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10 4.

Amtliches Organ für Hiaöi- unö LauöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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JnsertionS- Preis: Die ispaltige Garmond« zeile oder deren Raum 10 ^. Die l*/*fpaltige Zeil» 15 ^ Die 2fp astige Zeile 20 xj. Die 3fpaltige Zeil« 30 4 Die 4fpaltige Zeile 40 4- Im Reklamencheil« Mi Heil. 20 ^

Rr. 121. Dienstag den 25. Mai

1897.

Amtliches.

ReniknaiKrilliien aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Herrendienstmütze. Ein kleines Porte monnaie mit etwas Geld. Ein brauner Damen-Gla^ehand- schuh (rechter).

Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund. Ein junger rehbrauner Dachshund m. Geschl.

Entflogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 25. Mai 1897.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf die diesseitige Bekanntmachung vom 12. April 1897 Amtsblatt Nr. 16 und Hanauer Anzeiger Nr. 88 wird die Einziehung des Wegs von der Gemarkungsgrenze der Chaussee LangendiebachRückingen bis zu den vier Linden des Verbindungswegs Langendiebach Hanau (Leipziger Straße), da Einsprüche nicht erhoben sind, in Gemäßbeit des § 57 des Zuständigkeitsgesetzes hiermit ausgesprochen.

Langendiebach, 24. Mai 1897.

Die Wegepolizeibehörde.

Knüppel. 7771

Himmelfahrt.

Wer will es aussagen, welch eine Macht über das Ge­müth des Menschen der Aufblick zum unendlichen H im m el s- gewölbe ausgeübt hat vom Anfang der Tage. Zumal wenn der Tag mit seiner Arbeit und Unruhe vorüber ist, wenn die Schatten der Nacht sich niedersenken auf die stille Erde und droben die schimmernden Sterne hervortreten: immer dieselben, und doch immer wieder mit geheimnißvoller Macht ziehen sie unsere Seele nach oben, wecken sie im Men­schenherzen die Sehnsucht, aus der Beschränktheit und Unvoll­kommenheit alles irdischen Wesens in eine höhere und reinere Welt sich erheben zu können.

Alles Sichtbare und Vergängliche ist ein Gleichniß des Unsichtbaren und Ewigen. Das Himmelgewölbe, das unend­lich über uns sich ausbreitet, ist uns ein Gleichniß des ewigen Himmelreiches, auf das wir Christen hoffen, und die Pre- bigt der Sterne weist die suchende Seele auf die Pre­digt des Evangeliums hin. Was als tiefe Sehn­sucht durch Menschenherzen geht, was als leise, unsichere Ahnung von ferne sich ankünoigt, das wird zu zweifelloser Klarheit und zu seliger Gewißheit erhoben in dem Evangelium unsers Herrn Jesu Christi. Weil sie durch ihre tiefsten Be dürsnisse immer zum Evangelium hingezogen wird, darum nennt jener alte Kirchenvater die Seelevon Natur eine Christin".

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FerrMetsir.

Die königliche Deichenaka-emie M Hanau.

(Zu ihrem 125jährigen Jubiläum.) (Schluß.)

Zur Zeit des Direktorats Westermayr stattete auch Goethe der hiesigen Stadt und Akademie einen Besuch ob. Das Urtheil über unsere Kunstschule und heimische Akademie, das der Dichterfürst in einem Aufsätze vom Jahre 1814 über die Kunst schätze am Rhein, Main und Neckar niederschrieb, ist ein erfreuliches Lob.

