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Nr. 129.

SB**

Freitag den 4. Juni

1897.

Amtliches.

StâötKvois ^itaiu Bekanntmachung.

Im Interesse der öffentlichen Sicherheit und des Verkehrs werden für Montag den 7. Juni d. J. (2ter Pfingstfeiertag) gelegentlich des in hiesiger Stadt stattfindenden historischen Festzuges der 300jährigen Jubelfeier der Neustadt Hanau nachstehende straßenvolizeiliche Anordnungen getroffen:

A. Von 7 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach­mittags werden sowohl für den Kuhr- als auch für den Personenverkehr vollständig gesperrt:

1. die Spessartstraße,

2. die Friedrichstraße,

3. die Grimmsiraße bis zur Neuen Anlage,

4. die Bebraer Bahnhofsstraße von der Wilhelmshöhe (Ueberführung der Bebraer Eisenbahn) bis zur Neuen Anlage,

5. die Mainstraße.

B. Desgleichen von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags:

1. die Marktstraße,

2. die Metzgergasse,

3. die Straße im Schloßhof.

Diejenigen Straßen, welche der Festzuz paisirt und welche dem Publikum ja schon hinlänglich bekannt sind, dürfen in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis nach Beendigung des Festzuges mit Fuhrwerken jeder Art (auch Velccipeden) nicht befahren werden. Ausgeschlossen bleiben hiervon die Wagen der Herren Aerzte, soweit deren Befahren der Festzugsstraßen unbedingt nothwendig ist.

Eine weitere Sperrung von Straßen ist nicht beabsichtigt, indessen wird das festtheilnebmende Publikum, wie auch die Führer von Fuhrwerken jeder Art dringend ersucht, den Weisungen der Festordner und Polizeibeamten bereitwilligst Folge geben zu wollen, damit unliebsame Störungen, sowie Unglücksfälle vermieden werden.

Hanau am 31. Mai 1897.

Königliche Polizeidirektion.

P. 5337 v. Schenck.

^anö&x-cw ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Herren Bürgermeister werden hierdurch an die unverzügliche Einsendung der durch meine Verfügung vom 20. Januar 1897 A. 214 geforderten Abschrift der Gemeinde-Hebeliste erirnert.

Hanau am 31. Mai 1897.

Der Königliche Landrath

A. 1826 D. Schenck.

Feuilleton.

Die Verwandtschaft Kaiser Wilhelm II. mit dem letzten Grafen von Hanau.

Nicht allen Hanauern wird es bekannt sein, daß unser regierender Kaiser, Wilhelm II., mit dem letzten Grafen von Hanau, Johann Reinhard III., verwandt ist. Anläßlich der Jubelfeier verlohnt cs sich vielleicht, daran zu erinnern. Die verwandtschaftlichen Beziehungen sind aus folgender Ueber­sicht zu ersehen: f Graf Johann Reinhard III. v. Hanau (t 1736), verm. m. Dora­th e a Friederike v. Brandend.

(Hohenzollern 1)

Charlotte, verm. m. d. Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen- Darmstadt.

1)LandgrafLndwigIX. von Hessen-Darmstadt. 2) PrinzGe o r g von

Hessen - Darmstadt.

1) Friederike, verm. 2) Luise, verm. M. d. Friederike m. König Friedrich Grobherzog Carl August Carol. Luise, Wilhelm II. von von Sachs.-Weim. verm m. d. Herzog Preußen. I Carl Ludw ig

j v. Meckl.-Strelitz.

König Friedrich Wil- Grobherzog Carl Helm III. v. Preußen, Friedrich v. S.-W.

verm. mit--} König n Luise

| I von Preußen.

Kaiser Wilhelm II., verm. m. Kaiserin Augusta.

Kaiser Friedrich III.

i

Kaiser Wilhelm II.

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen wie feine Gemahlin Luise waren demnach Ur-urenkel; Kaiser

Die Herren Bürgermeister, welche mir zur Verfügung vom 25. Februar 1897 A. 742 hinsichtlich der Gemeinde- Rückstände noch nicht berichtet haben, werden an unver­zügliche Vorlage des Berichts erinnert.

Hanau am 2. Juni 1897.

Der Königliche Landrath

A. 1869 v. Scheu ck.

dieiiÄiiadiridifen aus dem fcif?.

