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Freitag den 28. Mai

1897.

Amtliches.

MmiinaâriMen aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister am 26. d. M. eingefangen: Ein schwarzer Hund m. Geschl.

Gefunden: Eine goldne Damenuhr mit Kette.

Verloren: Eine goldne Vorstecknadel mit Emaille.

Hanau am 28. Mai 1897.

l»taöWrei0 ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Wegen der in der Festhalle stattfindenden Proben für das Festkonzert ist der Stadtpark am Samstag den 29. Mai er. und Mittwoch den 2. Juni er. von 4 Uhr nachmittags ab geschlossen. Der Zugang zu den Wohnungen und für die bei dem Konzert Mitwirkenden findet nur durch das Hauptportal von der Schloßstraße aus Statt.

Hanau am 28. Mai 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 7933

Bekanntmachung.

Mit Rücksicht auf die kirchliche Jubelfeier der Gründung der Neustadt wird der auf Dienstag ven L Juni ds. Js. fallende Neustädter Wochenmarkt auf Mittwoch den 2. Juni -s. Js. verlegt.

Hanau am 24. Mai 1897.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 7888

Tagesschau.

Die freikonservative Fraktion des preußi­schen Abgeordnetenhauses hat einen Antrag zur Vereinsgesetznovelle eingebracht. Darnach sollen die ^Artikel 1 und 3 in ter Fassung wieder hergestellt werden, daß Versammlungen und Vereine, in welchen anarchistische, sozialdemokratische, sozialistische oder kommunistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung gerichtete Bestrebungen in einer die öffentliche Sicherheit, ins­besondere die Sicherheit des Staates gefährdenden Weise zu Tage treten, von den Abgeordneten der Polizeibehörde bezw. der Landcspolizeibehölde aufgelöst oder geschloffen werden können. Von Vereinen rc., welche die Losreißung eines Theiles des Staatsgebietes vom Ganzen erstreben, soll das­selbe gelten.

Ein Bild von der Freiheit ves Einzelnen im sozialdemokratischenZutunftsstaate^ geben die

Quitte len

Gras Philipp Ludwig II. von Hanau, der Gründer der Neustadt Hanau. (Fortsetzung.)

Anders dachte und handelte schon anderthalb Jahrhunderte früher unser Graf Philipp Ludwig. Schon im Jahre 1593 wurde eine Anzahl aus ihrem Vaterlande geflüchteter Nieder­länder, welchen die Aufnahme in Frankfurt verweigert worden war, in Hanau ausgenommen. Sie hielten ihren Gottesdienst in derBlauen Hand" in der Metzgergasse. Als hierauf 1594 Adwlph d e Ligne, Mitglied der walloni­schen Gemeinde und Bürger und Kaufmann in Frankfurt, mit einer Aachenerin sich verheirathet hatte und sich einer des-

falls ihm zuerkannten Strafe nicht unterwerfen wollte, zog er

ebenfalls nach Hanau und erwirkte hier, daß seiner Gemeinde spricht der Graf den Bewohnern der neuen Stadt gegen Ver­eine Kirche, anfangs die Schloßkapelle und dann die Hospi-1 pflichtung der Treue gegen den Landesherr« und die Gesetze talkirche, überwiesen und ein sranzösischer Prediger angestellt seinen Schutz, gesteht ihnen freie öffentliche Uebung ihres wurde. So ward, wie wir sogleich sehen werden, die ängst-| Gottesdienstes, freie Wahl ihrer Kirchenvorsteher, Prediger liche Sorge der Frankfnrter Bürger für die Verheirathung1 und Lehrer, außerdem Handels- und Gewerbefreiheit, zwei ihrer Töchter eine der Ursachen für die Gründung unserer ! Wochenmärkte und viele andere Privilegien zu, die zum Theil Neustadt. Denn als bald darauf die beiden niederländischen im Laufe der Jeit ihre Bedeutung verloren haben oder, wie Gemeinden in Frankfurt wiederholt den Stadtrath um Ge-! z. B. die Milttärfreiheit, geänderten politischen Verhältnissen stattung der öffentlichen Uebung ihres Gottesdienstes gebeten weichen mußten. Auch gestattete er die Aufnahme einiger hatten, aber abschläglich beschieden worden waren, unter Be- ' Bürger der neuen Stadt in den Stadtrath.

drohung ter betreffenden Deputation, sie in den Katharinen-1 Diese Kapitulation mürbe durch einen weiteren von den thurm stecken zu lassen, beschlossen sie, nach Hanau überzu- nämlichen Personen abgeschlossenen und unterschriebenen Ver- siedeln, wo sie wahrscheinlich schon vorher die Aufnahme trag vom 1. August 1601, Tr a n s f i x genannt, zum Theil zugesichert er galten hatten. abgeändert und erweitert. Insbesondere wurde darin der

