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Mittwoch den 12. Mai
1897.
Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 35.
Nmstaaitiriikten ans dem Kreise.
Verloren: Ein Notizbuch (Kunz'scher Schulkalender).
Gefunden: Ein Buch, Sammlung von Stammversen.
Ein weißer Kinderlatz.
Hanau am 12. Mai 1897.
Die Intervention der Mächte
in dem türkisch griechischen Konflikte ist nun endlich am Montag Abend zustande gekommen. Wenn man in den Berichten aus Athen und den Hauptstädten der Großmächte die Spreu von dem Weizen sondert, ergibt sich von dem diplomatischen Verlauf der Dinge während der letzten acht Tage ungefähr folgendes Bild. Nach den schweren Niederlagen der griechischen Armee in Thessalien und dem vollständigen Zusammenbruch der griechischen Großmachtsansprüche zeigte sich bei den verschiedenen Großmächten Neigung, dem Kriegsspiel ein Ende zu machen und im Interesse der griechischen Königsfamilie, die wohlweislich auch das neue radikale Kabinet in Athen zu stützen bestrebt war, eine Vermittelung herbeizuführen. Die Vertreter Rußlands, Englands, Frankreichs und Italiens hatten eine Note entworfen, in der der griechischen Regierung die Intervention der Mächte angeboten werden sollte. Nach dem insbesondere von Rußland getheilten Standpunkte, daß ein solcher Schritt mit Zustimmung aller Großmächte erfolgen müsse, war jener Notenentwurf unter der Voraussetzung ausgesetzt, daß auch die beiden andern Großmächte zustimmen würden. Der österreich-ungarische Vertreter verhielt sich jedoch gemäß seiner Instruktion zurückhaltend, während der deutsche Vertreter nach der ganzen Haltung seiner Regierung an einem Interventions-Angebote nicht theilnehmen konnte.
Der Standpunkt der deutsche» Regierung war ungefähr der: Griechenland hatte durch Ausschiffung von Truppen auf der Insel Kreta einen groben Friedensbruch verübt. Von dem Obersten Vassos war außerdem durch Proklamirung vom 14. Februar ausdrücklich von der Insel im Namen des Königs von Griechenland Besitz ergriffen worden. Diese beiden Akte mußten rückgängig gemacht werden, bevor der Versuch, das aufsässige Griechenland vor der völligen Zerschmetterung zu bewahren, unternommen werden konnte. Hätte man sich mit der Rückberufung der griechischen Truppen von Kreta begnügt, so wäre formell noch jene Proklamation der Besitzergreifung bestehen geblieben, die Insurgenten auf der Insel würden sich an sie weiter gebunden erachtet uud ihren Kampf fortgesetzt haben. Wenn Griechenland vorher nicht völlige
Fettilletsn
Pankra^ Servaz Konifaz!
Eine meteorologische Betrachtung von Mr. O. Ankel.
