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Jährlich 9 M KÄtährl. 4 at 50 ^.

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Mir auswärtige M«m«itten mit dem betreuenden Postaufschlag.

Die einzelne Wummer kostet

10 4.

Amtliches (Argan für SLaSi- uuö LauöKreis Hanau.

JnsertionS- Preis: Die ispaltige Garmond- zeile oder deren Raum 10^. Die 1 ispaltige Zeile 15_S. Die 2spaltige Zeil« 20_^.

Di« Zspaltige Zeil« 30 ^

Nr. 122.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage,

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Die ispaltige Zeile 40 ^.

Mittwoch den 26. Mai

1897.

Hierzu

„Amtliche Beilage" Nr. 39.

Amtliches.

KmâaMMm aus dem Kreise.

Verloren: Am 22. ds. Mts. eine Tuschzeichnung in gelbem Papierkuvert mit breitem starken Gummiring umspannt. Eine vergoldete Ruderbroche (H. R. G. 1879 gez.).

Gesunden: Ein 2O-Gr.-Gewicht. Eine Briefmarke (von der Post). Ein kleines Portemonnaie mit etwas Geld. Ein weißes Bedeck mit rothen Streifen am Rand.

Entlaufen: Ein schottischer Schäferhund m. Geschl. Hanau am 26. Mai 1897.

^taötârei^ ^anau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeifteramtes. Der Fälligkeitstermin für Steuern und Schulgeld pro AprilJuni wird bis 12. Juni er. verlängert und wird nach Ablauf diefes Termins mit Mahnung und Zwangs­vollstreckung begonnen werden.

Zwecks schnellerer Abfertigung bei Zahlungen wird ersucht, das Geld abge­zählt zur Kaste zu bringen.

Hanau den 25. Mai 1897.

Städtische Steuerkaffe, »Markt Nr. 16, 7872

Zimmer Nr. 5—6 zu ebener Erde.

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Himmelfahrt.

Das Fest der Himmelfahrt öffnet dem frohen Glauben der Christenheit den Einblick in unsere ewige Heimath. Inden lieblichen Tagen des Lenzes, da sich uns die Erde am schönsten schmückt, läßt es uns empfinden, daß auch der herrlichste Schmuck in der sichtbaren Natur nur der Abglanz einer ewigen Schönheit ist, die zu schauen die tiefste Sehnsucht und ter höchste Beruf unserer Seele ist. Wie sich leuchtend im reinen Blau der natürliche Himmel über der grümnden Erde austhut, wie er sie umspannt und mit Licht uns Wärme segnet, so empfinden wir im Blick aus den zum Himmel erhöhten Herrn seiner Kirche uns und unser Dasein überglänz:, umschlossen und gesegnet von der ewigen Liebe, die im Himmel wohnt und uns in Herz und Leben den wahren Himmel des Geistes hineintragen will.

Es geht durch unsere Zeit ein unruhiges Hasten und Suchen nach Verbesserung und Umgestaltung der irdischen Lebensverhältnisse. Je schneller die Kultur fortschreitet, je mehr Wohlstand und Gesittung wachsen — und daß sie wachsen, lehrt jeder Vergleich mit der Vergangenheit — um so mehr wächst die Unzufriedenheit mit den bestehenden Zuständen und die vielgeschäftige Betriebsamkeit ehrlicher und unlauterer, seltsamer und überspannter Weltverbesserer. Es mag auch hierin ein Antrieb zu gesunder Fortentwickelung des mensch­lichen Geschlechts sich wirksam zeigen; aber nicht ernst genug kann hervorgehoben werden, daß durch diese Unzufriedenheit dos Beste in dem geistigen Leben der christlichen Völker zer­stört wird, daß Vertrauen auf die himmlische Vorsehung, deren Walten die irdischen Dinge wohl und weise lenkt, daß durch diese Vielgeschäftigkeit der schwerste Wahn in den Ge­müthern genährt wird, der Wahn, als könnte man anfangen, die Welt zu verbessern von außen her und die Menschen glücklich machen durch Umänderung ihrer natürlichen Ver­hältnisse.