Verloren: Eine silberne Remomoiruhr obne Kette. Eine silberne vergoldete Damemchrkette nebst Broche mit rothem Stein; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Entflogen: Ein Paar Brünner Kröpfer, Täuber weiß, Täubin gelb gescheckt.

Gesunden: Ein Messer nebst Geldstück, in einem Futteral. Ein evangel. Kaiechismus. Eine unechte Haar­nadel mit 3 Glasperlen.

Zuge lau fen: Ein Dachshund m. Geschl.; Empfang­nahme bei Philipp Haufe zu Kleinsteinheim. Ein weißer Foxterrier mit schwarzbraunen Abzeichen, m. Geschl.; Empfang­nahme bei Jakob Schütz in Ostheim.

Hanau am 4. Juni 1897.

SrâSâ^SLS ^anau.

Bekanntmachungen des LberbürgermeisteramLes.

Bekanntmachung.

Tie Lieferung des diesjährigen Bedarfs an Brennmaterial für die gejammte städtische Verwaltung inkl. Schulen, und zwar zirka:

10 Rmlr. Buchenscleilholz,

90 Tannenickeiiholz,

19 Waggon Steinkohlen, Ofenbrand, halb Nuß, halb Stücke,

2 Nußkohlen la,

1 Anthracitkohlen la,

wird hiermit zur Submission gestellt. Angebote mit Preis­angabe für die Kohlen und für die Fracht bis Bahnhof hier mit Bezeichnung der Zeche, sowie für Holz wolle man schrift­lich und versiegelt bis zum 14. ds. M:s., mittags 12 Uhr, auf dem Rathhaus abgeben.

Hanau am 3. Juni 1897.

Der Oberbürgermeister ______________________ Dr. Gebeschus.__8351

Bekanntmachung.

Tie diesjährige Heu- und Grummeterute auf den in Dörnigheimer Gemarkung am Wasserthurm liegenden, der Stadt Hanau gehörenden Wiesenflächen soll

Donnerstag den 10. Juni 1897, nachmittags 3'^ Uhr,

Wilh lm I. und srine Gemahlin Augusta Ur-ur-urevkel! und Kaiser Wilhelm II. ist Ur-ur-ur-ur-urenkel Johann Reinhards III., des letzten Grafen von Hanau. Verein­facht sieht der Stammbau so aus:

Johann Reinhard III. von Hanan.

_____________Urenkel im 2. Grad._____________

Friedrich Wilhelm III. Luise.

Urenkel im 3. Grad.

Wilhelm I. Augusta.

Urenkel im 5. Grad. .

Wilhelm II.

O. Ankel.

Der älteste Gründungsplan der Neustadt Hanau,

bisher vollständig unbekannt, ist im Schaufenster von Königes Buchhandlung ausgestellt. Eine koloriere Handzeichnung von einem tüchtigen Künstler des 16. Jahrhunderts aus der Vogelschau in der Größe von 50X70 Centimeter ausgenom­men, zeigt er uns Hanau und Umgebung und die Bauthâtig- keit im Sommer 1597 auf dem Terrain, wo heute die Neu­stadt steht, und zwar soll derselbe uns ausklären:Wie das Stâttlein Hanaw von den Niederländern erweitert werden wollen." Er ist sür die Geschichte Hanaus unstreitig der wichtigste und interessanteste von allen bisher von ihr be­kannten Pläne und Abbildungen. Wenn auch vielleicht von etwas geringerem künstlerischen Werth als Merians Stich I von 1632, hat er doch vor demselben den großen Vorzug, daß er ein sehr umfangreiches Gebiet um die Stadt (Alt-1

i an Ort und Stelle unter den vor der Versteigerung bekannt ! gegebenen Bedingungen meistbietend versteigert werom.

Hanau den 3. Juni 1897.

Wasserwerks-Direktion.

J. V.: Heppenheimer. 8308

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-BureauHerold.")

Berlin, 3. Juni. Um 121/a Uhr empfing der Kaiser den Reichskanzler. Derselbe begibt sich, derNordd. Allg. i 3tg." zufolge, morgen für die Pfingstfeiertage nach Podiebrad.

Berlin, 3. Juni. Der Kolonialdirektor Freiherr von Richthosen hat sich nach Baden-Baden begeben, um der Bei­setzung seiner im Mai v. Js. verstorbenen Gemahlin beizu­wohnen. Dieselbe starb, wre bekannt, in Alexandrien an der Cholera und konnte nach den bestehenden Gesetzen die Ueber- führung der Leiche nach Deutschland erst nach Jahresfrist erfolgen.