„Pankratius holt seine Tuffeln wieder"*). So lautet ein altes deutsches Sprüchwort, und die Erfahrung zeigt, daß es zumeist noch Recht behalten. In der Tbat sind die niedrigen Wärmegrade und besonders Nachtfröste, die uns das zweite Mai-Drittel gewöhnlich bringt, von so einschnei dender Bedeutung für die Landwirthschaft, für Obst- und Weinbau, daß die gefürchteten Eismänner schon frühe Gegen stand der Beachtung gewesen sind. Dies um so mehr, als ihre Wiederkehr sich mit einer gewissen, freilich nicht mathematischen, Regelmäßigkeit vollzieht. In Norddeutschland fallen nach volksthümlicher Annahme die Maifröste auf den 11. bis 13. Mai, die Tage der Heiligen Mamertus, Pankratius und Servatius; in Süddeutschland wird statt des 11. der 14., Bonifatius, hinzugerechnet. Ihre Herrschaft dehnt sich über ganz Mitteleuropa aus, bis an den Fuß der Pyrenäen, bis nach Oberitalien (etwa die Breite von Bologna) und nach Ungarn hinein; die iberische und die süvost europäische (fälschlich Balkan-) Halbinsel bleiben verschont. Sie wandern von Norden nach Süden. Am frühsten erscheinen sie in Schweden und Ostdeutschland (11. Mai) und schreiten durch Pommern und Mecklenburg (12.), Schlesien und Sachsen (13.), Westfalen nach dem Rheine vor (14.), von da, wenn auch weniger wirlsam, nach Frankreich (15.). Auch Rußland hat Kälterücksälle; sie stellen sich dort zumeist nicht
Klarheit darüber geschafft hätte, daß es auf seine Einverleibungsabsicht verzichtet, so hätten sich auch die Balkan- Staaten, die aus dem Kriege mit Griechenland Vortheil für sich erhofften, in ihren Aspirationen weiter ermuntert fühlen müssen. Hätte die griechische Regierung nicht einmal jetzt inmitten der schwersten Katastrophen die moralische Kraft gezeigt, offen seine Annektionsgelüste, sei es in Form der Autonomie der Insel, sei es durch förmliche Aufhebung der Proklamation der Besitzergreifung preiszugeben, so wäre nach Vermittelung eines Waffenstillstandes für Griechenland doch erst recht nicht die nothwendige Fügsamkeit Griechenlands zu erwarten gewesen; das alte Spiel hätte vielmehr von neuem beginnen und die europäische Diplomatie mit Erwägungen über Blockade rc. wieder von vorn ansangen können.
Es muß uns zur Genugthuung gereichen, daß die deutsche Regierung mit ihren Vorschlägen, die ganz der bisher festgehaltenen konsequenten Politik gegenüber dem Friedensstörer Griechenland entsprachen, durchgedrungen ist. Der griechische Minister des Auswärtigen hat am Montage in einer Note an die Vertreter der Mächte im Namen der hellenischen Regierung die Rückberufung der Truppen von Kreta und die Anerkennung der Autonomie der Insel, womit die Annektionshandlung hinfällig wird, in bindender Form ausgesprochen. Darauf sind alle Großmächte übereinstimmend zu dem Virsuch übergegangen, einen Waffenstillstand herbeizuführen und Friedensverhandlungen in die Wege zu leiten.
Tagesschau.
Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Arcona", Kommandant Kapitän zur See Becker, am 11. d. M. von Yokohama nach Kobe in See gegangen; der Reichs-Postdampfer „Stuttgart" mit den Ablösungen für S. M. S. „Falke" und „Bussard" — Transportführer: Korvetten Kapitän Wallmann — ist am 10. d. M. in Southampton angekommen und hat an demselben Tage die Reise na^ Genua fortgesetzt.
Der Hamburger Reichstags-Wahloerein brachte vorgestern dem Fürsten Bismarck einen Fackelzug dar, der an 3000 Theilnehmer zählte. Der Fürst erschien, den Kürassier- Helm tragend, auf dem Balkon. Dr. Semmler drückte die Freude über des Fürsten Genesung aus und gedachte des Friedensschlusses am 10. Mai. Er schloß mit einem brausend aufgenommenen Hoch auf Bismarck. Der Fürst dankte und bezeichnete den Friedensschluß als seine angenehmste Erinnerung; er erinnerte daran, daß es kürzlich 50 Jahre gewesen, daß er in die Parlamentspolilik eintrat im vereinigten Landtage von 1847 ; seitdem habe er viel Liebe und Haß erfahren. Der Vortheil des Altwerdens sei Gleichgültigkeit
vor dem 18. ein und treten gegen den Ural hin noch später auf.
Da der kurze Nachwinter des Mai oft großen Schaden bringt, so sind ihm Bauer und Winzer gram ; zahlreiche Wetterregeln haben Bezug auf ihn. In Süddeutschland heißt es:
„St. Jörg und St. Marx (23. u.
