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Amtliches Organ für Ktaöt- unö LauöKeeis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die ifpaltige Zeile
Nr. 111.
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Donnerstag den 13. Mai
1897.
Amtliches, ^taötâreie ^anau. Bekanntmachungen des Ob erbürgermeisteramtes.
Am Freitag den 14. Mai 1897, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaal des Neustädter rl Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau am 11. Mai 1897.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
I. V.: Dr. Bulle. 7048
Gehaltsaufbesserungen im Reiche.
Der gegenwärtige Reichstag fordert die Kritik der öffentlichen Meinung mit jedem Tage mehr heraus. Der Kampf um die Macht mit den leitenden Kreisen befähigt ihn immer weniger, den Bedürfnissen des Reiches gerecht zu werden, und verurtheilt seiue parlamentarische Arbeit zusehends zur Unfruchtbarkeit. Der Gegensatz, welchen er mit vollem Vorbedacht zu den kaiserlichen Flottenforderungen suchte, ist noch in aller Gedächtniß. Große Interessen des Vaterlandes sind dadurch direkt verkümmert worden. Aber selbst in Fällen, wo es sich nur um eine mittelbare Förderung der Reichswohlfahrt, z. B um die Gewinnung tüchtiger Kräfte für den Reichsdienst und um die Erhaltung der Arbeitsfreudigkeit der !,Reichsdiener handelt, stört die Selbstsucht der Parteien den vernünftigen Fortschritt zum Bessern.
Diese Erfahrung macht die deutsck e Nation soeben wieder einmal bei den Beschlüssen der Reichslagskommission über die zur Berathung stehenden Gehaltsaufbesserungen im Reiche. Die mäßigen Forderungen der verbündeten Regierungen im Interesse der Osfiziere hatten bei der bekannten Voreinge- Inommenheit der Demokratie gegen das deutsche Offizierkorps natürlich von vornherein nur geringe Aussichten auf volle Verwirklichung. Die hier geübten „Sparsamkeitsrücksichten" find also nicht überraschend gekommen. Völlig unverständlich aber ist es, daß die Kommission auch die beantragte Erhöhung des Höchstbetrages der Gehälter der Vortragenden Räthe bei den Reichsämtern von 9900 auf 11000 Mk. ab- gelehnt hat. Nachdem in Preußen die gleiche Gehaltsaufbesserung der Vortragenden Räthe beschlossen worden war, hatte jedermann erwartet, daß der Reichstag aus dieser vollzogenen Thatsache die für ihn zwingenden Schlüsse widerspruchslos ziehe:: würde. Der Reichstag will den verbündeten Regierungen aber seine Macht fühlbar machen, und so versagte er jene Forderung, unbekümmert um die daraus entstehenden Folgen.
Diese werden nicht ausbleiben. Das Reich hat das dringendste Interesse, nur die befähigsten und tüchtigsten Be
amten der Einzelstaaten sich dienstbar zu machen. Für diese wiederum muß es ein Ansporn der Ehre und Vaterlandsliebe sein, von den Staffeln der einzelstaatlichen Beamten- Hirrarchie auf die mit besonderem Ansehen umgebenen Stufen des Reichsbeamtenthums zu gelangen. Dieses Streben wird unwillkürlich seinen Reiz verlieren, wenn die Stellungen im Reichsdienste, mit denen nicht nur ein erhöhtes Ansehen, sondern auch größere Arbeitslast verbunden zu sein pflegt, schlechter besoldet werden, als die bezüglichen Aemter der Einzelstaaten. Mehr Arbeit und weniger Einkommen — diese Aussicht hat offenbar auch für einen lebhaft empfundenen Ehrgeiz wenig Verlockendes. Somit wird der Drang zum Reichsdienste bald nachlassen, wenn der Reichstag die Beschlüsse seiner Kommission gutheißt. Er hat den verbündeten Regierungen dann zwar wieder einmal seinen Willen aufgedrängt, aber der geschädigte Theil bleibt auch hier das Reich.