»Unter den Bildungsanstalten zur Kunst', so schreibt Goethe, verdient die Zeichenakademie in Hanau eine sehr ehrenvolle Er­wähnung. Herr Hofrath Westermayr, welcher diesem Institut, das vom Staate eine nur mäßige Unterstützung erhält, als erster Lehrer und Direktor vorsteht, hat um dieselbe sehr wesentliche Verdienste. Seit seiner Wiederkehr von Weimar ist der Sinn für die Kunst bedeutend ge­weckt worden, und , man bemerkt mit Vergnügen, daß mancher der vermögenden Einwohner kleine Bildersammlungen onzulegen beginnt. In der Zeichenschule finden gegenwärtig 250300 Zöglinge Be­lehrung. Das Institut besitzt Fonds, Früchte des Erwerbs der Lehrer, welche sehr nützlich zur Anschaffung von Gemälden und anderen Kunstgegenständen verwendet werden können. Auch die würdige Gattin des Hofraths Westermayr wirkt thätig für das Beste der Anstalt. Außer dieser Künstlerin verdienen unter den Malern die Namen Tischbein, Carteret, Berneaud, Nickel und Deiker genannt zu werden, den genialen Krafft (Krafft war Akademiedirektor in Wien) und den durch tiefes Studium gebildeten Bury nicht zu ver­gessen, die auch in der Ferne ihrer Vaterstadt Ehre machen. Mit der Emailmalerei beschäftigten sich vorzüglich Carteret und Ber­neaud und haben auf den Künstlernamen die gerechtesten Ansprüche. Außer ihnen zeichnet sich auch Franz Nickel, ein Hanauer, der viele Jahre in Madrid verlebt und daselbst bei der Akademie das Amt eines Adjunkten versehen, sehr vortheilhaft in jenem Zweige der Malerei aus. Unter den hiesigen Gemäldesammlungen gebührt der des Kaufmanns W. Leisler, jüngeren,Bruders des Naturforschers, der Vorrua. Die Bijouterie-Fabriken sind ganz besonders merk-

Das Fest der Himmelfahrt unsers Herrn weist uns den Weg zum Himmel. Wir wissen wohl, daß der zum Himmel erhöhte Heiland nicht wohnet an einem einzelnen und besonderen Ort, ans den man mit den Fingern weisen kann. Wir wissen, daß aller Himmel Himmel Gott nicht umfassen und begreifen können. Wir wissen aber auch, daß der auf­erstandene Heiland durch des Vaters Macht aus dem irdischen Wesen in das himmliche Wesen versetzt worden ist, aus dem Reiche der Zeitlichkeit in das Reich der Ewigkeit hinüber- gegangen ist, und daß dieser Vorgang, an sich selbst unsicht­bar, den Aposteln verdeutlicht werden sollte durch das, was ihre Augen sahen;Er waro aufgehoben zusehends, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg." Denn für das Unsichtbare und Ewige ein sichtbares Bild und Gleichniß zu haben, ist Bedürfniß der Menschennatur.

Auch unser Glaube an das Himmelreich hält sich fest an der Geschichte von der Himmelfahrt des Herrn.Auf Christi Himmelfahrt allein ich meine Nachfahrt gründe". Mit bloßen Ahnungen ist hier nicht geholfen, wir müssen Gewißheit haben. Wir sehnen uns nicht bloß in der Angst und Noth dieses Lebens nach einer höheren und besseren Welt, sondern wir glauben um unsers Herrn Jesu willen, der aufgefahren ist gen Himmel, mit großer Zuversicht an ein ewiges Leben. Und schöner als die schimmernden Sterne am Himmel leuchtet uns der Stern der Hoffnung in dem Wort unseres Heilandes: Wenn ich erhöht werde von der Erde, will ich sie alle zu mir ziehen."

Politische und unpolitische Nachrichten.

(De peschen-Bure auHerold.")

Berlin, 24. Mai. Der Kolonialrach trat heute Morgen 10 Uhr unter dem Vorsitz des Kolonial-Direktors, Freiherrn von Richthofln zusammen. Nach der Begrüßung wurde in die Tagesorduung eingetreten und zur Besprechung der Vor­lage über die Einführung der direkten Steuern iu Deutsch- Ostasrika geschritten, zu welcher zunächst Major von Wiß­mann das Wort ergriff. Nach einer eingehenden General­diskussion entschied sich der Kolonialrath im Prinzip für eine Besteuerung der Eingeborenen. Nach 1 Uhr trat eine Pau je in den Berathungen (in.

Berlin, 24. Mai. DieVoss. Ztg." erhält die ver­bürgte Nachricht, daß der Plan, wonach den großen russischen Herbstmanövern der deutsche und österreichische Kaiser beiwohnen sollten, nicht zur Ausführung kommt.

