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Amtliches Grgan für Staöt^ uu9 LauöKreis Hanau.
JnsertionS- Preis: Die ispaltige Garmond» zcile oder deren Raum 10 ^. Die IVifpaltige Zeil« 15 ^- Die 2spaltige Zeil« 20 ^.
Die 3jpaltige Zeile 30
Di« 4s^aItiae Zetle
Nr. 125.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Se ArklameuLhegß W
Montag den 31. Mai
1897.
Amtliches.
StaötKveis ^anau.
Bekanntmachung.
Im Interesse der öffentlichen Sicherheit und des Verkehrs werden am Dienstag den L Juni -s. Js. für die Zeit von 8V2 Uhr vormittags bis etwa 1 Uhr nachmittags gelegentlich der Enthüllung des Philipp-Ludwig-Denkmals auf der französischen Allee hierselbst die um die Alle führenden Straßen, sowie die Paradiesgasse für den Fuhrverkehr H vollständig, die Hahnengasse, Schäfergasse, Kleinegasse und Schützengasse für den Durchgangsfuhrverkehr gesperrt.
Die Auffahrt der Festgäste rc. geschieht von der Lindengasse und Altgasse aus nach dem Südportal der wallonischen Kirche. Die Abfahrt der Wagen nach der Kleinegasse und Schütz eng asse.
Die zum Abholen der Festtheilnehmer befohlenen Wagen nehmen in der Schâsergasse, Kleinegasse und Schützengasse, Front gegen die französische Allee, Aufstellung.
Schließlich ersuche ich das festtheilnehmende Publikum, den Weisungen der Festordner und Polizeibeamten bereitwillig Folge geben zu wollen.
Hanau am 26. Mai 1897.
Königliche Polizeidirektion.
p. 5156 v. Schenck.
Es wird hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß alle diejenigen Unternehmer, welche beabsichtigen, Fahrzeuge zur Beförderung von Personen zu Jedermanns Gebrauch während der 300jährigen Jubelfeier und des Lamboyfestes zur Verfügung zu stellen, gemäß A. § 1 der Pol.- 8er. vom 6./12. 1895 einen Fahrschein hierzu bedürfen, da sonst die Ausübung des qu. Betriebes unter Strafe gestellt ist.
Diese Jnterims-Fahrsckeine sind auf Zimmer 16 und 17 der unterfertigten Amtsstelle in Empfang zu nehmen.
Hanau am 29. Mai 1897.
Königliche Polizeidirektion.
v. Schenck.
^anö&re 10 ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Wegen des bevorstehenden Abschlusses der Kassenbücher aus dem Rechnungsjahr 1896/97 ersuche ich alle Diejenigen, welche noch Forderungen aus der Zeit vom 1. April 1896 bis 3L März d. Js. an die Kreiskommu-
Fenilletsn.
Kerliner Mode-Plauderei.
Frau Mode treibt in einer Weise Politik, daß mancher in Ehren ergraute Staatsmann von ihr lernen könnte. Einer ihrer besten ^Trics ist der: sie kommt uns stets mit Gegensätzen. Warum? Um an dem einen die Schönheit des andern zu beweisen. Werden ganz große Hüte von ihr bevorzugt wie im vorigen Sommer die Faxons Lamballe uno Gainsborough, so sieht man daneben die winzigen Toques, die wie ein BlumenHalbkranz in dem hochtoupirten Haar ruhen. Wendet sie ihre Gunst den prall sitzenden Schneiderlaillen zu, was in diesem Frühjahr geschieht, so bringt sie als schlagenden Gegenbeweis das lose Lackjäckchen, welches — nebenbei — seine kurze Glanzzeit hinter sich hat.
Auch bei der neuen Rockform schlägt sie uns ein Schnipp chen. Einmal wird uns gelehrt, daß die strahlenförmig plif- sirlen Röcke das Neueste sind, wobei die Pliffö's eng in den Bund eingereiht werden und nach unten weit ausfallen, und gleich darauf erfahren wir: dernier cri ist, die Röcke ringförmig zu besetzen. Für diesen Zweck kommen Borten, Treffen, Stoffrüschen, Spitzen, neuerdings auch schräggeschnittene Battistblenden in Verwendung.
Was thun wir, um es Frau Mode recht zu machen? Mein Rath ist der, schöne Leserin: Wenn Sie groß und schlank sind, jo wird Ihnen der ringförmige Besatz reizend stehen, denn er wird Ihre Figur angenehm runden. Hat Ihnen aber Natur keinen hohen Wuchs verliehen, so schlüpfen Sie in einen eng plissirten Rock, denn er wird Sie grö^r und eleganter erscheinen lassen. Zu den Plissökleidern, die aus sehr dünnem Stoff meist über losen seidenen Röcken gearbeitet werden, trägt man Spitzen-Jäckchen, breiten Gürtel, der in lange Schärpenenden ausfällt, plissirten Aermel, der sich am Gelenk trichterartig erweitert, den Arm eng umschmiegt,
nalkaffe zu haben vermeinen, die Rechnungen hierüber innerhalb 8 Tagen an mich einzusenden.