—r.
Politische und unpolitische Nachrichten. (Depeschen-Bureau „Herold.")
Berlin, 12. Mai. Das Staatsministerium trat heute unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen. Wie ein Berichterstatter meldet, nimmt man in parlamentarischen Kreisen an, daß es sich in dieser Sitzung um die Entscheidung handeln wird, ob die Novelle zum Vereinsgesetz dem Landtage noch in dieser Tagung vorgelegt werden soll.
Berlin, 12. Mai. Wie die „Kreuzztg." meldet, wird am Donnerstag die Militär Strafprozeßnovelle aus dem Ausschuß in das Plenum des Bundesraths gelangen. Wie lange die Berathung dort währen wird, entzieht sich der Beurtheilung.
Gera, 12. Mai. Die Blättermeldung, daß Fürst Reuß ä. L. dem Berliner Hofe in absehbarer Zeit einen Besuch machen werde und die daran geknüp'ten Kombinationen sind, wie die „Geraer Ztg." von bestinformirter Seite erfährt, vollständig unbegründet.
Wien, 12. Mai. Wie die „Neue Freie Presse" aus Konstantinopel meldet, tritt aus der Pforte das bestimmte Gerücht auf, daß die Exkönigin Eugenie für nächsten Monat einen längeren Besuch in der türkttchen Hauptstadt angekün- digt habe und zwar um, wie man behauptet, die Kandidatur eines bonapartistischen Pnnzen für den zu schaffenden kreten- sischen Fürstenthron zu fördern.
Wien, 12. Mai. Aus Steiermark, Kärnthen, Salzburg,' Tyrol und Oesterreich-Schlesien werden Frost und starker Schneefall gemeldet.
Wien, 12. Mai. Prinzregent Luitpold von Bayern traf heute Vormittag mit keiner Tochter, der Prinzessin Therese zum Besuch seiner Schwester, der Herzogin von Modena bier ein.
Budapest, 12. Mai. Baron Banffy beantwortete heute im Abgeordnetenhause die Interpellation Kossuth, betreffend den griechisch-türkischen Krieg, sowie die Bedeutung der Reise des Kaisers Franz Joseph nach Petersburg dahin, daß alle Aussicht vorhanden, daß jener Krieg bald beendet werde, worauf nach dem Wunsche der Mächte der Status quo hergestellt und die Autonomie auf Kreta eingeführt werden dürfte. Was die Bedeutung der Petersburger Reise des Kaisers anbelange, so sei dieselbe allerdings von Wichtigkeit gewesen, doch könne sie den Dreibund nicht alteriren. Der Dreibund sei keine Kombination von kurzer Dauer und schließe nicht aus, daß die Mitglieder desselben noch mit anderen Mächten ein freundschaftliches Verhältniß unterhalten. Wenn die Großmächte den Ausbruch des Krieges nicht verhindern konnten, so sei es dennoch ihr Verdienst, daß er lokalisirt blieb. Die Ziele Rußlands, welch letzteres ebenso wie Oesterreich-Ungarn auf dem Balkan keine egoistischen Zwecke verfolge, seien lediglich auf die Erhaltung des Friedens und der Ordnung gerichtet nnv vollstänvlg identisch mit denen Oesterreich-Ungarns. Die Petersburger Reise Kaiser Franz Josephs sei geeignet, die Bande zwischen beiden Herrschern und das Einvernehmen zwischen ihnen bezüglich der Erhaltung des Status quo auf der Balkanhalbinsel zu befestigen.
Palermo, 12. Mai. Die Leichenfeier für den Herzog von Aumale hat heute hier stattgefunden. Der Sarg wurde auf einer Kanonen Lafette nach der St. Josefs-Kirche gebracht, woselbst die kirchliche Feier stattsand. Von dort aus wurde die Leiche nach dem Bahnhöfe überführt. In den Straßen bildeten Truppen Spalier.