Nein, die Erde ist kein Paradies und soll's nicht sein; der Himmel läßt sich durch Menschenwitz und -Kunst nicht auf Erden einrichten. Wir müssen ihn in uns tragen, wenn wir ihn und seinen Segen auf dieser Erde spüren wollen. Und daß wir es können, daran mahnt uns das Fest der Himmelfahrt. Es .gibt uns die Gewißheit, daß ein Vaterherz über uns wacht und für uns sorgt, ein brüderlicher Heiland uns den Rath zu diesem Herzen erschlosien und ein Geist der Liebe und des Vertrauens nun vereinigt hat zum Leben in einem himmlischen Frieden und zum Dienste eines himm­lischen Herrn. Der Himmel ist bei uns auf Erden, wenn wir mit unsern Herzen beim Vater im Himmel sind. Da lebt sechs selig, da ist Arbeit und Mühe eine Freude, da wird auch Leid und Heimsuchung zum Segen, wo das Herz im Blick auf den erhöhten Herrn, der uns vorangegangen ist, auf die bange Frage: Woher? wohin? getrost antworten kann: aus Gottes Hand in Gottes Hand!

Tagesschau.

Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine beabsichtigen S. M Schiffe „Irene", Kom­mandant Kapitän zur See du Bois, „Prinzeß Wilhelm", Kommandant Kapitän zur Sie Thiele (Adolf) und „Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, am 26. Mai von Kobe nach Chefoo in See zu gehen. Der fahrplanmäßige Reichspostdampfer „Stuttgart" des Norddeutschen Lloyd ist mit dem ausgehenden Ablösungstransport für S. M. Schiffe „Falke" und „Bussard" — Führer: Korvetten-Kapitän Wallmann — am 23. Mai in Port Said eingctroffen und an demselben Tage nach Aden in See gegangen.

Ueber die neue Rang- und Ottartierliste plaudert die „Magdeb. Ztg."; Von denjenigen Offizieren, welche un­freiwillig des Königs Rock ausziehen müssen, gibt uns das „Militär-Wochenblatt" keine Kunde; ab und zu dringt wohl aus einer Garnison eine Nachricht in die Oeffentlichkeit, sie wird aufgebauscht und recht unbestimmte Zahlen über die so jäh aus dem Offizierstande entfernten Existenzen nehmen ihren Weg durch die Presse. Die gestern erschienene Rang­liste gibt uns genaue Auskunft über die Zahl der Offiziere, die unfreiwillig des Königs Rock haben ausziehen müssen; die letzte Rubrik in dem Petitdruck hinter jedem Regiment mit den Abgängen „Außerdem Abg." nennt die Namen der entfernten Offiziere; zum Glück btfinbet sich das „Außerdem Abg." lange nicht bei jedem Regiment; bei der Infanterie sind es im Ganzen nur 29 Offiziere, welche sich aus 23 Regimenter vertheilen, welche so plötzlich die militärische Kar­riere aufgeben mußten; die Garde ist mit einem Offizier vertreten; bemerkenswerlh ist, daß sich auch mehrere Haupt­leute unter den entfernten Offizieren befinden. Bei dem 109. Regiment ist es der vielgenannte Premierlieutenant v. Brüse­witz, der mit schlichtem Abschied entlassen wurde, also aus allen militärischen Verhältnissen schied. Bei einem Regiment in der Mark, das in zwei Städten garnisonirt, die sich durch ihre Gemüsezucht (Gurken) anszeichnet, gingen vier Sekonde- lieutenants und ein Zahlmeister ab. Außerdem wurden bei der Infanterie noch drei Zahlmeister genöthigt, des Königs Rock auszuziehen; im ganzen sind dies mit den Zahlmeistern nur 33 Offiziere, ein verschwindend geringer Prozentsatz. Bei den Jägern ist ein Offizier entfernt worden; die Ka vallerie hat sich ganz vorzüglich gehalten, Verlustliste drei Oifiziere; die Artillerie hat sechs Offiziere ohne alle Ehren scheiden setzen, die drei Ingenieur-Inspektionen 1 (einen Hauptmann), die Pioniere 2 die Eisenbahner 1, der Train 1, die Zeugosfiziere 1, die Feuerwerksossiziere keinen; also Summa Summarum sind es nur 49 Offiziere, oft hoffnungs­volle talentirte Männer, die das Heer oft mit tiefem Bedauern entfernen mußte. Das preußische Heer ist also allen An­fechtungen gegenüber, die das Leben mit seinen so verfeinerten Genüssen, den wachsenden Ausgaben u. s. w. mit sich bringt, durchaus intakt geblieben.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 25. Mai 1897.