Hanau am 31. Mai 1897.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses v. Schenck.
Öienjtnadiriiiiten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Nadelschirm. Stundenplan für Walter Miersbe. Ein weißer Kinderstrohhut. Ein Portemonnaie mit etwas Geld und Rechnungen.
Verloren: Ein Brillantobrring; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein schwarzer Regenschirm (am 28. d. Mts. auf der französ. Allee). Ein Portemonnaie mit 3 Mk.
Hanau am 31. Mai 1897.
4>taöf£ret0 e^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeifteramtes.
Bekanntmachung.
Aus Anlaß der kirchlichen Jubelfeier sind die städtischen Bureaux am Dienstag den 1. Juni ds. Js. vormittags für den Verkehr mit dem Publikum geschlossen. Die Beglaubigung von Quittungen findet im Stadtsekretariat von vormittags 9 bis lO1^ Uhr und in der Armenverwaltung von 8 bis lO1^ Uhr statt.
Hanau am 29. Mai 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Geb eschus. 8021
Bekanntmachung.
Wegen der bevorstehenden Festlichkeiten und der Vorbreitungen zu denselben wird der Stadtpark von heute Nachmittag 4 Uhr an bis nach Beendigung des Festes für den Zutritt und Verkehr des Publikums geschlossen. Der Verkehr nach und von den Schloßwohnungen findet ausschließlich durch das Hauptportal von der Schloßstraße aus Statt.
Hanau am 29. Mai 1897.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 8009
Polizeiverordnung.
Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 wird hiermit für den Gutsbezirk Wll- helmâbad folgende Polizeiverordnung erlassen.
§ 1.
Eben'o wie das Befahren der Promenadenwege und Plätze in den Parkanlagen mit Fahrrädern ist auch das oben wiederum weitere Form anmmuu. — Die ringförmige Garnirung wird bei den leichten Sommerkleidern eine große Rolle spielen, da sie auch dem einfachsten Waschkleid eine gewisse Eleganz verleiht. So z-igt man bunte Organdy- und Zephirkleider, vom Saum bis zum Gurt mit handoreiten Volants besetzt, feine Battistkleider sind so mit Spitzen- Entredeuz in horizontaler Richtung durchsetzt, daß von dem eigentlichen Stoff nur noch schmale Streifen sichtbar sind. Doppelt elegant wirken die Spitzen-Einsätze, wenn sie ein bunt seidenes Unterkleid hindurch schimmern lassen. In seidenen Unterkleidern wird von den Berliner Damen ein fabelhafter Luxus getrieben. Nicht nur die halbdurchsichtigen Stoffe wie Elamine, Grenadine, Bengaline werden mit Seide unterfüttert, sondern auch einfache für die Promenade bestimmte Tuch- oder Cheviotkleider erhalten seidenes Futter. Feinschmecker beiderlei Geschlechts würdigen das Kostüm der Vorübergehenden nur flüchtig, um so andächtiger horcht das Ohr auf das so beliebte und so merkwürdig verführerische Rauschen. Viel ließe sich sagen, schöne Leserin, vom kurzen Rausch, den das Rauschen erzeugt----doch ich eile, Ihnen über die letzten Sports-Ereignisse zu berichten.
Beim letzten Rennen in Hoppegarten, dem einzigen übrigens, an welchem Frau Sonne lachte, sah man eine Reihe eleganter Turfioiletten. Eine bekannte Aristokratin trug ein schwarzes Gazekleid über einem getrennten Unterkleid von smaragdgrünem Taffet. Der Rock war bis oben hinauf mit schmalen schwarzen Gazerüschen nebst Perlbörtchen garnirt, ebenso Blouse und Aermel. Dazu Chasseurhut aus feiner schwarzer Slrohtresfe, (zwischen je 2 Tressen eine fingerbreite Mullrüsche). Die linke Front garnine eine immens hohe blaugrüne Seidenschleife von Mullrüsche umrändert. Sehr fesch war eine Toilette aus grün-weiß gestreiftem Taffet, der Rock sonnenstrahlförmig plissirt, Schärpe aus gelblicher Bastseide. Ueber der bauschigen Blouse ein Carmen-Jäckchen von gelblicher Guipiere, große Kinnschleife aus gebranntem grünen
Schieben der Fahrräder aus diesen Wegen und Plätzen verboten.