Paris, 12. Mai. Die Blätter tadeln die Regierung, daß sie nur einige Ehren-Medaillen an die heldenmüthigen Personen ausgetheilt habe, welche ihr Leben bei der jüngsten Brand-Katastrophe aufs Spiel gesetzt und zahlreiche Menschen gerettet haben. Die Regierung betrachte die Katastrophe als ein nationales Unglück, also sei es logisch, daß Denjenigen, welche sich bei den Rettungsarbeiten hervorgethan haben, eine nationale Belohnung zu theil werde, und zwar das Kreuz der Ehrenlegion.
London, 12. Mai. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, herricht dort Verstimmung wegen der Intervention der Mächte, da man bezüglich des Friedensabschlusses lieber direkt mit Griechenland verhandelt hätte.
London, 12. Mai. Den Blättern zufolge wird die Türkei nicht 3 sondern 5 Millionen türkische Pfund Kriegsentschädigung fordern, außerdem die Abtretung des Passes von Meluna. „Daily Telegraph" meint, Griechenland könne zufrieden sein, wenn die türkischen Forderungen hierauf beschränkt blieben.
London, 12. Mai. „Standard" meldet aus Athen: Die Rückberufung der Truppen von Kreta und das Zuge-
LeitMetsn.
Die planmäßige Schwindsuchtsbekämpfung durch Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke.
Frankfurt a. M., 12. Mai.
In den gestrigen Verhandlungen der Konferenz der Zentralstelle für Arbeiter-Wohlfahrts-Einrichtungen wurde zunächst das Thema: Die planmäßige Schwindjuchtsbekämp'uug durch Errichtung von Heilstätten für Lung-nkranke behandel:. Auch für diese Besprechungen war ein Vorbericht erschienen mit Referat von Herrn Stabsarzt Dr. Pannwitz Berlin, der in einem allgemeinen Theile die Nothwendigkeit der Schwindsuchtsbekämpfung, die Möglichkeit derselben, die Art des Heilverfahrens, Anlage und Betrieb von Heilstätten imb den derzeitigen Stand der Heilstättenbewegung in Deutschland behandelte. Im speziellen Theil geht Herr Landesraih Dr. Liebrecht, Vorsitzender der Invaliditäts- und Altersvcrsicher- ungè anstatt Hannover, aus die Frage ein, wer Heilstätten errichten solle und bespricht schließlich die Voraussetzungen für den Erfolg der geplanten Bekämpfung der Lungenschwindsucht. Herr Dr. Pannwitz faßt den Inhalt seines Vorbe- richtcs und die wichtigsten Punkte desselben in Folgendem zusammen: Die Lungenschwindsucht ist eine anst.ckende Krankheit. Der Erreger derselben, der Tuberkel-Bazillus, kann bei Jedem die Krankheit hervorrufen. Die Einwanderung des Tuberkel-Bazillus wird im Allgemeinen ermöglicht durch eine persönliche Dispositicn, die ererbt oder erworben sein kann. Die Disposition kann erworben werden durch die Beschäftigung oder durch Ueberstehen .anderer Krankheiten, durch Ueber tragung des Ansteckungsstoffes, der im Auswurf
des Kranken enthalten ist, dann auch durch den Genuß von Milch und Fleisch tuberkulöser Thiere. Die Abwehr der Lungenschwindsucht geschuht in der Hauptsache durch die Unterbringung der Kranken in Heilanstalten, durch Erziehung der Kranken zur Beseitigung des ansteckenden Auswurfs. Es muß versucht werden, die mangelhaften Verhältnisse zu bessern, auf denen sich diese Krankheit ausbaut. In dem erziehlichen Moment der Heilstätten liegt eine größere Tragweite, als in der Heilung des einzelnen Falles. An der Beschaffung der Heilmittel und an der Abwehr im weitesten Sinne mun sich nun Jeder an seinem Theile betheiligen. In