W,«»eme«t»' Preis:
Jährlich 9 ^* WEHrl. 4 Ji 50 ^.
Merteljährlich
2 M 25 ^.
Ak auswärtige Wttmeinen mit dem betreffenden
Beaufschlag.
Die einzelne
Sammet kostet
10 4. SMW— —" —UM» —
Insertions- Preis:
Vie ispaltige iSarmonl
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oder deren Raum 10 ^.
Die IVifpaltige Zeil«
15 ^.
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Die Sspatti^e Zeil«
Die ispaltige Zetir 40 ^.
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Rr. 131.
Amtliches.
SIcrölKveis ^artart.
Bekanntmachung.
Das festtheilnehmende und die Festhalle im Stadtpark besuchende Publikum wird dringend ersucht, die in sicherheitspolizeilichem Interesse getroffenen Anoronungen, wonach der Eintritt, Eingang, in die Festhalle nur durch das Haupt- portal; der Austritt, Ausgang, aus bei Festhalle nur durch die beiden Seitenportale statlzufinden hat, zu beachten, da widrigenfalls nicht allein die Aufführungen auf der Bühne verboten, sondern auch die Benutzung der Festhalle überhaupt in Frage gestellt werden müßte. Die bezügl. Aufschriften über den Portalen, wie solche zu benutzen ünd, lassen hierüber keinen Zweifel aufkommen. Den Anweisungen der an und in der Festhalle ausgestellten Ordnungsmannschaften rc ist unbedingt Folge zu geben. Im Weiteren wird ebenso dringend ersucht, in den Gängen der Festhalle nicht stehen zu bleiben, oder gar noch Stühle in denselben auszustellen.
Hanau am 8. Juni 1897.
Königliche Polizeidirektion.
P. 5610 v. Schenck.
Kimstnackriltitm aus dem Kreise.
Gefunden; Ein weißes Taschentuch. Ein Zollstock. Eine Wagenkapsel von Messing. Ein Cigarrenabichneider. Ein weißer Matrosenkragen. Eine Briefmarke (von der Post). Ein weißer Strohhut. Ein Paar neue schwarze lange Damenhandschuhe.
Verloren: 6,20 Mk. Baar (in Papier eingewickelt). Eine goldne Damenuhr mit Kette. Ein Portemonnaie mit 30 bis 35 Pf. Ein schwarzer Fächer (in der Festhalle). Eine silberne Damenremontoiruhr mit Reisekettchen und Quaste.
Abhanden gekommen in der Badeanstalt; Eine einfache silberne Eylinderuhr.
Hanau am 8. Ium 1897.
JHadt&reie Aanau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Das Weishaupt'sche Stipendium von 320 Mk. für einen besonders talentvollen Gold- oder Silverarbeiter ist von den auf die ausgeschriebene Konkurrenz ausgetretenen Bewerbern nach dem einstimmigen Vorschläge der berusenen Sachverständigen und des Lehrerkollegiums der Königlichen Zeichen akademie für dieses Jahr dem Tagesschüler der Zeichenakademie Karl Heinemann zuerkannt worden.
Feuilletsir
Der historische Festig.
(Rachdrua vcrboi ; )
Hanau, 7. Juni.