Tages-Ordnung: Fortsetzung der Berathung der Hand­werkervorlage. Es wird zunächst die namentliche Abstimmung über den Antrag Auer zum § 1001 wiederholt. Der Antrag fordert die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Für den Antrag stimmen 65, gegen ihn 141 Abgeordnete, der Antrag ist also abge­lehnt. Bei § 100 o hat die Kommission die Bestimmung der Vor­lage gestrichen, daß der Haushaltsplan der Zwangsinnnngen der Genehmigung der Aufsichtsbehörde bedarf und daß letztere eventuell Ausgaben in best Etat der Innungen einstellen kann, soweit ihn dies

feniUeten.

Graf Philipp Ludwig II. von Hanau,

der Gründer der Neustadt Hanau.

Nur eine kurze Spanne Zeit trennt uns noch von dem Tage, an welchem die Hülle fällt von dem Denkmal, das die wallonische und niederländische Gemeinde dem Grafen Philipp Ludwig II. von Hanau errichtet, infolge dessen die Wiedergabe der Festrede, die der verstorbene Professor der Mathematik und Physik am Gymnasium zu Hanau, Dr. Conrad Fliedner, am 18. November 1876 im Geschichts­verein zu Hanau bei der Feier des 300jährigen Geburtstages des Grafen gehalten hat, von ganz besonderem aktuellen In­teresse ist. Die Festrede lautet:

„Wir feiern heute (18. November 1876) das Andenken an die Geburt eines edlen hochsinnigen Mannes, des Grafen Philipp Ludwig II. von Hanau, dem die Stadt Hanau zu großem Danke verpflichtet ist, und ich folge dem Wunsche des Vorstandes unseres Geschichtsvereins, in dieser Versammlung an die wichtigsten Thatsachen aus dem Leben und Wirken des Grafen zu erinnern, — Thatsachen, welche freilich hier in Hanau, wo die Steine davon reden, nicht ganz unbekannt sein können.

Am 18. November 1576 wurde dem Grafen Philipp Ludwig I. und dessen Gemahlin Magdalena, einer gebore­nen Gräfin von Waldeck, der erste Sohn geboren, der den Namen des Vaters erhielt. Aber der Vater starb schon nach vier Jahren, sodaß die Grafschaft unter Vormünder kam, während die Erziehung des jungen Grafen von der Mutter geleitet wurde.

Diese vermählte sich später mit dem Grasen Johann von Nassau, durch dessen Einfluß sie vom lutherischen

zum reformirten Bekenntniß überging und auch ihre Kinder in diesem erzog. Dadurch entstand zwar Streit zwischen ihr und den lutherischen Vormündern, sie setzte indessen ihren Willen durch.

