orten haben die Arbeitslosen schon anti-republikanische Kundgebungen abgchUten.

Chamberlain und Dr. Jameson.

Monatelang hat in London der parlamentarische Unter­suchungsausschuß über die südafrikanischen Vorgänge (Einfall Jamesons in Transvaal, seine Vorgeschichte und seine Wir­kungen) getagt. Man hat alle möglichen Leute, auch Jame­son, auch Rhodes, der besonders dazu aus Südafrika nach

Kleines Feuilleton.

Kuntes Allerlei.

So ist denn die Pfingstfestruhe" Für uns wiederum vorbei Und in ihre Stelle tritt nun Ein des Werktags Allerlei, Raffeln wieder tausend Räder Der Maschinen weit und breit, Schaffen Millionen Hände In gewohnter Arbeitszeit, Gehn im schlichten Alltagskleide Unsre Schönen ihre Badn, Die an allen Festestagen Wir im besten Putze sahn; Ist der Magen glücklich wieder Im normalen srüdern Siand, Nachdem bis zum Ueberflusse Gutes er zuin Feste fand, Waltet in oes Hauses Räumen Wiederum der Ruhe Ton, Da, die uns zum Fest besuchten, Leider längst auf und davon. Drum dem Ernst des Lebens wieder Unser Sinn ist zugekehrt Nach den Stunden derErholung", Die das Pfingstfest uns bescheert. Ja, so in der Zeiten Wechsel «chatten ist und Licht v:r theilt, Und darüber Stund auf Stunde Uns im schnellen Flug enteilt. Doch ist Pfingsten auch vorüber,

Kommt noch fchnell ein Fest bei bei,

Winkt uns manch ein stöber Tag noch

In des Alltags Einerlei.

Juni ist's, die Zeit der Rosen

Unterm blauen Himmelszelt,

Fröhlich wand'ee drum zur Stunde

Jeder durch die Pilgerwelr.

Frohsinn, Luft und Frohsinn sollen

Jetzt erst recht am Platze sein,

Sie genießt bei Scherz und Tänzen,

Bei Gesang und edlem Wein.

Dann wird auch der Arbeit Mühen

Nimmer werden uns zu schwer,

Schreitet mit des Lebens Ernste,

Lust und Heiterkeit einher.

Das mög' drum zur Lehre nehmen

Jeder sich, so Jung wie Alt,

Welche Wege er auch immer

Hin durch dieses Dasein wallt.

Ernst und Freude wechseln stetig

Auf der Erde weit und breit:

Freuet Euch der Rosen Tage,

Freuet Euch der sel'gen Zelt!

Aus Kunst und Leben.

Zur Erforschung des Nordpolargebirtes. Die

neue norwegische Expedition, die im nächsten Jahre unter Führung Otto Swerdrups, des Kapitäns desFram", aus­gehen wird, hat sich die Erforschung der Polargebiete nörd­lich von Grönland zum Ziele gesetzt, nachdem der östliche Steil ter gegen Europa belegenen Hälfte des Nordpolarge­bietes durch die Nansensche Expedition vielfach aufgeschlossen worden ist. Swerdrup hat jetzt bei ter Regierung den An­iraa auf einen Claatsbeitraa von 20 000 Kronen aestellt.

um denFram" noch seetüchtiger und zur Mitnahme von 16 Theilnehmern, statt wie unter Nansen 13, geeignet zu machen. Swerdrup hat sich für die nördlich von Grönland belegenen Meeiestheile auch besonders deshalb entschieden, weil die Jacksonsche Expedition noch immer auf Franz Joseph-Land weilt und weil in Schweden eine Polarexpedition geplant wird, l eren Forschungsgebiet das östliche Spitzbergen und das nnbekannte König Karl-Land sein soll. Swerdrup will durch den seit Mitte dieses Jahrhunderts viel benu^n ameri­kanischen Nordpolweg, den Smith-Sund, fahren und längs der nordwestlichen Küste Grönlands gegen Norden vordringen. Zu den wichtigsten Aufgaben der Expedition gehören: Fest­stellung der Ausdehnung Grönlands gegen Norden und Er­forschung des nördlichsten Theils, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob Grönland, wie Peary annimmt, eine Insel ist oder nicht; Erforschung der bisher noch unbekannten Nord­ostküste und der Naturverhältnisse daselbst, ferner, ob vor diesen Landestheilen Inseln liegen. Unter anderem soll auch festgestellt werden, wie weit sich die Spuren der Wanderungen der Eskimos gegen Norden finden. Eine andere Expe­dition des Lieutenants Peary will versuchen, den Nordpol mit Hilfe der Eskimos zu erreichen.

Zur Jubiläumsfeier der Königin von England wird aus London berichtet: Die Preise für Häuser und Fenster­plätze auf dem Wege, den der Zug der Köuigin nimmt, grenzen an's Lächerliche. Bis zu 10 Guineen gilt für billig. Die Spekulanten rechnen namentlich auf die Unzahl Aus­länder, die zahlen müssen, was man ihnen abverlangt, wenn sie nicht nach Haule zurückkehren wollen, ohne etwas gesehen zu haben. Das sog. ,.Kommemoraticn"-Syndikat hat das Goodmannsche Haus vor ter St. Paulskalhedrale gemiethet. Der niedrigste Preis im vierten Stockwerk ist 15 G. Im » ersten Stockwerk soll eine sog. zehn Personen fassende Loge 9000 ßt fnftpn.