Dräuen oft viel Nrg's; 25. April)
Philippi und Jakobi (1. Mai) Sin au noch zwei Grobi;
Aber die drei auf azi
Sin die rechten Lumpazi."
In der Eifel sagt man; „Wer seine Schafe schert vor Dervaz, bemjft die Wolle lieber als das Schaf." Andernorts: ^Vor Servatius tdn Sommer, n^ch Servatius kein Frost." Aber erst um die Mitte des dritten Mai-Drittels ist nach der Volksmeinung die Kraft der Eismänner bei uns gebrochen: „St. Urban (25. Mai) pflegt seine Mutter vom Ofen zu holen"; auch hnßt es:
„Scheint am Urbanstag die Sonne, So geräth der Wein zur Wonne, Rtgnel's aber, nimmt er Schaden Und wird selten wohl gerathen."
Die Franzosen reden von den trois saints de glace, den drei Eisheiligen, und baden das Sprüchwort: „A la mi — mai queue d'hiver“**); in Oberitalien bezeichnen die Land Leute Die namentlich der Seidenraupe verderblichen Maifröste als Finverno degli Cavalieri, den Winter der (drei) Herren; die Czechen haben aus den vinf angilben der Eisbeiligen zwei Worte gebildet und behaupten : „Pan (= £>crr) Serboni verbrennt die Bäume" (weil man heizen muß).
gegen Haß, Beleidigung und Verleumdung und zunehmende Empfänglichkeit für Liebe und Wohlwollen. Der Fürst betonte seine Liebe für Hamburg und hoffe auf den Bestand der jetzt siebenjährigen Nachbarschaft und Prüfung seiner Vergangenheit. (Jubelnde Zustimmung.) Der Fürst schloß mit einem Hoch auf Hamburg und begab sich unter ein Zeltdach im Parke, da es regnete, und ließ, abwechselnd sitzend und stehend, den Zug vorbeigehen. Alle waren erfreut über das vrächlige Aussehen ins Fürsten.
Nachdem im Abgeordnetenhause in dritter Lesung der Etat des Finanzministeriums genehmigt ist, kann das Zustandekommen der Beamtenbesoldungsverbesserung in Preußen als gesichert angesehen werden. Die Verbesserung wird, abgesehen von den Folgen die daraus für Pensionen und Wittwen- und Waisenversorgung entstehen, einen jährlichen Mehraufwand von 20 Millionen Warf nöthig machen. Jedenfalls ist Preußen bei dieser Frage weit eher zu einem befriedigenden Abschluß gelangt, wie das Reich, für dessen Beamten überdies, Dank der jetzigen Reichstagsmehrheit, die Verbesserung wohl nicht in gleicher Weise erfolgen dürfte.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 11. Mai 1897.
Präsident Buol theilt mit, daß Abg. Schultz-Lupitz (Reichsv.) zum Landes-Oekonomierath ernannt sei. Nach alter Gevfiogenheit des Hauses werde dadurch die Fortdauer des Mandats nicht berührt. Wenn kein Widerspruch erfolge und kein Antrag gestellt werde, nehme er an, daß das Haus die Mittheilung einfach zur Kenntniß nehme. Ein Widerspruch erfolgt nicht.
Es folgt die dritte Lesung der Novelle zum Beamten-Relikten- gesetz. Die definitive Annahme erfolgt debattelos.
Bei der ersten Lesung des zweiten Nachtragsetats werden 71000 Mark gefordert für Vermehrung des Personals beim Reichsversicher- ungsamt und 100600 Mark für die Betheiligung au der Pariser Weltausstellung. Die Vorlage geht debattelos an die Budget-Kommission.