Berlin, 3. Juni. In der chemischen Fabrik von Scher- ding explodirte eine Quantität Schießbaumwolle. Bei den Aufrâumungsarbeiren wurde ein Oberfeuerwehrmann durch , Einathmung giftiger Gase getobtes und zwei Feuerwehrleute lebensgefährlich verletzt.

München, 3. Juni. Vor dem oberbayerischen Schwur­gericht wurde heule gegen den Redakteur derMünchener I freien Presse", Franz Joseph Kuhn, wegen Beleidigung des ' Kaisers verhandelt. In der Nummer 111 des genannten : Blattes war am 16. Mai eine Thierfabel unter dem Titel aus der Kinderstube eines klassischen Volkes enthalten, in welchem die Anklagebehörde eine Beschimpfung Kaiser Wil- belms erblickte. Tie Geschworenen verneinten die auf Majestätsbeleidigung gerichtete 1. Frage und bejahten hierauf j die 2. auf groben Unfung. Redakteur Kuhn wurde zu sechs Wochen Hatt verurtheilt. Der gegen Kuhn erlassene Haft­befehl wurde aufgehoben.

Wien, 3. Juni. Der Kaiser hat heute Vormittag das Präsidium des Abgeordnetenhaufes und die Obmänner des Klubs der Rechten in Audienz empfangen. Wie berichtet wird, ivrach der Kaiser seine Anerkennung für die Haltung der Mehrheit aus und erklärte, er hoffe, daß sich später die Gemüther beruhigen würden und der Friede in Böhmen wieder hergesiellt werde.

Wien, 3. Juni. In hiesigen türkischen Kreisen zirkulirt das Gerücht, die Großmächte hätten dem Sultan, um ihn nachgiebiger gegen Griechenland zu stimmen und besonders um die Fordei ung der Annexion Thessaliens fallen zu lassen, das bindende Verbrechen gegeben, die Reform-Aktion, wenn i auch nicht offiziell abzubrechen, so doch aber stillschweigend einschlafen zu lassen. Ter Sultan soll das Anerbieten acceptirt 1 haben.

stadl) und diese selbst in farbiger Darstellung wtebergibt Er gibt uns Aufschluß über viele bisher unbeantwortet ge­bliebene Fragen, wie z. B.: Wie sah die Gegend aus, auf welcher die Neustadt erbaut worden ist? Wo mündete die Kinzig früher? Wie waren das Kinz- dorf, Kesselstadt und die anderen Orte um Hanau be­schaffen ? u. bergt mehr. Aufs Sorgfältigste ist Alles ver­zeichnet, alle Wege und Stege, Wiesen und Weinberge, Felder und Wälder, Höfe und Gartenhäuser. Wappenschilder deuten an, was zu Hanau, was zu Mainz gehörte. Das alte Hanauer Grafenschloß hat noch seinen mächtigen Thurm, welcher dem von Groß-Steinheim sehr ähnlich war. Hoch­interessant ist die Darstellung der Verlegung der Kinzig­mündung, über welche noch in allerneuester Zeit so unrichtige Angaben gemacht wurden. Auf dem Plane sind die Arbeiter gerade beim Eindämmen der alten Mündung be­schäftigt, während die neue schon an ihrer heutigen Stelle sich befindet. Doch unmöglich können wir hier eine erschöpfende Beschreibung des ganzen Planes geben, zumal auch, wie wir hören, eine Nachbildung in Lichtdruck, mit Erläuterungen ver­sehen, im zweiten Hefte derHanauer Chronik" er­folgen soll. In dem Besitze des Verfassers des genannten Werkes (Herrn Akademielehrers Zimmermann), befindet sich auch die ausgestellte Zeichnung. X.

__Vermischte Nachrichten.

Ein greiser Sänger. Am Sängertage in Hollstein (Baselland) fang unter lautloser Stille der 102 Jahre alte Thommen mit seinem 8sjâhrigen Neffen den ChoralWenn ich, o Schöpfer, Dein Macht" u. s. w., was auf die Zu­hörer einen e'. greifenden Eindruck machte. Ein so alter Sänger hat jedenfalls noch bei keinem Längerfest mitgewirkt.