Satzungen eines von den Sozialdemokraten gegründetenAr­beitsnachweises für die Hafner Nürnbergs und Umgegend." In den Satzungen, die der Behörde vorgelegt wurden, finden sich folgende Bestimmungtn:Der Arbeitsnachweis soll für beide Theile die Arbeits-Nachfrage und Angebote regeln; es sind deshalb alle andern Arbeitsvermittlungen am Platze verboten. Jeder Gehilfe, der in Nürnberg oder Umgegend in Arbeit tritt, darf dies nur durch die Arbeitsnachweisstelle thun, selbst wenn er bisher bei dem gleichen Arbeitgeber an einem andern Orte beschäftigt war. Ohne den Arbeitsnach­weis eingestellte Arbeiter sind sofort wieder zu entlassen und dürfen innerhalb dreier Monate von dem betreffenden Ar­beitgeber nicht in Arbeit genommen werden." DerReichs­bote" bemerkt hierzu: Und da schwärmt eine Anzahl braver Optimisten, aber schlechter politischer Musikanten noch immer davon, daß die sozialistische Frage nicht auch eine Machtfrage ist; sie ist beides: eine soziale Reformfrage und eine poli­tische Machtfrage ; die Köpfe, die hier immer nur einent- weter, oder" auf »teilen, verstehen ihren Umfang nicht; die Frage kann weder als einseitige Rcformfrage, noch als Machtfraze gelöst werden; denn die Sozialdemokratie läßt sich nicht mit Refo men überwinden, weil sie nicht Reformen, sondern Revolution will, und so lange die Sozialdemokratie großen Einfluß auf die Arbeiter hat, werden alle Reformen nicht imstande sein, die Arbeiter von den revolutionären Be­strebungen loszumachen. Sie operirt dem Staate gegenüber mit parlamentarischen Machtmitteln und kann deshalb nicht allein durch Reformen, aber auch nicht ohne dieselben über­wunden werden; beide Mittel, Macht und Reformen, müssen Zusammenwirken.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depeschen-Bure«uHerold.")

Berlin, 27. Mai. Im Abgeordnetenhause wurde gestern die zweite Berathung des Handelsiammergesetzes erledigt. Nächste Sitzung Freitag 12 Uhr: Zweite Lesung des Vereins- Gesetzes.

Berlin, 27. Mai. DerLokalanzeiger" meldet aus Athen: Die hiesigen Gesandten schickten ausführliche Noten an ihre Regierungen, in denen sie die Nothwendigkeit bervor- hoben, die Fliedens Verhandlungen zu beschleunigen. Gestern wurde ein vielstündiger Ministerrath abgehalten. Der eng­lische Gesandte weilte über eine Stunde beim König.

Au^ee, 27. Mai. Wie verlautet, wird Kaiser Wilhelm in diesem Jahre zum Besuch des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe hierher kommen.

Temesvar, 27. Mai. Ein furchtbares Gewitter mit Wolkenbrüchen richtete hier großen Schaden an. Der Blitz schlug in das Telephonamt ein, wodurch über 100 Apparate unbrauchbar wurden.

eine neue Stadt anlegen und auf seine Kosten die Gräben, Wälle, Thore und Zugbrücken ausführen, auch einen Schiff­fahrtskanal vom Main bis an die neue Stadt ausgraben lassen wolle, wenn sich eine hinreichende Anzahl Niederländer verbindlich mache, in dieser Stadt Häuser zu bauen. Es unterschrieben sofort 58 Personen die Erklärung, Häuser, zum Theil mehrere, zu bauen, und es wurden für den Unter- laffungsfall Strafen festgesetzt. Daneben erklärten 144 Per­sonen, in die neue Stadt überziehen zu wollen.

Wohl legte jetzt der Frankfurter Stadtrath dem Unter­nehmen mancherlei Hindernisse in den Weg, und man kann sich bei den engherzigen Ansichten der Zeit nicht wundern, daß auch der Rath der alten Stadt Hanau Bedenken ähnlich denen des Frankfurter Stadtrathes dem Grafen vorbrachte, aber aller dieser Gegenwirkungen ungeachtet, schloß der Graf am 1. Juni 1597 einen den Namen Kapitulation

führenden Vertrag mit den Niederländern ab.

Darin ver-

Lemberg, 27. Mai. In vielen Gegenden Galiziens ist Hochwasser eingetreten. Mehrere Flüsse sind aus den Ufern getreten und haben große Ueberschwemmungen ange­richtet.

Paris, 27. Mai. Der Zwischenfall Poittevin-Beranger wird zum Gegenstand einer Interpellation in die Kammer gemacht werden.

Antwerpen, 27. Mai. Die Gazzette meldet auf Grund von Privatnachrichten aus dem Kongo: Die Vorhut der Kolonne Dhanis sei von Mahdisten, welche mit Hinter­ladern bewaffnet und von englischen Offizieren befehligt waren, vollständig niedergemetzelt worden.