Hamburg, 24. Mai. Heute Morgen 6 Uhr fand in der Nobel-Dynamiffabrik in Krümmel eine fruchtbare Explosion statt, b-i welcher vier Arbeiter ums Leben gekommen sind. Von denselben wurde kein Atom wiedergefunden. Die Ex­plosion, welche in dem Gemengeschuppen erfolgte, pflanzte sich auf einen anderen Schuppen fort, in welchem 5600 Pfund

stätten ähnlicher Anstalten in mehreren europäischen und deutschen Hauptstädten anzusehen, die indessen das Vorbild nicht erreichen. Die Graveurarbeiter genießen einen sehr vortbeildaften Ruf, überall werden sie gesucht. Die jetzigen bedeutenden Chefs, Gebr. Toussaint, Souchai und Collin, Bury, Müller und Jünger erhalten die Fa­briken nicht nur in ihrem Ruf, sondern sind zugleich bemüht, solche mit jedem Tage zu vervollkommnen, und so läßt sich in Wahrheit behaupten, daß Hanau Arbeiten liefert, die man weder in Paris noch in London anzufertigen weiß, ja die nicht selten jene des in= dustriösen Genf übertreffen. Dabei ist noch besonders das Um­fassende der, Ateliers genannter Goldarbeiter, von dem Rohen des Materials bis zur vollendeten Waare in größter Mannigfaltigkeit, zu bemerken. Die Teppichfabrik von J. D> Leisler u. Comp. verdient um deswillen die besondere Aufmerksamkeit, weil in derselben die unter dem Namengezogene Wiltonteppiche^ bekannte Waare in ihrer größten Vollkommenheit bereitet wird. Außerdem liefert die Fabrik nichtgcschoreiie und hochgeschorene Teppiche auf Saminctart, Venetianische und schottische Teppiche usw. Man findet nicht allein eine umfassende Auswahl geschmackvoller Dessins in den schönsten und lebbastestenFarben, sondern es kann auch jede besondereZeichnung ge­fertigt werden. Auch die Fabrik der seidenen Tapeten verdient Er­wähnung, indem sie in früheren Zeiten die meisten deutschen Höfe mit geschmackvollen Ameublements versah. In der stürmischen Pe­riode der letzten Jahre aber fanden es die Brüder Blachierre für rathsamer, nur solche Waare bereiten zu lassen, die allen Klassen dienen."

Wenn auch ter größere Theil des eben Gesagten nicht unbedingt in den Rahmen unseres Aufsatzes gchö t, so konnten wir es uns doch nicht versagrn, unseren Lesern dies klas­sische Urtheil in seinem vollen Umfange zu bieten. Die Zu­stände der Akademie i nter Westermayr sind, wie wir gesehen haben, von dem scharfblickenden Goethe in ein vortheilhaftes Licht gerückt worden, aber die künstlerischen Leistungen Wester- mayr's selbst müssen nicht gerade hervorragend gewesen sein, was sich aus folgenden Worten des späteren Akademiedirek- tors Hausmann entnehmen läßt, welcher schreibt:Betrachten wir freilich gegenüber diesen glänzenden Zeugnissen des Zeit' genossen das Leben und Thun des wackeren Westermayr im

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Dynamit lagen. Ein dritter Schuppen wurde gleichfalls vom Erdboden weggefegt. 25 Arbeiter erlitten schwere Verletzungen.

Budapest, 24. Mai. Bei den Exzessen in Bosniak sind den neuesten Meldungen zufolge vom Militär 29 Per­sonen getötet und 58 verwundet worden.

London, 24. Mai. Standard meldet, Griechenland müsse eine Kriegsentschädigung von 8 Millionen Pfund Ster­ling zahlen. Davon erhalte die Türkei 2 Millionen und Rußland die übrigen 6 Millionen als Abschlagszahlung auf die von der Türkei noch zu fordernde Kriegs kosten-Ent­schädigung.

Witterungsbericht.

Voraussichtliche Witterung: Fortdauer des bisherigen Witterungs-Charakters.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 24. Mai 1897.