So ist denn auch der Tag gekommen der 300 jährigen Jubelseier der Gründung unserer Neustadt, um in historischem
Rückblick auf die bedeutsamsten Ereignisse und die wechselnden Schicksale der Stadt und ihrer Bewohner durch eine öffentliche Veranstaltung besonderer Art Ausdruck zu geben, die Entwickelung von Handel, Gewerbe und Industrie bis zur neuesten Zeit, die Pflege von Kunst und Wissenschaft unter dem schützenden Aime ihrer Fürsten und der sorgenden Obhut ihrer Magistrate in der anschaulich fesselnden Vorführung kostümirter Gruppen aus den verschiedenen Hauptepochen der! Mo delle zu und lassen unsire Blicke noch am Vorüber- Geschichte unserer Stadt vom Ausgange des XVI. Jahr- ziehen dieser Abtheilung auf der Marienkirche, dem Ratbhaus Hunderts an zu zeigen. Imposant ist die Zahl der Theil- und dem Schloßbau jener früheren Zeit verweilen, so fühlen nehmer — über 1900 Personen, darunter etwa 150 Reiter wir uns im Geiste ganz- zurückversetzt in jene Epoche, da unter — wie die Reihe der 21 prunkvollen Festwag.m und sonstiger des we'tausblickenden Fürsten glücklicher Regierung jene segens- den verschiedenen Gruppen beigegebener Gefährte. — Zehn Musiklv'.ps, von denen 2 beritten, und mehrere Abtheilungen von Trommlern und Pfeifern, sowie einzelne Trompeter als Begleiter der Herolde sind an der Spitze des Zuges, wie zu Anfang der folget den Gruppen in Tbätigkeit. Beginnen wir unsere Schilderung mit der den Zug eröffnenden Gruppe Alt-Hanau, so sehen wr uns hier einem Bilde von höchster malerischer Wirkung gegenüber. Tie markige Gestalt des Doxcnrtitenben Heroldes in prächtiger Gewandung mit dem Banner der Grafen von Hanau-Münzenberg, zur Seite zwei Fanfarenbläser zu Pferde und bie in die Stadl- sarben gek.eideren berittenen Trompeter bilden eine wirksame Einleünng des Festzuges. Von ihrem Sitze unter ernem von schlanken Pfeilern getragenen Portal (dessen Vorbild wohl in
Dienstag den 8. Juni
Zugleich ist beschlossen worden, dem Ciseleur Rudolf Bosselt aus Frankfurt a/M. und dem Ciseleur Adolf Ries hwrselbst als den Verfertigern der nächstbesten Arbeiten eine öffentliche Belobung zu ertheilen.
Die auf das Preisausschreiben eingereichten Arbeiten werden bei der zu Pfingsten in der Königlichen Zeichenakademie statifindenden Schulausstellung ausgestellt werden.
Hanau am 25. Mai 1897.
Der Stadtrath.
Dr. Gebeschus. 8444
300jährige Jubelfeier der Gründung der Neustadt Kanan.
Festkonzert.
Ter weltliche Theil der Jubiläumsseierlichkeiten wurde eingeleitet durch das am Nachmittage des ersten Pfingsttages veranstaltete Festkonzert. Die geräumige Festhalle war bis auf den letzten Platz besetzt. In dem Konzert wirkten mit ein 80 Mann starkes Orchester, gebildet aus den durch hiesige Künstler verstärkten Kapellen des Infanterie-Regiments Nr. 166 und des Ulanen-Regiments Nr. 6, ein gemischter Chor von ca. 250 Personen, bestehend aus dem Oratorienverein und besonders hierzu eingeladenen Damen und Herren, die vereinigten Hanauer Männergesangvereine in der Stärke von etwa 400 Sängern; ferner waren in Herrn Konzert- sänger Robert Kaufmann aus Basel (Tenor) und in Herrn Kammersänger Joseph Staudigl aus Berlin (Bariton) zwei hervorragende solistische Kräfte gewonnen worden. Als Dirigent fungirte Herr Dr. Frank Limbert. Eröffnet wurde das Konzert durch die Jubelouveriüre von C. M. von Weber, die, mit großer Präzision und edlem Schwung dargeboten, wie immer eine zündende Wirkung ausübte. Auch die später zum Vortrag gebrachte herrliche Egmont-Ouvertüre von L. v. Beethoven sand unter der temperamentvollen Leitung des H?nn Dr. Limbert, der Farbe, Kraft und Feuer mit seinem Orchester zu entwickeln verstand, eine vollendete Wiedergabe. Der gemischte Chor sang zunächst drei â ca: pella Chöre, nämlich „Morgengebel" von Mendelssohn- Bauholdy, „Don allen Liebesliedern" und „Walresnachr" von Joh. Brahms, sowie ferner noch mit Begleitung des Orchesters aus dem Oratorium „Franzrstüs" von Edgar Tinel den herrlichen „Sonnengesang", bei dem den Tenor- solo Herr Kaufmann wahrhaft glanzvoll durchführte. Sämmtliche Chöre legten durch die Reinreit der Intonation, die Präzision in den Einsätzen und die Sicherheit in der Stimm- i sübrung lobenswe thes Zeugniß von sorgfältigster und ge wisfenhafiester Vorbereitung ab und wurden bei deutlicher, klar ortikulirttr Textaussprache in schöner Phrasirung und fein abgewogenen dynamischen Schcutirmgm überaus wir-
dem am alten Rathhause noch heute erhaltenen zugemauerten Thorbogen zu suchen ist) grüßt uns die -Figur der Hanovia, zu beun Füßen der Schwan les Stadtwoppens seine Flügel breitet. Zwei jugendliche Pagengestalten heben sich in ihrer färbe,reichen Tracht wirkungsvoll ab von den in der Mitte des Wagens btr Hanovia in würdevoller Haltung, wie in ernstem Gespräch zusammenstehenden Rcuhsh-rrn und Bürger. In der Orssnung des auf dem Hinteren Theil des Wagens errichteten Thorthurm steht der Wächter aus Herab- gelaffener Zugbrücke, während ein Stadtknecht spähend über die Mauerbrüstung blickt und ein anderer, den Anmarsch von Woffengesellen kündend, wie zur Be- grü ung Kommender die roth-gelbe Fahne schwenkt.
Wenden wir uns nun den Trägern der für diese Gruppe bedcut'amen Baudenkmale des alter Hanau verkörpernden
reiche Entwicklung der Stadt begann, an die wir l esonders
lebhaft uns erinnert fühlen in der später folgenden © o r t = rechter Bürgergarde, die unserer Feier durch die Betheiligung einer stattlichen Zahl von Einwohnern jener Stadt am Festzuge eine die Stammeszugehörigkeit zu den Nachkommen der hier eingewanderlen niederländischen Familien dokumertirerde erhöhte Bedeutung verleiht. —
Die zweite Gruppe führt uns einen Zug der Emigranten selbst vor Augen, die vor dem Glaubensdiuck der spani chen Macht und harter Verfolgung nach langer Irrfahrt hier ein Asyl und die sichere Stätte für die bald am Orte ihrer Niederlassung erblühet be gewerbliche Thätigkeit gefunden. Tas Evangelium war ihnen Führer und Wegweiser. Bei Philipp Ludwig TL, den wir hier in De
1897.
kungsvoll zu Gehör gebracht. Dasselbe gilt von den â ca- pella gelungenen Männerchören, nämlich „Schifferlied" von Fr. Silcher, „Englische Volk-ballode" von F'ank Limbert und „Sturmbeschwörung" von Joh. Dürrner. In der „Englischen Volksballade", in der eine wehmuthsoolle Klage um den Tod der Liebsten angestimmt wird, hat der Komponist mit Glück den echten Volksliederton getroffen. In der „Sturmbeschwörung" besonders kam die Fülle und der voll- saftige Gesammtklang des stattlichen Männerchores mächtig "und überwältigend zum Ausdruck. Die Krone des Konzerts bildeten jedoch die sechs altniederländischen Volkslieder von Kremser (Männerchor und Orchester), überaus herrliche Musik voll rythmischer Kraft und wahrhaft hinreißenden melodischen Schwunges, aus dem Geiste des Volkes geboren, das einen staunenswertben Kamps für religiöse und politische Freiheit gegen einen übermächtigen Feind bis zum endlichen Siege durchzusetzen im Stande war. Die beiden Soli in diesen Kciegsgesängen (Bariton und Tenor), geloben durch vorzügliche Harsenbegleitung, wurden von den beiden Solisten in vollendeter Weise dargeboten und der Chor ent- saltete eine herrliche Fülle kräftigen Wohlklanges. Ueber- Haupt bildeten diese Lieder mit dem im Pianissimo «beginnenden und bei fortwährender Steignung im mächtigsten Foitisümo ausklingenden Dankgebet einen erhebenden Abschluß des Festkonzertes, das die Jubelseier der 300jährige Gründung unserer Neuuadt durch die niederländischen und wallonischen Flüchtlinge einleitete.