wenig, n Fällen ist der Staat ein getreten, größere Kommunen be schäftigen sich augenblicklich mit btr Frage der Errichtung von Heilstätten. Sehr Wichtiges kann durch das Eintreten ter Jndustriefürsten für Lösung der Heilstättensrage geleistet werden. Unentbehrlich wird stets bleiben die Gemeinnützigkeit, die nicht blos für die Propagandamiltel bisher sorgte und auch in Zukunft sorgen muß, sondern die auch auf dem Gebiet der Familientürsorge sich wird bethätigen müssen. Herr Landesraih Dr. Liebrecht hält besonders "die Alters- und Jnvaliditätsversicherungs-Anstalten für berufen, Heilstätten zu gründen und versucht den Nachweis, daß auch finanziell diese Anstalbn Vortheil davon haben. Der Vorsitzende Itiiet tie Besprechung mit folgenden Ausführungen ein: Die Frage, ob eine Bekämpfung des Leidens nothwendig sei, wird erst beantwortet werden können, wenn die Möglichkeit der Bekämpfung bejaht worden ist. Unttr den Mitteln, die da sm geeignet sind, werden die Heilstätten in erster Linie aufzuführen sein. Es wird sodann zu untersuchen sein, wem die Pflicht und die Aufgabe obliege, solche Heilstätten zu errichten; die Ausführung ist nach Seiten ber| Zweckmäßigkeit und Kostspieligkeit zu besprechen. Wichtiger! fast als die Heilung der Krarktzeit wäre die Vorbeugung. Die Frage der Prophylaxe dürste, da sie nicht direkt mit dem
Thema in Zusammenhang steht, erst in letzter Linie zur Besprechung kommen. Sodann erhält das Wort als erster Redner Geh. Sanitätsrath Dr. Dettweiler (Cronberg), oer ausführt: Ueber die Nothwendigkeit der Anlage von Heilstätten und die Heilbarkeit bin ich mit dem Referenten vollkommen einverstanden. Die Lungenschwindsucht ist, be- sond.-rs im Anfangsstadium, heilbar; doch ist vor einer allzu optimistischen Statistik zu warnen. Die Schwindsuchtâbe- handlung ist eine sehr komplizirte. Es ist deshalb darauf zu achten, daß die Leiter von Anstalten in geeigneter Weise vorgebildet werden. Es sollte Niemand zum Leiter einer Hei anstatt bestimmt werden, der nicht einen mehrmonatigen Kursus an einer Anstalt durchgemacht hat. Bezüglich der Frage der Beschäftigung der Kranken vertritt er den Standpunkt, in den ersten drei strengen Kurmonaten von einer eigentlichen Beschäftigung abzusehen. Die vorgenommenen Arbeiten sollten nur den Charakter von Zeitvertreib und Spielerei haben; ganz abzuweisen ist das Verlangen, daß die Kranken in einer Anstalt durch Arbeit verdienen sollen. Der folgende Redner, Herr Landesrath Meier (Berlin), vertritt bm Standpunkt, daß die bisherigen Erfolge mit Heilstätten sehr ermuthigend sind. Es müssen aber noch die Vor- imbfih? gegen die geschlossenen Anstalten gebrochen werden; es muß auch Vorsorge für die Unterhaltung der Famlienangehörigen der Kranken getroffen werden. Bei Entlassung muß für gesunde Arbeitsgelegenheit gesorgt werden. Alles das sind Aufgaben, die von Vereinen, besonders von Frauenvereinen, gelöst werden können. Ausgenommen in Anstalten sollen nur Kranke werden, die noch geheilt werden können. Unheilbare Kranke, die erst in der Anstalt als solche erkannt werden, sollen wieder entlassen werden. Herr Landrath Dr. Heydweiller (Altena i. W.) vertritt den Standpunkt, daß die Kommunal- verbüude bauen sollten. Im Kreis Altena besteht eine Stif- tnug, deren Zinsen in erster Linie zur Deckung eines Defizits