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Xr. 132.

Mittwoch den 9. Juni

1897.

Sienftnadiriditen aus dem feile.

Gefunden: Ein Regenschirm. Eine schwarzseidene Tasche. Ein weißer Knopf von einem Stock. Ein kathol. Gebetbuch mit der InschriftHeinrich Becker". Ein gelber Damenhandschuh (linker).

Zugelaufen: Ein junger Tigerhund w. Geschl.

Zu geflogen: Ein Kanarienvogel.

Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Hund mit gelben Pfoten, w. Geschl.

Verloren: Eine goldne und silberne Vorstecknadel mit Steinen. Ein Paar neue kleine schwarze Kinderstrümpfe.

Hanau am 9. Juni 1897.

Englisches Uebelwollen.

Seitdem Deutlckland keine Neigung mehr zeigt, sich eng­lischen Interessen dienstbar zu machen, seitdem vielmehr Eng­land sich auf dem Weltmärkte immer mehr durch den deutschen Weitbewerb bedroht sieht, macht sich jenstiis des Kanals in steigendem Maße ein Uebelwollen gegen die deutsche Ration bemerkbar. Man sucht der deutschen Produktion mit allen Mitteln den Absatz im englischen Reichsgebiete zu erschweren, obgleich man der Welt gegenüber das Banner des Freihandels stolz emporhebt. Man ist sogar bereits auf dem Wege, die fremden Waaren von den englischen Kolonien möglichst aus­zuschließe« und die Vereinigung aller englischen auswärtigen Besitzungen mit dem Mutterlande zu einem großen, in sich abgeschlossenen Handels- und Wirthschaftsbunde herzustellen. Damit hat es einstweilen wohl noch gute Weile. Aber auf­fallend ist es jedenfalls, daß sich Kanada kürzlich mit einem neuen Zollgesetz ausgerüstet hat, welches alle unsere wichtigeren Exportartikel, mit Ausnahme von Zucker, mit einem höheren Zolle belegt, als die gleichartigen britischen Waaren. Lord Chamberlain hat es im englischen Unterhause bestätigt, daß die britischen Waaren in Kanada zu einem niedrigeren Tarif eingehen; die deutsche Einfuhr in Kanada wird also direkt benachtheiligt, obgleich ein unzweideutiger Handelsvertrag be­steht, welcher uns die Behandlung als meistbegünstigte Nation zusichert.

Wenn auch der Differentialzoll für deutsche Waaren vor­läufig noch gering ist, so kann er doch mit leichter Mühe bald in die Höhe geschraubt werden. Und als ganz sicher ist dann anzunehmen, doß die übrigen Kolonialländer Englands bald dem Beispiele Kanadas folgen werden. So bedeutet also das Vorgehen Kanadas thatsächlich einen ersten Schritt zur Verwirklichung des Gedankens, das ganze britische Ko- lonialgebiet von den Ftsseln des deutsch-englischen Meisrbe- günstigungsvertrages zu befreien und die große britische Zoll­vereinigung ins Leben zu rufen.

Man darf sehr gespannt auf die weitere Entwickelung der Angelegenheit sein. Soweit die deutsche Ausfuhr nach

Lettilletsn

Die Grundsteinlegung des Kaiser Wilhelm Denkmals der Deutschen Burschenschaft.

Am Dienstag fand die Grundsteinlegung dieses Denkmals statt. Der Kaiser hat durch den Geh. Kabinettsrath von Lucanus sein Interesse an demselben ausdrücken lassen und den Wunsch geäußert, die Entwürfe zu sehen. Das Bauwerk wird, wie bereits mitgetheilt, auf dem Wartenberg bei Eisenach errichtet und ist in romantischer Stilform gedacht. Zu Füßen des Thurmes, der weit in die Lande hineinragt, soll das Standbild Kaiser Wilhelms I. stehen; auf der Seite treten die Reliefs von Bismarck, Moltke, Roon Hevor. In der Vorhalle wird eine Büste des Großherzogs Karl August, des Goethe-Gönners, aufgestellt. Das Gebäude erhält einen großen Festsaal. Dr. Ebeling hält die Festrede; die Perga­ment-Urkunde hat der Berliner Maler Arthur Fischer ausge­führt. Sie zeigt den deutschen Reichsadler und in einer reiz­vollen Aquarelle das künftige Denkmal. Der Text, in ro­manischer Kanzleischrift verzeichnet, rührt von dem bekannten Gefchichtsprofesfor Dr. Oncken, dem Autor des Buches: Unser Heldenkaiser" her und hat folgenden Wortlaut:

Kaiser Wilhelm dem Großen,

Der in früher Jugend sich den Ritterschlag verdiente in dem heiligen Kriege, dessen Geist die deutsche Burschenschaft einen Tempel errichten wollte im akademischen Leben;

Der in langer Friedenszeil als Waffenschmied des preu­ßischen Heeres rastlos wirkte, um dereinst zu sühnen, was zu Paris und Wien an Deutschlands Recht und Ehre gesündigt worden war;

Der als Regent und König die Helden des Rathes und der That, Moltke, Roon und Bismarck berief, um mit ihrer

Kanada allein in Betracht kommt, handelt es sich schon um eine recht bedeutende Schädigung der deutschen Industrie. Deutschland hat im Jahre 1895 für 5^ Mill. Mark Textil- waaren, Konsektionsartikel, Handschuhe u. dergl. nach Kanada geliefert; ebenso für 2^4 Mill. Mark Eisen- und Metall­waaren und für mehrere Millionen Mark Thon-, Porzellan- und Glaswaaren.