Herr Robert Kaufmann sang außer den bereits ermähnt« n Soli in den Chören noch die Arie des Pylades „Nur einen Wunsch" aus Iphigenie auf Tauris von Chr. Gluck mit dem voraufgehenden Rezitativ. Der Sângir ist im Besitze einer außerordentlich weich und sympathisch klingenden Tenorstimme. In seinen Vorträgen, die er mit bewun- dernswerther Frische, Kraft und Energie darbot, bekundete er überall das richtige Verständniß, geläuterten Geschmack und rege Gefühlsthätigkeit. Der Baritonist Herr Joseph Staudigl ist glOchfalls im Besitze p-ächriger Stimmmittel. Er sang neben^ feiner soltststchen Muwulung in den niederländischen Volksliedern noch Rezitativ und Arie des Lystart „Wo berg ich mich" aus Euryanthe von C. M. o. Weber; sein Vortrag zeigte überall künstlerische Auffassung, war von besonderer Gefühlswäru e getragen und entwickelte freie, eindrucksvoll: musikalische Deklamation und echt dramatische Lrbendig- keit.
Das Orchester stand sowohl, wie bereits angedeutet, in leinen Einzelooi tragen als auch in der Begleitung der Chöre und Sologesänge auf der Höh; seiner Aifgab'.
Herr £r. Frank Limbert hatte sä amtliche Nummern les Programms mit künstlerischem Verständniß und in der gewissenhaft.sten Weise einstudirt und waltete seines Dirigenten - amtes mit gewohnter Sicherheit, Umsicht und Energie, so daß
gleitung seiner Gemahlin Katharina »Belgica mit stattlichen G.solge von Kavalieren und Damen in glänzendem Reiter- zuge gewahren, fanden sie Schutz und gastfreundliche Auf- nabme. Unter seinem Regim.nt wuchs nun unter emsiger Thätigkeit der Baugewerke der Raum der Stadt weit über das frühere Gebiet hinaus. —
Die charaklerischen Gestalten der Emigrantengruppe sind im Einzelnen wie in ihrer Gesammterscheinung so verständlich, daß wir uns einer Erklärung ber Einz theilen enthalten können. Verweisen wollen wir nur noch auf die auch dieser Gruppe eingefügten Modelle, unter welchen das der franzö- sichen Kirche, die in jüngster Zeit auch bildlich und plastisch in vielfacher Art auf Festkarten und Denkmünzen bargefteUt worden ist, besondere Aufmerksamkeit verdient. — Das Modell des alten Nürnberger Thores, wie des gleichsalls verschwundenen Kanaltho-es erregen als Abbilder einiger Baa- drnkmale des alten Neu-Hanau Interesse; das der hohen Landesschule (des jetzigen Gymnasiums) in ihrem damaligen Aussehen ntrzient hier gleichfalls erwähnt zu werden, auch finden wir diese Pflegestätte des Wissens später noch an anderer Stelle vertreten. Das Modell des alten Lchloßbaues mit seinem hochragenden Tburm noch besonders hervorgehoben. Landgraf Ludwig und Katharina Belgica erregen als Haupl- siguren im Zuge vorwiegend das Interesse der Menge, die Kostümirung dieser Personen wie des Gefolges erschemt durchaus stilvoll nnb auch die Verschiedenheit der ^niederländischen Tracht von der mehr in Deutschland üblichen macht sich durch manche charakteiistische Kennzeichen auch für den Laien kündbar. Von den Hguren niederländischer Kavaliere wird sich der Zuschauer im Wesentlichen ungefähr das cleiche Bild gemacht haben, wie es ihm hier vor Augen tritt.
Am Ende des Jahrhunderts, das dem deutschen Volke die Reformation gebracht, entfaltete sich Neu-Hanau und gedieh unter der jetzt regsameren Bevölkerung zu Wohlstand und An-