Der junge Graf zeigte schon frühe nicht gewöhnliche Gaben und zeichnete sich aus dem neu gegründeten Gymnasium illustre in Herborn, wo er neben den schönen Wissenschaften auch Theologie, Jurisprudenz und Philosophie studirte, sowie später auf der Universität Heidelberg so sehr durch Rede- und Disputirkunst aus, daß er von beiden Anstalten mit der Würde eines Rector magnificus beehrt wurde. Die Ertheilung dieser Würde erscheint uns heute kaum verständlich, da der Graf nach seiner Rückkehr von Heidelberg erst 17 Jahre alt war; aber für sein wissenschaftliches Interesse zeugt, daß er sofort nach seiner Rückkehr von Heidelberg in Hanau eine Buchdruckerei anlegte, aus welcher die später berühmt ge­wordenen Aubrie'schen und Wechel'schen Druckereien her­vorgegangen, und für die Achtung, die man seiner Begabung zollte, spricht die Thatsache, daß ihm schon in seinen Jüng­lingsjahren von den Wetterauischen Grafen ein Auftrag in Staatsangelegenheiten an den Kaiser Rudolph II. anver­traut wurde, dessen er sich auch mit großer Klugheit entledigte.

Schon vor Ausführung dieses Auftrages hatte unser Graf, der bisher, wie mein Gewährsmann sich ansdrückt, nur mit dem Fach der Gelehrsamkeit sich beschäftigt hatte, eine Reise unternommen, um die Sitten und Gebräuche anderer Völker kennen zu lernen und Kunst und Wissenschaft an ihren Haupt­sitzen zu studiren. Er war zu diesem Zweck durch Nieder­hessen nach den Niederlanden gegangen, wo damals die Künste in hoher Blüthe standen, und hatte sich auch um der Wissen­schaft willen in Leyden aufgehalten. Etwas später unternahm er eine große Reise durch Oesterreich, Ungarn, Böhmen, Polen und Schlesien und verweilte dann längere Zeit in Italien, wo er in Rom und Neapel die Kunstschätze des Alterthums

studirte und in Bologna und Padua abermals unter die Studirenden sich aufnehmen ließ. So mit ungewöhnlichen Kenntnissen und gereiftem Urtheil ausgerüstet, trat er 1596, j zwanzig Jahre alt, die Regierung seines Landes an und ver­mählte sich noch in demselben Jahre mit Katharina iBelgica, einer Tochter des Prinzen Wilhelm von O r a n i e n, welche Verbindung wohl nicht ohne Einfluß auf die Theilnahme war, die er den um ihres Glaubens willen aus ihrer Heimath vertriebenen Niederländern schenkte, und die zur Gründung der Neustadt Hanau führte.

Um die Veranlassung zu diesem wichtigsten Ereigniß während der Regierung unseres Grafen übersichtlich darzu­stellen, muß ich in der Zeit etwas zurückgehen.

Die Niederlande, zum Theil von Holländern, zum Theil von französisch sprechenden Wallonen bewohnt, waren zur Zeit Kaiser Karl's V., in dessen Besitz sie sich befanden und der von 1516 bis 1556 regierte, zu hoher Blüthe in Industrie und Handel gelangt, und der rege Geist ihrer Bewohner hatte sich auch an die reformatorischen Bestrebungen Luth er's, C a lv i n's und Z wi ngli's angeschlossen, aber Kaiser Karl, der in Deutschland wegen des Widerstandes der Fürsten die Ausbreitung der neuen Lehre nicht hindern konnte, verfolgte sie in seinen Erblanden mit den härtesten Strafen. Wer überwiesen wurde, ketzerische Lehren verbreitet, oder auch nur den geheimen Zusammenkünften ihrer Anhänger ^beigewohnt zu haben, wurde zum Tode verurtheilt, mit dem L-chwert hin­gerichtet oder verbrannt, Frauen selbst lebendig begraben. Und diese Urtheilssprüche konnte auch ein Widerruf nicht auf­heben, sondern höchstens eine gelindere Todesart bewirken. Nach Grotius sollen während der Regierung dieses Kaisers 100 000 Menschen auf diese AA in die Hand des Henkers gefallen sein. Diese Verfolgung veranlaßte schon 1547 eine Auswanderung von Wallonen und Holländern nach England (unter Eduard III.). Als aber auch dort nach der