Deutsche Ansiedlungen in Westpreutzen und Posen.

Dem preußischen Abgeordnetenhouse ist ein Bericht über die Ausführung des Geßtzes vom 26. April 1886 über die Beförderung deutscher Ansiedlungen in Westpreußen und Posen zugeganeen. Darnach wurden im verflossenen Jahre der Kommission 43 Güter und bäuerliche Grundstücke aus polnischer und 65 aus deutscher Hand zum freihändigen An­kauf angeboten. Angekauft wurden 7 größere Güter in den drei Regierungsbezirken Posen, Bromberg und Marienwerder mit einem Flächeninhalt von 3520 Hektar zum Kaufpreise von 2,228 Mill. Mk. Rechnet man hinzu die Erwerbungen aus den zehn frühern Jahren, so beläuft sich der Geiammt- erwerb der Kommission am Schlüsse des Jahres 1896 aus 92,724 Hektar zu einem Kaufpreise von 56 Mill. Mk.; das macht durchschnittlich 606 Mk. auf den Hektar.

Im Laufe des Jahres 1896 wurden, wie auch im Vor­jahre, zehn neue Besiedlungspläne ausgestellt; sie umfassen eine Fläche von 7209 Hektar, gegen 5822 im Vorjahre und gegen 66,065 Hektar in den zehn Besiedlungsjahren seit 1886/87. Rechnet man hierzu die ohne besondern Besied­lungsplan vergebenen Grundstücke sowie fünf Pläne von Gütern, die im Frühjahr dieses Jahres zur Auslegung kom­men, mit zusammen 4234 Hektar, so beläuft sich die zur Aus­legung bisher gestellte Fläche am 1. April 1897 auf mehr als 70,000 Hektar. Das sind 77 Prozent der Gesammt- erwerbungen, und es bleiben noch 23 Prozent des bisherigen Erwerbes in der Vorbereitung zur Ansiedlung. Die von den Ansiedlern zu zahlenden Renten oder Pachtgelder sind derart bemessen, laß in 70 Fällen 3 Prozent, in 18 Fällen 2V2 Prozent und in 17 Fällen sogar nur 2 Prozent entrichtet werden.

Der Verkehr mit Anstedlungslustigen hat sich auf dem Centralbureau in Posen auf der Höhe der Vorjahre gehalten, jedoch sind Anfragen aus andern Gegenden als aus denen, die schon Ansiedler gestellt haben, bisher nicht erfolgt. Es sind dies die niederrheinischen Kreise Cleve und Rees, sowie die westfälischen Steife Warburg, Höxter, Minden, Herford, Bielefeld und das angrenzende Fürstenthum Lippe-Detmold. Gewünscht werden Zuzügler aus Gegenden mit gesunden bäuerlichen, nicht industriellen Verhältnissen, wie Hannover

Hilfe das neue Deutschland zu erkämpfen und auszubauen, in dem der Väter Traum von Einheit und Freiheit, Macht und Größe herrlich in Erfüllung ging;

Der als erster Krieger seines Heeres und als erster Diener seines Staates das Jugendgelübde eingelöst:Meine Kräfte gehören der Welt, dem Vater lande", das auch der Wahlspruch unseres hochstrebenden Kaisers und Königs Wil­helms II. ist;

Der als der edelste Mensch, der jemals einen Thron geziert, oer Idee des monarchischen Staates das Herz seines Volkes und die Begeisterung der Jugend für immer ge­wonnen hat.

Dem Fürsten Otto von Bismarck-Schönhausen, dem genialen Kanzler, der das Programm der deutschen Burschen­schaft ausgeführt, dem großen Minister, der die Staatskunst der That in den Dienst des nationalen Gedankens gestellt, durch sie all die Geisteskräfte der Nation, die ehedem gegen den Staat gewirkt, zur Arbeit für den Staat bekehrt, der so der deutschen Wissenschaft das lang ersehnte, immer ver­geblich gesuchte Vaterland endlich geschaffen und der akademischen Jugend den Glauben an dies Vaterland in die Seele ge­flößt hat.

Dem Andenken des Großherzogs Karl August von Sachsen-Weimar, dem großgesinnten -Fürsten eines herrlichen Landes, der der Schutzgeist der deutschen Burschenschaft, der Schirmherr ihres denkwürdigen Wartburgsestes war und ein unvergeßliches Beispiel der Eintracht zwischen Fürstenrecht und Volksrecht gab.