Paris, 27. Mai. Prinz V. Sagan und der Akademiker Meilbac sind außer Lebensgefahr.

Paris, 27. Mai. Die Blätter besprechen beifällig die gestrige Verurteilung Gregoires zu lebenslänglicher und der beiden angeschuloig'en Frauen zu 5 Jahren Zwangsarbeit.

Athen, 27. Mai. Der russische Gesandte hatte gestern eine lange Audienz beim König.

Athen, 27. Mai. Der bekannte italienische Abgeord­nete Defelice, welcher als Freiwilliger hierher kam, versuchte gestern 25 Garibaldianer an der Abreise nach Italien zu ver­hindern. Ministerpräsident Ralli ließ ihn auf das Ministe­rium bescheiden und machte ihm Vorhaltungen. Defelice schleu­derte ihm Schimpfworte entgegen. Er behauptete, die Regie­rung habe das Gepäck der Italiener gestohlen. Rolli ließ schließlich die Polizei rufen, um Defelice mit Gewalt aus dem Ministerium zu entfernen. Defelice wurde dem Kom­mandanten des im Phrleron liegenden italienischen Kriegs­schiffesSardmgna" übergeben.

Athen, 27. Mai. Aus Volo wird gemeldet, daß ein türkischer Oberst die Plünderung der Getreide - Niederlage in der Stadt erlaubte, wo 11/s Millionen Liter Getreide vor­handen waren. Der Protest der Eingeborenen Bolos sand bei dem Gouverneur eine sehr kühle Aufnahme.

Witterungsbericht.

Voraussichtliche Witterung: Zunächst meist trübes, regne­risch s Wetter.

Teutscher Reichstag.

Sitzung vom 26. Mai 1897.

Der Reichstag berieth heute in zweiter Lesung die Vor­lage, betreffend die Besoldungsverbesserungen. Es liegen dazu außer den Vorschlägen der Kommission vor: ein Antrag Roon, das Höchstgehalt der Divisionspfarrer auf 4200 M. festzusetzen, und ein Antrag Bassermann, beim Heere die Buchhalter bei der Zahlstelle des XIV. Armeekorps den Geheimsekretären bei der Militärkasse gleichzustellen. Ferner betrifft eine von dem Abg. Singer (sozdem.) bean-

. abgeändert und erweitert. Insbesondere wurde darin der

Am 27. Januar 1597 legte ihnen der Graf Philipp neuen Stadt ein besonderer Stadtrath zugestanden, dessen Ludwig einen von Nikolaus Gillet aus gearbeiteten Einsetzung in der Art angeordnet wurde, daß die Bürger der Plan vor, nach welchem er neben seiner Residenzstadt Hanau Neustadt aus ihrer Mitte 32 Personen wählen sollten, aus

welchen der Gras zwei Bürgermeister und zehn Rathsmit­glieder wählen wollte, ein gräflicher Stadtschultheiß sollte dann an der Spitze der Räthe bezw. Städte stehen.

Es kann nicht meine Absicht sein, hier auf die Geschichte des Aufbaues der neuen Stadt, dessen sich der Graf mit jugendlichem Eifer, als Seele des Ganzen, rathend, ver­mittelnd und helfend annahm, näher einzugehen. Ich erwähne nur Einzelnes.

Schon gleich mit dem Anfang des Jahres 1579 begannen die Vorbereitungen. Es wurde die Mittagslinie bestimmt, um der Stadt eine solche Lage zu geben, daß die längeren Straßen genau von Osten nach Westen, die kürzeren von Norden nach Süden liefen. In den Stadtplan fielen 380 Morgen. Für die Bauplätze wurde eine Taxe festgesetzt, die je nach der Lage 60 200 fl. für den Morgen betrug.

Im Jahre 1600 werden 47 Wallonen und auch 47 Holländer als Hausbesitzer aufge'ührt. Das erste Haus, das vollendet wurde, erhielt den Namen Paradies, das zweite war die Hoffnung, und wie diese so haben noch viele andere Häuser aus jener Zeit ihren Namen bis heute be­halten, sodaß sich viele Hanauer besser nach diesen Häuser­namen als nach den Straßennamen zu orientiren wissen. Bis zum Jahre 1648 waren 474 Banplätze verkauft, beim es ließen sich später außer den Niederländern anch noch viele Andere in der neuen Stadt nieder.

Der Grundstein der Kirche mit ihren beiden Abtheilun­gen wurde in Gegenwart vieler Fürstlichkeiten am 9. April 1600 gelegt. Die Mittel zu ihrem Bau mußten wesentlich durch Beiträge der Gemeindegl eder beschafft werden, weshalb der Bau nicht sehr rasch sortschreiten konnte. Am 29. Ok­tober 1608 wurde die erste Predigt darin gehalten und zwar in der wallonischen Abtheilung. Am 27. Juni 1609 fand das erste Begräbniß auf dem neu angelegten Todtenhof der beiden Gemeinden statt.