8 2.
An Sonn- und Feiertagen in der Zeit vom 15. April bis 15. September ist von 2 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends das Befahren der Landstraßen
a) an der Häuserreihe entlang,
b) von der Burg nach dem Kurhaus mit Fahrrädern verboten.
Den Radfahrern ist es jedoch gestattet, das Fahrrad neben sich her zu führen.
§ 3.
Fuhrwerke aller Art müssen auf den im § 2 bezeichneten Straßentheilen und in den daselbst angegebenen Zeiten Schritt fahren.
§ 4.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu neun Mark bezw. entsprechender Haft bestraft.
8 5.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft.
Wilhelmsbad am 29. Mai 1897.
Der Ortspolizeiverwalter Bauer.
Die zweite Berathung der Vereinsgesetz- Novelle
im preußischen Abgeordnetenhaus hat leider, wie befürchtet worden ist, ein sehr ungünstiges Ergebniß geliefert. Die Haupibestimmungen, welche die Regierung zur Auflösung von Versammlungen und zur Schließung von Vereinen vorgeschlagen hatte, sind gestrichen. Neben der Aushebung des Koalitionsverbotes ist der Hauptsache nach nur der Ausschluß Minderjähriger von politischen Versammlungen und Vereinen stehen geblieben. Auch die dritte Berathung, die am 31. Mai stattsinden sollte, dürfte leider ein anderes Resultat voraussichtlich nicht ergeben. Wird die Vorlage abgelehnt, so würde damit die parlamentarische Aktion ihr jähes Ende erreicht haben. Wird hingegen die Vorlage in der jetzigen Gestaltung angenommen, was nach der in konservativen Kreisen herrschenden Stimmung das wahrscheinlichere ist, so wird zunächst die 21tägige Frist wegen der Verfassungsänderung abzuwarten sein. In der zweiten Hälfte des Juni könnte der Ge!etz- eutwurs dann an das Herrenhaus gelangen. Wie dieses sich dazu stellen wird, kann natürlich mit Sicherheit nicht prophezeit werden. Wenn das Herrenhaus aber die Regierungsvorlage wieder hergestellt oder sonst ausreichende Bestimmungen gegen staatsgefährliche Versammlungen und Vereine Vorsicht, so würde dann an die Nationalliberalen die Frage erneut
I Tüll. Dazu mattlila Strohtoque, links mit einem Piquet ! Malven gehoben, unter der Krempe mit blaßgelben Nizzarosen I garnirt.
Berlin ist in den letzten Jabren eine sehr sportlustige Stadt geworden. Polo, Golf und Tennis — besonders das I letztere — werden mit großem Eifer gespielt, Rudern und I Segeln gehört fast schon zum guten Ton, und nun erst das Radeln! Geradelt wird mit einem förmlichen Fieber, mit einer förmlichen Bravour. Auf dec prächtigen Straße, die sich vom Kurfürstendamm bis nach St. Hubertus hinzieht — Berlins Zukunftsstraße wird ste genannt — steht man doppelt soviel Radfahrer als Fußgänger. Glücklicherweise sind wir jetzt so weit, daß kein Mensch sich mehr einer radelnden Dame wegen das Genick verdreht, es sei denn, ihre auffallende Kleidung brächte das zu Wege. Die vornehmen jungen Damen, meist höhere Töchter aus Berlin W., kleiden sich sehr dezent und doch recht chic. Das Pantalon ist in jenen Kreisen verpönt. Pumphöschen, Rock und Jaquet sind aus demselben Stoff gefertigt, man wählt mit Vorliebe blauen Serge, forst- grünen Loden, staubgrauen Panamah, gunklen Cheviot, eint diese ruhigen Farben mit hellgeblünnen Battistblousen, die an kalten Tagen durch Blousen aus gestreiftem Tennisstoff oder Foulard ersetzt werden. Um den Hals ist ein Laoallier geschlungen. Dazu Gürtel aus Alligator, oder weißen^Glacö- leder, weiße Waschlederhandschuhe, halbhohe braune Schnürstiefel. Zum stilvollsten Dreß wird am liebsten der Matrosenhut getragen, um den ein farbiges Sammetband gelegt ist, das Girardihütchen, das wir aus Wien übernommen haben, führt sich recht gut ein, kleine Tyroler- und Italiener Farons sind auch fesch und kleidsam — kurz es gibt des Hüb,chen genug, obgleich die Auswahl nicht allzu groß ist. Tas flotte Radler-Dreß, daß immer einen Stich ins Amazonenhaste hat, mag manche sonst Zaghafte bewogen haben, dem Sport zu huldigen — so wenigstens sagen die Schneider und Lchneiderinnen---und die müssen es wissen.