Zum ehrenden Gedächtniß der Burschenschafter, welche für Deutschlands Befreiung und Einigung gekämpft und auf dem Kampfplatz ihr Leben geopfert haben für die heilige Sache;

sei

mit dem Schwur, zum Kaiser und zum Reich zu stehen

und Schleswig-Holstein, denen es an den nöthigen Mitteln nicht fehlt.

Bisher vertheilt sich die Abstammung der 1975 Ansiedler, von denen 131 katholisch sind, nach den verschiedenen Pro­vinzen Preußens und sonstigen Gegenden Deutschlands wie folgt: Das größte Kontingent stellen Posen 436, West- preußm mit 372 Ansiedlern; dann folgen Westfalen mit 242, Brandenburg 238, Pommern 151, Schlesien 144, Sachsen 58, die Rheinprovinz 51, Hessen-Nassau 23, Ost­preußen 16, Hannover 11, Schleswig-Holstein mit 7 An­siedlern. Von den süddeutschen Staaten ist Württemberg mit 56, Baden mit 8 und Bayern nur mit 2 Zuzüglern vertreten. Die andern deutschen Staaten stellten zusammen 78 Ansiedler, während die Zahl der aus Rußland zurückge­wanderten Landmirthe 81 beträgt. Die Kopfzahl der ganzen Ansiedlerbevölkerurg auf den bisher zertheilten Gütern wird auf 10,000 Personen zu schätzen sein, sie wohnen auf an­nähernd 2000 Stellen. Das von den letztem nach Ablauf der Freijahre zu zahlende Soll an Pachten und Renten wird dann rund 590,000 Mk. betragen.

Von einzelnen Ausnahmen abgesehen, sind die Zahlungen des laufenden Etats jahres pünktlich erngegangen; nur 3 Proz. des Soll blieben im Rückstand, jedenfalls infolge der guten Ernte des Jahres 1896. Auch fehlt es nicht an sonstigen Zeichen einer dauernden Verbesserung der Lage der Ansiedler. Einzelne haben sich durch Erwerbung von Aktien einer be­nachbarten Zuckerfabrik in ihrem Einkommen gehoben, ankere haben Darlehen, die sie von Verwandten erhalten, früher ab- bezahlt, als die Betheiligten erwarteten. Anderseits haben sich nicht wenige Ansiedler an benachbarten neuerkings errich­teten Molkerei Genossenschaften betheiligt oder auch sämmtliche Kosten aus eigenen Mitteln aufgebracht. Mittelbar unter­stützt die Kommission diesen Fortjchritt, indem sie den Ansied­lern gutes Nutzvieh aus den dazu eingerichteten Viehdepots zu mäßigen Preisen und gegen mäßige Abzahlung überläßt. In ähnlicher Weise sorgt auch die Kommission für die Be­schaffung von Obstbäumen. Mögen alle diese Maßregeln der Ansiekelungstommiffion auch ferner von Erfolg gekrönt sein! **

Tagesschau.

Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine sind S. M. S.Kaiser", Kommandant Kapi­tän zur See Zeye, und S. M. S.Cormoran", Komman­dant Korvetten-Kapitän Brussatis, am 5. Juni in Wusung angekommen; der fahrplanmäßige Reichs-PostdampferStutt­gart" des Norddeutschen Lloyd ist mit dem ausgehenden Ab­lösungstransport für S. M. SchiffeFalke" undBussard", Führer: Korvetten-Kapitän Wallmann, am 4. Ium in

getreu bis in den Tod und mit dem alten Burschen­spruch:

Vaterland, Du Land des Ruhmes, Weih' zu Deines Heiligthumes Hütern uns und unser Schwert!" dies Denkmal geweiht von der deutschen Burschenschaft".

Eine Reproduktion der Urkunde wird dem Programm beigegeben werden, das gegenwärtig nach einem Entwurf vom Baumeister Zeiß in der Sittenftld'schen Druckerei in Berlin hergestellt wird. Man steht hier in einem romani­schen Thorbogen die Perspektive des Denkmals, umgeben von romanisirten Eichen- und Lorbeerblättern. Unten zeigt sich der Reichsadler mit den Wappen von Weimar und Hohenzollern.

Aus Kunst und Leben.

Aus Budapest kommt wieder eine recht erbauliche Nachricht. Wiener Burgschauspieler waren dort gelegentlich eines Gastspiels im Lustspiel-Theater Anfeindungen ausge­setzt seitens eines Theiles des Publikums. In roher Weise störte man das Spiel der Gäste durch verwerfliche Radau­mittel. Die Einen sagen, Konkurrenzneid wäre das Motto dieser erbärmlichen That gewesen, Andere behaupten, man habe nicht gegen die deutschen Künstler, sondern gegen Wien dkmonstriren wollen, also aus politischen Gründen. Die Bu­dapester Presse tadelt diese beklugenswerthen Vorgänge und das ist ein versöhnendes Moment, aber man muß sich doch fragen: Ist es zu glauben, daß solcher Unfug überhaupt möglich sein kann in der Hauptstadt eines civilistrten Staates an der Schwelle des 20. Jahrhunderts ?!