Dann folgen Petitionen. Eine Petition, betr. Rückzahlung von Beiträgen zur Jnvaliditäts- und Altersversicherung, beantragt die Kommission dem Reichskanzler zur Berücksichtigung ans Billigkeits- gründen zu überweisen. Der Antrag wird nach kurzer Debatte fast einstimmig angenommen. Debattelos wird eine Petition, betr. Abänderung der Prüfungsordnung für Aerzte, dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Ueber eine Petition, betr. Einführung eines Zolles auf ausländische Seefischerei-Fahrzeuge, wird debattelos zur Tagesordnung übergegangen, desgleichen über eine Petition,betr. Bewilligung von Militärpensionen. Eine Petition, betr. Ausdehnung der Militär-Pensionsnovelle von 1893 auf die in diesem Jahre ven- sionirten Beamten, wird dem Reichskanzler als Material überwiesen, desgleichen eine Anzahl Petitionen, betr. den 8 Uhr-Ladenschluß. Bei der Petition von Mühlenbesitzern, betr. Regelung der Steuerverhältnisse der Mühlen, gibt Abg. Graf Arnim (Reichsp.) zu, daß der Makler Berdinetti, den er neulich als Gewährsmann für seine Angriffe auf die Berliner Müller genannt, in Wirklichkeit nicht sein Gewährsmann dafür gewesen sei. Abg. Fischbeck (freis. Verein.) erklärt, dies erhärten zu können. Die Beschuldigung, daß die Berliner Mühlen schlechte Waaren verarbeiten, entbehre jeder Begründung. Die Petition wird nach weiterer kurzer Debatte dem Reichskanzler überwiesen.
Daß auch in früheren Zeiten die Eismänner ihres Amtes walteten, geht aus den Chroniken zur Genüge hervor. Aus Frankreich werden verderbliche Maifröste zu den Jahren 892 und 1118 gemeldet. Am 27. Mai 1174 erfroren in Deutschland Wein und Gerste; am 13. Mai 1283 ging der Wein zu Grund, ebenso in der Nacht vor St. Urban 1323 und im Mai 1333. In der ersten Maihälfte des Jahres 1353 fiel in Schlesien und Polen „ein tiefer Schnee", der sechs Tage liegen blieb. Zum Jahre 1419 erwähut Johannes Lindenblatt zu Riesenburg in seinen Jahrbüchern: „So war et also kalt nach Ostern ken Pfingsten, das die Blut vor- fros (Blüthe erfror) off den Baomen, das wenig Früchte worden von Obs." Am 15. Mai 1430 verdarb der Frost am Niederrhein, in der Eifel, in Hessen und Franken Wein, Obst und Getreide. Am 10. Mai 1439 fiel nach Gronau (in seiner Schrift über die Witterung der Mark Brandenburg) der Schnee in solchen Massen, daß die Aeste der Bäume unter der Last zerbrachen und die Saaten niedergeschlagen wurden. Im Jahre 1448 schneite es zu Pfingsten; am 24. Mai 1653 fiel im Dessauer Land viel Schnee, ebenso am 25. und 26. Mai 1705 in Brandenburg. Auch ter Mai 1740 zeigte ein unfreundliches Gesicht; am 9. und 17. d. Mts. schneite es in Oberitalien, und in Berlin fror es in diesem Jahre noch am 13. Juni. Der Philosoph von Sanssouci (Friedrich II.) büßte besannt: lich das Nichtbeachten des Rathes seines Gärtners mit dem Verluste sämmtlicher Orangenbäume. Starke Kälterrücksälle brachten in unserem Jahrhundert die Jahre 1833, 85 und 91; 1885 wüthete in der Nacht vom 15. aus den 16. Mai in Wien ein furchtbarer Schneesturm.
Wenn sich auch das Eintreten der Maifröste nicht genau an die Tage der genannten Heiligen hält, so ist doch die auffallend regelmäßige Wiederkehr gegen Mitte Mai merkwürdig genug, um das Interesse der Meteorologen wie der Laien