Der Reichstag setzte heute zunächst die zweite Beratbung der Servisvorlage fort. Vor Eintritt in die Tages­ordnung theilt der Präsident Frhr. v. Buol mit, daß er einige Urlaubsgesuche wegen Krankheit genehmigt habe, das Urlaubsgesuch des Abg. Schneider (freis. Volksp.) schlage er aber vor, zu verweigern. Abg. Richter (freis. Volksp.) be­antragt dagegen die Genehmigung des Gesuchs, da der Abg. Schneider als Genossenschastsreoisor augenblicklich dringend zu thun habe. Abg. Gvoeber (Centr.) beantragt, das Ur­laubsgesuch abzulehnen. Die Handwerkervorlage wäre längst erledigt, wenn nicht gerade die Freisinnigen solche Obstruk­tionspolitik getrieben hätten, insbesondere in der Art wie ant Sonnabend. Abg. Richter (freis. Volksp.) stellt dies in Abrede. Er und seine Freunde hätten Niemand verleitet, der Abstimmung sernzubleiben. Die Zahl der Konservativen und der Centrums abgeordneten hätten vom Freitag aus den Sonnabend stark abgenommen, daher die Beschlußunfähigkeit am Sonnabend. Abg. Pieschel (natl.) bemerkt, nachdem wegen der vorgestrigen Vorgänge auch schon den Schrift­führern ein Vorwurf gemacht worden sei, müsse er doch fest­stellen, daß der freisinnige Schriftführer Hermes selber die Obstruktionspolitik zugegeben habe. Abg. Sing er (sozdcm.) bedauert, daß der Abg. Pieschel Privatäußerungen wiedergebe. Abg. Hermes (freis. Volksp.) bestreitet, dem Abg. Pieschel ein solches Geständnis gemacht zu haben. Herr Pieschel habe eine scherzhafte Aeußerung von ihm für Ernst genommen. Abg. Graeber (Centr.) stellt in Abrede, daß vom Centrum so viele Abgeordnete abgereist seien, das Centrum sei voll­zählig zur Stelle. Daß die Freisinnigen Obstruktionspolitik getrieben hätten, stehe fest. Abg. Richter (freis. Volksp.) erwidert, daß die Zahl der Freisinnigen viel zu gering sei, als daß gerade die Abwesenheit eines Theils von ihnen die

keit für den Unterricht und die Verwaltung an dem ihm an- vertrauten Institut Gegenstand unserer vollen Anerkennung, während die künstlerischen Leistungen als sehr bescheiden er­scheinen. Als Kupferstecher hat er seinen Meister (Lipo in Weimar) nicht im Entferntesten erreicht, seine Stiche haben keinen Kunstwerth, und auch seine kolorirten Zeitbilder, die Szenen der Schlacht bei Hanau, haben nur ein gewisses geschichtliches Interesse. Maler ist er nie gewesen, obgleich es eine besondere Vorliebe von ihm war, Oelmaler zu bilden. Seine Frau gab den eigentlichen Unterricht darin und ward nicht blos als Malerin, sondern auch als vortreffliche Stickerin gepriesen. Gegenüber der Zuchtlosigkeit der franzö­sischen Periode sticht das strenge Regiment, welches er hielt, vortheilhaft ab. Doch sollen seine Schroffheiten und Eigen­thümlichkeiten zuweilen bis ins Komische gegangen sein. Die Preisler'schen Zeichenvorlagen waren vollständig maßgebend geworden. Die Schüler wurden monate-, ja jahrelang mit Strichmachen gequält. Einen gesunden graben Strich machen zu können, hielt man für die erste und unumgänglichste Be­dingung aller Kunst des Zeichnens. Diesen ersten Theil des Unterrichts war der Pedell gehalten mit zu versehen. Nach feiner Instruktion sollte erauf das Eifrigste die ersten Tafeln des Lehrbuches studiren, um die Schüler von den Strichen bis zu den Augen bringen zu können." So ging es denn fort, durch die ganze Folge von Körpertheilen, schat- tut und im Umriß, bis die menschliche Figur zusammengebaut war. Landschäftchen wurden gezeichnet und Kupferstiche mit jahrelanger mühsamer Arbeit punktirend kopirt. Die Mühle ging ruhig weiter, doch mit ermattender Triebkraft. Die Kunst war zu einer großen, gewaltigen gewachsen, aber die Kunstschule im stillen Hanau war nur eine bescheidene Zeichenschule geblieben."

Unter der französischen Zwischenregierung wurde die Akademie großherzoglich-srankfurtisch und im April 1812 unter